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Wie geht Friede?

Zuerst muss der Krieg enden.

Typisches Kriegsziel. Kabul. Bild: Wardak afghanic.de

Darin besteht Einigkeit. Nur: Wann?

  • Wenn der Besiegte zusammenbricht?
  • Oder wenn er schwer verletzt oder tot am Boden liegt?

Warum nicht sofort?

Könnte man nicht eine Pause einlegen, beim gegenseitigen Zuschlagen und Morden? Könnte man die Gewalt vorübergehend einmal nicht mit Gegen-Gewalt beantworten?

Damit Zivilisten gehen, Verletzte versorgt und Tote betrauert werden.

Dann wäre der Krieg für einen Augenblick vorbei. Reptilien-Reflexe („zu-beißen oder weg-laufen“) würden vorübergehend nicht benötigt. Sie klängen ab.

Bauernkrieger und Tote. Unbekannter Künstler. 16. Jhh.

Würden Aggressionsimpulse verebben, könnte man besser fühlen: Wut, Trauer, Verzweiflung. Das könnte man sich zeigen, und umgekehrt wäre es möglich, Gefühle des Gegenübers wahrzunehmen. Man könnte zuhören, ohne sofort wieder in affenartige Handlungsmuster zurückfallen.

Bevor Sachthemen (zu Recht und Unrecht) erörtert werden, ist eine kurze Zeit des Innehaltens unverzichtbar.

Ein eng fokussierter Blick kann sich weiten auf einen Zusammenhang. Fertige Antworten können durch Fragen ergänzt werden. Und Gewissheiten (von Gut und Böse) könnten an Bedeutung verlieren und Unsicherheit zunehmen: z.B. wie ein friedliches Zusammenleben gestaltet werden könnte.

„Kein Krieg“ ist noch kein Friede.

Wendet man sich kurz vom Krieg ab, können sich die Bedingungen für friedliche Entwicklungen verbessern. Die Zahl der Möglichkeiten kann sich vermehren. Gespräche können stattfinden.

Aber meist sind die „Gegner“ verstockt und tun nicht das, was sie (aus Sicht der Gegen-Seite) tun müssten, um den Krieg zu beenden. Deshalb liegt es nach einer Waffenruhe nahe, den Krieg von Neuem zu beginnen. Diesmal dann mit noch mehr Gewalt und Entschlossenheit. Bis zum bitteren Ende.

Die eigene Einstellung überdenken?

Man könnte auch

  • seine Interessen hinterfragen und sich auf seine Werte zu besinnen,
  • dem Leben einen höheren Stellenwert einräumen, als der Macht,
  • von speziellen Kriegszielen ablassen und sich auf Ursächliches konzentrieren, wie die Schaffung einer Sicherheits- und Friedensordnung,
  • Sich selbst neu sortieren, hinterfragen und die Situation besser verstehen,
  • durch eine Veränderung der eigenen Einstellung die Chance für Frieden vermehren?

Oder aber auf Sieg setzen:

„Dieser Krieg wird auf dem Schlachtfeld gewonnen.“
EU-Außenpolitiker Josep Borell Fontelles, 09.04.2022, Twitter.

Wer genau wird dann gewinnen? Und zu welchem Preis?

Prothesen-Werkstatt für Land-Minen-Opfer zwanzig Jahre nach dem Ende des Vietnam-Krieges.
Bild: Jäger, Nord-Vietnam, 1996

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Letzte Aktualisierung: 11.04.2022