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Wo ist der Notausgang?

„Der Koyote, der – vor dem Wolf fliehend – über die Klippe gesprungen ist,
hat noch nicht nach unten geschaut.“ Indianisch / Nord-Amerika

Alle suchen den Ausstieg …

… hektisch, getrieben, verzweifelt. Und finden ihn nicht.
Trotz Lock-downs, Impfkampagnen und Bazooka-Geballere. (Spiegel 13.03.2020)

„Der große Wumms“ der Bundesregierung im Juni 2020 reichte nicht. Aber jetzt wird nachgeladen:

  • „Die EU-Staaten haben unter dem Eindruck der Corona-Krise einem 750-Milliarden-Euro-Fonds zugestimmt, um die Wirtschaft zu beleben. Doch das Projekt ist zum Scheitern verurteilt. Das Geld kommt viel zu spät und wird kaum für Sinnvolles eingesetzt.“ NZZ 01.04.2021
  • „Mr. Biden rettet die Welt!“ (Zeit 10.03.2021 ; Lancet 20.03.2021). Die Presse ist beeindruckt: Das größte Konjunkturprogramm der Menschheitsgeschichte (mit 1,9 Billionen US$) habe „Ganz schön viel Wumms!“ (Zeit 30.03.2021)
Philosophie-Magazin 02/2021 Februar/März

Das Philosophie-Magazin irrt: „Wer hier eine Gebetsgeste erkennt“, liegt völlig richtig! Gebete stärken den Glauben. Sie liefern Antworten und Gewissheiten. Sie vertreiben Angst und Zweifel. Wichtig ist nur, dass die Priester:innen inbrünstig selber glauben, was sie ihren Schäfchen verkünden. Fotokopie: Philosophie Magazin Philosophie-Magazin 02/2021 Februar/März

Wird jetzt alles wieder gut?

Unwahrscheinlich: Denn gerade schwappt die dritte Corona-Welle, der sicher eine vierte und fünfte folgen wird.

Die „Rufe nach hartem Lockdown“ (dpa 01.04.2021) werden jedenfalls mal wieder lauter, und der Lieblings-Virologe der Kanzlerin droht: „Es bleibt nur der Holzhammer!“ (ZDF 31.03.2021).

In diesen schlimmen Zeiten heiligt der Zweck (der Virusausrottung) die Mittel (der Zwangsmaßnahmen): Kollateralschäden müssen folglich (zwangsläufig) in Kauf genommen werden. Uva. die Wechselwirkungen mit anderen Krisen, die gerade in den Hintergrund treten:

Bild: The Economist vom 07.04.2021: Der Internationale Währungsfond sei optimistisch. Auch international würde „Corona“ Reichen zu mehr Reichtum verhelfen. Leider würden Arme dabei etwas Ärmer werden.

Das Lebensgefüge auf der Erdoberfläche ist krank.

Die umfassende Störung zeigt sich in vielen Teil-Krisen, die miteinander wechselwirken und sich hochschaukeln. Viele, die gerade an diesem siechen Ökosystem herumzudoktern versuchen, verschlimmern den Zustand noch. Ganz so wie mittelalterliche Ärzt:innen, die ihre Kranke manchmal auch zu Tode quälten.

Es sieht nicht so aus, als ob diejenigen, die über die Macht verfügen, das überblicken würden, was sie anrichten. Eher scheinen sie hinter den zunehmend eigendynamischen und zufälligen Entwicklungen hinterher zu rennen. Auch wenn sie sich aufblasen und verkünden, man solle ihrer Führungskompetenz trauen und ihnen folgen.

Politiker:innen verfolgen Problemlöse-Strategien

Sie leiden an Projektitis: Dem Wahn, das alles besser sei, wenn ein „Problembär“ erst einmal erschlagen sei. Dieses Verhalten hat sich in der Steinzeit bewährt, als die natürlichen Ressourcen noch unerschöpflich zu sein schienen. Heute führt es in den Ökosystemen, in denen wir leben, und aus denen wir bestehen, oft zu neuen Krankheiten, die es ohne die Problembekämpfung nicht gegeben hätte. Das liegt daran, dass auch scheinbar vorrangige Ärgernisse sich bei genauerem Hinsehen meist als komplex erweisen.

Dynamische Wechselwirkungen in Systemen sind Physiker:innen seit über einhundert Jahren vertraut. Auch in der Biologie werden sie zunehmend verstanden (Mikrobiom). Nur Politik und Medizin tun sich damit noch schwer. Dort herrscht das Dogma der Einzelfaktor-Bekämpfung, das aus der Zeit der Dampfmaschinen und der imperialistischen Kolonialkriege stammt.

Mit ihren vielen Feldzügen gegen alles mögliche, was sich der Wachstums-Ideologie entgegenstellt, rast die Menschheit gerade zu auf eine evolutionäre Wand. Eigentlich müssten wir uns deshalb intensiv mit Beziehungen, Wechselwirkungen, Interaktionen, Kollateralen, schwachen Wirkungen, Zufällen und Dynamiken in komplexen ökologischen und sozialen Systemen beschäftigen. Denn unsere Spezies steckt gerade einer fundamentalen Krise. Bei Bakterien sterben bei solchem evolutionären Druck die meisten Exemplare ab. Nur sehr wenige, die sich, neu angepasst völlig anders verhalten, kommen durch, und vermehren sich dann wieder in anderen Zusammenhängen.

Bei der Entwicklung der Menschheit war es ähnlich. Wir stammen von sehr wenigen Ur-Ur-Großeltern ab, die deshalb eine oder mehrere Katastrophen überlebten, weil sie in der Lage waren, völlig neuartige Verhaltensweisen in die Evolution einzubringen.

Heute sind wir die einzigen (uns bekannten) Lebenswesen, die solche Zusammenhänge erkennen könnten. Und die sich deshalb bereits vor der drohenden evolutionären Katastrophe radikal anders verhalten könnten.

Ist Covid-19 „einfach“ nur ein Virus?

Davon geht die Politik jedenfalls aus. Man verhindert die Übertragung von Covid-19, und hält das Virus durch Medizinprodukte fern. Dann wird alles sein wie vorher … (rechtzeitig zur Bundestagswahl?).

Diese Art mechanischen Denkens gleicht den Vorstellungen, wie sich die NATO die Befriedung Afghanistans vorstellte: Man benannte die Terroristen, spürte sie auf, isolierte, bekämpfte und vernichtete sie … ganz einfach. Nur war man dort nicht besonders erfolgreich (trotz des Abwurfes der „Mutter aller Bomben“).

Tägliche Leitartikel zur viralen Katastrophe, zu der es glücklicherweise viele Produkte zu kaufen gibt, die freundlicherweise auch gleich alle genannt werden. RKZ 11.03.2021 mit dpa-Artikeln

In der Realität sind Zusammenhänge verwoben

Bei Menschen ist der sozio-ökonomische Status einer der stärksten Einflussfaktoren für Gesundheit und Sterblichkeit. Die soziale Schicht schränkt die Lebenschancen ein. Armut bewirkt oft ein niedrigeres Bildungs- und Einkommensniveau, und führt zu höherer Arbeitslosigkeit. Die Gesundheit liegt also nicht allein in den Händen des Einzelnen, sondern ist abhängig von der Umwelt und den Bedingungen, unter denen Menschen leben und arbeiten. (Lancet 2021)

Es sind globale Gesundheits-System-Störungen („Syndemien“), die bestimmte Menschen für virale „Pandemien“ empfänglich machen: Neben Armut, Krieg, Elend, Umweltverdreckung (Feinstaub u.a.) sind es vor allem Über- und Unternährung. Und natürlich auch die jetzt schon spürbaren Veränderungen der Klimakatstrophe (Lancet 2019).

Von erhöhter, durch Covid-19 verursachter Sterblichkeit, sind besonders Länder betroffen, bei denen die Zahl der Fehlernährten und Fettsucht-Kranken besonders hoch ist.

„Covid-19: Höchste Todesraten werden in Ländern gesehen mit besonders übergewichtigen Bevölkerungen.“ BMJ 2021; 372:n623

Ähnlich gut untersucht sind die Risikofaktoren Stress und Schlafmangel. Folglich sollte, wer seine Chancen steigern möchte, Covid-19 ohne Schäden zu überstehen (unabhängig von medizinischen, hygienischen Maßnahmen)

  • sich viel und entspannt bewegen,
  • stress-arm leben und ausgiebig schlafen,
  • sich gesund ernähren (Mangel ausgleichen / Überernährung abbauen),
  • sich dem Sonnenlicht aussetzen,
  • und nicht rauchen.

Sind die zurzeit getroffenen Maßnahmen bezogen auf die Virusverbreitung effektiv?

Das ist umstritten.

Eine Arbeitsgruppe erfahrener Experten öffentlicher Gesundheitsversorgung bezweifelt es. Sie stellt immer wieder alternative Vorschläge vor, die aber bei den Entscheidungsträger:innen offenbar weder diskutiert noch gehört werden: Schrappe 21.03.2021 und 11.03.2021.

Viele der getroffenen Maßnahmen beruhen auf einem politisch-zurechtgebogenen Zahlen-Geschwurbele, das Laien nur schwierig durchschauen können (Unstatistiken 2020 / 2021).

Ob in einem komplexen Zusammenhang (wie bei einer Virusinfektion) etwas geschieht, kann an Wechselwirkungen vieler Faktoren liegen. Und das ist durch Interpretation weit auslegbar.

  • Bei „Verstorben und positiv auf Covid PCR-Testet!“ ist es einfach:
    „Sie oder er ist an Covid verstorben!“
  • Bei „Verstorben nach Covid-Impfung?“ dagegen überhaupt nicht:
    Dann handelt es sich vermutlich um ein „zufälliges Zusammentreffen!“ oder „Sie oder er wäre in dem Alter wohl ohnehin gestorben!“

Der tatsächliche positive oder negative Vorhersagewert eines Tests hängt nicht allein von seiner operativen Genauigkeit ab. Maßgeblich ist auch die Vortestwahrscheinlichkeit, die angibt, wie hoch das geschätzte Risiko für eine Erkrankung vor dem Test ist. DÄB 24/2020

Die STIKO schrieb auf Anfrage am 26.02.2019, dass sie Postmarketing-Studien bei der Covid-Impfung für „unethisch“ hielte, und deshalb nicht durchführen könne. Obwohl es natürlich alternative Studien-Designs gäbe, um Nicht-geimpfte und Geimpfte zu vergleichen. Wenn aber solche vergleichenden Studien nicht gewollt sind, müsste man jede/n Tote/n nach Impfung obduzieren. Dann sähe man übersteigerte Immunreaktionen (als Impfnebenwirkung) oder andere Todesursachen. Das erfolgt aber ebensowenig.

Wir tappen also zu Nutzen und Risiken der laufenden Impfkampagne im Dunkeln. Wenn man aber in eine, sich gerade ausbreitende, Infektion hinein-behandelt (mit Antibiotika oder mit Impfungen), und dabei die gefährlichen Keime nicht alle gleichzeitig ausrotten kann, entstehen Resistenzen. Und die sind dann erfahrungsgemäß bösartiger. (Guardian 30.03.2021, Vanden Bossche)

Durch die laufenden hygienischen und medikamentösen Bekämpfungs-Maßnahmen, könnte sich die Situation also durchaus verschlimmern. Insbesondere dann, wenn sich neue Virus-Mutationen oder andere Viren (wie Influenza) verbreiten, die Immunsysteme befallen, die hinsichtlich der jährlich umlaufender Atemwegsinfektionen untrainiert sind.

Letztlich geht es um Biologie: Um die Dynamik instabiler, lebender Systeme.

Physikalische Gesetze sind ziemlich sicher. Und auch eine biologische Erfahrung halte ich für robust: dass Kooperationen zu evolutionären Erfolgen führen können (Beispiel: Das Ökosystem des Zell-Inneren).

Anders als Viren und Bakterien, könnten wir diese Gesetzmäßigkeit erkennen, und uns anders verhalten, um z.B. vom Schädling (Typ Cholera ) zu einem Teil eines blühenden Ökosystems zu werden.

Aus meiner Sicht bieten sich für viele der hier genannten Krisen zwei grundlegend verschiedene Strategien an:

  • Alle Varianten, Mutanten, Pathogene, Krebszellen, Wachstumsverhinderer, und auch alle anderen Feinde & Terroristen (da draußen) identifizieren, isolieren, umbringen, ausmerzen, abwehren, durch Stacheldraht weghalten, totschlagen, für immer vernichten … einen nach dem anderen, bis sie alle mause-tot sind … und wir dann mit ihnen.
  • Oder gemeinsam sozial und ökologisch-friedfertige Visionen und Strategien entwickeln, wie wir als Superorganismen (aus Viromen, Mikrobiomen, Zellen ..) in übergeordneten lebenden Ökosystemen nutzbringend gedeihen könnten.

Der Finanzmathematiker Nassim Taleb beschrieb drei Trugschlüsse bei Interventionen in komplexe (lebende) Zusammenhänge, wie sie gerade stattfinden:

  • die Illusion, die gegenwärtigen Ereignisse zu verstehen,
  • die retrospektive Verzerrung zurückliegender Ereignisse,
  • die Überbewertung von Sachinformation, in Kombination mit der Überschätzung der Intelligenz und der Macht der intellektuellen Elite.

Diese Ansicht teile ich, und ich wünschte mir, dass in Politik und Medizin nicht überstürzt gehandelt würde. Und, dass man aus Fehlern lernen würde. Und, dass man sich am Vorsorgeprinzip orientierte (Nicht schaden). Und das Vorsorgeprinzip nicht umkehrte. Und, dass man für kritische, neutrale, unabhängige Bewertungen sorgte.

We believe that in the absence of manifest danger, all-out action was a mistake. Beforehand … and … after the decision. … the thing that was needed was a day around the table brainstorming Murphy’s Law: ‚If anything can go wrong it will!‘ When decisions are based on very limited scientific data, the Ministry should establish key points at which the program should be re-evaluated. (Neustadt 1978, Zitat eines Beteiligten an einer Regierungskommission, die 1976 die Swine-Flu Katastrophe in den USA untersuchte.

Kein Fazit – nur Fragen

Ich bin weder Experte noch Besserwisser. Schon gar nicht bei Dynamiken, die ich nicht mehr überschauen kann. Je mehr ich lese, höre, sehe, und versuche das zu verstehen, was andere gesehen, gehört oder gelesen haben, desto weniger weiß ich. Und dann frage ich: offen, ungläubig, neugierig, staunend, mich vorsichtig weiter tastend, und versuchte etwas zu begreifen.

Lob der Kritik: Freie Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie Widersprüche aushalten. In der Corona-Krise darf diese Fähigkeit nicht verloren gehen. Sie ist systemrelevant … Sie kann Kraft zur Entwicklung guter Lösungen entwickeln. Heribert Prantl, SZ 3.-5. April 2021

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Letzte Aktualisierung: 11.04.2021