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Gewaltanwendung ist wenig wirksam

Anders als Schimpansen können sich Menschen mit einer Situation verbinden. Sie können verstehen, begreifen und Geschehnisse lenken und leiten. Sie können segeln, ohne gegen Wind und Wellen zu kämpfen. In Konfrontationen zwischen Pavianen gewinnt der Stärkere, Schlauere, Geschicktere. Menschen sind dagegen fähig, Gesamtzusammenhänge zu überblicken. Sie handeln (manchmal) gewandt, klug und ruhig.

Plumpe Aggression ist nur erfolgreich, wenn Angegriffene, die schwächer sind, ebenfalls mit Gewalt antworten. Andernfalls, wenn Angreifer jemandem begegnen, der gelassen, ruhig und elastisch ausweichen kann, wäre es das Dümmste, was sie tun könnten.

Gewaltfrei handeln, bedeutet nicht sich zu unterwerfen. Es ist nur die intelligentere Technikum zu gewinnen, ohne zu kämpfen.

Nie wieder Krieg! Käthe Kollwitz 1924

Ruhig, umsichtig und klug zu handeln ist (ohne Kollateralschäden) wirkungsvoll: ob bei medizinischen Operationen oder bei Geburten, oder in der Kunst des Kämpfens oder bei verbaler Moderation (‚Gewaltfreie Kommunikation, GFK‘). Dafür ist es nötig, eine dynamisch fließende Situation anzunehmen, wie sie ist. Auch bei Krankheit ist Realismus die Grundlage für heilsame Entwicklungen. Wunschdenken führt zu „Kriegen gegen etwas“. Das endet dann oft im Zusammenbruch. Etwas annehmen eröffnet Chancen, die Geschehnisse in ihrer Entwicklung, in ihren Wechselwirkungen und in den Zusammenhängen zu verstehen und zu begreifen. Egal, ob man sie mag oder nicht.

Es ist möglich, sich als Diplomat, Mediziner, Lotse oder Vermittler zu nähern, in Kontakt zu treten und zuzuhören. Und sich schließlich mit der Situation zu verbinden. Also Teil der Dynamik zu werden. Und dann, ruhend, zentriert, ein Geschehen zu begleiten. Und den Raum der Möglichkeiten zu erweitern.

Der Bezug zur Ukraine

Die IPPNW tritt grundsätzlich für Gewaltfreiheit ein. Generell, in jeder Situation.

Besonders vor dem Hintergrund, dass die Menschheit dicht vor ihrer Vernichtung steht. (Bulletin of the Atomic Scientists)

Daher unterstützt sie auch den Sechs-Punkte-Plan der brasilianischen und chinesischen Friedensinitiative:

  1. Deeskalation
  2. Verhandlungen
  3. Humanitäre Hilfe
  4. Kein Einsatz von Massenvernichtungswaffen
  5. Globale Sicherheitssysteme

Die Auslösung des aktuellen Krieges gegen die Ukraine durch Russland war völkerrechtswidrig. Die Weiterführung des Krieges erforderte Interventionen der NATO. Ukrainer:innen sterben an der Front, aber sie haben faktisch keine Macht mehr, über ihr Schicksal zu entscheiden. Nach dem Krieg werden sie in einer verschuldeten Kolonie oder in einem Protektorat leben, fremdbestimmt, von wem auch immer.

Realistisch betrachtet hat die Ukraine dramatisch verloren. In Russland dagegen lag das Wirtschaftswachstum 2023 mit 3,6 % höher als in der EU, und wird (laut IWF) 2024 erneut bei 3,2 % liegen. (Le Monde Diplo Juni 2024)

Militärisch sind weder die NATO noch Russland in der Lage, diesen Krieg zu gewinnen. Das schreckliche Leiden und die Zerstörung gehen aber trotzdem, weil die mächtigen Kriegstreiber:innen im Trocknen sitzen, und „nicht ihren Kopf hinhalten müssen.“ (Nicolas Taleb: Skin in the Game, 2018)

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aufgerufen am17.06.2024

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Letzte Aktualisierung: 17.06.2024