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15. Juni 2026

Markt und Medikalisierung

Endlich ist sie da: Die Volksdroge. Loriot: youtube.com/watch?v=z12gGkRIy2sdailymotion.com/video/x8txpt0

Inhalt

  • Krisen stabiler Wachstumsmarkt
  • Ein Beispiel unter unendlich vielen
  • Rettet Wachstum durch Übertherapie die Ärzt:innen?
  • Zu viel Psychopharmaka
  • Patient:innen ohne Grenzen: Medizintourismus
  • Literatur

Link

Krisenstabiler Wachstumsmarkt

Inzwischen sind alle Lebensbereiche medikalisiert. Medizin ist ein weltweit in alle Lebensbereiche dynamisch wuchernder Wirtschaftssektor mit hohen Profitraten:

„Der weltweite Gesundheitsmarkt mit einem Volumen von 9 Billionen US-Dollar wird durch die Integration künstlicher Intelligenz, den Ausbau der Telemedizin und steigende Ausgaben angetrieben, wobei die wichtigsten Segmente die Bereiche Pharmazeutika und Medizinprodukte sind.“ (Kenresearch Group 2025)

Ein anderes Unternehmen schätzt das Volumen des Gesundheitsmarktes als wesentlich größer ein (je nachdem, was man dazu rechnet):

Global Growth Insights: globalgrowthinsights.com/market-reports/healthcare-market-112708, abgerufen am 15.06.2026 )

Nur ein Teil dieser Ausgaben ist „evidence based“ oder anderen Formen der Qualitätsüberprüfung zugänglich. Vieles ist Drogerie-Scharlatanerie, IGeL (individuelle Gesundheitsleistung), Placebologie, Kosmetologie, Übertherapie oder einfach Gift. In vielen Ländern ist etwa das Risiko für Infektionen im Gesundheitsmarkt sehr hoch. Und weil inzwischen Antibiotika gegen Kopfschmerz in jedem Tabakladen verkauft werden, finden wir bei Migrantinnen häufig Antibiotikaresistenzen.

Der Bremer Soziologe Ivan Illich wies schon vor 30 Jahren darauf hin, dass die Medizin inzwischen eine wesentliche Krankheitsursache geworden sei. In den Gesundheitsmärkten wimmelt es von Geschäftemachern, Profiteuren, Scharlatanen und Betrügern. Und vieles von dem, was diese dort verkaufen, ist giftig.

Auch in gut überwachten Gesundheitssystemen drohen Risiken. Z. B. wenn Labor-Zufallsbefunde oder belanglose Auffälligkeiten bildgebender Verfahren dazu führen, dass etwas ohne einen Nutzen behandelt wird (Moynihan 2012, Yudkin 2011). Oft verschwimmen im Gesundheitsmarkt die Grenzen zwischen normal und nicht normal, und dann erscheint es den Behandlern gerechtfertigt zu sein, alles zu behandeln, wofür im Markt Produkte angeboten werden.

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Fotokopie einer Liste der Medikamente, die eine ältere Dame täglich schlucken muss.  Bild: Mezis

Weltweit wird inzwischen für jedes psychologisch-körperliche Problem eine medizinische Lösung gefunden. Und oft werden dann die Vorteile verkaufter Medizinprodukte häufig zu hoch und die Nachteile zu niedrig bewertet. (Healy 2012, Godlee 2015).

Folglich müsste sich Gesundheitspolitik am Vorsorgeprinzip orientieren, Auswirkungen des Konsums von Gesundheitsleistungen auf Krankheit untersuchen, und gefährliche oder sinnlose Verfahren der Krankheitsbekämpfung unterbinden.

Kondratjew-Zyklen

Der Ökonom Leo A. Nefiodow sagte vor einigen Jahrzehnten voraus, dass die Kommerzialisierung der „Gesundheit“ alle anderen Märkte an Dynamik übertreffen werde. Dabei bezog er sich auf die Beobachtungen von Nikolai D. Kondratjew (1892–1932), der kapitalistische Wachstumszyklen beobachtete.

Kondratjew beschrieb, wie den Aufschwungs-Phasen der Produktion regelhaft Krisen folgten. Im Zuge technischer Innovationen werden sie wieder abgelöst, durch einen neuen ökonomischen Aufschwung:

  1. Zyklus: Revolutionierung der Herstellung von Bekleidung (Manufakturen).
  2. Zyklus: Massentransport mit  Eisenbahn und Schiffen (Stahlindustrie).
  3. Zyklus: Massenkonsum (elektro- und petrochemische Industrie).
  4. Zyklus: individuelle Mobilität (Autoindustrie).
  5. Zyklus: Informationstechnologie (Softwareindustrie).
  6. Zyklus: Medikalisierung aller Lebensbereiche (Biotechnologie, Wellness, Gesundheits- und Krankheitsindustrie)

Ab 2020 schwappte mit dem Corona-Tsunami der sechste Kontradieff-Zyklus in ungeahnte Höhen. Nicht nur wegen direkter Ausgaben für Medikamente, Impfungen oder Masken, sondern durch indirekte Steigerung der Nachfrage nach medizinischen Leistungen und Psychotherapie.

Contrabzock. Bild Nebelspalter
Contrabzock (Bild: Nebelspalter.ch)

Erfahrungsgemäß flauen Wachstumszyklen ab, wenn ein kritischer Wert überschritten wird. Bei dem Wachstumsmarkt der Medikalisierung könnte das geschehen, wenn die Mittel zur Finanzierung der hohen Profitraten innerhalb der bestehenden Systeme nicht mehr aufgebracht werden können (Beispiel neue Krebsmedikamente).

Seit 2022 gewinnen andere ökonomische Wellen an Dynamik (Aufrüstung, Krieg, Maschinenintelligenz). die ihrerseits chronische Ängste auslösen, die wieder zu einer hohen Nachfrage nach Gesundheitsleistungen führen.

Gesundheitsängste werden zudem weiter durch den Gesundheitsmarkt gezielt ausgelöst, und durch neue Dienstleistungen, Produkte, Apps, Medien und elektronische Netzwerke verstärkt.

Menschen verwandeln sich allmählich in Hybridwesen, die Verbindungen zu elektronischen Geräten und Mini-Rechenprogrammen eingehen. Bereits heute sind normale Apple-Matches (ohne Wissen ihrer Nutzer:innen) für das Screening von Vorhof-Flimmern programmiert. Und demnächst werden sie die Sauerstoffsättigungen messen, und den Blutzucker.

Die immer genaueren Apps führen zu mehr Diagnostik, und lösen immer neue Wellen von Therapien aus. Besonders, weil bei unklaren Rausch-Signalen aus juristischen Gründen nichts übersehen werden darf.

Wird das unausweichlich so bleiben, oder noch schlimmer werden?

Ein Beispiel unter unendlich vielen

Pharmamarketing für die Japan-Enzephalitis-Impfung. Links die Zielgruppepersonen, die von der Überträgermücke dieses Virus sicher nie gestochen werden. Rechts: „Wir haben ihn sicher geschützt!“ – Sicher nicht, denn das Bild zeigt ein Milieu in dem andere Mücke andere Viren übertragen (Dengue z. B.)

In Südostasien sterben Menschen manchmal an einer Hirnentzündung bei gleichzeitigem Leberversagen.

Betroffen sind fast ausschließlich Kleinkinder auf dem Land. Eine Infektion mit dem sogenannten Japan-Enzephalitis-Virus, kann das Krankheitsbild auslösen. Die natürlichen Wirte des Virus sind Schweine, Gänse und andere Haustiere.

Die Mücke, die das Virus überträgt, fliegt nachts. In einem Umkreis von etwa 200 Metern. Wer ohne Moskitonetz neben einem Stall schläft, riskiert es, von ihr gestochen zu werden.

Das gleiche Krankheitsbild tritt aber auch auf, wenn die Kinder bohnenartige Früchte einer Pflanze essen, die in der Umgebung der Bauernhöfe wachsen. (Günter, FTR 2009)

Die durch das Pflanzengift Erkrankten wurden in den öffentlichen Statistiken der Virus-Enzephalitis zugerechnet. Daraus ergab sich eine Krankheitslast, die die Entwicklung eines Impfstoffes rechtfertigte. Die Herstellung eines relativ nebenwirkungsarmen Impfstoffes erwies sich aber als kostspielig.

Günther M, Jäger H: Hepato-Myo-Enzephalopathie-Syndrom, FTR 2009, 2:81-83, Download (pdf)

Deshalb lohnte es sich für die Pharmahersteller nur, den neuen Impfstoff an touristisch oder beruflich Reisende zu vermarkten. Die gingen aber kein Risiko ein, von der Überträgermücke gestochen zu werden, da sie entweder in klimatisierten Räumen schliefen oder unter einem Moskitonetz, und keinesfalls im Reisfeld oder neben einem Schweinestall. Und natürlich essen Touristen auch keine giftigen Cassia-Samen.

Deshalb musste das Risiko für die Japan-Enzephalitis-Erkrankung nach der Produktherstellung durch die Vermarktung erst erzeugt werden. Das reale Risiko der Reisenden für andere durch Mücken übertragene Erkrankungen wurde verdrängt. Jedenfalls so lange, wie es den Impfstoff gegen Dengue u. a. bislang nicht gab.

Inzwischen wird der Impfstoff gegen Japan-Enzephalitis in allen Industrieländern vermarktet. Pharmaindustrie, Praxen, Apotheken und Hersteller verdienen an dem (irrigen) Glauben der Geimpften, „sie seien maximal geschützt“. In Deutschland erstatten die Krankenkassen die Kosten für den Piecks ausschließlich aus Gründen des Marketings.

Dass der Nutzen dieses Geschäftsmodells höher ist, als die Risiken der medizinischen Intervention, ist dabei belanglos.

Denn alle Beteiligten sind zufrieden.

Auch die Reisenden!

Denn sie glauben, sie seien geschützt, und könnten ihren Urlaub jetzt ‚bedenkenlos‘ genießen.

Rettet Wachstum durch Übertherapie die Ärzt:innen?

Der ärztliche Beruf ist wunderlicher Natur, und immer wieder haben geistvolle Köpfe darüber nachgedacht, was eigentlich an diesem Gemisch von Wissenschaft, Kunst, Handwerk, Liebestätigkeit und Geschäft das Wesentliche ist. Hermann Kerschensteiner, 1873-1937

Im klassischen Medizin-Geschäft spielten die Ärzt:innen eine zentrale Rolle. Zuerst als „Herrgötter in Weiß“ und dann, immer noch steuernd Einfluss nehmend, als Anwendungstechniker:innen von Gesundheitsprodukten. Sie profitierten (ähnlich wie die Apotheker:innen) vom Wachstum des Marktgeschehens. Besonders wenn sie ihre Patient:innen so behandelten, dass sie oft und bald wiederkamen und sich am „gesunden“ Konsum von Pillen erfreuten.

Unmerklich wurden die Ärzt:innen in den zentralen Gesundheitsfabriken durch Ökonom:innen verdrängt. Auch diese waren (und sind) an Übertherapie interessiert. Mehr Behandlung bringt Krankenhäusern mehr Einnahmen – daher benötigt dieser Markt Krankheiten, Lebens- und Todesängste.

Die Krankenhauskonzerne degradierten Ärzt:innen von Treibern der Medikalisierung zu Getriebenen. Aber sie wurden immer noch (dank des Einflusses ihrer Standesorganisationen) zufriedenstellend bezahlt.

„Gute Ärzt:innen“, die versuchten, als Anwälte ihrer Patient:innen zu handeln, konnten die Kommerzialisierung der Medizin nicht aufhalten (s. u. Bernhard Lowen, Klaus Dörner).

Die, die weiterhin, trotz aller Widerstände und Anfeindungen, als „guter Arzt oder gute Ärztin“ sinnvoll wirken wollen, machen sich zunehmend Sorgen. Und oft verzweifeln sie an dem, was sie täglich erleben.

Denn der alles durchdringende Gesundheits-Business hat sich – wie 1976 von Ivan Illich (s.u.) vorhergesagt – zu einem der dominierenden Krankheitsfaktoren ausgewachsen. Oder gar zu einer Gesundheitsreligion mit ärztlichen Priester:innen, die den Staat beherrschen. (Agamben 2021)

Bild: Bahnhof Leibzig im Februar 2021 (Jäger). Andere Sprüche dieser Serie in etwa: „Warum heißt er Hausarzt, wenn er nicht nach Hause kommt?“ oder „Wenn alles digital ist: Warum ist dann meine Gesundheit noch analog?“

Übernimmt die Digital-Industrie den Medizinmarkt?

Die Digital-Konzerne versuchen es. Und sie sind mit neuem Schwung seit 2020 erfolgreich. „Health 2.0“-Strategien oder „Algorithmen-gesteuertes patient processing“, überfluten den Markt nach dem Corona-Einschlag wie ein Tsunami.

Das Gold der Digital-Industrie sind Daten

Es ist absehbar, dass aus jedem menschlichen Molekül Wertschöpfung generiert werden kann. Die Handelsware der Algorithmen-Konzerne beruht darauf, jedes Detail ihrer Nutzer:innen zu kennen, und deren Beziehungen, Wechselwirkungen und Dynamiken (für sich) nutzbringend zu beeinflussen. Die Illusion von Autonomie wird weiter – aus Marketinggründen – gefördert, faktisch wird sie immer mehr eingeschränkt werden.

Möglicherweise eröffnet sich hier auch eine Chance

Digitalunternehmen verdienen nicht unbedingt an medizinischer Übertherapie. Ihr Interesse ist es, Hersteller und Dienstleister im Markt mit Datenbank-Management und Deep-Mind-Technologien zu steuern. Sie wollen aber nicht mehr, wie bisher, die Hilfsprogrammierer der Pharma-Produzenten sein, sondern umgekehrt die Medizinindustrie dominieren.

Folglich sind die Algorithmen-Herrscher an Rationalisierungen der Prozesse interessiert. Sinnlose Medikalisierungen, Placebo-Voodoologien, schamanistische Heilrituale und unnötige Übertherapien, mit denen bisher im Gesundheitsmarkt das meiste Geld verdient wird, sind für sie nicht unbedingt profitabel.

Es liegt für Programmierer daher nahe, immer mehr Ärzt:innen durch Algorithmen zu ersetzen. Denn damit werden nicht nur unnötig hohe Personalkosten, sondern zugleich Risiken von Falsch- und Überttherapien eingespart.

Bereits 2017 glaubte Prof. Geoffrey Hinton, ein Entwickler neuronaler Netzstrukturen („Deep Learning“), dass es „ganz offensichtlich“ sei, „dass wir aufhören sollten, Radiologen zu trainieren“. Denn Algorithmen wären in der Bilderkennung (z.B. bei Brustuntersuchungen von Frauen) zeitnah deutlich effizienter und auch effektiver als Menschen.

„Radiologists are the coyote already over the edge of the cliff
ho hasn’t yet looked down” Geoffrey Hinton 2017

Wenn ein ehemaliger Programmierer von SAP recht behielte, dass „Algorithmen in nur 10 Jahren die Ärzte überflügeln“ werden (de Witte 2017) würde es dann den Patient:innen dramatisch schlechter gehen?

Nicht unbedingt:

Doktor-Nurse-Substitution

Eine neue Vision vieler Groß-Programmierer beruht auf der Verbindung eines mächtigen „Deep-Learning-Algorithmus“ mit einer freundlichen, selbstständigen, gut ausgebildeten „Gemeindeschwester“. Oder als optimistisch-rosa-gefärbte Vision: die Verbindung einer Super-Maschine mit einem empathischen Menschen.

Diese Zukunftsvorstellung muss für die Patient:innen nicht nur Schlechtes bedeuten (im Sinne von Fremdbestimmung und Ausbeutung).

Denn es wäre auch denkbar, dass das konventionell-interventionistische Medizinsystem, durch eine bessere Steuerung, künftig deutlich weniger Krankheiten verursachen würde. Es könnte sogar sein, dass die Einheit aus Superrechner und beziehungsfähiger Pflegekraft, in der Lage wäre zu erkennen, dass die Realität komplex ist. Und dass Wechselwirkungen (wie in der Physik) wichtiger sind als Einzelfaktoren. Vielleicht könnte sogar das medizin-beherrschende Paradigma der „Kriege gegen irgendetwas …“, aus dem 19. Jh., den Vorstellungen der System-Biologie des 21. Jahrhunderts weichen. (Ökosystem Mensch).

Die erste Frau, die erkannte, dass die damals etablierte Medizin, Heilungsprozesse erschwerte, war die Mathematikerin und Krankenschwester Florence Nightingale. Ihre Erfolge in der Behandlung der Cholera beruhten nicht nur auf einer empathischen Pflege, sondern auch darauf, dass Ärzte ihre Pflegeeinrichtungen nicht betreten durften.

Die von Chemikern und Ärzten erfundene, kriegerische Keimtheorie, die uns bis heute quält, entstand erst ein halbes Jahrhundert später. Und sie bricht seither endlose Bekämpfungen mit immer neuen Waffensystemen gegen Einzelfaktoren vom Zaum, ohne sie als Teil von Ökosystemen begreifen zu können.

Die Kombination von Physiker:innen, die immer besser mit komplexen Daten umgehen können, mit Krankenschwestern und Pflegern, die zu menschlichen Beziehungen fähig sind, könnte also durchaus zu etwas Neuem führen.

Beispiel: Gynäkolog:innen & Hebammen

In Holland z. B. praktizieren acht Frauenärzte pro 100 000 Einwohner. In Dänemark sind es zehn. In Deutschland aber dreimal so viel:  23 pro 100.000 Einwohner. (Quelle: WHO 2021)

Warum ist die Krankheitslast bei Frauen in Dänemark und Niederlanden nicht dreimal so hoch, sondern eher niedriger, obwohl die Gynäkolog:innen-Dichte in Deutschland dreimal so hoch ist? WHO Women’s health andwell-being in Europe: https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/332324/9789289051910-eng.pdf

Führte diese höhere Facharztdichte zwangsläufig zu mehr Gesundheit?

Offenbar nicht, denn die Frauen in Holland und Dänemark sind (statistisch gesehen) eher weniger krank als in Deutschland.

Aber auch im frauenärztlich-gesegneten Deutschland ist es schwierig, einen Termin bei Gynäkolog:innen zu bekommen.

Die Praxen sind übervoll.

Das liegt daran, dass dort immer mehr diagnostiziert wird, was zwangsläufig zu vielen neuen Interventionen führt. Im Vordergrund steht die Erkennung spezieller Probleme, die drohen könnten, oder die (seltener) auch bestehen (Keim, Virus, ungewollte Ereignisse, Krankheit, …).

Die Gefahren werden dann – isoliert betrachtet – mit Medizinprodukten behandelt, bekämpft oder beseitigt. Die Selbstbefähigung einer Nutzerin rückt meist in den Hintergrund.

Sexualberatung, Schwangerschaftsvorsorge, Lebensberatung und Krebsfrüherkennung könnten „eigentlich“ genauso gut durch Hebammen, Psycholog:innen (z.B. der Pro Familia) und besonders ausgebildete Krankenschwestern erfolgen. Diese würden dann nur im Fall spezieller Krankheitszustände an Spezialist:innen weiter verweisen.

Damit entfiele der Bedarf, Krankheiten zu erzeugen, um sie behandeln zu können. „Individuelle Gesundheitsleistungen“ oder Placebologien mit fraglichem Nutzen und unklaren Risiken könnten eingespart werden. Nicht-Ärzt:innen hätten zudem ein großes Interesse daran, sich an Leitlinien oder an Vorgaben evidenzbasierter Algorithmen zu halten. Und sie würden die Qualität der Kommunikation mit Ihren Patient:innen stärker betonen. (Cochrane 2018, Laurant 2021)

So berichtete die Pflegewissenschaftlerin Miranda Laurant am 25.02.2021 in einem Vortrag (EbM-Kongress), dass es in Holland möglich gewesen sei, Gesundheitskosten einzusparen und zugleich die Ergebnisqualität und die Patientenzufriedenheit zu erhöhen.

Die Berufsgruppe der Gynäkolog:innen ist gleich mehrfach bedroht

Durch:

  • Hebammen, die aufgrund §1 HebG und SGB V §24d Schwangere und Gebärende selbstständig und eigenverantwortlich betreuen.
  • Naturwissenschaftler:innen des Bundesamtes für Strahlenschutz, die die wichtige Einnahmequelle unnötiger Ultraschalluntersuchungen (Babyfernsehen) verboten haben (s.u.)
  • Eine neue Leitlinie zur natürlichen Geburt (AWMF), deren Anwendung schädliche Übertherapien erschwert. (s.u.)
  • „Health 2.0“:
    • Algorithmen, die standardisierte Diagnostik und Behandlungsschemata erzwingen und den Spielraum für Zusatzeinnahmen begrenzen.
    • Rationalisierungen, die unrentables Einzelunternehmertum aussondern, und nur noch abhängige Anstellungsverhältnisse bieten.
    • Direktvermarktungen von Produkten und Dienstleistungen.

Wer könnte den Arztberuf retten?

Noch

  • verdienen Ärzt:innen gut durch die Anwendung und den Verkauf zahlreicher pharmazeutischer Produkte und Dienstleistungen.
  • vertrauen die meisten Nutzer:innen ärztlicher Behandlungen weiterhin den schamanistischen Aspekten des Heilens („Placebo“, s.u.)
  • bauen Ärzt:innen (zurecht) auf die Macht ihrer Standesorganisationen.

So konnten Gynäkolog:innen eine (nicht gesetzeskonforme) Änderung der Mutterschaftsrichtlinien durchsetzen. (s. u.) Danach dürfen Hebammen (entgegen gesetzlich verankertem Recht) nur in der Schwangerschaftsvorsorge tätig werden, wenn Ärzt:innen dies an sie delegieren.

Außerdem können Ärzt:innen auch noch sicher sein, dass

  • immer mehr entdeckt wird, mit dem Angst ausgelöst werden kann.
  • immer neue Produkte sich ihre Krankheiten suchen werden,
  • und die Kund:innen in der Regel der ärztlichen Autorität brav folgen.

Noch sehen sich also die meisten Ärzt:innen nicht bedroht.

Aber spätestens, wenn die Digital-Konzerne immer mehr Pharmahersteller, Praxen und Krankenhauskonzerne übernommen haben, werden sich viele die Augen reiben.

Rettung durch etwas ganz Neues: empathische Ärzt:innen?

Ein Chefarzt der Mayo-Clinic in den USA glaubt an das Geschäftsmodell von „Kind and careful care“. Im Prinzip beschreibt er eine gute, psychosomatische, patientenorientierte, ethische, beziehungsreiche, empathische, berührende Medizin. (Körper-Seele-Umfeld)

Also die Medizin, wie sie „eigentlich“ sein sollte – aber nicht ist. Weil sie – ärztlich geführt – zum Medikalisierungs-Kommerz verkam.

Ich erkenne für das ärztliche Geschäftsmodell „Kind Care“ (außerhalb von Privatkliniken wie Mayo) keine Chance. Denn weder die Pharmaindustrie noch die Digital-Konzerne werden die (viel zu teuren) Ärzt:innen dafür bezahlen.

Die massive Digitalisierung, die u.a. von Google und Apple vorangetrieben wird, bietet aber für nicht ärztliche Berufsgruppen (die „Care“ statt „Cure“ betonen) erhebliche Vorteile.

Und sie könnte durch Senkung unnötiger, kommerziell motivierter Therapien (ohne Ärzt:innen) nicht nur kosten-sparender, sondern auch deutlicher patientenfreundlicher sein.

Viele Ärzt:innen werden sich also (früher oder später) neue Jobs suchen müssen.

Einige, besonders hochqualifizierte, naturwissenschaftlich orientierte Ärzt:innen werden sicher in den neuen, digital-konzern-gesteuerten Gesundheitsfabriken als Hochspezialisten arbeiten. Allerdings nur als Mitglieder multidisziplinärer Teams von Physiker:innen, Mathematiker:innen, Psycholog:innen u. v. a.

Eine andere kleine Minderheit könnte versuchen, sich aus dem Gesundheitsmarkt zurückzuziehen, und zu dem zurückzukehren, was Mediziner:innen vor 2500 Jahren einmal waren: Gesundheitsphilosoph:innen. Damals wurden sie dafür bezahlt, dass man aufgrund ihres guten Rates gesund, fröhlich und munter blieb. Und man folglich wenig Grund verspürte, den damaligen Gesundheitsmarkt der Kräuterapotheken und Wunderheiler:innen aufsuchen zu müssen.

Seit ich zu erkennen glaube, dass Ideen von Florence Nightingale eine Renaissance erleben könnten („Gesundheit ohne Ärzt:innen“), blicke ich nicht mehr ganz so pessimistisch in die Zukunft.

Zu viel Psychopharmaka

Wenn dein Arzt deiner Krankheit einen Namen gibt,
bedeutet das auch, dass er sie versteht? Murphys Law

Die geniale Idee, es sei möglich, „eine Psyche“ zu analysieren und zu therapieren, ist erst wenig über hundert Jahre alt (Yaolom: Und Nietzsche weinte, dtv 1994).

Seither werden die Kosten dafür von den Krankenkassen erstattet. Allerdings ließ sich die Wirksamkeit von „Psychotherapie“ gegenüber anderen Methoden wissenschaftlich nicht bestätigen. Besonders vor dem Hintergrund moderner Forschung der Informationsverarbeitung im menschlichen Körper. Viele Verfahren (insbesondere die Tiefenpsychologie) haben ihre Plausibilität verloren. (D.v.Drigalski: Blumen auf Granit 2019)

Louise Armstrong: Freud für Kinder, Focus Verlag 1976

Der große Aufschwung des Konzeptes der kranken Psyche (in einem sonst gesunden Körper) begann mit der Erfindung der Psychopharmaka.

Seit 2013 wird im britischen Ärzteblatt die ausufernde Verschreibung von Psychopharmaka kritisiert (Davies). Insbesondere in den USA erlaubt die „Psychiatrie-Bibel“ (das Leitlinien-Papier der Psychiater: DSM 5), einen Großteil aller Erwachsenen mit psychoaktiven Medikamenten zu behandeln.

Millionen Menschen würden fälschlich Krankheiten zugeordnet (engl. mislabeled). Frauen seien besonders betroffen, weil sie häufiger mit unklaren Symptomen Ärzte aufsuchen würden. Früher hat ein Arzt, wenn sich keine natürliche Ursache für eine Krankheit fand, Hexerei vermutet, heute diagnostiziert er schnell eine psychische Erkrankung. (Frances 2013)

Der Leidensdruck in modernen Gesellschaften steigt.

Die Zahl psychiatrischer Behandlungen nimmt weltweit rasant zu. Möglicherweise, weil die Zahl der Erkrankungen zunimmt, oder weil die Behandlungsschwelle sinkt.

Mit steigendem Elend von psychischem und körperlichem Leid in modernen Industriegesellschaften entwickelte sich hier ein gewaltiger, krisenstabiler Wachstumsmarkt.

Psychisches Leiden könnte als Symptom einer gesellschaftlichen Krankheit begriffen werden. Es wäre möglich, sich zu fragen, was in dieser Gesellschaft (insbesondere bei Kindern) falsch läuft. Stattdessen werden Fehler, die zu psychischem Leid führten, verdrängt (BZ 10.10.2024BR 09.102024)

Die Pharmariesen freuen sich schon auf eine gewaltige Umsatzsteigerung ihrer Produkte (Mordointelligence, 14.10.2024), bei deren Anwendung sich die Grenzen zu nebenwirkungsreicher Placebologie verwischen.

Wie wirken Psychopharmaka?

Das übliche Modell psychiatrischer Behandlung beruht auf neurologisch klar definierten Krankheiten (Beispiel Parkinson oder Narkolepsie). Man nimmt z. B. an, dass die Verminderung bestimmter Botenstoffe im Gehirn die Ursache psychiatrischer Erkrankungen sei. Im Beispiel Dopamin bzw. Orexine infolge des Untergangs sehr spezialisierter Nervenzellen. Solche oder ähnliche Krankheiten lassen sich im Prinzip durch die Zufuhr von Botenstoffen oder durch eine Verzögerung ihres Abbaus günstig beeinflussen.

Die meisten psychiatrischen Erkrankungen (Depression, Psychosen, ADHS u. v. a.) können aber nicht klar naturwissenschaftlich definiert werden, da sich meist keine Hinweise auf hirnorganische Veränderungen nachweisen lassen (z. B. in bildgebenden Verfahren oder durch Biopsien), die gleichen Hirn-Botenstoffe (deren Konzentration erhöht oder erniedrigt zu sein scheint) in unterschiedlichen Nerven-Netzwerken völlig andere Funktionsabläufe beeinflussen (Anderson 2013),

Rezeptoren für alle Hirn-Botenstoffe kommen auch in ganz anderen Körperregionen vor,

häufig nicht etwa besondere Zellen gestört sind, sondern vielmehr Funktionszusammenhänge zwischen an sich gesunden Zellen, z. B.  zwischen dem Darm und dem Stammhirn u. a. (SdW 05.02.2018, Jäger 2018)

Wenn komplexe Beziehungen zwischen unterschiedlichen Körperfunktionen nicht mehr harmonisch zusammenwirken, kann die Überschwemmung aller Zellen mit einer rezeptorgenauen Substanz nicht therapeutisch sinnvoll wirksam sein; aber sie kann natürlich spezifische Nebenwirkungen auslösen.

 Die klassische psychiatrische Medikation gleicht dann, bei schwer fassbaren psychischen Störungen, dem Auskippen einer Ölkanne über einem Motor, in der Hoffnung, dass schon ein paar Tropfen an die richtige Stelle träufeln werden.

„Mit ihrem freizügigen Einsatz von Psychopharmaka schadet die Psychiatrie weitaus mehr, als sie nutzt. Seit 1954 (dem Jahr der Chlorpromazin-Zulassung) gilt das Psychiatrie-Paradigma, dass Patienten an einem chemischen Ungleichgewicht litten, und die Einnahme eines Psychopharmakons mit der Einnahme von Insulin gegen Diabetes vergleichbar sei. … Psychopharmaka wirken aber nicht spezifisch … und die moderne Forschung kann das bestehende (krankheitsbezogene) Paradigma nicht belegen. … Die Psychiatrie braucht eine Revolution: Reformen sind nicht genug. Wir müssen uns auf Psychotherapie konzentrieren und sollten weniger (oder am besten keine) Psychopharmaka konsumieren.“ Gøtzsche 2018: Psychiatry is a disaster area (freie Übersetzung: Jäger)

Medikamentbezogenes Krankheitsmodell („Drug Centered Model“)

Die Patienten sollten darüber informiert werden, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Antidepressiva durch Korrektur eines chemischen Ungleichgewichts wirken, dass Antidepressiva bewusstseinsverändernde Wirkungen haben und Beweise darauf hindeuten, dass sie keinen spürbaren Nutzen im Vergleich zu Placebo erbringen. Moncrieff J, 2018 (freie Übersetzung: Jäger)

Als Alternative zum (meist nicht geeigneten) krankheitsbezogenen Modell psychiatrischer Erkrankungen wurde das sogenannte „medikamentenbezogene Behandlungsmodell“ entworfen (Moncrieff 2009, 2018). Es bezieht sich auf die pharmakologische Wirkung eines Medikamentes auf alle menschlichen Zellen. Ein Patient ohne ein Medikament sei, nach diesem Modell, ein anderer als ein Patient mit einem Medikament. Im traditionellen krankheitsbezogenen Modell bliebe dagegen der Patient weiterhin der gleiche, nur mit mehr oder weniger Krankheitserscheinungen (weniger Zittern, weniger Depression etc …), und ggf. mit einigen ärgerlichen Nebenwirkungen (Impotenz …).

Im „Drug Centered Model“ sei der Patient aber durch die Therapie tatsächlich ein anderer. Folglich sei es das Ziel der Behandlung, den Patienten insgesamt körperlich und psychisch zu einem besseren Zustand zu verhelfen. Dem „Anderen“ (also dem medikamentös Therapierten) müsse es insgesamt (psychisch und körperlich) wesentlich besser gehen, als es im vorherigen Zustand der Fall war.

Das „Drug-centered Model“ erfasst die realen komplexen Beziehungen zwischen allen Zellen und ihrem Umfeld: Es ist naturwissenschaftlich plausibel. In der Praxis hat sich das Modell aber kaum durchgesetzt. Stattdessen boomt der Markt mit legalen und illegalen Psychopharmaka.

Es gibt Alternativen

Grauzonen
Der Gesundheitsmarkt besteht aus eindeutig schlechter (schädlicher) und eindeutig guter (nachweislich nützlicher) Medizin. Und dazwischen: eine breite Grauzone. „Nur der Tod ist entweder da oder nicht da, von Krankheiten haben wir dagegen (je nachdem) entweder mehr oder weniger.“ G. Rose (Epidemiologe) Bild: Brownlee, Lancet 2017

Sie beruhen auf offener, zeitintensiver, empathischer und wirksamer Arzt-Patient-Kommunikation. Patient:innen könnten sich dann, nach einer guten Aufklärung, auch gegen eine Therapie entscheiden und stattdessen über ihr Leben nachdenken.

Das aber läge nicht im Interesse der Gesundheitsindustrie. Dort wird deshalb im Marketing vermittelt, mit einem neuen Medikament oder einer Intervention blieben die Patient:innen, wie sie seien, und nur ihre Traurigkeit würde verschwinden.

Weniger Behandlung wäre oft mehr

Die rasante Entwicklung innovativer Technologien schafft eine Nachfrage, die zur Ausweitung ihres Anwendungsspektrums führt. So werden z. B. bei Rückenschmerzen immer häufiger bildgebende Verfahren eingesetzt. (Srinvias 2012). Die technische  Perfektionierung der Untersuchungsgeräte und Diagnostika bedeutet nicht, dass ihre Anwendung automatisch zu einer verbesserten klinischen Situation führt. Vielmehr löst exzessives Testen häufig falschen Alarm aus, und bewirkt damit eine höhere Arbeitsbelastung bei Fachärzt:innen, insbesondere in Notfallambulanzen. Durch das Erkennen immer früherer und an sich noch harmloser Befunde verlagert sich die Aufmerksamkeit von den Kranken zu den (noch) Gesunden, die so als Kunden für den Gesundheitsmarkt gewonnen werden. (Hofmann 2017)

Es ist daher nicht verwunderlich, wenn Patienten, die häufiger Ärzte aufsuchen als andere, kränker erscheinen. Durch ihr Verhalten steigern sie die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen, und das führt zur Ausweitung der Angebote, aber keinesfalls zu mehr Gesundheit. (BMJ, Wennberg 2013).

Menschen müssten so durch „gute Medizin“ begleitet werden, dass ihre Nachfrage nach weiteren Leistungen im Gesundheitsmarkt deutlich sinkt. Dass also langfristig weniger Medizinprodukte gekauft werden.

Patient:innen ohne Grenzen: Medizintourismus

Jaeger Jemen
Apotheker im Jemen 1996 (H. Jäger)

Medizin ist (auch) ein Geschäft.

Den Begriff „zu viel“ scheint es in der Medizin heute nicht mehr zu geben. Riskante Operationen ohne Not bei über 80-Jährigen, medikamentöse Dauertherapien ohne erwiesene Wirksamkeit, aber mit Nebenwirkungen, sind an der Tagesordnung. Eizellspenden, Kaiserschnitte, Intensivstationen für „Frühchen“ werden zunehmend so normal wie Gelenkprothesen bei 90-Jährigen, Chemotherapien im letzten Lebensmonat und der Tod im hochmodernen Klinikum. Reuther: Der betrogene Patient, 2017

Medizintourismus ist in diesem Markt ein besonders lukrativer Wirtschaftszweig.

Medizintourismus und die Globalisierung der Gesundheitsbranche sind Wachstumsmotoren für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes. Prof. Jin Ki-Nam, Yonsei Universität, Süd-Korea

In nahezu allen Ländern der Welt gibt es Millionen von Krankenhäusern, Ärzten, und Gesundheitsinstitutionen, die medizinische Produkte und Dienstleistungen für Touristen anbieten. Ein lukratives Geschäftsmodell, das durch Abzug von Ressourcen die Gesundheitsversorgung der örtlichen Bevölkerung verschlechtert.

Die Grenzen zwischen wissenschaftlich vertretbarer Medizin und dem grauen Markt von Medical-Wellness, oder „alternativ-sanften“ Methoden, oder Drogerie-Medizin oder Placebo-Scharlatanerie fließen. Besonders wenn es um Körper-Optimierungen und Verschönerungen geht. Die Perlen guter Medizin sind in diesem Heuhaufen kommerzieller Angebote schwierig zu finden.

Zum Medizintourismus-Markt gehören neben verschiedenen Versicherern auch Krankentransport-, Beratungs-, Organisations- und Zertifizierungsunternehmen, deren wesentliche Aufgabe darin besteht, vor der Reise Sicherheitsgefühle zu vermitteln.

Dieser global orientierte Zweig des Gesundheitsmarktes wuchert krebsartig mit Steigerungsraten um mehr als zwanzig Prozent in alle Lebensbereiche hinein (Horowitz, Johnston, Lunta, Hanefeld, Whittake, McKinsey, OECD).

Alle Versuche, Medizintourismus weltweit wenigstens in Ansätzen zu regulieren, hinken hoffnungslos hinter der sprudelnden Markt-Dynamik hinterher (Freyer).

„First-Class-Medizin“ zu „Drittwelt-Preisen“

Länder, in denen die medizinische Versorgung, zumindest in einigen Krankenhäusern, auf einem hohen Qualitätsniveau angeboten werden kann, werben mit

  • der Versorgung durch Koryphäen ihres Fachs, hervorragende technische Ausstattung,
  • einer Kompetenz im Bereich „alternativer Heilmethoden“, bei gleichzeitiger Exzellenz in westlicher Medizin,
  • vielen Pflegekräften, die den Patienten zugewandt und ohne Zeitdruck arbeiten können,
  • touristischem Ambiente mit exzellenter Versorgung.

Das alles soll dann zu weniger als dem Fünftel des Preises der deutschen Krankenversorgung zur Verfügung stehen. Manchmal auch all-inclusive, mit Beratung und Vorbereitung im Heimatland (Haung), Abholung vom Flughafen, Bedienung am Krankenbett, ergänzenden Wellness-Programmen, kulinarischen Köstlichkeiten, fürstlicher Unterbringung und Sightseeing.

Viele Krankenkassen schätzen bei Medizintourismus die deutlich geringeren Kosten bei einer oft ausreichenden Qualität der gesundheitlichen Versorgung im Ausland. Sie erstatten deshalb auch ggf. die Kosten einer gezielten Behandlung, wenn sie im Leistungskatalog enthalten sind, und wenn ein Heil- und Kostenplan erstellt wurde. Allerdings kann das die Krankenkassen auch teuer zu stehen kommen, wenn Komplikationen auftreten, ggf. nach ärztlichen Fehlern. Versuche, eine Haftung einzufordern, laufen dann meist ins Leere und die Folgekosten für Langzeitschäden billiger Wahleingriffe bleiben bei den Versicherern in Deutschland hängen.

Häufige medizinische Eingriffe im Ausland 

  • Diagnostik: Medical Checkup und sehr spezielle diagnostische Untersuchungen
  • Eingriffe zur Fettreduktion (Bariatric Surgery): Gastrischer Bypass, Magen-Einschnürung, Fettabsaugung
  • Kardiologie und Herzchirurgie: Koronarer Bypass, Stent, Schrittmacher, Stammzelltherapie bei Herzversagen
  • Kosmetische Chirurgie: Eingriffe an der weiblichen Brust, des Gesichtes und anderer Körperregionen
  • Lasertherapie am Auge oder an der Haut
  • • Orthopädische Chirurgie: Eingriffe an Wirbelsäule, Hüfte, Knie, Schulter und vielen weiteren Gelenken
  • Reproduktives System: In-vitro-Fertilisation, ICSI, Leihmutterschaft, Eingriffe an der Gebärmutter. Interruption, Prostatektomie, Geschlechts-Korrekturen
  • Transplantationen (Niere, Leber, Stammzellen, Herz)
  • Systemische Leiden: Immunologische Störungen, Multiple Sklerose, Krebs, Euthanasie
  • Zahnheilkunde: Implantate, Rekonstruktionen, Zahn-Kosmetik

Reisen in die Hightechmedizin des Nordens

Am weltweiten Markt des Medizintourismus hat auch Deutschland einen beträchtlichen Anteil. Auf dem Medical Tourism Index wurde es 2016 auf Platz sechs gelistet. … Die Vermittlung der Patienten erfolgt oft über private Agenturen oder gar Einzelvermittler, große Kliniken haben International Patient Offices für ihre ausländische Klientel eingerichtet. DÄB 10.11.2017

Länder mit hoch entwickelten Gesundheitssystemen zielen mit ihrem Marketing auf zahlungskräftige Zielgruppen aus Regionen mit schwierigerem Zugang zur Hightech-Medizin.  Wie viele Gesundheitstouristen Deutschland genau anzieht, ist nicht bekannt. 2009 hatten etwa 70.000 von etwa 18 Millionen stationär behandelten Patienten einen ausländischen Wohnsitz, etwa 3.000 davon in arabischen Staaten (Destatis). Dabei dürfte es sich häufig um Patient:innen gehandelt haben, die für First Class Medizin bezahlten. Ab 2015 kamen im Rahmen der Wanderungsbewegungen u. a. aus Syrien viele Menschen, die unversichert nur ein Anrecht auf die notdürftigste Gesundheitsversorgung haben, die also (nach zweiter Medizin-Klasse) mit der dritten „Holzklasse“ vorliebnehmen müssen.

Medizintouristen, die zu Operationen oder Behandlungen nach Deutschland reisen, müssen nicht unbedingt der reichen Elite angehören. Oft entstammen sie Familien aus der Mittelschicht, die mühsam das notwendige Geld zusammenlegen, um ein Überleben einer geliebten Person durch eine Behandlung zu sichern, was in dem Herkunftsland unerreichbar wäre (Kangas).  Aus der Behandlung dieser ganz anderen „Geflüchtete in ein besseres Gesundheitssystem“ ergeben sich ethische Probleme der Behandlung. zum Beispiel, ob eine Chemotherapie angefangen werden soll, wenn es nicht gesichert ist, ob sie zu Ende geführt werden kann, oder ob eine an sich notwendige Operation durchgeführt werden soll, wenn eine Nachsorge-Behandlung in dem Herkunftsland nicht realisierbar sein wird.

Therapie-Urlaub

Institutionen in Schwellen- und Entwicklungsländern werben mit deutlich geringeren Preisen, insbesondere für selektive Eingriffe. Warum sollte man sich in den USA einer Bypass-Operation unterziehen, wenn die Kosten in Singapur nur ein Drittel des USA-Preises betragen und in Indien nur ein Zehntel?

Oft werden medizinische Produkte und Dienstleistungen von angeblich höchster formaler Qualität in einem Ambiente angeboten, das Wellness, Lebensfreude, Urlaub, Schönheit und Wohlbefinden ausstrahlen soll. Die Illusion der medizinischen Seriosität und hohen ärztlichen Motivation wird ergänzt durch das Versprechen, von viel Pflegepersonal liebevoll umsorgt zu sein. In diesem Jungbrunnen finden „Tourismus, Wellness-Paradies, Sehnsucht, Arztvertrauen, Natur, Ganzheitlichkeit und Heilung“ zusammen.  (Ackermann)

Zielgruppen dieses wachsenden Marktsegmentes sind einerseits Personen aus dem Mittelstand industrialisierter Länder, die sich selektive Eingriffe in ihrem eigenen Land nicht leisten könnten, und Reisende, die eine Strategie der Selbstoptimierung verfolgen und dazu medizinische Dienstleistungen und Produkte konsumieren wollen.

Die Unterbringung dieser Kunden erfolgt oft in Hotels in der Nähe der stationären Einrichtungen. Das kann erholsam sein, solange die postoperativen Komplikationen in einem erträglichen Ausmaß bleiben. Oder es erweist sich als problematisch, wenn postoperative Komplikationen auftreten, oder wenn der Aufenthalt wegen ernster Krankheiten verlängert werden muss und dafür die Mittel fehlen. Endet das Geld, endet auch die Therapie. Das ist dann besonders bitter, wenn postoperativ ein Rückflug nicht möglich ist (z. B. frühestens zehn Tage nach abdominalen Eingriffen).

Kosmetische Eingriffe

Schönheitsoperationen können, auch wenn sie gut gelingen, psychologische Probleme nach sich ziehen.

Die Kluft zwischen „wie ich mich sehe“ (mit Widrigkeiten und Stress), und „wie andere mich sehen“ (jünger und attraktiver), kann nach „Verschönerungen“ oder „Optimierungen“ zunehmen. Dieses Ungleichgewicht ist gewöhnungsbedürftig, zumal wenn nach einer Operation unerwartet heftige Schmerzen hinzukommen und Irritationen hinsichtlich des Gebrauchs der Mimik, Angststörungen und Depression folgen. PatientInnen muss es also nach Fettabsaugungen ohne ihren gewohnten Schutzpanzer keineswegs psychisch besser gehen.

Qualität und Sicherheit

Die Qualität medizinischer Leistungen kann sehr unterschiedlich sein. Weltweit kommt eine Operation auf 25 Personen, die Komplikationsraten liegen in der Größenordnung von drei bis sechzehn Prozent (Weiser).

Sowohl die präoperative Vorbereitung als auch die postoperative Nachsorge sind im Rahmen des Medizintourismus manchmal riskant, insbesondere bei Eingriffen mit hoher Komplikationswahrscheinlichkeit: Transplantationen oder Eingriffen an Magen oder Darm.

Ein weiteres großes Problem stellen Infektionen dar, die im Rahmen von Krankenhausaufenthalten und medizinischen Interventionen erworben wurden (z. B. Virusinfektionen wie Hepatitis C oder HIV, oder antibiotikaresistente Bakterien).

Die Fehlerwahrscheinlichkeit bei Krankenhausbehandlungen kann bis zu zehn Prozent betragen (The Lancet). insbesondere im Zusammenhang mit Überlastung und Stress (Sexton). Hohe Patientensicherheit steht also in einem Zusammenhang mit der Kommunikationsqualität (Paterson-Brown).

Und gerade hier liegt ein zentrales Problem des Medizintourismus: die kulturelle und sprachliche Barriere zwischen Anbieter und Patient. Zumal die medizinischen Einrichtungen nur an der Durchführung von Eingriffen verdienen, nicht aber an der Besprechung, ob auch ein konservatives Vorgehen möglich wäre (Sandblom).

Die „Operierfreudigkeit“ der Chirurgen ist bei einer bereits im Voraus bezahlten Reise ins Ausland deshalb erheblich größer als unter vergleichbaren Bedingungen in Deutschland. Um den Patienten „nicht zu enttäuschen“, werden auch Eingriffe bei Risikopatienten durchgeführt, die unter anderen Bedingungen vermieden worden wären.

Ein weiteres Risiko des medizinischen Tourismus sind Infektionen, die im Krankenhaus erworben werden, u.a. aufgrund einer missbräuchlich-inflationären Anwendung hocheffizienter Antibiotika. (Walsh) 

Nadelstichverletzungen und Bluttransfusionen können, wie vielfach durch Untersuchungen belegt, nicht nur für einzelne PatientInnen hochgefährlich sein, sondern auch zu epidemischen Erregerausbreitungen beitragen. (N‘Tita, Deuchert, Altaf, Tahirl, Aziz).

Außerdem vervielfacht sich in den vergangenen Jahren 2009 die Zahl der Arzneimittelfälschungen (PST-Inc). Das Umsatzvolumen mit gefälschten Medikamenten wird auf über 200 Mrd. US$ geschätzt. Zusätzlich werden weltweit oft verdorbene oder abgelaufene Medikamente verkauft. Ferner können auch wirksame Arzneimittel falsch angewendet und auch falsch dosiert werden. Die genannten Risiken sind bisher kaum untersucht. Es kann nur vermutet werden, dass die gefährliche Verwendung pharmazeutischer oder chemischer Produkte weltweit enorme Gesundheitsschäden verursacht. Grund: Nur 30 % der Länder besitzen (mehr oder weniger) wirksame Kontrollen des Arzneimittelmarktes.

Nur wenige Länder geben ihren Ärzten verbindliche Behandlungsrichtlinien vor.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass 25 % bis örtlich sogar 50 % der Arzneimittel in vielen Ländern Afrikas und Südostasiens gefälscht oder unbrauchbar sind. Insbesondere in China, Taiwan und Indien werden Arzneimittelfälschungen produziert, die äußerlich von Original-Medikamenten oft kaum zu unterscheiden sind. Und alle drei sind Zielländer des medizinischen Tourismus.

Zur Durchsetzung von Qualitätsstandards müssten die Organisatoren des medizinischen Tourismus Regeln unterworfen werden. Der Blick auf die Krankenhaushygiene allein reichte dafür nicht aus. Qualität ist ebenso nötig bei Patienteninformation, Voruntersuchungen, psychologischen Vorgesprächen, die das „Risiko“ bergen, dass der Eingriff abgesagt wird, und bei der Nachsorge, insbesondere wenn Komplikationen auftreten. (Snyder)

Kommt es zu einem Behandlungsfehler, so sind die Chancen für eine erfolgreiche juristische Aufarbeitung oder gar finanzielle Entschädigung gering. Werden Angebote lediglich über das Internet und nicht über gezielte Werbung (mittels Zeitungsanzeigen oder Informationsbroschüren) in Deutschland gemacht, so können Rechtsstreitigkeiten nicht ohne Weiteres von deutschen Gerichten entschieden werden. Zudem ist fraglich, ob die behandelnden Ärzte in Besitz einer angemessenen Berufshaftpflichtversicherung sind.

Günstige Preise für Operationen lassen sich mitunter nur erzielen, wenn erheblich an den Materialkosten gespart wird. Eine systematische Nachverfolgung der Patienten fehlt, aber sporadische Berichte zeigen falsche oder unethische Indikationsstellung, unzureichendes bis fehlerhaftes Komplikationsmanagement und fehlende frühpostoperative Nachsorge (Barrowman, Terzi). Auch im Falle einwandfreier Materialien sind Nachlässigkeiten im Bereich der Krankenhaushygiene eine besonders häufige Ursache von Komplikationen während oder nach einer Behandlung im Ausland.

Gesellschaftliche Folgen in Entwicklungs- und Schwellenländern

Medizinischer Tourismus führt in Billiglohnländern zur Ansiedlung transnationaler Unternehmen, die in Gesundheitstourismus investieren. Die Kehrseite der Medaille zeigt eine Verschlechterung der Basisgesundheitsversorgung der Allgemeinbevölkerung. Ärzte und anderes Gesundheitspersonal wandern aus schlecht bezahlten, „uninteressanten“, ländlichen Stellen ab, um in Hightech-Krankenhäusern für Ausländer unter besseren Arbeitsbedingungen wesentlich mehr zu verdienen. Sie stehen deshalb der Normalbevölkerung nicht mehr zur Verfügung. Zugleich steigen im Land durch die verstärkte ausländische Nachfrage die Preise für essenzielle Dienstleistungen. Während so die Basisgesundheitsversorgung in Trümmern liegt, und deshalb auch Seuchen wie Cholera oder Ebola wieder aufflammen können, bemühen sich die Gesundheitsverantwortlichen lieber um zahlungskräftige ausländische Patienten, als um sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen.

Weil das Erbringen von Dienstleistungen gegen ausländische Währungen von vielen Staaten zusätzlich massiv durch subventioniert wird, vergrößert sich die Kluft zwischen Arm und Reich noch mehr.

Transplantationen und Organhandel

Die Nachfrage nach Transplantationen im Ausland steigt: Die Wartezeiten auf ein Organ in Nordamerika und Europa können mehrere Jahre betragen. Bei (nach internationalem Recht halb-legalen) Institutionen findet sich ein passendes Organ, zu einem günstigen Preis, schon nach wenigen Wochen.

Krankenhäuser in über 90 Ländern führen Transplantationen durch, in weiteren Ländern, in denen nicht transplantiert wird, werden Organe entnommen und versandt. Wesentliche Zielländer des Transplantations-Tourismus sind China, Korea, Oman, Malaysia, Philippinen, Indien und Pakistan. Empfängerländer für Organhandel sind Kanada, USA, Israel, Japan, Oman, Saudi-Arabien und ggf. auch europäische Länder. Insgesamt sollen jährlich weltweit mehr als 50.000 Transplantationen durchgeführt werden, und der Trend steige, insbesondere bei Stammzelltransplantationen (WHO).

Die Hälfte der Nieren- und Lebertransplantate in einem chinesischen Zentrum war nicht für chinesische Staatsbürger reserviert, während 2/3 aller Nierentransplantationen in Pakistan bei Ausländern durchgeführt wurden (Shimazono, Schiano).

Wann dürfen Organe entnommen werden?

Die Entnahme von Organen bei einem lebenden Spender ist in Europa gerechtfertigt, wenn dieser es ohne ökonomische Gegenleistung tut, weil für ihn das Leben des Empfängers wertvoll erscheint. In zahlreichen Schwellenländern hat sich dagegen ein kommerzieller Organhandel mit Nieren und Teilen der Leber von lebenden Spendern entwickelt, die meist aus sozial sehr schwierigen Verhältnissen stammen, mit der Spende vorübergehende Notsituationen beheben wollen, aber keine Nachsorge oder Nachbetreuung erhalten. In China waren „Spender“ häufig Strafgefangene, die so exekutiert wurden, dass die Organe keinen Schaden erlitten. Diese Politik sollte sich seit 2009 durch neue legale Verordnungen geändert haben, aber ob sich das auf die Entnahme-Praxis ausgewirkt hat, wird von vielen internationalen Experten bezweifelt.

Die Entnahme von Organen bei verstorbenen Personen ist in vielen Ländern auch durch ethische und kulturelle Einstellungen erschwert. Zum Beispiel gilt in Japan traditionell ein Mensch erst dann als verstorben, wenn lange nach dem Hirntod alle Organe zu verwesen beginnen. In diesem Zustand ist eine Transplantation nicht mehr möglich.

Das entscheidende Todeskriterium in Europa ist die Funktionsbeendigung des Großhirns, wobei aber noch wesentliche Teile des Nervensystems intakt sind: Mittel- und Stammhirn, Rückenmark und das Nervensystem des Darmes. In anderen Ländern, wie in Spanien, gilt der Herztod. Organentnahmen sind bei deutschen Bundesbürgern im Ausland im Prinzip ohne Zustimmung möglich. Im Gegensatz zum deutschen Transplantationsgesetz (TPG), bei dem die Zustimmungslösung gilt, d.h. der Organspender zu Lebzeiten sein Einverständnis zu einer Organentnahme bekundet haben muss, gilt in den meisten Ländern die Widerspruchslösung. Bei dieser muss ein, von den dortigen Ärzten lesbarer, Widerspruch zur Verhinderung einer Organentnahme vorliegen, möglichst in Englisch oder in der Landessprache (Verfügungszentralregister).

Schwierige Nachsorge

In den westlichen Ländern werden Transplantationsmediziner und -ambulanzen zunehmend mit PatientInnen konfrontiert, die ihr Transplantat im Ausland erhalten haben. In diesen Fällen muss mit einer erhöhten Organabstoßungsrate und vermehrten transplantationsbedingten Gesundheitsproblemen gerechnet werden.

Nach einer Transplantation im Ausland ergeben sich zusätzlich ethische Probleme, wenn bekannt wird, dass das transplantierte Organ von einem exekutierten Gefangenen oder von einem kommerziellen Spender oder aus einem kriminellen Organhandel stammt. (Mishra)

Organhandel und Transplantations-Business sind zwar international geächtet, aber ethische und moralische Appelle, zum Beispiel der Transplantation Society, bleiben angesichts der hohen Gewinnmargen nur begrenzt wirksam.

Medizin-Tourismus ist ein boomender Markt mit hohen Gewinnmargen.

Das Verhältnis von Chancen, Risiken und Kosten ist unklar. Und die Regulierungsversuche des globalen Medizintourismus und der Qualitätssicherung wirken angesichts der Marktdynamik unzureichend und hilflos.

Mehr

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Letzte Aktualisierung: 08.07.2026