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3. Dezember 2025

Bewegungs-Rhythmus

Inhalt

  • Atem
  • Die Welt ist Klang
  • Tönen

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„Normale Menschen atmen mit der Lunge.
Etwas Fortgeschrittene, mit den Händen und den Füßen.“
Zhuangzi, vor über 2.300 Jahren

Atem

Warum beruhigt es, auszuatmen?

Stille. Nach innen horchen. Dem Atem lauschen. Mit den Füßen fühlen. Erde und Aufrichtung spüren. Wat Pho (Bangkok), Bild Jäger 2018

Weil Atmung mehr ist als „Sauerstoff aufnehmen und Kohlendioxid“ abgeben. Vor 3.000 Jahren galt der Fluss des Atmens als Wesen des Lebens. Odem, Prana, Lung oder Qi verbanden das innere Sein (‚Atman‘) und dem äußeren Ganzen (‚Brahman‘). Das Atmen strömte als dynamische Lebensenergie, es nährte und reinigte gleichermaßen.

In ungestörten Lebewesen sind alle Körperzellen in den Rhythmus des Atmens einbezogen. Der wesentliche Impulsgeber des Atmens liegt in einem dem Rückenmark nahen Teil des Gehirns.

Vor der Geburt werden die dortigen Zellen durch den Lebensrhythmus im mütterlichen Körper geprägt. Sie schwingen sich ein auf das, was um sie herum geschieht. Das Atemzentrum der Feten wird ab der Mitte der Schwangerschaft (und verstärkt vor der Geburt) spielerisch durch Bewegungsmuster der Feten geprägt, die es mit dem Lebensrhythmus der mütterlichen Organe abstimmen:

Ist die schwangere Frau tätig und durch ihr Alltagsleben belastet oder herausgefordert, rollt sich das Kind still ein und schläft. Es schließt und faltet Arme und Beine um den Körper und kuschelt sich wohlig ein. Seine Aktivität würde die Situation der Frau erschweren. Daher verhält es sich absolut unauffällig. Es tut nichts, während alles Schwierige von dem großen Schutzwall um den Feten herum abgehalten wird. Nur im absoluten Notfall, wenn die Frau gestresst wird oder in Panik verfällt, bremst das Atemzentrum des Ungeborenen seinen Herzschlag, lässt jede Form kleinster Bewegung erstarren und drosselt ggf. auch die Hirndurchblutung.

Schläft die Frau, spürt das Ungeborene, wie sich der verfügbare Raum weitet, weil die Spannung der Bauchdecke nachlässt. Es kann sich „rekelnd“ ausdehnen. Seine Hirnzellen sind aktiv und erlernen spielend das Ausatmen: Die Unterkieferspannung lässt nach, und es strömt passiv Fruchtwasser in die oberen Anteile der späteren Luftwege. Bis die „Atemzellen“ des Feten (beeinflusst durch die Dehnungsmelder im Brustkorb) entscheiden, die Flüssigkeit wieder auszustoßen. Über Monate entsteht aus diesem Spiel ein Rhythmus, der das ganze Leben des Kindes prägen wird:

  • Öffnen: nach gerichtet, ausatmend, tätig sein).
  • Schließen: nach innen horchend, Ruhe bewahren.

Diese Grundmuster aller menschlichen Bewegungen bleiben zeitlebens bestehen. 

Nach der Geburt müssen Kinder im Schutzraum der Eltern allmählich lernen, Sicherheits-Gefühle ‚in sich selbst‘ aufzurufen, weil sich der Abstand zur Mama stetig vergrößern wird. Ein geliebtes Kind kann sich gesund entwickeln. Es entwickelt allmählich die Fähigkeit entwickeln, sich selbst zu beruhigen. Es schöpft beim Einkuscheln mit sich selbst neue Lebensenergie. Es kann sich unter Belastung neugierig nach außen öffnen. Gelingt Kindern das nicht, werden sie als Erwachsene bei Herausforderungen erstarren oder sich eine als künstlichen Schutz harte Rüstung zu legen (‚eine künstliche Mama‘). Sie kämpfen im Stress gegen, was auch immer von außen eindringt, oder sie werden starr wie ein Sandsack, um etwas auszuhalten oder sie brechen zusammen.  

Spüren Erwachsene, dass ungünstige Muster ablaufen (unter Belastung schließen, Tunnelblick entwickeln, gegen etwas kämpfen oder davor fliehen), ist es ihnen möglich, einen Augenblick innezuhalten und auszuatmen. Bis an unserer Lebensende ist Ausatmung verbunden mit der ursächlichen Erinnerung an Geborgenheit und Sicherheit in einem umgebenden, guten menschlichen Organismus.

Ergänzend zu Ausatmung kann man sich dehnen und strecken, öffnend in alle Raumrichtungen. Besonders die Wahrnehmung des Raumes oberhalb des Kopfes und hinter dem Rücken wirkt befreiend: Es löst den Tunnel, öffnet Bauch und Brustraum, entspannt die Schultern, erleichtert die Weitsicht auf Zusammenhänge. Dann folgt die Aktion des Zwerchfells. Das Einsaugen von Luft energetisiert. Und die erneute Ausatmung erlaubt dem Körper, gelöst von inneren Blockaden, erneut tätig zu werden.

Den Atem fließen lassen

Die Atemfunktionen können durch später entwickelte Hirnregionen oder Programme begleitet werden. Sie bewusst steuern zu wollen, ist ungünstig. Die Signale neuerer Hirnregionen benötigen Zeit, bis sie das Atemzentrum erreichen. Ein bewusster Befehl („Jetzt einatmen!“) trifft möglicherweise am Atemzentrum ein, wenn dieses bereits mit der gegenteiligen Aktion begonnen hat. Das bewirkt Störungen, Blockaden und Verkrampfungen. Natürlich ist es, den Atemfluss geschehen zu lassen und ihn ggf. modulierend zu beeinflussen.

Die Bewegung führt. Die Atmung stellt sich (unbewusst) ein.

Fast alle Bewegungen im Alltag folgen diesem Muster: Gehen oder laufen oder stehen oder sitzen. Handeln oder Pausen einlegen. Die Atmung tut dann schon, was sie tun muss. Das Bewusstsein kümmert sich nicht um die Atmung, sondern lässt sie zu und vertraut auf ihre Kompetenz. 

Die Aufmerksamkeit führt und die Bewegung folgt.

Das geschieht bei langsamen, bewusst begleiteten Bewegungen, wie bei Hatha-Yoga, Qigong, Taiji uva. Auch dann fließt die Atmung möglichst ungestört. Sie wird ruhiger und passt sich an, sie vertieft sich von selbst. Es ist möglich, den Fluss schön, beruhigt oder angenehm wahrzunehmen. Ihn beeinflussen zu wollen, wäre eher störend. Besonders dann, wenn mit Dogmen (wie etwas zu sein hat) versucht wird, in der Natürlichkeit von Zellrhythmen herumzufummeln.

Die Atemzellen führen

In diesem Fall bleibt die Aufmerksamkeit bewusst beim Verströmen des Atemrhythmus. Ohne ihn zu beeinflussen. Das Starten einer Einatmung (das eindeutig wahrnehmbare Signal, dass sich das Zwerchfell zusammenzieht) kann dann durch eine Geste des Öffnens oder des Schließens begleitet und unterstützt werden. Bewusst wird wahrgenommen, wie die aktive Bewegung des Zwerchfells den Druck im Bauchraum erhöht. Die Bauchdecke wölbt sich. Und vielleicht wird sogar gespürt, dass sich der Beckenboden wie ein Segel (bei der Einatmung) ausdehnt. Und wie er mit der Ausatmung wieder zurückgleitet. Fließt die Atmung natürlich, kann das Bewusstsein sie begünstigen oder unterstützen. So als ob ein Schleusentor bei Ankunft einer Welle aufschwingt und mit dem Abebben wieder zurückgleitet. Erst wenn die aufmerksame Begleitung der Atmung natürlich und widerstandsfrei gelingt, kann es sinnvoll sein, intensiver mit Atemfunktionen zu beschäftigen, so als wolle man mit den Wellen surfen (Pranayama-Yoga, Atem-Techniken, Qi Gong-Atmung …)

Skript

Die Welt ist Klang

„Langsame, regelmäßige und vorhersehbare Melodien machen es möglich, dass wir uns mit ihrer Hilfe synchronisieren und kollektiv zusammenfinden.“
Die Evolution der Musik, SdW 3-2025

Ernst Behrendt: „Nada Brahma. Die Welt ist Klang“, Buch: rororo, 1983. Video:

Vor etwa 2500 Jahren entdeckte Pythagoras von Samos, dass die Intervalle innerhalb einer Tonleiter als Verhältnisse ganzer Zahlen ausgedrückt werden können.

Daraus schloss er, alles klinge. Das Wesen der Dinge bestehe aus Zahlen, die Klänge beschreiben. Töne entstünden aus Bewegung und flössen in einem harmonischen Ur-Klang zusammen. Menschen seien seit ihrer Geburt diesem Klang und der Planeten-Melodie ausgesetzt. Sie könnten daher den Unterschied zu „absoluter Stille“ nicht erkennen.

Die moderne Chronobiologie bestätigt diese Grundidee: Alles Lebende schwingt in Rückkopplungen und wechselwirkt miteinander: die Viren, Zellen, Bakterien, Gene, Proteine u. v. a. Die Klanginformationen werden in den Netzwerken der uns bekannten Ökosysteme durch Modulationen von Schwingungen übertragen. Werden die Wellen harmonisch-fließender Wechselwirkungen gestört, entstehen Krankheiten. Bei Menschen sind besonders die Schadeinflüsse durch Stress oder Gifte von Bedeutung, weil sie natürliche Schwingungen negativ beeinflussen. Besonders empfindlich für Störwirkungen sind das innere Ökosystem (das Mikrobiom), die Immunfunktion und das Gehirn (Buzaki-Lab 2022).

Hören

Älteren Wirbeltieren (einschließlich der Fische) fehlt ein Hörorgan. Sie erfassen Schwingungen mit dem Körper. Das Gehör entwickelte sich als Instrument der Richtungswahrnehmung. Verbunden mit dem Gleichgewichtssinn, diente es der Orientierung im Raum. Und der Unterscheidung von Eigen- und Fremdbewegung. Beim Menschen verbinden sich diese rudimentären Hörfunktionen z. B. in der Verbindung von rhythmischer Klängen und tiefem Bass, wie bei archaischen Gesängen oder Tanz-Ritualen. (Todd 2015)

Die Fähigkeit, Musik zu hören, zu verstehen und sogar umzusetzen, entsteht in der Entwicklung eines Kleinkindes viel früher als Handkommunikation oder die Artikulation von Sprache. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Musikalität in der Phase der Hirnplastizität (Schwangerschaft und früheste Kindheit) geprägt. (Ockelfor 2017, Margulis 20217)

Mein Zugang zum Singen kommt von freien Tönen und Atmen. Lieder empfinde ich als Klänge, die von ursprünglichem, archaischem Wesen abgeleitet und weiterentwickelt wurden. Als Verfeinerung oder Polierung oder Bemalung, die einen Ausdruck verstärken und weiter perfektionieren können.

„Wenn wir interagieren, schwingen unsere Gehirne im Gleichtakt.“ Schönfeld G: NZZ, 24.02.2021

Singen

Singen verbindet (SpdW 3-2025). In der Ausatmung klingen Schwingen, die über den Vagusnerv geleitet werden. Und das Ohr filtert die Frequenzen der menschlichen Stimme (Hören). Rhythmus und Tonhöhe sollten gut übereinstimmen, damit ein guter Zusammenklang entstehen kann. Wenn die Töne für die Chorstimmen nicht richtig angegeben werden, Chor in der Tonhöhe sackt, oder die Tonhöhen immer nur „fast“ getroffen werden, oder der Rhythmus mehr oder weniger zwischen 4/4 und 3/4 stolpert, klingt es miserabel. Dann wäre es gut, eine Chorleiterin zu haben, die sich nicht nur mit Gesamtklängen auskennt, sondern auch etwas von den messbaren Details versteht und die Töne und den Takt korrekt angibt. 

Es gibt bestimmte Lieder, die richtig gesungen, unser Wesen berühren, weil sie etwas in uns erklingen lassen. Viditay ist so ein Lied: eine Wehklage, ein Weiterleben-leben-wollen trotz großen Leids. Musik und gesungene Poesie sind in sich verwoben und als Einheit stimmig. Text und Klang zu trennen, machte daraus etwas Nettes, Lustiges, Unterhaltsames: einen Schlager, der in einem Supermarkt gespielt werden kann, aber nichts mehr berührt. Wenn Musik und Text nicht passen, entsteht kein tieferes Gefühl. Archaisch stimmiges (wie Mozarts Zauberflöte) modern zu glätten, zerstört es. http://criticalclassics.org/.

Tönen

Absichtslos der eigenen Stimme lauschen

Sie sollten allein sein. An einem Ort, an dem sie niemanden stören können: im Auto, im Wald, in einem Boot, im Garten, unter der Dusche … Machen Sie es sich bequem. Wenn der Gürtel zu eng ist: Lösen Sie ihn. Sie werden sich selbst hören. Das ist ungewöhnlich. Versuchen Sie trotzdem, den vollen Umfang Ihrer Stimme wahrzunehmen.

Sie können damit beginnen, ausgiebig und laut vernehmlich zu gähnen und sich zu räkeln. Beim Autofahren natürlich nicht mit beiden Armen. Vielleicht können sie sich auch selbst bemitleiden und seufzen, jammern und stöhnen. Und dann darüber grinsen und lachen.

Pusten Sie kräftig mit leicht geöffnetem Unterkiefer gegen Ihre geschlossenen Lippen, und lassen Sie sie flattern. So als würde ein Kind ein Motorengeräusch nachmachen: brrr, brrr, brrr …

Atmen Sie langsam und tief ein, ohne Anstrengung. Lassen die Luft wieder leicht und fließend entweichen. So, als wollten sie eine flackernde Kerze ausblasen: Hhhhhhh ….

Blieben Sie wach, aufmerksam, gelassen. Und dann formen sie mit der ausströmenden Luft einen Vokal: „Aaa“ oder „Lii“ oder „Eee“ oder „Ooo“ oder „Uuu“.

Können Sie den Vokal in unterschiedlichen Tonhöhen erklingen lassen? Lässt sich, ohne den Vokal zu verändern, der Mund weiter öffnen oder enger schließen? Ist der Unterkiefer beweglich? Kann die Zunge, bei gleichem Vokal, die untere oder die obere Zahnreihe erreichen oder gar den Gaumen? Wie hört sich das an? Wie viel unterschiedliche „Vokale“ und Übergänge entstehen da?

Dann wählen sie sich zwei bestimmte Vokale. Vielleicht ein „Iii“ und „Uuu“. Beginnen Sie mit dem Vokal ihrer Wahl und lassen Sie ihn ganz langsam ohne Bruch bei einer möglichst gleichbleibenden Tonhöhe in den anderen von Ihnen gewählten Vokal übergehen. Im Beispiel das „Iii“ über ein „Iiu“ zu „ Iuu“ zu „Uiu“ zu „Uuu“ und zurück. Sodass sich die Töne langsam und gleichmäßig vermischen.

Hören Sie genau hin. Fiept, pfeift oder zwitschert da etwas ganz leise?

Wenn Sie etwas intensiver hineinhören und tönen wollen, können Sie, bevor Sie zwei oder mehrere Vokale „verschmieren“, einen Konsonanten anstimmen. Besonders gut eignen sich: Mm, Nn, Ng .…

Was geschieht beim Tönen?

Immer, wenn Sie sprechen oder singen, entstehen im Mundraum Schwingungen, die dem Klang Ihrer Stimme eine besondere Färbung oder persönliche Note geben. Andere erkennen an diesen „Zwischentönen“ Ihre Stimme, auch ohne Sie zu sehen.

Wenn Sie zwischen zwei Vokalen wandern, verstärken sich die Begleitschwingungen. Damit nehmen sich selbst (anders) wahr.

„Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang,
und ihre vorgeschriebne Reise vollendet sie mit Donnergang.“ (Goethe: Faust)

Obertöne

Unsere Musik spielt seit dem Mittelalter mit Grundtönen. Wir lieben Melodien und die Abfolgen von Tönen, die in einem passenden Schwingungsverhältnis zueinander stehen (Beispiel: Bach). Reine Grundtöne erklingen allerdings nur auf Stimmgabeln und computergesteuerten Instrumenten. Bei akustischen Instrumenten und Stimmen schwingen immer zu einem Grundton passende Obertöne mit. Sie sind das angenehme Beiwerk westlicher Musik.

Werden die Obertöne betont, entsteht eine ganz andere Art von Musik. Wenn in Europa zwei Töne gleichzeitig gesungen werden, entsteht ein sphärischer Klang, der eher intellektuelle Zuhörer anspricht: Anna Maria Hefele, Wolfgang Saus. Aus anderen Weltregionen sind Gesänge aus schamanistischen Traditionen erhalten. Sie sollen den Körper zu Schwingen anregen und und den Geist verleiten, sich zu beruhigen und nach innen zu horchen: Mantra (Indien), Jok-kay / Bar-da (Tibet), „Liu Zi Jue (6) und 8 heilende Laute“ (China), Khöömei (Mongolei).

Aus der Physik ist bekannt, dass alles, was ist, schwingt. Zum Beispiel tönt der Comet 67P/Churyumov-Gerasimenko im Bereich von 20–40 Millihertz. Verdichtete Schwingung erscheint uns als Form. Und Schwingungen, die wir nicht wahrnehmen, halten wir für Nichts.

Die Beschäftigung mit Obertönen schärft das Hinhorchen. Damit erscheint uns etwas, das bisher (scheinbar) nicht war.

Im Prinzip erklingen beim Obertönen mindestens zwei Tonschwingungen gleichzeitig.

Ein Übungs-Vorschlag

Richten Sie sich auf und entspannen Sie. Reckt sich die Wirbelsäule wie ein Bäumchen in den Himmel. Dann kann alles andere loslassen (Muskeln, Gelenke, Arme, Faszien …). Erstaunlicherweise sacken sie nicht in sich zusammen

Damit sich die Muskulatur im Gesicht und Halsbereich lösen kann, wäre es sinnvoll, vor einer langen Autofahrt, dem Kopf und dem Hals etwas Gutes zu tun.

Besonders Unterkiefer, Lippen, Mund und Zunge sollten locker und gelöst sein.

Und dann geht es los:

  • Spielen sie frei mit Mund, Rachen und ihrer Stimme.
  • Intonieren Sie entspannt ein A.
  • Dann ein U
  • Und schließlich ein I
  • Gestalten sie dann mit den Lippen ein Www, und deuten dann (im Hintergrund) den Klang eines Vokals an: Wa, Wu, Wi
  • Dann dasselbe mit Mm: Ma, Mu, Mi
  • Dann setzen sie vor die drei Vokale, jeweils ein sehr scharfes X oder S, dem dann im letzten Drittel der Ausatmung ein Aa, oder ein Uu oder ein Ii folgt: xxA oder ssA

Nehmen Sie wahr, was Mund, Rachen, Zunge dabei Unterschiedliches tun?

Bei allen Formen der Stimmbildung, des Sprechens und des Singens erklingen (neben der dominierenden Schwingung) auch Obertöne. Sie machen den einzigartigen Charakter des Stimmapparates aus. Deshalb ist es so einfach, eine Person beim Telefonieren zu erkennen.

Um Neben- oder Obertöne deutlicher zu betonen, müssen sie nur verstärkt werden. Das geschieht nicht, indem man sie bewusst erzeugt. Wirksamer ist es, sie als leises Schwingen wahrzunehmen und sich zu entspannen. Obertöne entstehen wie von selbst bei achtsamer Entspannung.

Vokale verschmieren – Den Resonanzkörper des Mundes verändern

  • Lassen Sie ein weites A erklingen und anschließend ein deutliches Uu.
  • Nehmen Sie Unterschiede wahr bei Zunge, Mund, Rachen
  • Dann beginnen Sie mit einem Aa und rutschen ganz langsam in Richtung Uu
  • Bemerken Sie, wie Sie auf dem Weg von A zum U an einem O vorbeikommen?
  • Klingt das O eindeutig? Spielen Sie mit diesem Klang.
  • Wiederholen Sie das gleiche Experiment mit einem eindeutigen Uu und einem ebenso eindeutigen Ii. Spüren Sie zwischendurch ein Üü? Spielen Sie mit diesem Klang.
  • Das dritte Experiment geht vom Ee zum Aa.
  • Wenn Sie dort am Äa vorbeikommen: Spielen Sie wieder und lauschen den ungewohnten Klängen.

Den Gong anschlagen und vibrieren lassen – den oberen Nasen-Rachenraum einbeziehen

Beginnen Sie eine Ausatmung mit einem entspannten Hh. Dem folgen ein leicht angehauchtes A und dem ein NG. Das einfache Wort „Hang“. Bei NG legt sich die Zunge, das Gaumensegel und der Nasenraum werden Teil des Klangkörpers. Wenn Ihnen das gelungen ist, variieren Sie mit den Lippen den Resonanzraum im Mund vor und über der Zunge. Wie klingt das?

Wenn Sie dabei Obertöne wahrgenommen haben, wiederholen Sie die Übung mit U und mit I. Und
dann mit den Zwischenvokalen, die die Resonanz deutlich verstärken: Ü (hüng) und O (Hong) und E (Heng oder Qweng).

Die Elsterbrücke formen – zwei Pfeifen in Serie schalten.

Alten Chinesen war es wichtig, die Zunge so am Gaumen ruhen zu lassen, als wolle man ein L aussprechen. Diese Position wird Elsterbrücke genannt. Sie erinnert an eine Sage, nach der einmal pro Jahr die Vögel im Flug Sterne verbinden, über die am Himmel zwei verzauberte Liebende kurz zueinanderfinden können. Nach der traditionellen medizinischen Medizin verbinden sich hier die Yin- und Yang-Meridiane.

Sobald wir die Zunge in diese Position drücken, wird sie steif, und es wird nichts tönen. Stattdessen verkrampft sich die Zunge. Man kann die Zunge aber auch entspannt in die L-Position rutschen lassen:

Schließen Sie den Mund und lassen Sie ein M vibrieren, denken Sie sich dahinter ein E und lassen Sie dann die Zunge an den Gaumen klappen, sodass ein L entsteht: Mm-Ee-Ll.

Jetzt haben sie zwei Pfeifen hintereinander geschaltet: Kehlkopf und die Zunge am Gaumen.

Blasen Sie diese Doppelflöte einmal an. Am besten vorweg ein tonloses Hhhhh, gefolgt von einem beliebigen Ton, zunächst ohne Vokalisierung. Spüren Sie das leichte Vibrieren in der Zungenspitze?

Der Trick hierbei ist, die Zunge wirklich zu entspannen, und sie nur unmerklich, ganz fein im Luftstrom zu modulieren, bis ein Feuerwerk von Obertönen entsteht. Haben Sie Geduld und lassen Sie sich viel Zeit. Ehrgeiz verlangsamt den Lernerfolg.

Und dann probieren Sie hinter dem Ll-Sound Vokale anklingen zu lassen: La-Lü-La-Li-Lu-Le-Lo

Die Brust vibrieren lassen (unteren Rachenraum entspannen)

Den Muskelapparat unmittelbar oberhalb der Speiseröhre zu entspannen, ist sehr ungewohnt. Wir tun es selten (wenn wir mal rülpsen sollten). Deshalb ist diese Art des Obertönens, bei dem bei Mongolen der Magen mitzuschwingen scheint, besonders gefährlich, um sich zu verkrampfen.

Deshalb gilt hier besonders: keinen Ehrgeiz, sondern die Selbstwahrnehmung genießen.

Lassen Sie die Zunge ruhig im Unterkiefer liegen, wie bei einem A. Öffnen Sie den Mund und atmen Sie ohne Ton normal. Stellen Sie sich eine heiße Kartoffel vor, die sich langsam Richtung Speiseröhre bewegt, und den Gaumen nicht verbrennen darf. So wird kühlend um sie herum geatmet. Dann atmen sie langsam geräuschvoll aus, mit einem Ää oder Öö. Halten Sie eine Hand auf die Brust, und lauschen Sie auf die Vibrationen im Brustraum.

Die Modulationen entstehen durch die Bewegungen des Mundes und der Lippen.

Heilende Laute oder Tönen als Körpermeditation

Im Osten Mongolei, China, Tibet und Indien wird seit Jahrtausenden und unter philosophischen und gesundheitsbezogenen Aspekten mit Stimmen und Tönen gearbeitet. Im Yoga ist das Singen von Mantras ein wichtiger Teil des körperlich-geistigen Trainings. Im Mittelalter sang man aus dem gleichen Grund Gregorianik, und Sufis singen, sich drehend, die erste Sure des Koran. All das ist sehr wirksam, besonders, wenn, wie bei einer Qigong-Übungsreihe, Stimmbildung und Bewegung miteinander kombiniert werden.

Der Geist beruhigt sich, und der Körper kann sich nach dem Alltagsstress wieder erholen.

Mehr: Übungen

AUM: Tönen mit dem Klassiker

Die Silbe O-M, oder besser A-U-M (Sanskrit: ॐ), gilt in indischen Religionen als eine Erinnerung an einen Ur-Klang, aus dem das Universum entstanden sein soll. Yoga-Mantren (s. u.), die körperliche Schwingungen auslösen sollen, werden daher oft mit „Om“ eingeleitet.

Inzwischen wird die Silbe inflationär benutzt und mit esoterischer Bedeutung überfrachtet. Oder auch bis zur Lächerlichkeit sinnentleert.

Deshalb vergessen Sie möglichst alles, was Sie über „Om“ gehört, gesehen oder gelesen haben. Probieren Sie es einfach aus.

Machen Sie es sich gemütlich: im Sitzen oder im Stehen, in einem Raum, der den Umgebungslärm dämpft, oder einer Landschaft, in der Sie nur leise das Wasser, die Vögel und den Wind wahrnehmen.

Lassen Sie zu, dass Ihre Gedanken abebben und langsam Ruhe entsteht. Bleiben Sie dabei wach und neugierig. Beobachten Sie. Horchen auf die Geräusche, die um sie herum entstehen. Und lauschen Sie dann auf Ihre Atmung, das Pochen des Herzens, das Klingen im Ohr.

Lassen Sie alles, wie es ist. Bewerten Sie nichts.

Jeder Mensch klingt ganz besonders: Je entspannter, desto unverwechselbarer. Bei gewöhnlicher Sprache vibrieren nur die Stimmbänder. Lösen sich Rachen und Kiefer, entstehen ganz persönliche Klangfarben. Und verlieren sich zusätzlich noch Muskelanspannungen, spüren Sie Ihren Körper intensiver.  

Über das U zum O

  • Der Mund spitzt sich zu. Die Zunge liegt locker im Unterkiefer.
  • Pusten Sie zunächst tonlos wie ein leichter Wind: hhh
  • Lassen Sie dann etwas U einfließen: huh
  • Schließlich entsteht ein volles: uhu
  • Öffnen den Mund langsam immer weiter, ohne die Tonhöhe zu ändern.
  • Dann entstehen Uuo oder Uou oder Ooo oder viele „verschmierte“ Zwischentöne.

Über das A zum O

  • Öffnen Sie den Mund sehr weit, aber locker, die Zunge liegt entspannt in der Mundhöhle.
  • Lassen Sie den Ton ganz ruhig und locker entweichen: Aaa
  • Dann beginnen Sie nochmals mit Aaa und schließen den Mund langsam immer weiter, ohne die Tonhöhe zu ändern.
  • Dann entstehen Aao oder Aoa oder Ooo oder viele „verschmierte“ Zwischentöne.

Spielen Sie mit beiden Annäherungen so lange, bis Sie herausgefunden haben, bei welcher O-Laut sich für Sie am angenehmsten anfühlt. Das ist „Ihr O“. Niemand anderes auf der Welt könnte „dieses O“ nachahmen.

M

  • Lassen Sie die Lippen locker aufeinander ruhen. Streichen Sie über Ihr Gesicht. Lockern Sie die Kiefergelenke. Öffnen Sie den Mund, grimassieren Sie und gähnen Sie. Wenn Sie die Lippen wieder geschlossen haben, kreisen Sie mit der Zunge über die obere und dann über die untere Zahnreihe. Schieben Sie die Zunge durch die geschlossenen Lippen und benetzen Sie sie. Und dann lassen sie die Zunge am Grund des Kiefers ruhen.
  • Wenn Sie jetzt einfach gegen die geschlossenen Lippen pusten, platzen die Lippen auf, um den Luftstrom durchzulassen. Sie können die Lippen gerne flattern lassen: Brbr.
  • Dann lassen Sie einen Brummton entstehen. Nehmen Sie wahr, was das sanfte Brummen an den Lippen bewirkt. Es entsteht ein leichtes Vibrieren, das umso intensiver wird, je mehr sie ihre Gesichtsmuskeln entspannen können: Mmm
  • Achten Sie besonders auf die Leitung des Geräusches durch die Knochenleitung.

M und O zusammen

  • Beginnen Sie mit einem möglichst entspannten Mmmm und lassen dann zu, dass sich der Mund minimal öffnet und sehr leise ein Vokal hinzutritt, ohne dass das Vibrieren abbricht: Mmu, Mma, Mmo, Mmi
  • Wenn Sie etwas mehr Vokal-Klang zulassen, wird das Vibrieren abbrechen. Dann schließen sie den Mund wieder etwas mehr, „lassen mehr M zu“ und finden das Vibrieren erneut. So als würden Sie in einem Malkasten zwei Farbtöne vorsichtig abmischen, bis Sie die passende Schattierung gefunden haben.
  • Dann versuchen Sie, „vibrierend“ von Mm in ein U zu fließen und zurück.
  • Vom Mm zum A ist es etwas schwieriger, weil die Mundöffnung das Vibrieren leichter unterbrechen kann. Daher öffnen Sie den Mund zunächst nur so wenig wie möglich, bis Sie ein A erahnen
    können. Und wenn sie ihn wieder schließen, ist das Vibrieren sofort wieder da.
  • Und dann nähern sie sich von Mm-a oder Mm-u kommend dem Mm-o. Zunächst ein möglichst kleines O, das sie immer wieder leicht schließen können, um das Vibrieren entstehen zu lassen. Beginnen Sie damit, die Klänge „zu kauen“. Schließen und öffnen Sie den Mund immer wieder ein wenig, so als würden Sie die Töne in ihrem Mund hin- und herschieben.
  • Und dann lassen sie es klingen: Beginnend mit einem klaren Mm, das mit vielen Übergängen zu einem klaren O führt in der gleichen Ausatmung und von dort wieder zurück: wie ein fließendes Auf und Ab.
  • Wenn Sie „Ihr“ O schon gefunden haben, können Sie natürlich die Silbe intonieren: Ooo-Mmm-Ooo oder Mmm-Ooo-Mmm
  • Lassen Sie die Töne in einer Ausatmung erklingen, ohne sie durch Zwischenatmung abzuhacken. Atmen Sie ruhig tief ein und lassen Sie die Luft dann langsam mit dem Laut entspannt und ohne Pause entweichen.
  • Dann atmen Sie wieder in ein paar Phasen ruhig und tonlos, und versuchen es dann von Neuem. Spielen Sie noch ein wenig: Es gibt viel zu variieren und zu entdecken.
  • Lassen Sie sich etwas Zeit zum Nachspüren.

Skript

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Letzte Aktualisierung: 03.12.2025