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18. Oktober 2021

Corona-Krisen-Philosophie

Inhalt

  • Alles auf den Tisch?
  • Tschüs Freiheit?
  • Wir stecken in der Klemme
  • Keine Wahl?
  • Ultimativer Placebo
  • Freiheit und Geborgenheit
  • Wo ist der Notausgang?
  • Dauerwelle?
  • Chaos managen statt bekämpfen
  • Selber Denken in der Krise
  • Corona-Philosophie
  • Mehr desgleichen

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Kunst

Worum geht es?

Bildquelle: https://qqcitations.com/citation/182415. Übersetzung: „Habt keine Angst! Die Angst verhindert nicht den Tod. Sie verhindert das Leben. Solange ihr den Tod fürchtet, lebt ihr nicht.“

 

Alles auf den Tisch

05.10.2021

Unsere Spezies ist einmalig. Wir können Zusammenhänge verstehen und unser Verhalten ändern. Theoretisch könnten wir vom Schädling zum Nützling der Biospäre werden, in der wir leben.

Dazu müssten wir anders mit komplexen Systemen umgehen.

Möglichst viele unterschiedliche Menschen sollten grundlegende, philosophische, psychologische, ökonomische, ethische und ökologische Aspekte der aktuellen System-Krankheit anschauen. Ergebnisoffen fragend. Um dann gemeinsam, aus vielen verschiedenen Aspekten und Perspektiven, nachzudenken, wie es gelingen könnte, unsere Einstellung zu den inneren und äußeren Ökosystemen zu ändern.

Um in Frieden zu leben, mit dem, was umgibt, aus dem wir bestehen, und was uns durchdringt.

Dafür müssten mehr offene Debatten- und Zuhör-Räume entstehen, in denen Fragen gestellt und innovative Ideen entwickelt würden. Denn die fertigen Antworten der Vergangenheit haben angesichts der Krisen, die gerade über uns schwappen, an Bedeutung verloren.

Ja, zunächst gehört „Alles auf den Tisch!“

„Alles auf den Tisch“ (Fokus 30.09.2021): YouTube-Channel, Social media: #allesaufdentisch

Und dann: Zuhören, Gefühle beruhigen, in Ruhe abwägen

Zum Beispiel heute, ob eine dritte Auffrischimpfung gegen SARS-CoV-2 nötig sei:

Seit Mitte September wird sie von unserem Möchtegern-Gesundheitsminister beworben. Seit Anfang Oktober schwappt die Empfehlung durch alle Medien, die ihre Texte von dpa o.ä. Agenturen beziehen (Heidelberg24 25.10.2021, NZZ 05.10.2021, uva.)

Rational betrachtet wäre der Nutzen nicht sehr beindruckend:

„Die Wahrscheinlichkeit, sich NICHT zu infizieren, steigt mit der dritten Dosis von 9745/10.000 auf 9976/10.000; das ist eine Erhöhung des Schutzes um knapp über 2 Prozentpunkte. Die Wahrscheinlichkeit, NICHT schwer zu erkranken, steigt mit der dritten Dosis von 9982/10000 auf 9998/10000; das ist eine Erhöhung des Schutzes um knapp 0,2 Prozentpunkte.“ Unstatistik des Monats, korrigiert am 05.10.2021

Wenn aber die Schutzwirkung klein ist: Was wissen wir über Nebenwirkungen und Risiken? Insbesondere bei jüngeren Menschen? Galt früher nicht, wenn man etwas nicht wusste, das Vorsorgeprinzip?

Es geht um viel mehr als Corona

Tschüs Freiheit?

Freiheit wird nicht geschenkt.

„Wissenschaftler und Ärzte haben gesagt, dass der Gesundheitspass an sich keine medizinische Bedeutung hat, sondern dazu dient, Menschen zur Impfung zu zwingen. Ich glaube eher das Gegenteil: Das heißt, der Impfstoff ist ein Mittel, um die Menschen zu einem Gesundheitspass zu zwingen, nämlich zu einem Instrument der Kontrolle und Verfolgung sämtlicher Bewegungen der Personen.“ (07.10.2022, Rede vor dem römischen Senat am 22.10.2021)

Freiheit wird errungen. Oder genommen.

Das Pickelhauben-Paradox:

Deutschland hat sich verändert,
und das nicht zu seinem Vorteil.

Die Pandemie brachte wieder zum Vorschein,
was längst überwunden schien.

Die Freiheit befindet sich auf dem Rückzug …

(Deutschland sucht)
in der Pandemie bei Methoden Zuflucht,
die direkt aus seiner Vergangenheit
zu stammen scheinen. …
Es ist so wie mit Kindern, denen man einredet,
wenn sie nicht brav ins Bett gingen,
komme der Schwarze Mann.

Wer glaubt, es nicht mit mündigen Bürgern,
sondern mit Kindern zu tun zu haben,
für den ist Selbstverantwortung ein Schimpfwort.


Eric Gujer, Chefredakteur,
NZZ, 18.09.2021
Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen

Wir Bürgermeister und Senat,
Wir haben folgendes Mandat
Stadtväterlichst an alle Klassen
Der treuen Bürgerschaft erlassen.

Ausländer, Fremde, sind es meist,
Die unter uns gesät den Geist
Der Rebellion. Dergleichen Sünder,
Gottlob! sind selten Landeskinder.

Auch Gottesleugner sind es meist;
Wer sich von seinem Gotte reißt,
Wird endlich auch abtrünnig werden
Von seinen irdischen Behörden.

Der Obrigkeit gehorchen, ist
Die erste Pflicht für Jud und Christ.
Es schließe jeder seine Bude
Sobald es dunkelt, Christ und Jude.

Wo ihrer drei beisammen stehn,
Da soll man auseinander gehn.

Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat
Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.

Heinrich Heine (1853-54)

„Freiheit“?

Welche Freiheit ist hier gemeint?

Die Abschaffung der „3-G-Regeln + Maulkorb“? Die Wiedereinführung der alten 1-G-Regel (Gesund + ungehindert atmen und kommunizieren)? Die Erhebung des Grundgesetzes über den Infektionsschutz? Nein, sicher nicht: Denn der Spruch steht auf einem FDP-Wahlplakat im September 2021. Freiheit soll wohl eher so etwas bedeuten: „Freies Wachstum für unsere Wirtschaft“ oder „Freie Fahrt für freie Bürger in Elektro-SUV’s“ … oder so ähnlich.

Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Andreas Gassen:
„Ich habe fast den Eindruck, hier wird versucht ein Narrativ dauerhaft zu etablieren.“
ZDF 20.09.2021: https://twitter.com/morgenmagazin/status/1439848607134408704

Freiheit „ist“ nicht.

Freiheit wird: Gleich einem Raum voller Möglichkeiten, der sich ausdehnen kann. Oder der schrumpft. Wie eine Landschaft, die erforscht werden kann, oder durch Mauern begrenzt wird. Wie ein Garten, in dem gehandelt werden kann, um das zu verwirklichen, was der Mühe wert scheint.

Was einzelne Personen jeweils für sich als Freiheit empfinden, muss völlig unterschiedlich sein. Denn es ist abhängig von dem jeweiligen, persönlichen Wohlfühl-Ort zwischen Spannungsfeldern:

Bilder und Graphik: Jäger, 2020

Fest, ordentlich, unverändert (starr) — Chaotisch, dynamisch, grenzenlos (haltlos)

Ungebunden, abenteuerlich, gefährlich (riskant) — Geborgen, abhängig, geschützt (erdrückend)

Das persönliche Empfinden für Freiheit setzt sich aus vielen unterschiedlichen Aspekten und Facetten zusammen. Denn in jedem Menschen spielt eine innere Fußballmannschaft (hierrarchisch geordnete Verhaltens-Programme). Jedes dieser (in der Entwicklungsgeschichte und in der Kultur gewachsenen) Körper-Systeme, beruht auf anderen Bedarfen, und begründet verschiedene und manchmal radikal vom Rest (der anderen Mitspieler) abweichende Weltsichten. Das kann zu Konflikten führen. Zum Beispiel, wenn ein rationaler Hirnanteil frei entscheiden will, dem Leben ein Ende zu bereiten, und der Bauch nach einem guten Essen verlangt.

Etwas wirklich „frei“ wollen (überwiegend aus eigener Motivation heraus) kann also nur dann relativ störungsfrei gelingen, wenn alle inneren (fordernden) Anteile gleichermaßen beteiligt sind. Aber wann ist das schon der Fall?

Es gibt keinen „freien Willen“

ebenso wenig wie „wahre Kartoffeln“. (Dörner 2006). Darin sind sich heute (zumindest) die Natur-Wissenschafter:innen einig. Schopenhauer prägte den Begriff des Willens im 19. Jahrhundert für eine unbestimmte Lebensenergie, die alles (was wachse und sich entfalte) durchdringe. Deshalb wirke sie auch in uns, und stehe deshalb eben nicht unter unserer Kontrolle. Seither versuchen immer neue Philosoph:innen (vergeblich) ein „ICH“ zu definieren oder zu lokalisieren, das dennoch völlig selbstständig bestimmte Entscheidungen treffen könne. Die Suche muss vergeblich bleiben, weil das Gehirn, dessen frontaler Anteil in unserer Kultur meist überbewertet wird, letzlich nur ein Teil des Bewegungsapparates ist. Also ohne die Fähigkeit in Bewegung Beziehungen einzugehen, nicht existiert. Viele Bewegungsentscheidungen (z.B. wann ein Fuß gesetzt oder angehoben werden muss) treffen aber kein Gehirnteile, sondern die elastischen Strukturen und Netze der Bindegewebes-Verspannungen.

Noch komplexer wird es mit dem (begrenzten) Willen und seiner (relativen) Freiheit, wenn Menschen als Superorganismen betrachtet werden: Riesenkolonien von Viren, Bakterien und Zellen die untereinander (schwingend) zusammenwirken, und Entscheidungen in Gesamtklängen treffen, die bewussten Hirnfunktionen völlig verborgen bleiben.

Das Bewusstsein interpretiert Bewegung im Nachhinein als autonom und frei, obwohl sie bereits Millisekunden vor bewussten Prozessen gebahnt wurde. Bewusste Interventionen können einen Bewegungsfluss nur unterbrechen. Zum Beispiel um auf etwas Neues zu reagieren oder sich gegen etwas zu wehren. Häufig kommen solche bewussten Reaktionen reichlich spät, abrupt, und sind nicht sehr effektiv. Elegante, fließende, gewandte Bewegungen (zB. beim Klavierspiel oder beim Tanz) fließen unbewusst. Sie können dabei wohlwollend betrachtet werden, ohne sie zu steuern.

Amae: Das Recht unmündig sein zu dürfen

Amae ist ein japanisches Wort für ein besonderes Wohl-Gefühl, bei dem Un-Freiheit mit Genuss verbunden ist. Abgeleitet wurde der Begriff von »amaeru«: sich anlehnen, kuscheln und sich verwöhnen lassen. Der japanische Philosoph Takeo Doi hielt Amae für ein zentrales, handlungsleitendes Gefühl. (Doi 1982) Grob könnte man Amae mit »mütterlicher Geborgenheit« übersetzen, einem inneren Zustand, der sich aus dem Vertrauen in eine sichere Abhängigkeit sozialer Kontakte vermittelt. Amae ist ein elementares Gefühl, das tief verletzt werden kann, wenn sich innige Beziehungen auflösen. Dann folgt auf Amae Trauer und Verzweiflung, wie es beispielsweise nach den Lügen geschah, die die Atomkatastrophe von Fukushima begleiteten.

Aber selbst dann sorgte der in sehr früher Kindheit erworbene Respekt vor sozialen Beziehungen dafür, dass andere nicht durch zu große Gefühlsausbrüche belästigt wurden. Amae ist mehr als die Zurückhaltung von Gefühlsäußerungen: Es erfüllt die Funktion eines Sicherheitskonzeptes. Takeo Doi skizziert Amae so:

  • »Der Mensch hat ein Recht auf Abhängigkeit.«
  • »In Abhängigkeit lässt es sich wohl ergehen …«
  • »Das Kind, das von seiner Mutter geliebt wird, hat ein Recht das auszuleben.«
  • »Der Freiraum des Handelns des Kindes ergibt sich aus dem Schutzraum der Mutter.«
  • »Das Kind darf verwöhnt werden und ist dann sorglos entspannt.«

Amae, die Lust, das fröhliche Baby einer großen Mutter sein zu dürfen, steht nicht im Widerspruch zur Leistungsforderung: Die Mutter ist streng, setzt klare Grenzen und sagt, was zu tun ist. Aber sie ist wahrhaftig, verläßlich und täuscht nicht.

Wir wissen mittlerweile, dass unsere Software (Kultur) die körperliche Hardware (Hirn-, Sinnes- und Bewegungsapparat) sehr deutlich prägt: In Hirnscannern leuchten bei Menschen, die ihre frühste Kindheit in Japan erlebt haben, Belohnungszentren auf, wenn eine sich verbeugende Gestalt gezeigt wird. Im Westen dagegen ist psychische Stabilität oft mit der Vorstellung eines kompetenten, freien »Ichs« verbunden, der »Lonely Cowboy Mentalität«. Deshalb leuchten bei Amerikanern in Hirnscannern die Belohnungszentren auf, wenn eine eher kämpferisch aufgerichtete Silhouette eines Menschen erscheint. Je nach kultureller Prägung verändern sich so die Hirnstrukturen und die Art des geistigen Zustandes, der durch die Oszillation der Hirn- und Körperzellen erzeugt wird.

Seelenlose Un-Freiheit

Hausschweine: Zeichnungen von F.K. Wächter (www.fkwaechter.de).

Des Verhaltensforscher Konrad Lorenz befürchtete eine „Verhausschweinung des Menschen“. Er beschrieb einen starken Trend hin zu stumpfer Triebbefriedigung und zu rein vegetativer Lebenserhaltung: „Ein, Aus, Sex, konsumieren, herum-hocken und sich ablenken lassen“. Eben wie Hausschweine, die bewegungsarm in wetterfesten Unterständen nicht weiterdenken als bis zur Stall-grenze, und die sich nicht mehr erhoffen, als unmittelbare Bedürfnisbefriedigungen.

Alle domestizierten Tiere besitzen deutlich weniger Hirnmasse und Nervenzellverknüpfungen (Synapsen) im Vergleich zum Wildtypen. Wildert man Haustiere (wie Schafe oder Ziegen) wieder aus, bleibt es bei der geringeren Ausdifferenzierung des Gehirns. (Kruska 2005).

Gefangenen Tieren, die ihrer Schlachtung entgegendämmern, würde Intelligenz auch nichts nutzen. Im Gegenteil, sie würden sich nur unnötig sorgen, über ein Schicksal, dass sie ohnehin nicht verhindern können. Intelligenz dagegen brauchen Wölfe, die auf ihren Schleichwegen durch ein Revier schlau, teamfähig, flink und geschickt die Jagdpächter austricksen.

Wenn Hirnzellen und Nerven nicht mehr benötigt werden, baut sie das Immunsystem radikal ab (und oft unwiederbringlich). Besonders drastisch kann das bei Manteltieren beobachtet werden: sobald sie am Meeresboden ein ruhiges Plätzchen gefunden haben, an dem sie für den Rest ihres weiteren Lebens verweilen werden, verdauen sie alle Nervenzellen.

Nerven werden in unserer Kultur zunehmend weniger durch Bewegung trainiert, dafür aber immer intensiver mit Informationen überflutet (WWW, Web-2, Medien, Propaganda, Werbung, …). Das konnte Konrad Lorenz nicht vorausahnen. Sonst hätte er vielleicht von der Gefahr der „Ver-ameisung“ gesprochen. Denn Ameisen stehen uns (in ihrem Verhalten) als erfolgreiche soziale Eroberer der Erde deutlich näher als vielen anderen Tieren. Zumindest, wenn man es aus der Perspektive der Organisation von Staaten betrachtet. Alle Ameisen tun genau das, was sie sollen. Dabei chatten sie ununterbrochen: sie tauschen banale Mini-Informationen aus, zu dem was gerade eben noch war. Aber (wie andere brave Staatsbürger) verschwenden sie keine Gedanken an das Gesamtgewusel. (Wilson 2013)

Die beschriebenen (aus meiner Sicht negativen) Entwicklungstrends werden möglicherweise beschleunigt durch das massive und aktive Vorgehen der Gesellschaft gegen ihre Kinder. Eine Störung des Zeit-Fensters essentieller kindlicher Entwicklung muss sich langfristig auswirken. Vielleicht könnte daher das zurzeit laufende gesellschaftliche Experiment der Domestizierung kindlichen Freiheitsdrangs tatsächlich zu vielen braven „neuen“ Menschen führen, die gerne nur das tun, was sie sollen. Und denen größere Freiheiten außerhalb der unmittelbarer Bedürfnis- und Ablenkungs-Befriedigung eher Angst erzeugen würden: Selber-denken oder -bewegen, oder gar Neu-denken oder -bewegen.

Biomedizinischer Sicherheitsstaat?

Seit 2020 werden die bis dahin üblichen Freiheiten, die u.a. im Grundgesetz festgeschrieben sind, eingeschränkt. Denn der Schutz vor Infektionen stehe höher als Menschenrechte (z.B. als die der Kinder, wie deren Rechte auf Bildung, ungehinderte Entwicklung und Unversehrtheit).

Die Bedrohung durch das Covid-19-Virus ist mehr als ein globaler Gesundheitsnotstand. Sie verschärfte die vorbestehenden sozialen, ökologischen, finanzkapitalistischen, ideologischen und staatspolitischen Krisen. Unter dem Vorwand öffentlicher Gesundheit wurde ein Regierungsstil durchgesetzt, der auf Notverordnungen zweifelhafter verfassungsmäßiger Richtigkeit beruht. Der Ausnahmezustand ist zum Normalzustand geworden. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Wenn grundlegende Krisen und Konflikte nicht gelöst werden (z.B. weil das Dogma wirtschaftlichen Wachstums hinterfragt wird), werden sie sich verschlimmern. Dann ist es für Regierende einfacher mit Scheinbedrohungen für angepasstes Verhalten zu sorgen. Und so ist absehbar, dass bei regelmäßigen Pandemien mit welchen Viren auch immer, immer wieder neue PCR-Tests verlangt werden, oder neue Impfungen, oder Impfauffrischungen. Und man wird natürlich auf nicht absehbare Zeit Menschen mit Masken (und anderen Regeln) daran erinnern, in was für viral-gefährlichen Zeiten wir leben, und wie wichtig es ist sich anzupassen.

Der italienische Philosoph Giorgio Agamben warnte vor solchen Regimes, die sich ganz (scheinbarer) Gesundheits-Sicherheit verschreiben. Ein biomedizinischer Sicherheitsstaat, steht im Widerspruch zu einem Leben, in dem sich Menschen (und insbesondere Kinder) entfalten können. Es sei „unmenschlich“, den Menschen auf das bloße Leben zu reduzieren, auf das Leben eines Pilzes oder eines Wurms, der im Namen der reinen Existenz Nährstoffe aufnimmt und Abfallstoffe ausscheidet. Ein Leben, das nur dem Überleben diene und jedes Risiko vermeide, habe keine Lebenskraft, keinen Sinn und kein Streben mehr. Werte, Tugend. Freundschaft, Liebe, Kunst, Poesie, Wissenschaft und Gemeinschaft würden zerfallen. Denn Leben brauche Risiko, um entstehen zu können. Die Furcht vor dem Tod sei keine Art zu leben. Eine Gesellschaft, die ihr Gesicht hinter einer Maske verbirgt, sich vom Prinzip der »sozialen Distanzierung« und einer sakralisierten Digital-Medizin leiten lässt, und die im ständigen Ausnahmezustand lebt, könne keine freie Gesellschaft sein. Was auf dem Spiel stehe, sei nicht weniger als die Abschaffung des öffentlichen Raums in seiner Gesamtheit. (Agamben 2021)

Auch der Psychologe Mausfeld hält die Debatten um Gesundheit nur für einen Vorwand. Denn Gesundheitsziele (Beispiel: „Weniger Fettsucht bei Kindern“) spielen keine Rolle mehr. Auch Vorbeugungsstrategien (wie geeignetes Verhalten und die Erhaltung gesunder Verhältnisse) werden nicht mehr thematisiert. Stattdessen instrumentalisierten „die Eliten .. die Corona-Krise für Massen-Manipulation und mehr Kontrolle“ (Mausfeld 2021) Dazu passt der Niedergang der „medizinischen Wissenschaft“ (Ioannides 2021, Schrappe, 2021), die zunehmend nur noch die Begründungen liefert, dass das, was ohnehin aus politisch-normativ-kommerziellen Gründen erfolgt, auch gut sei.

Schlechte Aussichten für die Freiheit

Die Führungsmacht des Westens droht ihre beherrschende Position zu verlieren. Das wird nicht kampflos geschehen, und es wird Europa mitreißen, möglicherweise in einen Abwärtsstrudel. Das kapitalistische System stabilisiert sich zurzeit immer wieder (noch) durch krebsartiges Weiterwachsen. Die evolutionäre Sackgasse, auf die die Biosphäre zusteuert, nähert sich rasant. „Grün-nachhaltiges“ Wachstum wird diesen Prozess nicht aufhalten, sondern eher noch beschleunigen. In dieser Situation ist dem Westen der Sinn abhanden gekommen. Es gibt kein (für mich) erkennbares positives Werte- und Moralsystem, dass mit einem „Weiter so“ (nahezu aller Parteien) des Westens vereinbar wäre. Der Reset des Kapitalismus mit Wumms & Bazooka „hat sich gelohnt“ (Olaf Scholz 03.06.2021) Zumindest für die Konzerne, die an Smart Health Care, Digitalisierung, neuen Energieprodukten etc verdienen. Allerdings fehlt dabei ein Vision, die die Bevölkerung mitreißen könnte, und die ihr das Neue Normal als ein lohnendes Zukunftsmodell (zumindest etwas) schmackhaft machen könnte.

In Ermangelung eigener neuer Werte versuchen westliche Regierungen alt-bewährte östliche Ethik-Systeme nachzuäffen. Moralische Gesellschaftsvorstellungen, die im Osten nie beseitigt wurden, und die ggf. jetzt mit (einem domestizierten Kapitalismus?) eine Renaissance erleben könnten. Denn der Kern der chinesischen Bedohung ist, dass ein anderes Gesellschaftsmodell im Gegensatz zum USA geführten Kapitalismus erfolgreich sein könnte.

Aber die Strategie den konfuzianischen Glauben (mit seinen strengen Regeln) und Amae ( mit der Zufriedenheit in unmündiger Abhängigkeit) im Westen zu kopieren, wirkt (auf mich) lächerlich. Weil beides „irgendwie“ nicht genau passt, zu der hier gewachsenen Kultur, und deshalb zu Widersprüchen, und auch zu Randale führen muss.

Unsere Gesellschaft spaltet sich zunehmend auf. Man vertraut noch auf eine Mehrheit, die wählen geht, und steuerzahlend das politische System tragen soll, von dem einige wenige Steuer-Vermeider immer reicher werden. Ein immer größerer Anteil der Bevölkerung hat sich aber von der Politik abgemeldet und schweigt (noch). Viele Menschen glauben den Mächtigen nicht mehr, weil ihnen das, was sie täglich an Überinformation erleiden, manipuliert erscheint. Sie erleben, wie Propaganda und Realität auseinanderklaffen, und sind verwirrt. Dann hören sie genervt auf, etwas verstehen zu wollen, und sind nur noch daran interessiert, im diesem Chaos irgendwie mitzuschwimmen, und im Kleinen zu überleben. Sie wollen nur noch ihre kleine Freiheit in privaten Nischen zu sichern.

Andere dagegen radikalisieren sich. Die Aggression im Alltag nimmt zu. Selbst bei den Braven, die sich frühzeitig piksen ließen, um tief verängstigt, das Glück des versprochenen Placebo-Effektes genießen zu dürfen: „Jetzt ist alles gut!“. Nun erleben sie aber, dass nichts gut ist. Und auch für sie die Lebensgefahren keinesfalls gebannt sind. Und dass die Kontroll- und Zwangsmaßnahmen und Reglementierungen auch für sie (wenn auch vorübergehend anders) weitergehen werden (mit Masken, Kontrollen, Auffrischungs-Impfungen …) … Ohne Aussicht auf ein Ende des Theaters, weil nach der Wahl mit großer Sicherheit eine nächste Virus-Variante umlaufen wird. Das frustriert selbst die Braven und Gläubigen.

Foto: Jäger, Leibzig 18.09.2021, Linx-Demo.
Das „Gegen …!!“ ist klar. Aber „Wofür?“
Sinn, Ethik, Werte, Zukunft, Vision?

„Was man nicht machen darf, ist sich grundsätzlich gegenseitig für Vollidioten halten. Dann kommt es tatsächlich irgendwann zu einer gefährlichen Spaltung.“ Zeh J. zitiert in Kissler A.: „Deutschland hat es verlernt, zivilisiert miteinander zu streiten.“, NZZ 24.09.2021

Welche Freiheiten bieten sich uns – trotz allem?

… das Meer ist so groß, und unser Boot ist so klein. Bretonisches Fischergebet

Die Freiheit, der Raum der Möglichkeiten, scheint zur Zeit dramatisch zu schrumpfen (besonders für Kinder). Gegen diese Trends zu kämpfen, ist zurzeit wenig erfolgversprechend. Denn wenn sich (angesichts des Tsunami) der Blick tunnelartig verengt, droht die Gefahr weggespült zu werden.

In dynamischen Situationen, wachsen die Freiheitsgrade nicht, wenn den toten Details zu viel Bedeutung beigemessen wird. Einzelfakten, zu was auch immer (Virus, Test, Impfung, Finanzblase, Klima, Böden, Wasser, Plastik …) sind wichtig, aber sie ergeben (wie ein Haufen von Puzzelteilchen) keinen Gesamtzusammenhang. Die Menschheit krankt zurzeit an der Sicht auf tote Einzel-Details (und deren „Bekämpfung“), während uns die Fähigkeit zu Anschauung und Erleben des Gesamtzusammenhangs verloren gegangen ist.

Um die bestehenden Freiheitsgrade auszuloten, die sich uns bieten, halte ich es für sinnvoll, schonungslos alles der Realität wahrnehmen, was sich uns zeigt. Auch das, was sich nicht zeigt, weil es sich in der Raumzeit vor uns erstreckt, und noch völlig unbekannt ist. Interpretation und die persönliche Bewertung einzelner Aspekte verlören dann an Bedeutung. Ebenso wie Einzel-Bekämpfungsstrategien (wie all die Formen von Projektitis uva. „gegen ein Virus“, „gegen einen Teilaspekt der Umweltzerstörung“, „gegen Antibiotika Resistenzen“ …) Denn alle Einschätzungen dynamischer Situationen sind relativ und stehen auf wackeligem Grund.

Stattdessen könnte das Gesamtwohl der Biosphäre, die uns umgibt und durchdringt, die zentrale Aufmerksamkeit erhalten. Dann bestünde Freiheit darin, im Rahmen unserer Möglichkeiten, im Gesamt-Zusammenhang sinnvoll zu handeln (McGilchrist 2021): Für alle lebenden Systeme, für die Biosphäre der Erde, für unsere Kinder.

Die dafür notwendigen Freiheiten müssen erobert werden. Das wäre nur möglich durch Menschen, die angesichts der Sackgassen, auf die wir zusteuern, neu denken und handeln wollen. Ich glaube nicht an die Eröffnung von Freiheits-Spielräumen durch erfolgreiche Kämpfe. Sondern eher an allmähliche Verhaltensänderungen, die sich aus Zuhören, Kommunizieren und Verstehen ergeben – und aus Fragen: nach grundlegenden Werten und erreichbaren Visionen.

„… Eine Änderung müsste von den Bürgern ausgehen. Von Menschen, die erwachsen und rational werden wollen. Sie müssten eine ganz andere Welt wollen. Irgendwie wollen sie aber nun mal diese. Sie wollen eine Welt, in der Corona-Krisen möglich sind. Oder andere Krisen. Hauptsache irgendetwas, das sie von einem Leben in Freiheit abhält, einem Leben in echter, menschengemäßer, lebensgefährlicher Freiheit.“ Marcus Ludwig, Die Unfähigkeit zu bedauern, 23.09.2021.

Mehr

Literatur

  • Agamben G: An welchem Punkt stehen wir? Die Epidemie als Politik. Turia+Kant 2021
  • Doi T: „Amae – Freiheit in Geborgenheit. Zur Struktur japanischer Psyche“, Suhrkamp 1982
  • Dörner D et al: Warum es keine wahren Kartoffeln gibt und auch keinen freien Willen – oder: wie man aus einem Nichts ein Etwas macht, um es dann sofort wieder in ein Nichts zu verwandeln. 2006. Psychologische RundschauVol. 56, No. 3
  • Kruska D: On the Evolutionary Significance of Encephalization in Some Eutherian Mammals: Effects of Adaptive Radiation, Domestication, and Feralization, Brain Behav Evol 2005;65:73–108
  • Flusser V: Gesten, Bollmann 1993
  • Ioannides J: How the Pandemic Is Changing the Norms of Science – Tablet Magazine, 09.09.2021
  • Lewejohann L et al.: Wild genius-domestic fool? Spatial learning abilities of wild and domestic guinea pigs. Front Zool. 2010; 7: 9.
  • Llinás R: Enter the „i“ of the vortex,(Interview, 17.04.2007). Artikel
  • Lujan H.L.: Physical activity, by enhancing parasympathetic tone and activating the cholinergic anti-inflammatory pathway, is a therapeutic strategy to restrain chronic inflammation and prevent many chronic diseases, Medical Hypotheses 80 (2013) 548–552
  • McGilchrist Interview 09/2021Bücher, Literatur, Videos
  • Mausfeld R: Eliten instrumentalisieren Corona-Krise für Massen-Manipulation und mehr Kontrolle, Juni 2021
  • Myers T: Anatomy trains. Myofasziale Leitbahnen, UrbanFischer, 2010
  • Roach NT et al.: Elastic energy storage in the shoulder and the evolution of high-speed throwing in Homo, Nature 2013, 498: 483–486,
  • Schrappe MThesenpapier 8
  • Wilson E.O.: Die soziale Eroberung der Erde. Eine biologische Geschichte des Menschen, CH Beck, München 2013
  • Wolpert D et al.: Principles of sensorimotor learning, Nature Reviews neuroscience 2011, 740-751

Wir stecken in der Klemme

„Die Herausforderungen, zur Verhinderung einer „grässlichen Zukunft“, werden unterschätzt: Das Ausmaß der Bedrohung für die Biosphäre und all ihre Lebensform – einschließlich der Menschheit – ist so groß, dass es selbst für die am besten informierten Expert:innen schwierig zu verstehen ist – die Umweltzerstörung ist unendlich gefährlicher für die Zivilisation als Trumpismus oder Covid-19″ Sinngemäß übersetzt aus: „Underestimating the Challenges of Avoiding a Ghastly Future“ Bradshaw Front. Conserv. Sci., 13.01.2021.

Retten uns die Elektroautos der IAA, die Solarzellen und die Windmühlen?

„Merkel schwärmt bei der IAA“ (Merkur 07.09.2021): Natürlich von Elektroautos.

„Elon Musk kann sich bedanken: Tesla bekommt über eine Milliarde Euro für Grünheide.“
Merkur 07.09.2021:

Annalena Baerbock verlangt „Solarzellen auf jedem Dach.“ (RP 07.09.2021) Christian Lindner’s FDP wird das Klima durch Erfindergeist und Wirtschaftskraft retten. Und Olaf Scholz, der Kandidat der Finanzwirtschaft, wird sicher noch einmal für den notwendigen „Mega-Wumms“ sorgen. Alle Parteien stehen ein für „nachhaltiges Wachstum“. Gestritten wird hauptsächlich über die Art der Verteilung künftiger Gewinne aus einer „krisensicheren“ Wachstums-Wirtschaft. Und über den Schutz vor den Anderen, die von draußen an unsere Töpfe drängen könnten.

Reicht es aus zu hoffen, wenn wir weiter machen wie bisher?

Die Herausgeberin des British Medical Journal (Fiona Godlee) schreibt am 08.10.2021
(Übersetzungsunterstützung: www.deepl.com):

Die Welt erwärmt sich, und es besteht dringender Handlungsbedarf. Ohne eine radikale Änderung der Art und Weise, wie wir leben, uns bewegen, essen, arbeiten und spielen, wird der Anstieg der globalen Temperaturen zu irreversiblen planetarischen Veränderungen mit katastrophalen Folgen für die Menschheit führen. Das sind starke Worte, aber sie werden von der Wissenschaft gestützt. Der Internationale Ausschuss für Klimaänderungen sagt, dass die Welt ihre Emissionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen bis 2030 halbieren und bis 2050 auf Null reduzieren muss, um den postindustriellen globalen Temperaturanstieg unter dem Kipppunkt von 1,5°C zu halten.“

Sie hat Recht, aber sie beschreibt nur einen Teil des Problems. Da die Biosphäre krankt an vielem. Sie leidet nicht nur an Fieber, sondern auch an Artensterben, Trinkwasserknappheit, Versatzung, Vermüllung der Böden und der Meere (mit Giften, Radioaktivität, Metallen, Pestiziden, Plastik) uva. Und was sollen wir tun? Fiona Godllee schlägt vor, zu hoffen:

Hoffnung ist wichtig, um die Öko-Angst zu bekämpfen und uns und andere zu wirksamen Maßnahmen anzuspornen. … Die richtigen wirtschaftlichen Entscheidungen könnten uns in eine nachhaltige, integrative und widerstandsfähige globale Zukunft führen. Gemeinsam und individuell müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen: Wir müssen den Systemwechsel im Gesundheitswesen vorantreiben, um Emissionen und Abfälle zu reduzieren, uns für nationale und internationale politische Maßnahmen einsetzen und unsere Patienten und die Öffentlichkeit aufklären, um die Zukunft unseres Planeten und seiner Bewohner zu sichern. Wir können nicht darauf warten, dass jemand anderes handelt. Dafür haben wir keine Zeit.

Ja, wir haben keine Zeit.

Aber gibt es nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung, die nachhaltig wäre: hin zu weniger Wachstum? Der Systemwandel im Gesundheitswesen (den sie einfordert) wuchert dagegen unbegrenzt weiter: in Richtung einer Digital-Medikalisierung aller Lebensbereiche. Kann so das Klima gerettet, oder wenigstens günstig beeinflusst werden?

Ich bezweifle es. Der Wissenschaftsjournalist Guillaume Piton rechnet am 07.10.2021 auf, dass allein die Dynamik der „reinen Digitalisierung“ zu einer weiteren dramatisch beschleunigten Belastung der Biosphäre führen wird. Obwohl er bei seiner Analyse die Ökobilanz der Windmühlen, Gesundheits-Diagnostik-Therapie-Maschinen, Solarzellen, Elektoautos, etc gar nicht berücksichtigte:

Guillaume Pitron: Klimakiller Tiktok. Die Ökosünden der Digitalindustrie. Le Monde Diplomatique 07.10.2021

Download Seite 1, Seite 2, Seite 3

Halbseitige Anzeige zur IAA in der FAZ (04.09.2021)
Für ein gutes Gewissen! (kombiniert mit Luxus, Status, und Protzsucht)

 

Die Umwelt-Katastrophe kommt in die Jahre

1992 waren sich nahezu alle Staaten einig:

Die Menschheit stand (und steht jetzt noch schlimmer) vor einer umfassenden Umwelt-Katastrophe (Welt-Umwelt-Konferenz in Rio 1992). Inzwischen sind ausnahmslos alle Aspekte der Biosphäre erkrankt : Luft, Klima, Böden, Meere, Lebensformen … durch Gifte, Elektro-, Atom- und Plastikmüll, Versauerung, Überdüngung, Metalle, Pestizide, Antibiotika, Abgase und natürlich auch durch Überbevölkerung. Die sauberen Industriestaaten haben die Drecksarbeit in ärmere Länder verlagert. Deren Umweltprobleme kommen hier selten in die Schlagzeilen. Selbst dann nicht, wenn wir sie direkt mit-verursachen:

TÜV-Süd & der Dammbruch in Minas Gerais /Brasilien im Januar 2019:
„Obwohl wir nicht verstehen, wie etwas funktioniert, können wir sicher sein, dass es funktioniert!“ Imagefilm des TÜV Süd, SZ vom 29.01.2019 – FAZ zum Prozess am 29.09.2021: TÜV Süd verweigert sich der Verantwortung, denn die letzten Kontrollen seien ohne Beanstandungen verlaufen. Niemand habe mit der völlig überraschenden Katastrophe rechnen können.

Gehandelt wurde seit 1992 nicht. Im Gegenteil:

Die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen nahm rasant an Fahrt auf. Zehn Jahre später benannte man die Biosphären-Katastrophe in den Teilaspekt „Klima-Katastrophe“ um: Denn für den „Kampf gegen die Klima-Erwärmung“ konnte man (im Gegensatz zum Artensterben uva.) noch mehr Wirtschaftswachstum anschieben. Ganz so, als wiesen die „Neuerungen des Klimaschutzes“ keine Öko-Bilanz auf. Der „Klimaschutz “ mauserte sich (neben der Medikalisierierung aller Lebensbereiche) zum großen Konjunkturprogramm der Neuzeit. Erzählt wird dabei das schaurige „Märchen vom grünen Wachstum“ (Bruno Kern 2020, Michael Moore 2020). Wie kleine Kinder, scheinen auch viele Erwachsene daran zu glauben (zumindest, wenn man das aus den Wahlergebnissen schließt).

Bis 2002 gab es in Deutschland (neben einer Friedensbewegung) eine „Agenda für das 21. Jahrhundert“ („Global Denken – Lokal Handeln“). Dann beteiligte man sich aber, nach dem Grün-Roten-Machtwechsel, in rascher Folge an völkerrechtswidrigen Kriegen um Einflußzonen, Handelswege, Macht und Rohstoffe. Zugleich wurde das langfristige Denken (der „Agenda 21„) ersatzlos abgeschafft, zugunsten kurzfristigen Profitdenkens und Marktregulierung („Agenda 2021“).

Rezzo rund „ums Klima“ 06.09.2021

Nach der Bundestagswahl 2021 ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die wachstumssichernde Finanz-Blase weiter aufblähen wird. Langfristig abgesichert durch dauerhaft-etablierte Rechtsnormen, die zu bravem Mitmachen zwingen. Denn der „Infektionsschutz“ wird sicher langfristig einen höheren Stellenwert erhalten als die Grundrechte (z.B. die der Kinder-Rechte auf Bildung, Recht auf Unversehrheit, Recht auf Kindeswohl …).

„Smart Health / Health 2.0″ (die Digital-Medikalisierung aller Lebensbereiche), rasantes neoliberales Wirtschaftswachstum“ und vielleicht auch eine verstärkte Kriegsgefahr (angesichts des Niedergangs der USA) werden unsere Spezies möglicherweise noch schneller in Richtung der Sackgassen treiben, die erkennbar vor uns stehen.

Dem Westen fehlt es an Visionen, die langfristig mit dem Leben der Biosphäre verträglich wären. Das ist die eigentliche Gefahr, die vom Osten ausgeht: Denn möglicherweise könne man dort – anders – erfolgreicher sein. (Tagesspiegel 18.09.2021).

Charlie Hebdo 18.08.2021: „Bald entsteht hier eine Fabrik für elektische Autos“. Alles super ökologisch: „Kette und Motor aus recyceltem Material … Pflänzchen, um dem Fahrer etwas Frische zu bieten … Getrennte Entsorgung von Zigarettenkippen und Abfall … Windmühlchen, um das Smartphone des Fahrers aufzuladen.“

Merkur 07.09.2021: „Elon Musk kann sich bedanken: Tesla bekommt über eine Milliarde Euro für Grünheide.

Reezo rund „ums Klima“ 06.09.2021

Die Biosphäre wird dynamisch zerstört.

Das Klima heizt sich auf. Meere, Böden und Trinkwaser verdrecken. (Bradshaw, 2021)

Der Raum für alle Lebensformen der Erde (uns eingeschlossen) wird enger. Einige diskutieren bereits über ein „Ende der Evolution“ – wie wir sie kennen. (Glaubrecht 2020, Jorion 2018, 2020)

Scan: „Actuel Novapress“ No. 137 (25), Ron Cobb 1937-2020, cartoon: 1968
Die Bedrohung der Biospäre wird seit einem halben Jahrhundert diskutiert. Konsequenzen? Fehlanzeige!

Die globale Krise des Wirtschaftssystems

Seit 2008 blähen sich immer größere Finanzblasen auf. Die Bilanzen der EZB (Europäische Zentralbank) und der FED (Federal Rexerve System) der USA) sind voll von Risikopapieren (Derivaten), nicht marktgängigen (derzeit unverkäuflichen) Staatsanleihen und Kreditaufnahmen.

“Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” EZB Präsident Maria Draghi, 26. Juli 2012

Draghi irrte. Es reichte nicht.

  • Ab Früh-Herbst 2019 blähten sich die Bilanzsummen der EZB und der FED in einer bisher ungeahnten Geschwindigkeit auf.
  • Ab Februar 2020 beschleunigte sich die weitere Ausdehnung durch die diverse finanzielle „Corona“-Rettungsprogramme.

Bild: Links Staatsanleihen der EZB (Quelle: www.ecb.europa.eu/pub/annual/balance/html/index.en.html), und rechts der FED (USA) 2008-2021. Bild: www.federalreserve.gov/monetarypolicy/bst_recenttrends.htm (Total Assets – Gesamt-Aktiva am 31.08.2021: 8 347 173 000 000 000 US$)

Die Finanzkrise sorgt für eine Marktbereinigung

Wie in der Evolution eröffnen sich Lücken für einige Großunternehmen (in Deutschland u.a. Lidl, Aldi, SAP, ..), in die sie jetzt wuchern. Andere sterben ab, spätestens dann, wenn sie nicht mehr staatlich gestützt werden. (Schick 2021)

Sollten die Finanz-Blasen platzen, werden einige Gesellschaften und Staaten instabil werden. Denn viele leiden zusätzlich an einem gesellschaftlichen Spaltpilz: Die Reichen werden immer reicher, und die Armen ärmer (Tagesschau 22.10.20, Davis 0805.2021) Nicht nur die Armen slebst werden dabei kränker, sondern ebenso die Gesellschaften, in denen sie leben (Richard Williams Vortrag 2011)

Strategien, die im Bundestagswahlkampf propagiert werden, um überkommene Wirtschaftssysteme nach einer „Bereinigung der Märkte“ in einem „Neuen Normal“ durch neues „nachhaltiges“ Wachstums zu stabilisieren, werden die Umwelt mit großer Sicherheit weiter zerstören.

Die weitere Verknappung der natürlicher Ressourcen wird allerdings, ebenso wie die dadurch ausgelösten sozialen Verwerfungen, die Möglichkeiten zur weiteren Profitmaximierung langfristig begrenzen.

Angesichts innerer Verfallserscheinungen werden immer wieder Kriege ausgerufen werden, gegen Feinde, die sich gerade anbieten. Das führt dann zwar zu einem vorübergehenden Aufschwung einer Kriegswirtschaft, die wirksame Munition produziert („gegen was auch immer“). Aber auch solche Blasen kollabieren erfahrungsgemäß, wenn das Limit der Ausdehnung erreicht wird. Entschlossene Rufe, wie „Wir sind im Krieg!“, sind daher immer auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit.

… Momentan beruhigen sich alle damit, dass der Impfstoff uns alle alsbald retten könnte. Bezogen auf das Finanzsystem ist das jedoch nur die nächste Illussion. Denn ohne fundamentale Änderungen steht hier nur eines fest: Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt.“ Schick 2021

Ein Problem kann man vielleicht noch bekämpfen.

Viele Problemen muss man managen:

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Covid-19: Keine Wahl?

Pandemie-Maßnahmen sind kein Wahlkampf-Thema!

Die epidemische Lage nationaler Tragweite wurde wie erwartet im Bundestag verlängert (Merkur 30.08.2021). Auch wenn die dafür nötige Datenbasis (zumindest) unklar ist. (Die Pandemie in den Rohdaten 11.08.2021)

Scan aus FAZ 21.08.2021 – dpa 03.09.2021: “ ‚Wir gehen fest davon aus, dass es ab kommendem Jahr Impfstoffe für alle Altersklassen geben wird, sogar zugelassen bis zu Neugeborenen‘. F. Hoffmann, Generalsekretär Dt. Interdisz. Verein. für Intensiv- und Notfallmedizin.“

Das früher erste „G“ („Gesund – ohne Medikamente“) gibt es nicht mehr. Es wurde verdrängt durch die medizin-produkt-bezogenen „G’s“ („Geimpft, Genesen, oder ggf. Getestet“).

Unterdessen geht der Krieg der Erwachsenen gegen ihre Kinder unvermindert weiter:

Die umlaufende Atemwegsinfektion hat zwar für sie keine Bedeutung: Trotzdem werden sie, um Erwachsene zu schützen, psychisch und körperlich in ihrer Entwicklung gehemmt, und mit Masken, unsichtbaren Bedrohungen, täglichen Tests, „strengen“ Quarantäne- und Hygienemaßnahmen gequält. (dpa 02.09.2021)

Die Folge sind: Abnahme der Fitness und Zunahme von Übergewicht (Jaring August 2021). Möglicherweise wird man später, als eine Folge des mangelnden Trainings der Hirn-Bewegungs-Einheit, auch ein Intelligenzrückgang beobachten können. (Kinder in Balance).

Und schließlich wird an ihnen (gegen wissenschaftliche Logik) ein neuartiges Pharmaprodukt getestet: Obwohl die kurzfristigen Risiken (u.a. Herzentzündung, Immunstörungen, ..) für sie höher liegen, als ein (für sie) weitgehend fehlender Nutzen. Und obwohl die Langzeitfolgen dieser Eingriffe für sie (insbesondere bei Mädchen) nicht eingeschätzt werden können (Covid-19 & Kinder)

https://www.lockdown-kinderrechte.at/

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=bsJrjpfortM

Was machen die Corona-Maßnahmen mit unseren Kindern? Gerald Hüther 30.11.2021

„Querdenken“ ist vor der Wahl nicht gefragt.

Der Begriff wurde 1967 von Edward de Bono geprägt, und galt bis Ende 2019 als die wesentliche Voraussetzung für Innovation, Kreativität, Zukunftsfähigkeit und Veränderungsmanagement.

10. Deutscher Querdenkerkongreß von Wirtschaftsunternehmen im November 2019

Vom ersten bekannten Wissenschaftler (Anaximander) bis zur Quantenphysik galt (bisher) Querdenken als Essenz und Grundlage der Wissenschaft: Nach-und Selber-Denken, Nicht-Wissen, Nicht-Glauben, Hinter-Fragen, Imaginieren“.

Allerdings nicht in der Medizin, denn die ist auch „Kunst“ und Geschäft. Lineares Denken („die richtige Antworten haben“ und „Genau wissen wie es ist“) kennzeichnen nicht nur Glaubenssysteme, Religionen und Schamanismus: Sondern oft auch medizinische Lehrmeinungen.

Wer es heute wagt, „Quer-zu-denken“ hat in den Kirchen nichts zu suchen und wird als Heid:in verdrängt. Interessengeleitete Massen-Trance-Phänomene lassen sich ohnehin nicht durch rational-wertschätzende Diskurse beeinflussen (Matthias Desmet, Aug 2021). Man sortiert „Anders-denkende“ in ideologisch definierte Kästchen ein, um sie dann dort zu markieren und zu entsorgen. Oder man ignoriert sie einfach, besonders jetzt vor der Wahl.

So, als ob es sie, und das, was sie zu sagen haben, nicht gäbe:

Wahlaufruf von Prof. Gerd Antes (EbM-Netz, Cochrane)

Offener_Brief_zur Wahl 2021-1Herunterladen

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Ultimative Placebos

17. April 2021

„.. Das raffinierteste, schmerzhafteste, teuerste, invasivste und zeitaufwendigste
aller Placebos erreicht den stärksten Effekt“, Harris 2020

Tagesanzeiger 11.05.2021:
„Der psychische Effekt der Impfung fährt mindestens genauso ein. – Mit der Covid-Impfung wird auch das Potenzial für eine neue Leichtigkeit injiziert.“ https://www.tagesanzeiger.ch/high-vom-impfen-652043311164

Angst-Stress-Panik, dann Hoffnung und Erlösung

Eine Gruppe erfahrener Gesundheitswissenschaftler befürchtet, das „Gesetzgebungsverfahren zum vierten Bevölkerungsschutzgesetz” könne „der Ausgangspunkt für einen auf Permanenz gestellten Lockdown sein.“ (Matthias Schrappe u.a.: „Zentralisierte Willkür, 15.04.2021“)

Auch andere ahnen, der gerade durchlebte Albtraum werde nicht mehr enden. Denn die ergriffenen Maßnahmen sollen nur (in Teilen) zurückgenommen werden, wenn es „genau dieses Virus“ nicht mehr gäbe. Das wird aber nicht der Fall sein.

Wir werden mit dem Virus leben müssen. Daher werden mit fortschreitender Durchseuchung der Bevölkerung umso mehr positive Ergebnisse gemeldet werden, je mehr (gesunde) Menschen getestet werden. Wie üblich bei Virusinfektionen, werden sich die Varianten verbreiten, denen sich trotz aller Maßnahmen evolutionäre Chancen bieten. (Kustin T, medRxiv 09.04.2021)

Und natürlich werden spätestens ab dem Sommer (wie jedes Jahr) neue Atemwegs-Viren um die Welt schwappen, und auf Menschen treffen, deren Immunsysteme in diesem Winter nicht trainiert wurden. Auch für diese Viren werden Tests entwickelt werden, um sie dann zielgenauer bekämpfen zu können. Selbst wenn es so gelänge, einen Terroristen nach dem anderen ausrotten, warteten zahllose andere auf ihre Chance. Also läge es eigentlich nahe, nachzudenken … zum Beispiel, wie Gesundheit gefördert werden könnte, und die Fähigkeit, Krisen ohne Schaden zu bewältigen. (Resilienz)

Aber noch hoffen die meisten, das „Neue Normale“ würde dem alten gleichen, wenn erst alle geimpft wären. Ginge auch diese Hoffnung verloren, stiege die Zahl der Dauer-Verunsicherten und psychisch Kranken noch stärker. (Guardian 27.12.2020, Solé 2021)

„…wenn die Rückkehr zu einem „normalen“ Leben nur so zu gewährleisten ist, könnte das der Preis sein, den jeder einzelne von uns für das Ticket zur Teilnahme an diesem Leben zahlen muss„. Anastasisus, Rotenburger Kreiszeitung 29.12.2020

„Wenn der Arztbesuch glücklich macht“ (TAZ 14.04.2021)

Belohnende Hirnbotenstoffe (u.a. Dopamin) werden besonders dann ausgeschüttet, wenn ein langersehnte Belohnung unmittelbar bevor steht (Saplosky 2014). Einprägsam-schmerzhafte Rituale können dann weitere Hirnbotenstoffe freisetzen, die beruhigen (u.a. Endorphine). Denn etwas, das drastisch, schmerzhaft und erschreckend erlebt wird, brennt in der Erinnerung ein. Deshalb stechen, tätowieren, picksen und ritzen Schamanen seit der Steinzeit.

Nach solchen bedeutungsvollen Ritualen ist dann alles „wieder gut“ … solange, bis man sich wieder krank fühlt.

Lehrbuchwürdige Beschreibung eines Placebo-Phänomens:

“ … Es ist ein besonderer Tag für Anita Drews: endlich wird sie gegen Covid19 geimpft – und das sogar um die Ecke. Viele Menschen sind wie die Berlinerin dankbar, dass jetzt auch Hausärzte zur Coronaspritze greifen dürfen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot mehrfach.“ Bild-Text rechts: „Ein Hoffnungsschimmer: Anita Drews kurz nach ihrer ersten Impfung bei der Hausärztin.“ Schluss-Satz: „… ‚Das ist ein kleiner Hoffnungsschimmer, aus dieser Isolation herauszukommen‘, sagt sie“ (die Hausärztin). “ ‚Das gibt mir Kraft für den Endspurt – noch durchhalten‘.“ (TAZ 14.04.2021)

Beispiel: Chirurgie als ultimativer Placebo

Prof. Ian Harris ist ein leidenschaftlicher, australischer Chirurg.

Er operiert und überprüft zugleich durch Studien, was er und andere tun. Chirurgie bezeichnet er als „ultimate placebo“. Denn invasive, schmerzhaft-einprägsame „Placebos“ wirkten noch besser als bunte (inhalts-leere) Tabletten oder Kügelchen.

Prof Dr. Ian Harris: Schnippeln für den Profit. Riva Verlag. München 2020
Video-Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=IzueFu1cq5U

In „beziehungslosen“ Chirurg-Patient-Beziehungen ist es möglich, Patient:innen geschickt zu täuschen, und ihnen eine Wirksamkeit vorzugaukeln, die nicht existiert.

Bei einem operativen „Placebo“, der Patient:innen ablenkt oder in die Irre führen soll, wirkt also nicht etwa die (leere) „bunte Pille“, sondern das starke Gefühl, man könne vertrauen, man werde nicht betrogen, und alles werde wieder so wie früher sein.

Weil diese Art von Betrug so gut wirkt, würden in England „Placebos“ von 70% der Ärzt:innen angewendet. In Deutschland (vermuten viele, wie ich) noch deutlich häufiger. Das aber widerspricht der ärztlicher Ethik.

Deshalb sollten (nach Ansicht von Harris) nicht nur bei der Zulassung von Medikamenten, sondern auch in der Chirurgie allen Neuerungen und Verfahren durch in die Zukunft gerichtete, langfristige Studien begleitet werden.

Tatsächlich aber beruhten die meisten chirurgischen Verfahren (wie er schreibt) auf einem wackeligen Drei-Bein:

  • Der Vermutung, dass es funktionieren könnte (Biologische Plausibilität)
  • Erfolgversprechenden Hinweisen aus Labor- oder Tierversuchen
  • Der persönlichen Erfahrung der Chirurg:innen (so genannte „Eminenz“ based Medicine)

Notwendig sei eine Veränderung der ärztlichen Ethik, sowohl hinsichtlich der Forschung, als auch der klinischen Praxis. Gerade in der Chirurgie, wo oft Ärzt:innen nur wenige Male eine Methode ausprobieren, um sie dann regelhaft durchzuführen.Die Forschung müsse stringent und unabhängig erfolgen.

Die ethischen Anforderungen an die klinische Praxis müssten unbedingt erhöht werden, da Kliniker keine Therapie anwenden sollten, die nicht kritisch in ihrer Praxis getestet wurde oder wird.

Was ist eigentlich ein „Placebo“?

Beruhigungseffekte können nur bei Säugetieren, nicht aber bei Krokodilen und Schlangen ausgelöst werden. Diesen Ur-Tieren fehlen noch Hirnstrukturen, die ihnen Emotionen vermitteln könnten. Rituale der Gabe von „Placebo“-Pillen haben bei Tieren (ohne Mittelhirn) keinen Effekt.

Säugetiere dagegen bewerten äußere und innere Signale. Sie teilen sich ihren Artgenossen mit. Sie gehen Beziehungen ein. Sie können durch andere beruhigt werden. Ihre Fähigkeit zu „Stillen“ (neudeutsch: bonden) wirkt auf jede Zelle ihrer Kinder:

  • Herzschlag und Atmung normalisieren sich, und
  • das Immunsystem wird sinnvoll gedämpft.

Systemeffekt Mutter (später Ärzt:in)

Alle Funktionen des Körpers können – beruhigt – äußere Belastungen besser bewältigen. Sie agieren weniger aufgeregt und arbeiten effektiver.

Später bei Erwachsenen können auch Rituale besänftigen, wenn ihnen eine Bedeutung beigemessen wird. Lautgebung, Musik, Sprache, Mimik, Berührungen, Körperhaltungen, Gesten uva. können sehr starke Wirkungen auslösen, wenn die Personen, die die „heilsamen Handlungen“ ausführt vertraut ist.

Eine Mutter, die ihr Kind tröstet, kann – zusätzlich zu Kuscheln und Streicheln – auch von einer Fee erzählen, die den Bauchschmerz wegzaubern werde. Dieser „Schwindel“ ist aber nur Beiwerk. Viel wichtiger ist, dass das Kind die Liebe und Sorge spürt, die seine Mutter ihm entgegenbringt.

Der stärkste nicht-spezifische Effekt:
Sicherheit und Beziehung nach großer Gefahr. Bild: Jäger 2017

​Beispiel: Schwarzer Stein bei Schlangenbissen

Mein „Schwarzer Stein“ (folgendes Bild) ist das Geschenk eines traditionellen Spezialisten für Schlangenbisse. Ich lernte ihn 1982 im Süden Tansanias kennen, als er bei einer akuten Bissverletzung ins Krankenhaus gerufen wurde. Die moderne Medizin hatte in diesem Fall nichts zu bieten. Die Patientin mit weit aufgerissenen Augen sah sich (zurecht) vom Tod bedroht. Der Schamanen-Experte aber rettete sie. Mit seinem „Schwarzen Stein“, den er auf Bisswunde drückte, während er wie nebenbei die Frau durch seinen ruhigen Blick und sein Gemurmel in Trance versetzte.

Sein „Schwarzer Stein“, erklärte er mir, werde aufwendig hergestellt aus Holzkohle und Knochenmehl, unter Beimischung vieler Kräuter und Säfte, begleitet von Rühren, Schütteln, frommen Segnungen und Sprüchen.

„Sein Original“ unterschied sich also deutlich von „irgendwelchen Fake-Imitaten aus Asien“, selbst wenn diese das Gleiche enthielten. Sein Verfahren wirke immer dann am besten, wenn die Betroffenen wirklich Todesangst empfänden, aber bei „diesem“ Gift gewisse Überlebenschancen nicht ausgeschlossen wären. Werde er zu einem panisch-verstörten Opfer gerufen, beruhige sich die Situation meist schlagartig. Denn man wisse, dass er seinen „einzigartigen schwarzen Stein“ mitbringen würde, und dass nur er allein damit umzugehen wisse.

Alles Weitere sei Zutat: das Eindrücken des Steins in die Bisswunde, das rituelles Gemurmel, die Auslösung von Trance … So beruhigt sich die Atmung, das Herz schlägt langsamer und das Gift verteilt sich nur allmählich im Körper.

Seine Technik ist uralt. Auch die ersten griechischen Ärzte kannten sie schon:
„Den Patienten ablenken, bis die Natur sich selber hilft“.

Ein originaler „Schwarzer Stein“ (Bild: Jäger 2021, Stein hergestellt in Süd-Tansania 1982)

Corona-Impfungen

Die Patienten:innen, die geimpft werden wollen, sind hochmotiviert. Sie wollen sich unbedingt sicher fühlen. Eigentlich spräche für die ärztliche Qualität der Impfärzt:innen, wenn sie erklären würden, ob und wie ein Medikament oder eine Intervention helfe, und welche Risiken damit verbunden seien.

Impfende Allgemeinärzt:innen berichteten aber (i.R. eines Online-Treffens am 14.04.2021) von ihren Erfahrungen, dass rationale Aufklärung in der Regel unerwünscht sei. Selbst wenn mehr Zeit zur Verfügung stünde, wolle das eigentlich niemand. Die Patient:innen verlangten nur das, was ihnen absolut dringend erscheine. Und es bleibe Ärzt:innen keine Wahl, als das zu tun, was man von ihnen verlangt. Anschließend sei die Mehrzahl der Patient:innen überglücklich und tief erleichtert, wenn der Piecks endlich erfolgt sei.

Wäre dieser Quiz-Master neugierig, interessierte ihn die Frage. Er wüsste, dass er nichts weiß, und könnte diese Unsicherheit aushalten. Und er würde klarer sehen wollen, um mehr zu verstehen. Wäre er in Angst, brauchte er dringend Sicherheit, durch eine einzige Antwort – auf jede Frage. Genau das soll sein „Ja Ja Ja Ja“ offenbar vermitteln. In Panik ist es egal, ob man in einen Nebel schaut – Hauptsache man findet irgendwo Halt. So fröhlich wie Günther Jauch lacht, ist Angst bei ihm unwahrscheinlich. Freut er sich über die Summe, die man ihm bezahlt hat? (Bild: Reklame am 17.04.2021)

Rituale

Alles was „wissenschaftlich-bedeutungsvoll“ erscheint und durch die Körpersinne (Berührung, Druck, Schmerz,…) wahrgenommen werden, kann die Hirnchemie auch moderner Menschen nachhaltig beeinflussen (Fabrizio Bennedetti, Gerac-Studien s.u.). Der Glaube an einen rationalen Zusammenhang ist in unserer Kultur hilfreich, aber (auch hier) nicht zwingend erforderlich.

Chirurgische Eingriffe und Impfungen müssten eigentlich (genau wie medikamentöse Therapien) durch zufalls-kontrollierte, in die Zukunft gerichtete (prospektive) Studien“ begleitet werde. Das wäre z.B. leicht im Rahmen von Krankenkassendaten möglich: Eine chirurgische Neuerung oder die Anwendung eines neuartigen Impfstoffs in einer bestimmten Region, könnte mit Patient:innen einer anderen Region zu verglichen werden, wo die Maßnahmen (noch) nicht zum Einsatz kamen (Relton 2010).

Ob solche herstellerunabhängigen Anwendungsstudien (Phase IV Studien) bei den Covid-19-Impfungen durchgeführt wurden, ist mir nicht bekannt.

Die Placebo-Effekte, die bei der jetzigen Impfkampagne auftreten, werden (nach meinen Erfahrungen mit heilsamen Ritualen) erheblich sein: Völlig unabhängig von der jeweiligen spezifischen Wirkungen der mRNA- oder Vektor-Impfstoffe. Wie sich diese Effekte langfristiger auf die Psyche und das Immunsystem der Geimpften auswirken, wissen wir nicht. Unbekannt ist auch, was geschehen wird, wenn die durch Erwartungen angeregten Konzentration von Hirnhormonen wieder abfallen. Und wie Psyche und Immunsystem später auf neue Herausforderungen reagieren werden: zum Beispiel, wenn künftige Testergebnisse und ähnliche Viren, neue Ängste auslösen werden.

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Literatur

Freiheit und Geborgenheit

10. April 2021

Freiheit wird genommen. Vertrauen geht verloren.

Freiheit

Eigentlich werden Freiheitsrechte in Deutschland im Grundgesetz (Artikel 2) garantiert.

Das ändert sich gerade. Expert:innen glauben, auf der Basis vorläufigen Wissens Maßnahmen empfehlen zu müssen, die Freiheitsrechte einschränken. Gesundheits-Schutz sei vorrangig. Für „härtere“ Zwangsmaßnahmen müsse das Infektionsschutzgesetz sogar noch verschärft werden. (Merkel 08.04.2021) Wie in vielen Ländern nutzen Mächtige die willkommene Gelegenheit, Freiheitsrechte wegzuschmelzen (AI Report 2020/21 – 07.04.2021).

Da es einen „freien Willen“ ebenso wenig gibt wie „wahre Kartoffeln“ (Dörner 2006), kann man „Freiheit“ zwar nicht wegnehmen, wie einen Gegenstand. Aber man kann sehr wirksam, mitleidlos und brutal verhindern, dass sich etwas ungestört entwickeln, gestalten und entfalten kann. (Pink Floyd 14.03.2021)

Es ist leicht möglich Leben einzuengen, und für Angst und Beklemmung zu sorgen. So fördert man die Illusion, alles sei unter Kontrolle. Komplexe Situationen neigen aber dazu „sich zu rächen“ (überraschend in Katastrophen abzukippen), wenn man ihre Flexibilität und Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt. (Tenner 2015)

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand. Charles Darwin

Geborgenheit

Geborgenheit

Der japanische Philosoph Takeo Doi beschrieb das zentrale, handlungsleitende Gefühl: Geborgen zu sein. Er nannte es „Amae“ abgeleitet von „amaeru“: „sich anlehnen, sich verwöhnen lassen“. (Takeo Doi 1982) „Mütterliche Geborgenheit« sei ein innerer Ur-Zustand. Das tiefe Vertrauen in eine sichere Abhängigkeit zu sorgenden nahen Menschen. Werde dieses Gefühl tief verletzt, folge auf „Amae“ die Verzweiflung. Immer dann, wenn ein Lügengebäude in sich zusammenbricht, und zu Vertrauensverlust führt.

„Sich geborgen fühlen“ ist ein Grundbedürfnis. Es widerspricht nicht unserer Sehnsucht nach freier Entwicklungsmöglichkeit. Sondern es ergänzt sie. Der Mensch habe (so Takeo Doi) „ein Recht auf Abhängigkeit“ – ebenso und gleichermaßen wie ein „Recht auf Freiheit“. Amae, die Lust, das fröhliche Baby einer großen Mutter sein zu dürfen, steht nicht im Widerspruch zu persönlicher Entfaltung und Leistung: „Die Mutter darf streng sein, klare Grenzen setzen und sagen, was zu tun ist“. Nur eines darf sie nicht: täuschen und lügen.

Sehnsucht nach Geborgenheit und Freiheit

Wir brauchen beides – gleichermaßen – wie Wasser und Nahrung.

Die Erinnerung an den Schutz im Bauch der Mutter ist körperlich eingeprägt. Auf dieser ursprünglichen Geborgenheit beruht unser Urvertrauen. Die erste Freiheit entsteht durch die elementare Trennung: das Auspressen der Lungen und anschließende Einsaugen von Luft. Durch das Abnabeln. Und durch die weite Öffnung der Arme und Beine für die Welt. Streicht man Neugeborenen sanft über die Außenseiten der Gliedmaßen, kuscheln sie sich in der Geborgenheits-Geste zusammen, und erwarten das Gefühl einer „Gebärmutter-Berührung“ am Rücken (Tragetuch) und die sanfte „Berührung eines Beckens“ an der Kopfhaut (durch eine Hand). Dann aber wollen sie wieder frei sein, sich der Welt weit öffnen und sie begreifen. Was ihnen am besten gelingt, wenn sie auf Schutz und Sicherheit vertrauen können.

Bilder: Jäger 2021. Puppe Rikepa

Freiheit bedeutet auf der Grundlage, der Kleinkind-Erfahrungen, sich weit öffnen, verletzlich sein, etwas riskieren, mutig die Welt erkunden, neugierig sein.

Graphik Jäger 2021. Rechte Skizze: Die Möglichkeit, sich dem was geschieht, lebensfroh und risikobereit zu öffnen. Wird dieses natürliche Gefühl unterbunden, entsteht nicht etwa Geborgenheit und Vertrauen. Sondern Frust, Ärger, Depression, Instabiltät (Skizze links).

Eine Stimmung, die aus Unsicherheit, Angst, Wut, und Hilfslosigkeit aufgemischt wird, ist unerträglich. Daher steigt der Bedarf durch Schein-Sicherheit, durch Rituale oder Produkte, deren Anwendung zelebriert wird mit dem Versprechen, dass alles wieder gut werde. Pharmafirmen forschen daher intensiv an Möglichkeiten, wie ihre kommerzielle Produkte Gefühle mütterlichen Vertrauens auslösen können (placebo-competence.euprograminplacebostudies). Das klappt meist auch wunderbar, bis die Betroffen entdecken, dass sie getäuscht wurden.

Foto Jäger: 2018

Menschen brauchen alles zugleich: Geborgen-sein, Schutz und die Freiheit, das zu entwickeln, was aus uns entstehen will. Dafür brauchen Menschen (besonders dringend Kinder) keine Placebos, sondern offene Kommunikation und sanfte Berührungen (Arte verfügbar bis 31.05.2021, Arte verfügbar bis 28.05.2021, danach über mediathekview möglich)

Foto: Jäger (Tansania 1983) – Zukunftsfähige Kinder: frei, geborgen, neugierig, lebensfroh, schmutzig, zärtlich, verspielt, fröhlich und voller Unsinn im Kopf

Wir müssen dringend wieder in das Leben zurückfinden.

Todesangst, Macht und Gier machen krank.

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Wo ist der Notausgang?

3. April 2021

„Der Koyote, der – vor dem Wolf fliehend – über die Klippe gesprungen ist,
hat noch nicht nach unten geschaut.“ Indianisch / Nord-Amerika

Alle suchen den Ausstieg …

… hektisch, getrieben, verzweifelt. Und finden ihn nicht.
Trotz Lock-downs, Impfkampagnen und Bazooka-Geballere. (Spiegel 13.03.2020)

„Der große Wumms“ der Bundesregierung im Juni 2020 reichte nicht. Aber jetzt wird nachgeladen:

  • „Die EU-Staaten haben unter dem Eindruck der Corona-Krise einem 750-Milliarden-Euro-Fonds zugestimmt, um die Wirtschaft zu beleben. Doch das Projekt ist zum Scheitern verurteilt. Das Geld kommt viel zu spät und wird kaum für Sinnvolles eingesetzt.“ NZZ 01.04.2021
  • „Mr. Biden rettet die Welt!“ (Zeit 10.03.2021 ; Lancet 20.03.2021). Die Presse ist beeindruckt: Das größte Konjunkturprogramm der Menschheitsgeschichte (mit 1,9 Billionen US$) habe „Ganz schön viel Wumms!“ (Zeit 30.03.2021)
Philosophie-Magazin 02/2021 Februar/März

Das Philosophie-Magazin irrt: „Wer hier eine Gebetsgeste erkennt“, liegt völlig richtig! Gebete stärken den Glauben. Sie liefern Antworten und Gewissheiten. Sie vertreiben Angst und Zweifel. Wichtig ist nur, dass die Priester inbrünstig selber glauben, was sie ihren Schäfchen verkünden. Fotokopie: Philosophie Magazin Philosophie-Magazin 02/2021 Februar/März

Wird jetzt alles wieder gut?

Unwahrscheinlich: Denn gerade schwappt die dritte Corona-Welle, der sicher eine vierte und fünfte folgen wird.

Die „Rufe nach hartem Lockdown“ (dpa 01.04.2021) werden jedenfalls mal wieder lauter, und der Lieblings-Virologe der Kanzlerin droht: „Es bleibt nur der Holzhammer!“ (ZDF 31.03.2021).

In diesen schlimmen Zeiten heiligt der Zweck (der Virusausrottung) die Mittel (der Zwangsmaßnahmen): Kollateralschäden müssen folglich (zwangsläufig) in Kauf genommen werden. Uva. die Wechselwirkungen mit anderen Krisen, die gerade in den Hintergrund treten:

Bild: The Economist vom 07.04.2021: Der Internationale Währungsfond sei optimistisch. Auch international würde „Corona“ Reichen zu mehr Reichtum verhelfen. Leider würden Arme dabei etwas Ärmer werden.

Das Lebensgefüge auf der Erdoberfläche ist krank.

Die umfassende Störung zeigt sich in vielen Teil-Krisen, die miteinander wechselwirken und sich hochschaukeln. Viele, die gerade an diesem siechen Ökosystem herumzudoktern versuchen, verschlimmern den Zustand noch. Ganz so wie mittelalterliche Ärzt:innen, die ihre Kranke manchmal auch zu Tode quälten.

Es sieht nicht so aus, als ob diejenigen, die über die Macht verfügen, das überblicken würden, was sie anrichten. Eher scheinen sie hinter den zunehmend eigendynamischen und zufälligen Entwicklungen hinterher zu rennen. Auch wenn sie sich aufblasen und verkünden, man solle ihrer Führungskompetenz trauen und ihnen folgen.

Politiker:innen verfolgen Problemlöse-Strategien

Sie leiden an Projektitis: Dem Wahn, das alles besser sei, wenn ein „Problembär“ erst einmal erschlagen sei. Dieses Verhalten hat sich in der Steinzeit bewährt, als die natürlichen Ressourcen noch unerschöpflich zu sein schienen. Heute führt es in den Ökosystemen, in denen wir leben, und aus denen wir bestehen, oft zu neuen Krankheiten, die es ohne die Problembekämpfung nicht gegeben hätte. Das liegt daran, dass auch scheinbar vorrangige Ärgernisse sich bei genauerem Hinsehen meist als komplex erweisen.

Dynamische Wechselwirkungen in Systemen sind Physiker:innen seit über einhundert Jahren vertraut. Auch in der Biologie werden sie zunehmend verstanden (Mikrobiom). Nur Politik und Medizin tun sich damit noch schwer. Dort herrscht das Dogma der Einzelfaktor-Bekämpfung, das aus der Zeit der Dampfmaschinen und der imperialistischen Kolonialkriege stammt.

Mit ihren vielen Feldzügen gegen alles mögliche, was sich der Wachstums-Ideologie entgegenstellt, rast die Menschheit gerade zu auf eine evolutionäre Wand. Eigentlich müssten wir uns deshalb intensiv mit Beziehungen, Wechselwirkungen, Interaktionen, Kollateralen, schwachen Wirkungen, Zufällen und Dynamiken in komplexen ökologischen und sozialen Systemen beschäftigen. Denn unsere Spezies steckt gerade einer fundamentalen Krise. Bei Bakterien sterben bei solchem evolutionären Druck die meisten Exemplare ab. Nur sehr wenige, die sich, neu angepasst völlig anders verhalten, kommen durch, und vermehren sich dann wieder in anderen Zusammenhängen.

Bei der Entwicklung der Menschheit war es ähnlich. Wir stammen von sehr wenigen Ur-Ur-Großeltern ab, die deshalb eine oder mehrere Katastrophen überlebten, weil sie in der Lage waren, völlig neuartige Verhaltensweisen in die Evolution einzubringen.

Heute sind wir die einzigen (uns bekannten) Lebenswesen, die solche Zusammenhänge erkennen könnten. Und die sich deshalb bereits vor der drohenden evolutionären Katastrophe radikal anders verhalten könnten.

Ist Covid-19 „einfach“ nur ein Virus?

Davon geht die Politik jedenfalls aus. Man verhindert die Übertragung von Covid-19, und hält das Virus durch Medizinprodukte fern. Dann wird alles sein wie vorher … (rechtzeitig zur Bundestagswahl?).

Diese Art mechanischen Denkens gleicht den Vorstellungen, wie sich die NATO die Befriedung Afghanistans vorstellte: Man benannte die Terroristen, spürte sie auf, isolierte, bekämpfte und vernichtete sie … ganz einfach. Nur war man dort nicht besonders erfolgreich (trotz des Abwurfes der „Mutter aller Bomben“).

Tägliche Leitartikel zur viralen Katastrophe, zu der es glücklicherweise viele Produkte zu kaufen gibt, die freundlicherweise auch gleich alle genannt werden. RKZ 11.03.2021 mit dpa-Artikeln

In der Realität sind Zusammenhänge verwoben

Bei Menschen ist der sozio-ökonomische Status einer der stärksten Einflussfaktoren für Gesundheit und Sterblichkeit. Die soziale Schicht schränkt die Lebenschancen ein. Armut bewirkt oft ein niedrigeres Bildungs- und Einkommensniveau, und führt zu höherer Arbeitslosigkeit. Die Gesundheit liegt also nicht allein in den Händen des Einzelnen, sondern ist abhängig von der Umwelt und den Bedingungen, unter denen Menschen leben und arbeiten. (Lancet 2021)

Es sind globale Gesundheits-System-Störungen („Syndemien“), die bestimmte Menschen für virale „Pandemien“ empfänglich machen: Neben Armut, Krieg, Elend, Umweltverdreckung (Feinstaub u.a.) sind es vor allem Über- und Unternährung. Und natürlich auch die jetzt schon spürbaren Veränderungen der Klimakatstrophe (Lancet 2019).

Von erhöhter, durch Covid-19 verursachter Sterblichkeit, sind besonders Länder betroffen, bei denen die Zahl der Fehlernährten und Fettsucht-Kranken besonders hoch ist.

„Covid-19: Höchste Todesraten werden in Ländern gesehen mit besonders übergewichtigen Bevölkerungen.“ BMJ 2021; 372:n623

Ähnlich gut untersucht sind die Risikofaktoren Stress und Schlafmangel. Folglich sollte, wer seine Chancen steigern möchte, Covid-19 ohne Schäden zu überstehen (unabhängig von medizinischen, hygienischen Maßnahmen)

  • sich viel und entspannt bewegen,
  • stress-arm leben und ausgiebig schlafen,
  • sich gesund ernähren (Mangel ausgleichen / Überernährung abbauen),
  • sich dem Sonnenlicht aussetzen,
  • und nicht rauchen.

Sind die zurzeit getroffenen Maßnahmen bezogen auf die Virusverbreitung effektiv?

Das ist umstritten.

Eine Arbeitsgruppe erfahrener Experten öffentlicher Gesundheitsversorgung bezweifelt es. Sie stellt immer wieder alternative Vorschläge vor, die aber bei den Entscheidungsträger:innen offenbar weder diskutiert noch gehört werden: Schrappe 21.03.2021 und 11.03.2021.

Viele der getroffenen Maßnahmen beruhen auf einem politisch-zurechtgebogenen Zahlen-Geschwurbele, das Laien nur schwierig durchschauen können (Unstatistiken 2020 / 2021).

Ob in einem komplexen Zusammenhang (wie bei einer Virusinfektion) etwas geschieht, kann an Wechselwirkungen vieler Faktoren liegen. Und das ist durch Interpretation weit auslegbar.

  • Bei „Verstorben und positiv auf Covid PCR-Testet!“ ist es einfach:
    „Sie oder er ist an Covid verstorben!“
  • Bei „Verstorben nach Covid-Impfung?“ dagegen überhaupt nicht:
    Dann handelt es sich vermutlich um ein „zufälliges Zusammentreffen!“ oder „Sie oder er wäre in dem Alter wohl ohnehin gestorben!“

Der tatsächliche positive oder negative Vorhersagewert eines Tests hängt nicht allein von seiner operativen Genauigkeit ab. Maßgeblich ist auch die Vortestwahrscheinlichkeit, die angibt, wie hoch das geschätzte Risiko für eine Erkrankung vor dem Test ist. DÄB 24/2020

Die STIKO schrieb auf Anfrage am 26.02.2019, dass sie Postmarketing-Studien bei der Covid-Impfung für „unethisch“ hielte, und deshalb nicht durchführen könne. Obwohl es natürlich alternative Studien-Designs gäbe, um Nicht-geimpfte und Geimpfte zu vergleichen. Wenn aber solche vergleichenden Studien nicht gewollt sind, müsste man jede/n Tote/n nach Impfung obduzieren. Dann sähe man übersteigerte Immunreaktionen (als Impfnebenwirkung) oder andere Todesursachen. Das erfolgt aber ebensowenig.

Wir tappen also zu Nutzen und Risiken der laufenden Impfkampagne im Dunkeln. Wenn man aber in eine, sich gerade ausbreitende, Infektion hinein-behandelt (mit Antibiotika oder mit Impfungen), und dabei die gefährlichen Keime nicht alle gleichzeitig ausrotten kann, entstehen Resistenzen. Und die sind dann erfahrungsgemäß bösartiger. (Guardian 30.03.2021, Vanden Bossche)

Durch die laufenden hygienischen und medikamentösen Bekämpfungs-Maßnahmen, könnte sich die Situation also durchaus verschlimmern. Insbesondere dann, wenn sich neue Virus-Mutationen oder andere Viren (wie Influenza) verbreiten, die Immunsysteme befallen, die hinsichtlich der jährlich umlaufender Atemwegsinfektionen untrainiert sind.

Letztlich geht es um Biologie: Um die Dynamik instabiler, lebender Systeme.

Physikalische Gesetze sind ziemlich sicher. Und auch eine biologische Erfahrung halte ich für robust: dass Kooperationen zu evolutionären Erfolgen führen können (Beispiel: Das Ökosystem des Zell-Inneren).

Anders als Viren und Bakterien, könnten wir diese Gesetzmäßigkeit erkennen, und uns anders verhalten, um z.B. vom Schädling (Typ Cholera ) zu einem Teil eines blühenden Ökosystems zu werden.

Aus meiner Sicht bieten sich für viele der hier genannten Krisen zwei grundlegend verschiedene Strategien an:

  • Alle Varianten, Mutanten, Pathogene, Krebszellen, Wachstumsverhinderer, und auch alle anderen Feinde & Terroristen (da draußen) identifizieren, isolieren, umbringen, ausmerzen, abwehren, durch Stacheldraht weghalten, totschlagen, für immer vernichten … einen nach dem anderen, bis sie alle mause-tot sind … und wir dann mit ihnen.
  • Oder gemeinsam sozial und ökologisch-friedfertige Visionen und Strategien entwickeln, wie wir als Superorganismen (aus Viromen, Mikrobiomen, Zellen ..) in übergeordneten lebenden Ökosystemen nutzbringend gedeihen könnten.

Der Finanzmathematiker Nassim Taleb beschrieb drei Trugschlüsse bei Interventionen in komplexe (lebende) Zusammenhänge, wie sie gerade stattfinden:

  • die Illusion, die gegenwärtigen Ereignisse zu verstehen,
  • die retrospektive Verzerrung zurückliegender Ereignisse,
  • die Überbewertung von Sachinformation, in Kombination mit der Überschätzung der Intelligenz und der Macht der intellektuellen Elite.

Diese Ansicht teile ich, und ich wünschte mir, dass in Politik und Medizin nicht überstürzt gehandelt würde. Und, dass man aus Fehlern lernen würde. Und, dass man sich am Vorsorgeprinzip orientierte (Nicht schaden). Und das Vorsorgeprinzip nicht umkehrte. Und, dass man für kritische, neutrale, unabhängige Bewertungen sorgte.

We believe that in the absence of manifest danger, all-out action was a mistake. Beforehand … and … after the decision. … the thing that was needed was a day around the table brainstorming Murphy’s Law: ‚If anything can go wrong it will!‘ When decisions are based on very limited scientific data, the Ministry should establish key points at which the program should be re-evaluated. (Neustadt 1978, Zitat eines Beteiligten an einer Regierungskommission, die 1976 die Swine-Flu Katastrophe in den USA untersuchte.

Kein Fazit – nur Fragen

Ich bin weder Experte noch Besserwisser. Schon gar nicht bei Dynamiken, die ich nicht mehr überschauen kann. Je mehr ich lese, höre, sehe, und versuche das zu verstehen, was andere gesehen, gehört oder gelesen haben, desto weniger weiß ich. Und dann frage ich: offen, ungläubig, neugierig, staunend, mich vorsichtig weiter tastend, und versuchte etwas zu begreifen.

Lob der Kritik: Freie Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie Widersprüche aushalten. In der Corona-Krise darf diese Fähigkeit nicht verloren gehen. Sie ist systemrelevant … Sie kann Kraft zur Entwicklung guter Lösungen entwickeln. Heribert Prantl, SZ 3.-5. April 2021

Todes-Angst

 

Vermag mich der Tod nicht mehr zu schrecken, was sollte mich dann Verlust noch ängstigen?
Shenzi (385-337 vuZ) Philosoph und Politiker

Die Visionen des Westens sind überschaubar

An der Börse sei die Stimmung gut, sagt man, denn viele Großunternehmen profitierten in den Corona-Zeiten.

Auch diese zyklische Krise des Kapitalismus, werde, wie alle vorherigen, den Markt nur bereinigen. Das sagen uns die, die wissen, wie man krisensicher Geld vermehren kann. Auch jetzt in der Talsohle stünden wir am Beginn einer neuen Wachstumswelle. Der Neo-Kapitalismus des „Neuen Normal“ werde sich – grün, nachhaltig, digital und gesund – stabilisieren und immer gigantischer aufblasen.

Mich erinnert dieser kommerzielle Optimismus an eine alternde Sonne, die ihre letzten Energiereserven verbrennt. An einen Stern, der sich noch einmal riesig aufbläht, bevor er irgendwann zum weißen Zwerg zusammenschrumpfen wird.

Es ist möglich, dass diese Bestimmungen angesichts der ethischen Inkonsequenz unserer Regierenden
von der gleichen Angst diktiert werden, die sie zu provozieren beabsichtigen.

Es ist schwierig, nicht zu denken, dass die Situation, die sie schaffen, genau das ist, was diejenigen, die uns regieren, immer wieder versucht haben zu erreichen: dass Universitäten und Schulen ein für alle Mal geschlossen werden und der Unterricht nur noch online stattfindet, dass wir aufhören, uns aus politischen oder kulturellen Gründen zu treffen und zu reden und nur noch digitale Nachrichten austauschen, dass,
wo immer möglich, Maschinen jeden Kontakt – jede Ansteckung – zwischen Menschen ersetzen.

Giorgio Agamben, 11.03.2020) Weitere Texte: „An welchem Punkt stehen wir?“ Turia 2021, ISBN 9783851329964

Bild „Farbe“, Gerd Trostmann, 1998

Dem Westen ist der Sinn verloren gegangen.

Angesichts von Klima- und Umweltkrise fehlen den Regierungen der großen westlichen Industrieländer Visionen für eine lebenswerte, ökologisch-nachhaltige, friedliche Zukunft der Menschheit.

Das ist gefährlich, weil die Spaßgesellschaft, die für „Brot und Spiele“ sorgte (möglichst unbemerkt und geräuschlos) von angepasster Bravheit abgelöst werden wird. „Mainz wie es singt und lacht“ wird künftig wohl im Wohnzimmer stattfinden. Damit die Gesellschaft (die sozial immer mehr auseinanderdriftet) trotzdem zusammenhält, braucht es einen Ersatz. Eine Art Kit, der aus digitaler Ablenkung und Todes-Ängsten gemischt wird.

Oder ein klebriger Brei, der aus Produkten der digitalen Tranfomation, der medialen Durchdringung und der religiösen Medikalisierung zusammengekocht wird. In einem Topf der Geborgenheit vermittelt:weil er vor allen Feinden schützt, die uns von außerhalb bedrohen.

„… unsere Gesellschaft glaubt an nichts mehr außer an das nackte Leben.“
Giorgio Agamben NZZ 18.03.2020

Seuchen weisen – mitleidslos und brutal – auf mangelhafte Fähigkeiten, sich flexibel an neue Situationen anzupassen.

Seuchen gehören zur Evolution.

Bei einzelnen Organismen oder bei Gesellschaften gehen einer explosionsartigen Vermehrung von Infektionskrankheiten empfindliche Störungen voraus: der natürlichen Vielfalt der inneren Funktionen oder der umgebenden Ökosysteme.

Allein mit todes-angst-getriebenen Bekämpfungen einer Seuche ist es deshalb nicht getan: Denn entsteht keine neue elastische Widerstands- und Beziehungsfähigkeit, wird die nächste Epidemie weiter-bestehende Krankheiten oder Verfallserscheinungen verschlimmern.

Now let’s end pandemics forever!
Motto der „Coalition for Epidemic Preparedness“ Cepi am 12.03.2021.
Die Entwicklungszeit für neue Impfstoffe soll auf 100 Tage gedrückt werden, durch zusätzliche 3,5 Milliarden Dollar aus öffentlichen Mitteln. (NZZ 10.03.2021)

Erfolgreiche Lebensformen verhalten sich kooperativ

Aggressive Formen der Cholera-Erreger, die ihren Wirt umbringen, sind evolutionär nicht erfolgreich. Sie sterben aus. Langfristig setzen sich Varianten durch, denen es gelingt, sich friedfertig und nützlich in einen neuen Wirtsorganismus zu integrieren (Ewald 2007)

Bild: Paul Ewald: Können wir Keime domestizieren? TED-Vortrag 2007

Naturwissenschaftlicher Erkenntnis zum Trotz, quält uns die Kriegsmedizin des 19. Jahrhunderts bis heute. Mit ihrem quasi-religösen Glaube, dass es erfolgversprechend sei, alle „Feinde, die uns mit dem Tod bedrohen, zu benennen, zu isolieren,zu bekämpfen und zu vernichten!“. Und dass es – wie bei jeder Todesstrategie – notwendig sei, dem Leben Kollateralschäden zuzumuten.

Die Feinde der Kriegsmedizin stehen „da draußen“! Sie erscheinen schicksalhaft. Scheinbar völlig unabhängig von der Art unseres Verhaltens und vom Zustand unserer Verhältnisse. Und Sterben kann nur verhindert werden, wenn man das tut was man soll. Und wenn man Produkte konsumiert, die dafür sorgen sollen, dass alles wieder gut wird.

Gelänge es CEPI tatsächlich, alle uns heute bekannten globalen Viren durch hoch-effektive Impfstoffe auszurotten, dann eröffneten sich evolutionäre Lücken für neue Viren, die wir noch nicht kennen.

Ganz ähnlich ist es mit der Anwendung von Antibiotika. Sie können Leben retten. Aber auch die effektivsten Bakterienvernichter züchten die Bakterienstämme, die gegen genau diese Medikamente resistent sind. Deshalb entwickeln sich Pandemien antibiotikaresistenter Mikroorganismen (WHO 2020). Auf Covid-19 trifft das gleiche zu. Im Gemisch der weltweit verbreiteten Virusvarianten, werden sich die durchsetzen, die sich schnell (von Gesunden auf Gesunde) verbreiten können, und die von den Impfstoffen nicht erfasst werden. Wie auch bei den jährlichen Influenza-Pandemien.

Todesstrategien („etwas ausrotten“) sind in der Evolution selten erfolgreich, zumindest nicht auf lange Sicht. Dagegen entwickeln sich flexibel-angepasste, friedvolle, sich-selbst-regulierende Ökosystemen dynamischer. Zum Beispiel gäbe es uns sonst nicht. Denn unsere Körperzellen stammen von einem Kampf ab der beigelegt wurde. Statt sich gegenseitig zu vernichten schufen Urzellen und Minibakterien eine Einheit, in der beide untrennbar zusammenwirken und doch jeweils Eigenständigkeit bewahrten (s. Ökosystem Zelle)

Gab es vor Covid-19 noch andere Probleme?

Eigentlich müssten unsere Gesellschaften den Warnschuss „Covid-19“ zum Anlass nehmen, das Verhalten und die Verhältnisse so verändern, dass sich unseren Gesellschaften neue Chancen eröffneten. Angesichts der übergeordneten Umwelt-, Sozial- und Finanzkrisen.

Eigentlich müsste auf allen Ebenen debattiert werden, wie Menschen sich von todbringenden Hautkrankheits-Erregern der Erde-Oberfläche zu nützlichen, fröhlich-lebensbejahenden Organismen wandeln könnten. Die fähig wären, friedlich, in stabilen, artenreichen Ökosystemen zu leben.

Greta’s Schrei „Ich will, dass ihr in Panik geratet!“ verhallte folgenlos. Von Panik keine Spur. Denn es gab plötzlich viel wichtigeres: einen unmittelbaren Feind, der jetzt sofort „bekriegt“ werden musste (Macron 16.03.2020). Die unmittelbare Todes-Drohung (Leichentransporte in Bergamo!) erwies sich als ungleich wirksamer, als rationale Gedanken an ferne Lebenswelten, die ohnehin nur die Eisbären und die Enkel anderer Leute betreffen würden.

Wir brauchen Lebensmut statt Todesangst!

„Der Tod ist uns ein Nichts, denn was der Auflösung verfiel, besitzt keine Empfindung mehr. Was aber keine Empfindung mehr hat das kümmert uns nicht. Solange wir da sind, ist der Tod nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht mehr. Folglich betrifft er weder die Lebenden noch die gestorbenen, denn wo jene sind ist er nicht und diese sind ja überhaupt nicht mehr da. Freilich, die große Masse meidet den Tod als das größere Übel …“
Epikur 341-270 vuZ. Philosoph (Kröner Verlag 1973)

Der Tod kann nichts wegnehmen, von dem, was bereits geschehen ist. Alles was er „entfernen“ könnte, ist bereits verschwunden, weil es wie alles Vergangene nicht mehr ist. Was wir gestern waren, ist schon gestorben. Nicht einmal Gegenwart existiert für uns, weil alles, was unsere Sinne wahrnehmen und verarbeiten, bereits geschehen ist. Über unser „Ich“, dessen Tod wir fürchten, können wir nur Geschichten erzählen, die wir aktiv erinnernd mehr oder weniger ausschmücken.

Das einzige was wir tatsächlich erleben, sind Entwicklungen in die Zukunft. Wir erfahren die Ergebnisse dessen, was gerade neu entsteht. Leben bedeutet wachsen, wandeln, neu entstehen. All das kann man verhindern: brutal hart, unbarmherzig. Aber man kann nicht nehmen, was nicht „ist“. Eigentlich ist es nicht die Todes-Illusion, die uns ängstigt, sondern die Sorge vor der stetigen Veränderung des Leben.

Alles wird. Solange noch Energie verfügbar ist. Und dafür kann man sorgen:

Es ist die Bewegung, die Körper und Geist gesund erhält. Fließendes Wasser fault nicht.
Türen und Angeln werden nicht wurmstichig, denn sie bewegen sich.
Gleiches gilt für Körper und Geist.
Lü Buwei (Kaufmann, Politiker, Philosoph) 300-235 v.u.Z.

Warum ist die Todes-Angst nur so mächtig?

Und die Lebenslust so schwach?

Ich spreche vom Licht
von Fereydoun Moshiri (1926-2000) Übersetzung aus dem Persischen von Afsane Bahar; 2013

Jeden Morgen, sobald das Sonnenlicht über den fernen Bergen emporsteigt, breite ich die Flügel aus,
flinker als die Brise; lasse die Botschaft der Morgendämmerung fliegen, Ich erzähle vom Licht, vom Licht, von lebendigem Leben, von frischem Atem, von neuem Dasein, vom Stolz.

Aber im Gedränge der Straße verlieren sich meine Stimme und meine Lieder. ... Fremd mit diesem ganzen kalten Gerede rufe ich weiterhin geduldig die Menge der Schlafenden mit Liebe, Freude, Leidenschaft. Die Botschaft der Morgendämmerung lasse ich fliegen. Wohin ich auch gehe, spreche ich diesem und jenem ins Ohr, sogar im Gedränge der Straße, vom Licht, vom Licht

Mehr

Dauerwelle?

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about:blankTitel hier eingebenCorona-Krisen-Philosophie

Inhalt

  • Ultimativer Placebo
  • Freiheit und Geborgenheit
  • Wo ist der Notausgang?
  • Todes-Angst
  • Dauerwelle?
  • Chaos managen statt bekämpfen
  • Selber Denken in der Krise
  • Corona-Philosophie
  • Mehr desgleichen

Interner Link

Kunst

Ultimative Placebos

17. April 2021

„.. Das raffinierteste, schmerzhafteste, teuerste, invasivste und zeitaufwendigste
aller Placebos erreicht den stärksten Effekt“, Harris 2020

Eine Gruppe erfahrener Gesundheitswissenschaftler befürchtet, das „Gesetzgebungsverfahren zum vierten Bevölkerungsschutzgesetz” könne „der Ausgangspunkt für einen auf Permanenz gestellten Lockdown sein.“ (Matthias Schrappe u.a.: „Zentralisierte Willkür, 15.04.2021“)

Auch andere ahnen, der gerade durchlebte Albtraum werde nicht mehr enden. Denn die ergriffenen Maßnahmen sollen nur (in Teilen) zurückgenommen werden, wenn es „genau dieses Virus“ nicht mehr gäbe. Das wird aber nicht der Fall sein.

Wir werden mit dem Virus leben müssen. Daher werden mit fortschreitender Durchseuchung der Bevölkerung umso mehr positive Ergebnisse gemeldet werden, je mehr (gesunde) Menschen getestet werden. Wie üblich bei Virusinfektionen, werden sich die Varianten verbreiten, denen sich trotz aller Maßnahmen evolutionäre Chancen bieten.

Und natürlich werden spätestens ab dem Sommer (wie jedes Jahr) neue Atemwegs-Viren um die Welt schwappen, und auf Menschen treffen, deren Immunsysteme in diesem Winter nicht trainiert wurden. Auch für diese Viren werden Tests entwickelt werden, um sie dann zielgenauer bekämpfen zu können. Selbst wenn es so gelänge, einen Terroristen nach dem anderen ausrotten, warteten zahllose andere auf ihre Chance. Also läge es eigentlich nahe, nachzudenken … zum Beispiel, wie Gesundheit gefördert werden könnte, und die Fähigkeit, Krisen ohne Schaden zu bewältigen. (Resilienz)

Aber noch hoffen die meisten, das „Neue Normale“ würde dem alten gleichen, wenn erst alle geimpft wären. Ginge auch diese Hoffnung verloren, stiege die Zahl der Dauer-Verunsicherten und psychisch Kranken noch stärker. (Guardian 27.12.2020, Solé 2021)

„…wenn die Rückkehr zu einem „normalen“ Leben nur so zu gewährleisten ist, könnte das der Preis sein, den jeder einzelne von uns für das Ticket zur Teilnahme an diesem Leben zahlen muss„. Anastasisus, Rotenburger Kreiszeitung 29.12.2020

„Wenn der Arztbesuch glücklich macht“ (TAZ 14.04.2021)

Belohnende Hirnbotenstoffe (u.a. Dopamin) werden besonders dann ausgeschüttet, wenn ein langersehnte Belohnung unmittelbar bevor steht (Saplosky 2014). Einprägsam-schmerzhafte Rituale können dann weitere Hirnbotenstoffe freisetzen, die beruhigen (u.a. Endorphine). Denn etwas, das drastisch, schmerzhaft und erschreckend erlebt wird, brennt in der Erinnerung ein. Deshalb stechen, tätowieren, picksen und ritzen Schamanen seit der Steinzeit.

Nach solchen bedeutungsvollen Ritualen ist dann alles „wieder gut“ … solange, bis man sich wieder krank fühlt.

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Lehrbuchwürdige Beschreibung eines Placebo-Phänomens:

“ … Es ist ein besonderer Tag für Anita Drews: endlich wird sie gegen Covid19 geimpft – und das sogar um die Ecke. Viele Menschen sind wie die Berlinerin dankbar, dass jetzt auch Hausärzte zur Coronaspritze greifen dürfen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot mehrfach.“ Bild-Text rechts: „Ein Hoffnungsschimmer: Anita Drews kurz nach ihrer ersten Impfung bei der Hausärztin.“ Schluss-Satz: „… ‚Das ist ein kleiner Hoffnungsschimmer, aus dieser Isolation herauszukommen‘, sagt sie“ (die Hausärztin). “ ‚Das gibt mir Kraft für den Endspurt – noch durchhalten‘.“ (TAZ 14.04.2021)

Beispiel: Chirurgie als ultimativer Placebo

Prof. Ian Harris ist ein leidenschaftlicher, australischer Chirurg.

Er operiert und überprüft zugleich durch Studien, was er und andere tun. Chirurgie bezeichnet er als „ultimate placebo“. Denn invasive, schmerzhaft-einprägsame „Placebos“ wirkten noch besser als bunte (inhalts-leere) Tabletten oder Kügelchen.

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Prof Dr. Ian Harris: Schnippeln für den Profit. Riva Verlag. München 2020
Video-Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=IzueFu1cq5U

In „beziehungslosen“ Chirurg-Patient-Beziehungen ist es möglich, Patient:innen geschickt zu täuschen, und ihnen eine Wirksamkeit vorzugaukeln, die nicht existiert.

Bei einem operativen „Placebo“, der Patient:innen ablenkt oder in die Irre führen soll, wirkt also nicht etwa die (leere) „bunte Pille“, sondern das starke Gefühl, man könne vertrauen, man werde nicht betrogen, und alles werde wieder so wie früher sein.

Weil diese Art von Betrug so gut wirkt, würden in England „Placebos“ von 70% der Ärzt:innen angewendet. In Deutschland (vermuten viele, wie ich) noch deutlich häufiger. Das aber widerspricht der ärztlicher Ethik.

Deshalb sollten (nach Ansicht von Harris) nicht nur bei der Zulassung von Medikamenten, sondern auch in der Chirurgie allen Neuerungen und Verfahren durch in die Zukunft gerichtete, langfristige Studien begleitet werden.

Tatsächlich aber beruhten die meisten chirurgischen Verfahren (wie er schreibt) auf einem wackeligen Drei-Bein:

  • Der Vermutung, dass es funktionieren könnte (Biologische Plausibilität)
  • Erfolgversprechenden Hinweisen aus Labor- oder Tierversuchen
  • Der persönlichen Erfahrung der Chirurg:innen (so genannte „Eminenz“ based Medicine)

Notwendig sei eine Veränderung der ärztlichen Ethik, sowohl hinsichtlich der Forschung, als auch der klinischen Praxis. Gerade in der Chirurgie, wo oft Ärzt:innen nur wenige Male eine Methode ausprobieren, um sie dann regelhaft durchzuführen.Die Forschung müsse stringent und unabhängig erfolgen.

Die ethischen Anforderungen an die klinische Praxis müssten unbedingt erhöht werden, da Kliniker keine Therapie anwenden sollten, die nicht kritisch in ihrer Praxis getestet wurde oder wird.

Was ist eigentlich ein „Placebo“?

Beruhigungseffekte können nur bei Säugetieren, nicht aber bei Krokodilen und Schlangen ausgelöst werden. Diesen Ur-Tieren fehlen noch Hirnstrukturen, die ihnen Emotionen vermitteln könnten. Rituale der Gabe von „Placebo“-Pillen haben bei Tieren (ohne Mittelhirn) keinen Effekt.

Säugetiere dagegen bewerten äußere und innere Signale. Sie teilen sich ihren Artgenossen mit. Sie gehen Beziehungen ein. Sie können durch andere beruhigt werden. Ihre Fähigkeit zu „Stillen“ (neudeutsch: bonden) wirkt auf jede Zelle ihrer Kinder:

  • Herzschlag und Atmung normalisieren sich, und
  • das Immunsystem wird sinnvoll gedämpft.

Systemeffekt Mutter (später Ärzt:in)

Alle Funktionen des Körpers können – beruhigt – äußere Belastungen besser bewältigen. Sie agieren weniger aufgeregt und arbeiten effektiver.

Später bei Erwachsenen können auch Rituale besänftigen, wenn ihnen eine Bedeutung beigemessen wird. Lautgebung, Musik, Sprache, Mimik, Berührungen, Körperhaltungen, Gesten uva. können sehr starke Wirkungen auslösen, wenn die Personen, die die „heilsamen Handlungen“ ausführt vertraut ist.

Eine Mutter, die ihr Kind tröstet, kann – zusätzlich zu Kuscheln und Streicheln – auch von einer Fee erzählen, die den Bauchschmerz wegzaubern werde. Dieser „Schwindel“ ist aber nur Beiwerk. Viel wichtiger ist, dass das Kind die Liebe und Sorge spürt, die seine Mutter ihm entgegenbringt.

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Der stärkste nicht-spezifische Effekt:
Sicherheit und Beziehung nach großer Gefahr. Bild: Jäger 2017

​Beispiel: Schwarzer Stein bei Schlangenbissen

Mein „Schwarzer Stein“ (folgendes Bild) ist das Geschenk eines traditionellen Spezialisten für Schlangenbisse. Ich lernte ihn 1982 im Süden Tansanias kennen, als er bei einer akuten Bissverletzung ins Krankenhaus gerufen wurde. Die moderne Medizin hatte in diesem Fall nichts zu bieten. Die Patientin mit weit aufgerissenen Augen sah sich (zurecht) vom Tod bedroht. Der Schamanen-Experte aber rettete sie. Mit seinem „Schwarzen Stein“, den er auf Bisswunde drückte, während er wie nebenbei die Frau durch seinen ruhigen Blick und sein Gemurmel in Trance versetzte.

Sein „Schwarzer Stein“, erklärte er mir, werde aufwendig hergestellt aus Holzkohle und Knochenmehl, unter Beimischung vieler Kräuter und Säfte, begleitet von Rühren, Schütteln, frommen Segnungen und Sprüchen.

„Sein Original“ unterschied sich also deutlich von „irgendwelchen Fake-Imitaten aus Asien“, selbst wenn diese das Gleiche enthielten. Sein Verfahren wirke immer dann am besten, wenn die Betroffenen wirklich Todesangst empfänden, aber bei „diesem“ Gift gewisse Überlebenschancen nicht ausgeschlossen wären. Werde er zu einem panisch-verstörten Opfer gerufen, beruhige sich die Situation meist schlagartig. Denn man wisse, dass er seinen „einzigartigen schwarzen Stein“ mitbringen würde, und dass nur er allein damit umzugehen wisse.

Alles Weitere sei Zutat: das Eindrücken des Steins in die Bisswunde, das rituelles Gemurmel, die Auslösung von Trance … So beruhigt sich die Atmung, das Herz schlägt langsamer und das Gift verteilt sich nur allmählich im Körper.

Seine Technik ist uralt. Auch die ersten griechischen Ärzte kannten sie schon:
„Den Patienten ablenken, bis die Natur sich selber hilft“.

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Ein originaler „Schwarzer Stein“ (Bild: Jäger 2021, Stein hergestellt in Süd-Tansania 1982)

Corona-Impfungen

Die Patienten:innen, die geimpft werden wollen, sind hochmotiviert. Sie wollen sich unbedingt sicher fühlen. Eigentlich spräche für die ärztliche Qualität der Impfärzt:innen, wenn sie erklären würden, ob und wie ein Medikament oder eine Intervention helfe, und welche Risiken damit verbunden seien.

Impfende Allgemeinärzt:innen berichteten aber (i.R. eines Online-Treffens am 14.04.2021) von ihren Erfahrungen, dass rationale Aufklärung in der Regel unerwünscht sei. Selbst wenn mehr Zeit zur Verfügung stünde, wolle das eigentlich niemand. Die Patient:innen verlangten nur das, was ihnen absolut dringend erscheine. Und es bleibe Ärzt:innen keine Wahl, als das zu tun, was man von ihnen verlangt. Anschließend sei die Mehrzahl der Patient:innen überglücklich und tief erleichtert, wenn der Piecks endlich erfolgt sei.

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Wäre dieser Quiz-Master neugierig, interessierte ihn die Frage. Er wüsste, dass er nichts weiß, und könnte diese Unsicherheit aushalten. Und er würde klarer sehen wollen, um mehr zu verstehen. Wäre er in Angst, brauchte er dringend Sicherheit, durch eine einzige Antwort – auf jede Frage. Genau das soll sein „Ja Ja Ja Ja“ offenbar vermitteln. In Panik ist es egal, ob man in einen Nebel schaut – Hauptsache man findet irgendwo Halt. So fröhlich wie Günther Jauch lacht, ist Angst bei ihm unwahrscheinlich. Freut er sich über die Summe, die man ihm bezahlt hat? (Bild: Reklame am 17.04.2021)

Rituale

Alles was „wissenschaftlich-bedeutungsvoll“ erscheint und durch die Körpersinne (Berührung, Druck, Schmerz,…) wahrgenommen werden, kann die Hirnchemie auch moderner Menschen nachhaltig beeinflussen (Fabrizio Bennedetti, Gerac-Studien s.u.). Der Glaube an einen rationalen Zusammenhang ist in unserer Kultur hilfreich, aber (auch hier) nicht zwingend erforderlich.

Chirurgische Eingriffe und Impfungen müssten eigentlich (genau wie medikamentöse Therapien) durch zufalls-kontrollierte, in die Zukunft gerichtete (prospektive) Studien“ begleitet werde. Das wäre z.B. leicht im Rahmen von Krankenkassendaten möglich: Eine chirurgische Neuerung oder die Anwendung eines neuartigen Impfstoffs in einer bestimmten Region, könnte mit Patient:innen einer anderen Region zu verglichen werden, wo die Maßnahmen (noch) nicht zum Einsatz kamen (Relton 2010).

Ob solche herstellerunabhängigen Anwendungsstudien (Phase IV Studien) bei den Covid-19-Impfungen durchgeführt wurden, ist mir nicht bekannt.

Die Placebo-Effekte, die bei der jetzigen Impfkampagne auftreten, werden (nach meinen Erfahrungen mit heilsamen Ritualen) erheblich sein: Völlig unabhängig von der jeweiligen spezifischen Wirkungen der mRNA- oder Vektor-Impfstoffe. Wie sich diese Effekte langfristiger auf die Psyche und das Immunsystem der Geimpften auswirken, wissen wir nicht. Unbekannt ist auch, was geschehen wird, wenn die durch Erwartungen angeregten Konzentration von Hirnhormonen wieder abfallen. Und wie Psyche und Immunsystem später auf neue Herausforderungen reagieren werden: zum Beispiel, wenn künftige Testergebnisse und ähnliche Viren, neue Ängste auslösen werden.

Mehr

Literatur

Freiheit und Geborgenheit

10. April 2021

Freiheit wird genommen. Vertrauen geht verloren.

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Freiheit

Eigentlich werden Freiheitsrechte in Deutschland im Grundgesetz (Artikel 2) garantiert.

Das ändert sich gerade. Expert:innen glauben, auf der Basis vorläufigen Wissens Maßnahmen empfehlen zu müssen, die Freiheitsrechte einschränken. Gesundheits-Schutz sei vorrangig. Für „härtere“ Zwangsmaßnahmen müsse das Infektionsschutzgesetz sogar noch verschärft werden. (Merkel 08.04.2021) Wie in vielen Ländern nutzen Mächtige die willkommene Gelegenheit, Freiheitsrechte wegzuschmelzen (AI Report 2020/21 – 07.04.2021).

Da es einen „freien Willen“ ebenso wenig gibt wie „wahre Kartoffeln“ (Dörner 2006), kann man „Freiheit“ zwar nicht wegnehmen, wie einen Gegenstand. Aber man kann sehr wirksam, mitleidlos und brutal verhindern, dass sich etwas ungestört entwickeln, gestalten und entfalten kann. (Pink Floyd 14.03.2021)

Es ist leicht möglich Leben einzuengen, und für Angst und Beklemmung zu sorgen. So fördert man die Illusion, alles sei unter Kontrolle. Komplexe Situationen neigen aber dazu „sich zu rächen“ (überraschend in Katastrophen abzukippen), wenn man ihre Flexibilität und Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt. (Tenner 2015)

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand. Charles Darwin

Geborgenheit

Geborgenheit

Der japanische Philosoph Takeo Doi beschrieb das zentrale, handlungsleitende Gefühl: Geborgen zu sein. Er nannte es „Amae“ abgeleitet von „amaeru“: „sich anlehnen, sich verwöhnen lassen“. (Takeo Doi 1982) „Mütterliche Geborgenheit« sei ein innerer Ur-Zustand. Das tiefe Vertrauen in eine sichere Abhängigkeit zu sorgenden nahen Menschen. Werde dieses Gefühl tief verletzt, folge auf „Amae“ die Verzweiflung. Immer dann, wenn ein Lügengebäude in sich zusammenbricht, und zu Vertrauensverlust führt.

„Sich geborgen fühlen“ ist ein Grundbedürfnis. Es widerspricht nicht unserer Sehnsucht nach freier Entwicklungsmöglichkeit. Sondern es ergänzt sie. Der Mensch habe (so Takeo Doi) „ein Recht auf Abhängigkeit“ – ebenso und gleichermaßen wie ein „Recht auf Freiheit“. Amae, die Lust, das fröhliche Baby einer großen Mutter sein zu dürfen, steht nicht im Widerspruch zu persönlicher Entfaltung und Leistung: „Die Mutter darf streng sein, klare Grenzen setzen und sagen, was zu tun ist“. Nur eines darf sie nicht: täuschen und lügen.

Sehnsucht nach Geborgenheit und Freiheit

Wir brauchen beides – gleichermaßen – wie Wasser und Nahrung.

Die Erinnerung an den Schutz im Bauch der Mutter ist körperlich eingeprägt. Auf dieser ursprünglichen Geborgenheit beruht unser Urvertrauen. Die erste Freiheit entsteht durch die elementare Trennung: das Auspressen der Lungen und anschließende Einsaugen von Luft. Durch das Abnabeln. Und durch die weite Öffnung der Arme und Beine für die Welt. Streicht man Neugeborenen sanft über die Außenseiten der Gliedmaßen, kuscheln sie sich in der Geborgenheits-Geste zusammen, und erwarten das Gefühl einer „Gebärmutter-Berührung“ am Rücken (Tragetuch) und die sanfte „Berührung eines Beckens“ an der Kopfhaut (durch eine Hand). Dann aber wollen sie wieder frei sein, sich der Welt weit öffnen und sie begreifen. Was ihnen am besten gelingt, wenn sie auf Schutz und Sicherheit vertrauen können.

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Bilder: Jäger 2021. Puppe Rikepa

Freiheit bedeutet auf der Grundlage, der Kleinkind-Erfahrungen, sich weit öffnen, verletzlich sein, etwas riskieren, mutig die Welt erkunden, neugierig sein.

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Graphik Jäger 2021. Rechte Skizze: Die Möglichkeit, sich dem was geschieht, lebensfroh und risikobereit zu öffnen. Wird dieses natürliche Gefühl unterbunden, entsteht nicht etwa Geborgenheit und Vertrauen. Sondern Frust, Ärger, Depression, Instabiltät (Skizze links).

Eine Stimmung, die aus Unsicherheit, Angst, Wut, und Hilfslosigkeit aufgemischt wird, ist unerträglich. Daher steigt der Bedarf durch Schein-Sicherheit, durch Rituale oder Produkte, deren Anwendung zelebriert wird mit dem Versprechen, dass alles wieder gut werde. Pharmafirmen forschen daher intensiv an Möglichkeiten, wie ihre kommerzielle Produkte Gefühle mütterlichen Vertrauens auslösen können (placebo-competence.euprograminplacebostudies). Das klappt meist auch wunderbar, bis die Betroffen entdecken, dass sie getäuscht wurden.

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Foto Jäger: 2018

Menschen brauchen alles zugleich: Geborgen-sein, Schutz und die Freiheit, das zu entwickeln, was aus uns entstehen will. Dafür brauchen Menschen (besonders dringend Kinder) keine Placebos, sondern offene Kommunikation und sanfte Berührungen (Arte verfügbar bis 31.05.2021, Arte verfügbar bis 28.05.2021, danach über mediathekview möglich)

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Foto: Jäger (Tansania 1983) – Zukunftsfähige Kinder: frei, geborgen, neugierig, lebensfroh, schmutzig, zärtlich, verspielt, fröhlich und voller Unsinn im Kopf

Wir müssen dringend wieder in das Leben zurückfinden.

Todesangst, Macht und Gier machen krank.

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Wo ist der Notausgang?

3. April 2021

„Der Koyote, der – vor dem Wolf fliehend – über die Klippe gesprungen ist,
hat noch nicht nach unten geschaut.“ Indianisch / Nord-Amerika

Alle suchen den Ausstieg …

… hektisch, getrieben, verzweifelt. Und finden ihn nicht.
Trotz Lock-downs, Impfkampagnen und Bazooka-Geballere. (Spiegel 13.03.2020)

„Der große Wumms“ der Bundesregierung im Juni 2020 reichte nicht. Aber jetzt wird nachgeladen:

  • „Die EU-Staaten haben unter dem Eindruck der Corona-Krise einem 750-Milliarden-Euro-Fonds zugestimmt, um die Wirtschaft zu beleben. Doch das Projekt ist zum Scheitern verurteilt. Das Geld kommt viel zu spät und wird kaum für Sinnvolles eingesetzt.“ NZZ 01.04.2021
  • „Mr. Biden rettet die Welt!“ (Zeit 10.03.2021 ; Lancet 20.03.2021). Die Presse ist beeindruckt: Das größte Konjunkturprogramm der Menschheitsgeschichte (mit 1,9 Billionen US$) habe „Ganz schön viel Wumms!“ (Zeit 30.03.2021)
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Philosophie-Magazin 02/2021 Februar/März

Das Philosophie-Magazin irrt: „Wer hier eine Gebetsgeste erkennt“, liegt völlig richtig! Gebete stärken den Glauben. Sie liefern Antworten und Gewissheiten. Sie vertreiben Angst und Zweifel. Wichtig ist nur, dass die Priester inbrünstig selber glauben, was sie ihren Schäfchen verkünden. Fotokopie: Philosophie Magazin Philosophie-Magazin 02/2021 Februar/März

Wird jetzt alles wieder gut?

Unwahrscheinlich: Denn gerade schwappt die dritte Corona-Welle, der sicher eine vierte und fünfte folgen wird.

Die „Rufe nach hartem Lockdown“ (dpa 01.04.2021) werden jedenfalls mal wieder lauter, und der Lieblings-Virologe der Kanzlerin droht: „Es bleibt nur der Holzhammer!“ (ZDF 31.03.2021).

In diesen schlimmen Zeiten heiligt der Zweck (der Virusausrottung) die Mittel (der Zwangsmaßnahmen): Kollateralschäden müssen folglich (zwangsläufig) in Kauf genommen werden. Uva. die Wechselwirkungen mit anderen Krisen, die gerade in den Hintergrund treten:

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Bild: The Economist vom 07.04.2021: Der Internationale Währungsfond sei optimistisch. Auch international würde „Corona“ Reichen zu mehr Reichtum verhelfen. Leider würden Arme dabei etwas Ärmer werden.

Das Lebensgefüge auf der Erdoberfläche ist krank.

Die umfassende Störung zeigt sich in vielen Teil-Krisen, die miteinander wechselwirken und sich hochschaukeln. Viele, die gerade an diesem siechen Ökosystem herumzudoktern versuchen, verschlimmern den Zustand noch. Ganz so wie mittelalterliche Ärzt:innen, die ihre Kranke manchmal auch zu Tode quälten.

Es sieht nicht so aus, als ob diejenigen, die über die Macht verfügen, das überblicken würden, was sie anrichten. Eher scheinen sie hinter den zunehmend eigendynamischen und zufälligen Entwicklungen hinterher zu rennen. Auch wenn sie sich aufblasen und verkünden, man solle ihrer Führungskompetenz trauen und ihnen folgen.

Politiker:innen verfolgen Problemlöse-Strategien

Sie leiden an Projektitis: Dem Wahn, das alles besser sei, wenn ein „Problembär“ erst einmal erschlagen sei. Dieses Verhalten hat sich in der Steinzeit bewährt, als die natürlichen Ressourcen noch unerschöpflich zu sein schienen. Heute führt es in den Ökosystemen, in denen wir leben, und aus denen wir bestehen, oft zu neuen Krankheiten, die es ohne die Problembekämpfung nicht gegeben hätte. Das liegt daran, dass auch scheinbar vorrangige Ärgernisse sich bei genauerem Hinsehen meist als komplex erweisen.

Dynamische Wechselwirkungen in Systemen sind Physiker:innen seit über einhundert Jahren vertraut. Auch in der Biologie werden sie zunehmend verstanden (Mikrobiom). Nur Politik und Medizin tun sich damit noch schwer. Dort herrscht das Dogma der Einzelfaktor-Bekämpfung, das aus der Zeit der Dampfmaschinen und der imperialistischen Kolonialkriege stammt.

Mit ihren vielen Feldzügen gegen alles mögliche, was sich der Wachstums-Ideologie entgegenstellt, rast die Menschheit gerade zu auf eine evolutionäre Wand. Eigentlich müssten wir uns deshalb intensiv mit Beziehungen, Wechselwirkungen, Interaktionen, Kollateralen, schwachen Wirkungen, Zufällen und Dynamiken in komplexen ökologischen und sozialen Systemen beschäftigen. Denn unsere Spezies steckt gerade einer fundamentalen Krise. Bei Bakterien sterben bei solchem evolutionären Druck die meisten Exemplare ab. Nur sehr wenige, die sich, neu angepasst völlig anders verhalten, kommen durch, und vermehren sich dann wieder in anderen Zusammenhängen.

Bei der Entwicklung der Menschheit war es ähnlich. Wir stammen von sehr wenigen Ur-Ur-Großeltern ab, die deshalb eine oder mehrere Katastrophen überlebten, weil sie in der Lage waren, völlig neuartige Verhaltensweisen in die Evolution einzubringen.

Heute sind wir die einzigen (uns bekannten) Lebenswesen, die solche Zusammenhänge erkennen könnten. Und die sich deshalb bereits vor der drohenden evolutionären Katastrophe radikal anders verhalten könnten.

Ist Covid-19 „einfach“ nur ein Virus?

Davon geht die Politik jedenfalls aus. Man verhindert die Übertragung von Covid-19, und hält das Virus durch Medizinprodukte fern. Dann wird alles sein wie vorher … (rechtzeitig zur Bundestagswahl?).

Diese Art mechanischen Denkens gleicht den Vorstellungen, wie sich die NATO die Befriedung Afghanistans vorstellte: Man benannte die Terroristen, spürte sie auf, isolierte, bekämpfte und vernichtete sie … ganz einfach. Nur war man dort nicht besonders erfolgreich (trotz des Abwurfes der „Mutter aller Bomben“).

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Tägliche Leitartikel zur viralen Katastrophe, zu der es glücklicherweise viele Produkte zu kaufen gibt, die freundlicherweise auch gleich alle genannt werden. RKZ 11.03.2021 mit dpa-Artikeln

In der Realität sind Zusammenhänge verwoben

Bei Menschen ist der sozio-ökonomische Status einer der stärksten Einflussfaktoren für Gesundheit und Sterblichkeit. Die soziale Schicht schränkt die Lebenschancen ein. Armut bewirkt oft ein niedrigeres Bildungs- und Einkommensniveau, und führt zu höherer Arbeitslosigkeit. Die Gesundheit liegt also nicht allein in den Händen des Einzelnen, sondern ist abhängig von der Umwelt und den Bedingungen, unter denen Menschen leben und arbeiten. (Lancet 2021)

Es sind globale Gesundheits-System-Störungen („Syndemien“), die bestimmte Menschen für virale „Pandemien“ empfänglich machen: Neben Armut, Krieg, Elend, Umweltverdreckung (Feinstaub u.a.) sind es vor allem Über- und Unternährung. Und natürlich auch die jetzt schon spürbaren Veränderungen der Klimakatstrophe (Lancet 2019).

Von erhöhter, durch Covid-19 verursachter Sterblichkeit, sind besonders Länder betroffen, bei denen die Zahl der Fehlernährten und Fettsucht-Kranken besonders hoch ist.

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„Covid-19: Höchste Todesraten werden in Ländern gesehen mit besonders übergewichtigen Bevölkerungen.“ BMJ 2021; 372:n623

Ähnlich gut untersucht sind die Risikofaktoren Stress und Schlafmangel. Folglich sollte, wer seine Chancen steigern möchte, Covid-19 ohne Schäden zu überstehen (unabhängig von medizinischen, hygienischen Maßnahmen)

  • sich viel und entspannt bewegen,
  • stress-arm leben und ausgiebig schlafen,
  • sich gesund ernähren (Mangel ausgleichen / Überernährung abbauen),
  • sich dem Sonnenlicht aussetzen,
  • und nicht rauchen.

Sind die zurzeit getroffenen Maßnahmen bezogen auf die Virusverbreitung effektiv?

Das ist umstritten.

Eine Arbeitsgruppe erfahrener Experten öffentlicher Gesundheitsversorgung bezweifelt es. Sie stellt immer wieder alternative Vorschläge vor, die aber bei den Entscheidungsträger:innen offenbar weder diskutiert noch gehört werden: Schrappe 21.03.2021 und 11.03.2021.

Viele der getroffenen Maßnahmen beruhen auf einem politisch-zurechtgebogenen Zahlen-Geschwurbele, das Laien nur schwierig durchschauen können (Unstatistiken 2020 / 2021).

Ob in einem komplexen Zusammenhang (wie bei einer Virusinfektion) etwas geschieht, kann an Wechselwirkungen vieler Faktoren liegen. Und das ist durch Interpretation weit auslegbar.

  • Bei „Verstorben und positiv auf Covid PCR-Testet!“ ist es einfach:
    „Sie oder er ist an Covid verstorben!“
  • Bei „Verstorben nach Covid-Impfung?“ dagegen überhaupt nicht:
    Dann handelt es sich vermutlich um ein „zufälliges Zusammentreffen!“ oder „Sie oder er wäre in dem Alter wohl ohnehin gestorben!“

Der tatsächliche positive oder negative Vorhersagewert eines Tests hängt nicht allein von seiner operativen Genauigkeit ab. Maßgeblich ist auch die Vortestwahrscheinlichkeit, die angibt, wie hoch das geschätzte Risiko für eine Erkrankung vor dem Test ist. DÄB 24/2020

Die STIKO schrieb auf Anfrage am 26.02.2019, dass sie Postmarketing-Studien bei der Covid-Impfung für „unethisch“ hielte, und deshalb nicht durchführen könne. Obwohl es natürlich alternative Studien-Designs gäbe, um Nicht-geimpfte und Geimpfte zu vergleichen. Wenn aber solche vergleichenden Studien nicht gewollt sind, müsste man jede/n Tote/n nach Impfung obduzieren. Dann sähe man übersteigerte Immunreaktionen (als Impfnebenwirkung) oder andere Todesursachen. Das erfolgt aber ebensowenig.

Wir tappen also zu Nutzen und Risiken der laufenden Impfkampagne im Dunkeln. Wenn man aber in eine, sich gerade ausbreitende, Infektion hinein-behandelt (mit Antibiotika oder mit Impfungen), und dabei die gefährlichen Keime nicht alle gleichzeitig ausrotten kann, entstehen Resistenzen. Und die sind dann erfahrungsgemäß bösartiger. (Guardian 30.03.2021, Vanden Bossche)

Durch die laufenden hygienischen und medikamentösen Bekämpfungs-Maßnahmen, könnte sich die Situation also durchaus verschlimmern. Insbesondere dann, wenn sich neue Virus-Mutationen oder andere Viren (wie Influenza) verbreiten, die Immunsysteme befallen, die hinsichtlich der jährlich umlaufender Atemwegsinfektionen untrainiert sind.

Letztlich geht es um Biologie: Um die Dynamik instabiler, lebender Systeme.

Physikalische Gesetze sind ziemlich sicher. Und auch eine biologische Erfahrung halte ich für robust: dass Kooperationen zu evolutionären Erfolgen führen können (Beispiel: Das Ökosystem des Zell-Inneren).

Anders als Viren und Bakterien, könnten wir diese Gesetzmäßigkeit erkennen, und uns anders verhalten, um z.B. vom Schädling (Typ Cholera ) zu einem Teil eines blühenden Ökosystems zu werden.

Aus meiner Sicht bieten sich für viele der hier genannten Krisen zwei grundlegend verschiedene Strategien an:

  • Alle Varianten, Mutanten, Pathogene, Krebszellen, Wachstumsverhinderer, und auch alle anderen Feinde & Terroristen (da draußen) identifizieren, isolieren, umbringen, ausmerzen, abwehren, durch Stacheldraht weghalten, totschlagen, für immer vernichten … einen nach dem anderen, bis sie alle mause-tot sind … und wir dann mit ihnen.
  • Oder gemeinsam sozial und ökologisch-friedfertige Visionen und Strategien entwickeln, wie wir als Superorganismen (aus Viromen, Mikrobiomen, Zellen ..) in übergeordneten lebenden Ökosystemen nutzbringend gedeihen könnten.

Der Finanzmathematiker Nassim Taleb beschrieb drei Trugschlüsse bei Interventionen in komplexe (lebende) Zusammenhänge, wie sie gerade stattfinden:

  • die Illusion, die gegenwärtigen Ereignisse zu verstehen,
  • die retrospektive Verzerrung zurückliegender Ereignisse,
  • die Überbewertung von Sachinformation, in Kombination mit der Überschätzung der Intelligenz und der Macht der intellektuellen Elite.

Diese Ansicht teile ich, und ich wünschte mir, dass in Politik und Medizin nicht überstürzt gehandelt würde. Und, dass man aus Fehlern lernen würde. Und, dass man sich am Vorsorgeprinzip orientierte (Nicht schaden). Und das Vorsorgeprinzip nicht umkehrte. Und, dass man für kritische, neutrale, unabhängige Bewertungen sorgte.

We believe that in the absence of manifest danger, all-out action was a mistake. Beforehand … and … after the decision. … the thing that was needed was a day around the table brainstorming Murphy’s Law: ‚If anything can go wrong it will!‘ When decisions are based on very limited scientific data, the Ministry should establish key points at which the program should be re-evaluated. (Neustadt 1978, Zitat eines Beteiligten an einer Regierungskommission, die 1976 die Swine-Flu Katastrophe in den USA untersuchte.

Kein Fazit – nur Fragen

Ich bin weder Experte noch Besserwisser. Schon gar nicht bei Dynamiken, die ich nicht mehr überschauen kann. Je mehr ich lese, höre, sehe, und versuche das zu verstehen, was andere gesehen, gehört oder gelesen haben, desto weniger weiß ich. Und dann frage ich: offen, ungläubig, neugierig, staunend, mich vorsichtig weiter tastend, und versuchte etwas zu begreifen.

Lob der Kritik: Freie Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie Widersprüche aushalten. In der Corona-Krise darf diese Fähigkeit nicht verloren gehen. Sie ist systemrelevant … Sie kann Kraft zur Entwicklung guter Lösungen entwickeln. Heribert Prantl, SZ 3.-5. April 2021

Todes-Angst

Vermag mich der Tod nicht mehr zu schrecken, was sollte mich dann Verlust noch ängstigen?
Shenzi (385-337 vuZ) Philosoph und Politiker

Die Visionen des Westens sind überschaubar

An der Börse sei die Stimmung gut, sagt man, denn viele Großunternehmen profitierten in den Corona-Zeiten.

Auch diese zyklische Krise des Kapitalismus, werde, wie alle vorherigen, den Markt nur bereinigen. Das sagen uns die, die wissen, wie man krisensicher Geld vermehren kann. Auch jetzt in der Talsohle stünden wir am Beginn einer neuen Wachstumswelle. Der Neo-Kapitalismus des „Neuen Normal“ werde sich – grün, nachhaltig, digital und gesund – stabilisieren und immer gigantischer aufblasen.

Mich erinnert dieser kommerzielle Optimismus an eine alternde Sonne, die ihre letzten Energiereserven verbrennt. An einen Stern, der sich noch einmal riesig aufbläht, bevor er irgendwann zum weißen Zwerg zusammenschrumpfen wird.

Es ist möglich, dass diese Bestimmungen angesichts der ethischen Inkonsequenz unserer Regierenden
von der gleichen Angst diktiert werden, die sie zu provozieren beabsichtigen.

Es ist schwierig, nicht zu denken, dass die Situation, die sie schaffen, genau das ist, was diejenigen, die uns regieren, immer wieder versucht haben zu erreichen: dass Universitäten und Schulen ein für alle Mal geschlossen werden und der Unterricht nur noch online stattfindet, dass wir aufhören, uns aus politischen oder kulturellen Gründen zu treffen und zu reden und nur noch digitale Nachrichten austauschen, dass,
wo immer möglich, Maschinen jeden Kontakt – jede Ansteckung – zwischen Menschen ersetzen.

Giorgio Agamben, 11.03.2020) Weitere Texte: „An welchem Punkt stehen wir?“ Turia 2021, ISBN 9783851329964

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Bild „Farbe“, Gerd Trostmann, 1998

Dem Westen ist der Sinn verloren gegangen.

Angesichts von Klima- und Umweltkrise fehlen den Regierungen der großen westlichen Industrieländer Visionen für eine lebenswerte, ökologisch-nachhaltige, friedliche Zukunft der Menschheit.

Das ist gefährlich, weil die Spaßgesellschaft, die für „Brot und Spiele“ sorgte (möglichst unbemerkt und geräuschlos) von angepasster Bravheit abgelöst werden wird. „Mainz wie es singt und lacht“ wird künftig wohl im Wohnzimmer stattfinden. Damit die Gesellschaft (die sozial immer mehr auseinanderdriftet) trotzdem zusammenhält, braucht es einen Ersatz. Eine Art Kit, der aus digitaler Ablenkung und Todes-Ängsten gemischt wird.

Oder ein klebriger Brei, der aus Produkten der digitalen Tranfomation, der medialen Durchdringung und der religiösen Medikalisierung zusammengekocht wird. In einem Topf der Geborgenheit vermittelt:weil er vor allen Feinden schützt, die uns von außerhalb bedrohen.

„… unsere Gesellschaft glaubt an nichts mehr außer an das nackte Leben.“
Giorgio Agamben NZZ 18.03.2020

Seuchen weisen – mitleidslos und brutal – auf mangelhafte Fähigkeiten, sich flexibel an neue Situationen anzupassen.

Seuchen gehören zur Evolution.

Bei einzelnen Organismen oder bei Gesellschaften gehen einer explosionsartigen Vermehrung von Infektionskrankheiten empfindliche Störungen voraus: der natürlichen Vielfalt der inneren Funktionen oder der umgebenden Ökosysteme.

Allein mit todes-angst-getriebenen Bekämpfungen einer Seuche ist es deshalb nicht getan: Denn entsteht keine neue elastische Widerstands- und Beziehungsfähigkeit, wird die nächste Epidemie weiter-bestehende Krankheiten oder Verfallserscheinungen verschlimmern.

Now let’s end pandemics forever!
Motto der „Coalition for Epidemic Preparedness“ Cepi am 12.03.2021.
Die Entwicklungszeit für neue Impfstoffe soll auf 100 Tage gedrückt werden, durch zusätzliche 3,5 Milliarden Dollar aus öffentlichen Mitteln. (NZZ 10.03.2021)

Erfolgreiche Lebensformen verhalten sich kooperativ

Aggressive Formen der Cholera-Erreger, die ihren Wirt umbringen, sind evolutionär nicht erfolgreich. Sie sterben aus. Langfristig setzen sich Varianten durch, denen es gelingt, sich friedfertig und nützlich in einen neuen Wirtsorganismus zu integrieren (Ewald 2007)

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Bild: Paul Ewald: Können wir Keime domestizieren? TED-Vortrag 2007

Naturwissenschaftlicher Erkenntnis zum Trotz, quält uns die Kriegsmedizin des 19. Jahrhunderts bis heute. Mit ihrem quasi-religösen Glaube, dass es erfolgversprechend sei, alle „Feinde, die uns mit dem Tod bedrohen, zu benennen, zu isolieren,zu bekämpfen und zu vernichten!“. Und dass es – wie bei jeder Todesstrategie – notwendig sei, dem Leben Kollateralschäden zuzumuten.

Die Feinde der Kriegsmedizin stehen „da draußen“! Sie erscheinen schicksalhaft. Scheinbar völlig unabhängig von der Art unseres Verhaltens und vom Zustand unserer Verhältnisse. Und Sterben kann nur verhindert werden, wenn man das tut was man soll. Und wenn man Produkte konsumiert, die dafür sorgen sollen, dass alles wieder gut wird.

Gelänge es CEPI tatsächlich, alle uns heute bekannten globalen Viren durch hoch-effektive Impfstoffe auszurotten, dann eröffneten sich evolutionäre Lücken für neue Viren, die wir noch nicht kennen.

Ganz ähnlich ist es mit der Anwendung von Antibiotika. Sie können Leben retten. Aber auch die effektivsten Bakterienvernichter züchten die Bakterienstämme, die gegen genau diese Medikamente resistent sind. Deshalb entwickeln sich Pandemien antibiotikaresistenter Mikroorganismen (WHO 2020). Auf Covid-19 trifft das gleiche zu. Im Gemisch der weltweit verbreiteten Virusvarianten, werden sich die durchsetzen, die sich schnell (von Gesunden auf Gesunde) verbreiten können, und die von den Impfstoffen nicht erfasst werden. Wie auch bei den jährlichen Influenza-Pandemien.

Todesstrategien („etwas ausrotten“) sind in der Evolution selten erfolgreich, zumindest nicht auf lange Sicht. Dagegen entwickeln sich flexibel-angepasste, friedvolle, sich-selbst-regulierende Ökosystemen dynamischer. Zum Beispiel gäbe es uns sonst nicht. Denn unsere Körperzellen stammen von einem Kampf ab der beigelegt wurde. Statt sich gegenseitig zu vernichten schufen Urzellen und Minibakterien eine Einheit, in der beide untrennbar zusammenwirken und doch jeweils Eigenständigkeit bewahrten (s. Ökosystem Zelle)

Gab es vor Covid-19 noch andere Probleme?

Eigentlich müssten unsere Gesellschaften den Warnschuss „Covid-19“ zum Anlass nehmen, das Verhalten und die Verhältnisse so verändern, dass sich unseren Gesellschaften neue Chancen eröffneten. Angesichts der übergeordneten Umwelt-, Sozial- und Finanzkrisen.

Eigentlich müsste auf allen Ebenen debattiert werden, wie Menschen sich von todbringenden Hautkrankheits-Erregern der Erde-Oberfläche zu nützlichen, fröhlich-lebensbejahenden Organismen wandeln könnten. Die fähig wären, friedlich, in stabilen, artenreichen Ökosystemen zu leben.

Greta’s Schrei „Ich will, dass ihr in Panik geratet!“ verhallte folgenlos. Von Panik keine Spur. Denn es gab plötzlich viel wichtigeres: einen unmittelbaren Feind, der jetzt sofort „bekriegt“ werden musste (Macron 16.03.2020). Die unmittelbare Todes-Drohung (Leichentransporte in Bergamo!) erwies sich als ungleich wirksamer, als rationale Gedanken an ferne Lebenswelten, die ohnehin nur die Eisbären und die Enkel anderer Leute betreffen würden.

Wir brauchen Lebensmut statt Todesangst!

„Der Tod ist uns ein Nichts, denn was der Auflösung verfiel, besitzt keine Empfindung mehr. Was aber keine Empfindung mehr hat das kümmert uns nicht. Solange wir da sind, ist der Tod nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht mehr. Folglich betrifft er weder die Lebenden noch die gestorbenen, denn wo jene sind ist er nicht und diese sind ja überhaupt nicht mehr da. Freilich, die große Masse meidet den Tod als das größere Übel …“
Epikur 341-270 vuZ. Philosoph (Kröner Verlag 1973)

Der Tod kann nichts wegnehmen, von dem, was bereits geschehen ist. Alles was er „entfernen“ könnte, ist bereits verschwunden, weil es wie alles Vergangene nicht mehr ist. Was wir gestern waren, ist schon gestorben. Nicht einmal Gegenwart existiert für uns, weil alles, was unsere Sinne wahrnehmen und verarbeiten, bereits geschehen ist. Über unser „Ich“, dessen Tod wir fürchten, können wir nur Geschichten erzählen, die wir aktiv erinnernd mehr oder weniger ausschmücken.

Das einzige was wir tatsächlich erleben, sind Entwicklungen in die Zukunft. Wir erfahren die Ergebnisse dessen, was gerade neu entsteht. Leben bedeutet wachsen, wandeln, neu entstehen. All das kann man verhindern: brutal hart, unbarmherzig. Aber man kann nicht nehmen, was nicht „ist“. Eigentlich ist es nicht die Todes-Illusion, die uns ängstigt, sondern die Sorge vor der stetigen Veränderung des Leben.

Alles wird. Solange noch Energie verfügbar ist. Und dafür kann man sorgen:

Es ist die Bewegung, die Körper und Geist gesund erhält. Fließendes Wasser fault nicht.
Türen und Angeln werden nicht wurmstichig, denn sie bewegen sich.
Gleiches gilt für Körper und Geist.
Lü Buwei (Kaufmann, Politiker, Philosoph) 300-235 v.u.Z.

Warum ist die Todes-Angst nur so mächtig?

Und die Lebenslust so schwach?

Ich spreche vom Licht
von Fereydoun Moshiri (1926-2000) Übersetzung aus dem Persischen von Afsane Bahar; 2013

Jeden Morgen, sobald das Sonnenlicht über den fernen Bergen emporsteigt, breite ich die Flügel aus,
flinker als die Brise; lasse die Botschaft der Morgendämmerung fliegen, Ich erzähle vom Licht, vom Licht, von lebendigem Leben, von frischem Atem, von neuem Dasein, vom Stolz.

Aber im Gedränge der Straße verlieren sich meine Stimme und meine Lieder. ... Fremd mit diesem ganzen kalten Gerede rufe ich weiterhin geduldig die Menge der Schlafenden mit Liebe, Freude, Leidenschaft. Die Botschaft der Morgendämmerung lasse ich fliegen. Wohin ich auch gehe, spreche ich diesem und jenem ins Ohr, sogar im Gedränge der Straße, vom Licht, vom Licht

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Dauerwelle?

„Jährlich neue Impfkampagnen!
Corona-Mutanten schaffen Milliarden-Markt.“ NTV 09.02.2021

Die Kombination „jeweils angepasster PCR-Tests“ und „mRNA“ wird das aktuelle globale Geschäft noch lange am Laufen halten. Spätestens, bis die Influenza wieder auftaucht. Dann wird auch gegen ihre neuen Viren mit PCR getestet werden. Und so ein Bedarf geschaffen für neue Marketing-Kampagnen.

mRNA-Impfungen werden infolge globaler Massen-Austestungen bald als normal akzeptiert werden. Sie sind anpassungsfähiger (an die Veränderungen ihrer jeweiligen Ziele) als konventionelle Protein-Impfstoffe: und damit langfristig profitabler.

Wenn die Produktionsanlagen für die mRNA-Technologien erst einmal (öffentlich finanziert) fertig gestellt sein werden, wird es vermutlich erst richtig losgehen: mit „Präzisions-Onkologie“ oder „Alzheimer-Impfstoffen“.

Also mit dem Verkauf der Illusionen des Schutzes gegen alles, womit Angst erzeugt werden kann. Kommerziell Uninteressantes wird im Medizinbusiness zunehmend verdrängt werden:

  • Armuts- und Zivilisationskrankheiten,
  • Entwicklungsstörungen und -verzögerungen,
  • psychisches und körperliches Leiden,
  • Verhaltens- und Verhältnisprävention, und natürlich
  • Gesundheit im Sinne mangelnder Nachfrage nach Medizinprodukten.

Ärzt:innen & Gesundheitsinstitutionen werden zunehmend von Treibern der Kommerzialisierung (die verschreiben, was auf dem Kugelschreiber steht) zu Getriebenen. Sie werden (immer mehr) nur noch tun, was sie müssen. Und überwiegend schweigend brav mit-machen, um auch etwas vom Health-2.0-Kuchen abzubekommen.

Bei machen Ärzt:innen kriecht allerdings bereits die Angst hoch, abgeschafft zu werden, weil sie viel zu teuer sind für Health-2.0: Diplom-Mediziner:innen (ausgestattet mit weißen Kitteln & Stethoskop) können im Impfzentrum sicher einen ebenso guten (und damit wirksamen) Eindruck machen beim Pieksen: Aber zu wesentlich geringeren Kosten.

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Initiativen zur Corona-Strategie

Werden angesichts der Kommerz-Dauer-Wellen die Argumente kluger Mediziner:innen für einen „Strategiewechsel“ Gehör finden?

Ich bezweifle es:

Denn rational-kritische Wissenschaft, die „Für und Wider“ abwägt, ist viel zu komplex. Deshalb ist das deutsche Gesundheitsministerium auch nicht in der Lage, einen Aufklärungszettel für die Covid-Impfung zu schreiben. Es überlässt diese Aufgabe lieber einer intransparenten Briefkastenfirma: dem „Grünen Kreuz“. In dessen Text zur Impfung steht folglich all das nicht drin, was man nicht weiß:

  • Wechselwirkungen zwischen mRNA und menschlichem Erbgut in der Zelle (den Mitichondrien)
  • Risiken nicht neutralisierender Antikörper (Antibody dependant enhancement)
  • Risiken von PEG-Nano-Partikeln in Zellen und Organen

Die Entscheider:innen dieser Kampagnen und die verängstigen Gläubigen, die sich nach Sicherheit sehnen, interessiert das alles nicht.

Ich vermute, Ivan Illich hatte nicht Unrecht, als er 1977 schrieb, der Medikalisierungs-Albtraum könne nur enden, wenn die Mehrzahl der Betroffenen einfach nicht mehr mitmache.

„Ich hoffe, dass die Gesellschaft aufwacht!“
Heribert Prantl: Berliner Zeitung 30.01.2021

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Zitat: Dass es sich hierbei um keinen vorübergehenden Zustand handelt, wird von den Regierungsvertretern selbst bestätigt, indem sie nicht müde werden, zu wiederholen, dass das Virus noch unter uns sei und die Epidemie jederzeit wieder ausbrechen könnte. … Angst ist das politische Herrschaftsinstrument. … Die Dinge werden furchterregend, weil wir ihre Zugehörigkeit zur Welt vergessen. … Deshalb müssen wir zurück zur Wirklichkeit! .. Das unsichtbare Ding, das mich in Schrecken versetzt, ist gewöhnliche Realität wie ein Baum, ein Bach oder ein Mensch … Die Pandemie, welche die ganze Gesellschaft in Schach hält, bietet eine unerwartete Gelegenheit, ein Volk von Untertanen noch enger zu überwachen … Wir werden nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Wir werden nicht mehr die Augen vor der Misere verschließen können, in die uns die Religion des Geldes und die Blindheit der Entscheidungsträger gestürzt haben. Giorgio Agamben 2021

Ein Problem vernichten?

Die gängige Strategie angesichts vieler Probleme ist es (wie jetzt in der „Corona-Krise“):

  • eines herauszugreifen, und
  • es der Einfachheit halber (gedanklich), von allem anderen zu trennen.

Ist ein Problem dann erst einmal definiert (zum Beispiel die Verbreitung eines Virus), werden Strategien entwickelt, die das Problem isolieren, eingrenzen und ultimativ beseitigen sollen. Damit soll erreicht werden, dass die Welt nach der Problemlösung so sei, wie sie vorher gewesen war.

Das wird sich auch bei Covid-19 als Illusion erweisen. (Schrappe 10.01.2021) Die verzweifelten Rufe nach immer radikaleren Lösungen, die die „Dauerwelle“ wegzaubern sollen, werden unsere Chancen nicht erhöhen, die anderen beiden großen Krisen zu überleben.

Pat-end-lösungen, mit immer härteren Lockdowns, werden unter anderem immer heftigere Kollateralschäden bewirken, besonders bei Kindern.

Die scheinbar radikale Forderung nach „Zero-Covid“ im Rahmen eines „solidarischen“ Lockdowns, macht allein aus biologischen Gründen keinen Sinn: Denn die Viren sind da, sie verbreiten sich (schneller oder langsamer) weiter, und harmlosere Varianten, die ihren Wirt nicht umbringen, werden bessere Verbreitungschancen haben. So wie bei jeder Virusinfektion. Ein „Null“ kann und wird es daher nicht geben. Die Menschheit wird auch mit diesem Virus leben müssen.

„Ein solidarischer Lockdown ist ein Etikettenschwindel. Dahinter verbirgt sich die Forderung nach einer Verschärfung der Umverteilungspolitik von unten nach oben. … mit ihrem Appell (gießen sie) Öl ins Feuer einer zutiefst unsozialen Politik, die sich weit von demokratischen Prinzipien entfernt hat.“ Multipolar 18.01.2020,

Als Folge der absehbaren Dauer-Lock-downs werden die Fähigkeiten, neue Herausforderungen flexibel zu bewältigen (Resilienz), weiter sinken lassen; insbesondere bei Kindern. Kriege „gegen irgendetwas“ (z.B. Krankheit), führen eben nicht zwangsläufig zum Frieden (zu Gesundheit).

Sich auf die Apokalypse vorbereiten?

Der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist Europa und Nordamerika der ideologische Überbau abhanden gekommen. Die entfesselten Märkte werden weder von Religionen noch von Staaten kontrolliert. Angesichts der unübersehbaren Krisen, denen keine langfristiger Perspektiven gegenübergestellt werden, schwindet das Vertrauen der Bevölkerung in die Weisheit der Mächtigen. Viele basteln sich zurzeit ihr eigenes Weltbild, oder sie laufen anderen hinterher, die einfache Lösungen zu bieten scheinen.

Eines der vielen unguten Phänomene dieser Art ist die Modebewegung der „Prepper“, die sich auf den „Weltuntergang“ vorbereiten (ZDF 17.09.2020, NDR 23.05.2018).

Das Spektrum solcher Bewegungen reicht von harmlos bis faschistoid.

Solange es sich noch gut leben läßt, im reichen Norden, werden auch die „Prepper“ im Lockdown noch brav nach Hause gehen, wo ihre Vorräte lagern. Wenn sie sich aber abgekoppelt fühlen von der Gesellschaft, könnten sie rebellieren. Zum Beispiel, wenn sich die Wirtschaftskrise verschärfte oder eine Finanzblase platzte. Einen unorganisierten Mob wird man dann mit bewaffneter Staatsmacht noch relativ einfach unterdrücken können (CNBC 13.01.2021) . Aber auch Massenpsychosen?

‚Messes‘ managen?

Komplexe Probleme werden im Englischen als „mess“ bezeichnet: als Chaos oder Durcheinander.

Manche Probleme erscheinen (besonders mit Tunnelblick) relativ einfach und isoliert zu sein. Mit etwas Ruhe und Abstand kann man dann aber Wechselwirkungen und Beziehungen erkennen. Verschiedene zusammenhängende Probleme erscheinen dann nicht mehr unabhängig voneinander: Vielmehr wird bewusst, dass sie in der Realität dynamisch interagieren, und so zufällig völlig neue Situationen schaffen.

Einzelne Probleme existieren nur als willkürlich aus komplexen Situationen herausgegriffene Erscheinungen: Sie sind immer Anteile oder Aspekte größerer Zusammenhänge.

Problem-Komplexe („messes“) lassen sich nicht durch Optimierung einzelner Probleme verbessern. Stattdessen ist es notwendig, eine Situation wahrzunehmen und zu akzeptieren, wie sie sich in ihrer Gesamtheit (mit allen Aspekten) darstellt und entwickelt. Erst dann kann man sich ihr anpassen und sie begleiten, einfluss-nehmend und, im günstigen Fall, auch lenkend.

Etwa wie ein Kapitän, der Wolken, Wind, Wellen und den Zustand seines Schiffes gleichermaßen beachtet und unaufgeregt-überlegt handelt.

Bei neuen komplexen Problemzusammenhängen (die z.B. durch eine Epidemie verschlimmert wurden) wäre es günstig, möglichst viele unterschiedliche Sichtweisen einzubeziehen, Möglichkeiten zu prüfen und Strategien zu entwickeln, die die Zahl der Möglichkeiten vermehren, indem getan wird, was die Gesamtsituation erfordert.

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Viele Personen einbeziehen, und sie durch eine Vision begeistern. Bild: Julian Pratt eta. Partnership for purpose. Whole system Thinking working paper series. Kings Fund, 2000, ISBN 1-85717-299-9

An Visionen arbeiten

Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Antoine de Saint-Exupéry (Quelle)

Im Kampfgetümmel ist keine Zeit für Visionen. Ohnehin halten sich „Problemlöser“ lieber an die Empfehlung von Helmut Schmidt

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen,” Schmidt über Willy Brandts Visionen im Bundestagswahlkampf 1980

Wichtiger sind ihnen „Ziele“, denn die sind (eng und einfach) das Gegenteil des Problems: „Viel Covid: schlecht!“ – „Kein Covid: super!“

Visionen dagegen erweitern das Blickfeld auf alle Aspekte einer Situation, die sich verändern und entwickeln. Während Problemlösungen typischerweise mit einer Antwort beginnen („Genau so!“), entstehen Visionen aus Fragen. Zum Beispiel: „Wie wollen wir in 20 Jahren leben?“

Eine mögliche Vision, die vor meinen Augen auftaucht, wäre die einer glücklichen Gemeinschaft, in der sich unsere Kinder und Enkel friedlich, demokratisch, solidarisch, neugierig verwirklichen können – weil sie eingebettet in elastisch-stabiles, artenreiches Ökosystem leben.

Solche Vision muss man gemeinsam ausgestalten. Dann entsteht Sehnsucht. Und der Wunsch etwas zu tun. Und schließlich kommen konkrete Fragen nach der Strategie auf:

  • Mit noch mehr Wachstum?
  • Mit einer echten Transformation, die sich von dem Wachstumszwang verabschiedet? (Kern 2020)

Fundamentale Krisen-Komplexe bringen den großen Vorteil mit sich, dass nichts mehr sein kann, wie es war: Sie eröffnen Chancen für grundsätzlich neue Erfahrungen.

Zum Beispiel könnten mehr Menschen entdecken, dass wir in Systemen leben und daraus bestehen. Dann würden

  • Problem-Ausrottungs-Trancen (oder nach Watzlawick „Paten-end-lösungen“) an Bedeutung verlieren, und
  • Wechselwirkungen, Zusammenhänge, Dynamiken größere Aufmerksamkeit erhalten.

Wir würden beginnen, im Interesse unserer Kinder und Enkel handeln. Und nicht mehr gegen sie.

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Literatur

Selber denken in der Krise

12. Januar 2021

Wichtig ist: nicht aufhören zu fragen. The important thing is not to stop questioning. Curiosity has its own reason for existence. Einstein

Meist denken wir fremd.

Und tun das, was wir sollen – dem folgend, was aufgeschrieben wurde.

Wir glauben denen, die die Wahrheit kennen. Reagieren auf Herausforderungen mit angelernten Handlungsroutinen. Halten uns an Anweisungen. Und hoffen, dass es „so“ gut wird.

Fragen offenbaren Unsicherheit.

Befehlen folgen und handeln geschieht ohne Zeitverlust. Im Gegensatz zu Innehalten und sich interessiert umschauen.

Fragen werden daher nur toleriert, wenn genügend Zeit zur Verfügung zu stehen scheint. Oder wenn Unwissende Antworten suchen, die andere seit langem besitzen. Wird aber etwas, was allgemein als „richtig“ akzeptiert wurde, hinterfragt, macht man sich unbeliebt. Denn Zweifel, an dem was getan werden muss, könnten Problemlösungen verzögern, oder gar die Sicherheit einer gewohnten Weltsicht ins Wanken bringen.

Entweder ist es richtig, falsch, sinnlos oder imaginär. G. Spencer-Brown

Wenn immer alles es so ist, wie es war, wären Fragen überflüssig. Taucht aber plötzlich eine Situation auf, die es so noch nicht gegeben hat, versagen Weisheiten, die nur auf vergangenen Denkmustern beruhen.

An solchen Weggabelungen kann man stehenbleiben und staunen. Und erkennen, dass etwas (noch) nicht verstanden wird.

Bieten die gewohnten Gewissheiten dann keine Lösung, sind neue Ideen nötig. Also entstehen aus Fragen Erklärungsmodelle, die ausprobiert werden, sich als fehlerhaft erweisen, zu neuen Fragen führen, und zu veränderten Experimenten. 

Ausprobieren macht Spaß. Ohne die vielen offenen Fragen gäbe es nur Religionen, und keine Wissenschaft. (Rovelli 2019).   

„Betrachte die Welt von einem anderen Standpunkt“ „Take the world from another point of view“  Interview (Video) Richard Feynman (1918-1988)

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Meditative Ruhe? Archaische Bedrohung? Nur Sand, Muscheln, Steine?
Bewertungen sind nur im Innern des Betrachters. Bild Jäger, Juist 2019

Die Kunst des Fragens

Die Grundlage jeder guten Frage ist „Nicht-Wissen“. Niemand hat je etwas gelernt, was er vorher schon wusste.

Am besten sind Fragen gepaart mit Neugier, um etwas herauszufinden. Sobald jemand aber glaubt zu wissen, wie es „wirklich“ sei, stirbt der Entdeckerdrang. Werden dagegen neue Fenster aufgestoßen, eröffnet sich eine neue unbekannte Welt, in der wieder neue Fragen aufkeimen.

Es gehört Mut dazu, Un-sicherheit ertragen, und über die eigene Beschränktheit zu lachen. Allerdings kann das Wissen um Nicht-Wissen auch zufrieden machen: weil es den Freiheitsraum erweitert.

Neugierig forschende Menschen fühlen sich auch in Situationen wohl, in denen andere Einsamkeit empfinden würden. Und sie haben weniger Bedarf an besserwissenden Dogmen und esoterisch-religiösem Geschwurbele. (Kanazawa 2015, 2016)

Gerade in Gefahr: Fragen!

statt: vorschnell antworten.

Bei Covid-19 geschah 2020/2021 das Gegenteil: hektischer Aktionismus, Tunnelblick, Dogma, politischen Dampf, Kampf-Euphorie, Kriegs-Metapher, Stress.

Zusammenhänge, Beziehungen und Wechselwirkungen waren unwichtig. Stattdessen wurde und wird „gegen“ etwas gekämpft: gegen Probleme, Mikroben, Terroristen oder Andersgläubige.

Diejenigen, die den Priester:innen der offiziellen Wahrheiten nicht folgen, organisieren sich in Sekten, die gegen übermächtige Kirchen zu kämpfen glauben. In diesem Kampf des gegenseitigen Besser-Wissens, bleibt nur wenig Raum für vorurteils-freies Fragen:

“ .. Durch die Epidemie ist es zu einer Fragmentierung der Gesellschaft in Gruppen („Clans“) gekommen, die sich in erster Linie in der Abgrenzung gegenüber dem „Außen“ stabilisieren und das Interesse an der Integration discordanter, „nicht passender“ Meinungen verloren haben. .. Die dabei ins Spiel kommende Vorstellung von Wissenschaft als geschlossene Faktenordnung mit direkt ableitbaren Handlungsanweisungen beruht auf einem szientistischen ( und solutionistischen) Missverständnis dessen, was Wissenschaft darstellt – nämlich das konstitutive Prinzip des systematischen Zweifels, dass Wissenschaft als plurales Wissensregime ausmacht. Dieses Missverständnis erfüllt eine relativ präzise zu benennende politische Funktion: nämlich die der argumentativen Schließung und der Abwehr bzw. Abwertung von Kritik.“ Thesenpapier 7.0, Schrappe et.al 10.01.2021

Wahrheit und Lüge

Immer neue Realitäten entstehen, entfalten sich und werden wirklich. „Wahrheit“ oder „Unwahrheit“ dagegen sind, statisch, auf Vergangenes bezogen. Sie werden in dem Moment, in dem sie ausgesprochen werden, aktiv erstellt. Kinder erlernen diese Fähigkeiten mit etwa vier Jahren. Sie sind dann in der Lage, Kasperletheater zu verstehen,

D.h. sie können sich vorstellen, was im Kopf eines anderen vorgeht, der darüber nachdenkt, was sie wohl denken oder fühlen mögen. Ab diesem Zeitalter sind sie auch für Wahrheiten empfänglich. Sie lauschen den Botschaften von Lehrern und Eltern, die ihnen erklären, dass die Welt eben nicht so sei, wie sie von ihnen subjektiv erfahren wird, oder in ihrer Fantasie entsteht. Sondern vielmehr so, wie sie nach den Lebensmodellen der Erwachsenen zu sein hat.

Auch die Realität einer Pandemie ist nicht: sie wird. Sie entwickelt und verändert sich. Man kann solche dynamischen Prozesse begleiten, und, aus dem jeweils subjektiven Blickwinkel, die vielen Einflussfaktoren betrachten, denen sie unterworfen sind.

Unterschiedliche Bewertungen sind dann weder „wahr“ noch „unwahr“, sondern nur relativ plausibel oder relativ unwahrscheinlich.

Als (wahrscheinlich) „wahr“ kann man aus wissenschaftlicher Sicht nur bezeichnen, was nach zahllosen Überprüfungen bisher nicht widerlegt werden konnte. Zum Beispiel bestimmte Naturgesetze, die zu immer wieder gleichen Mess-Resultaten führen. Wir können deshalb annehmen, dass die Welt immer wieder, im Rahmen dieser Gesetzmäßigkeiten, neu entsteht.

Eine ganz andere Möglichkeit, etwas als „wahr“ zu erkennen, wäre die körperliche Wahrnehmung: In einem Moment die Dynamik und die Facetten des eigenen Selbst und des Umfeldes zu erleben und sich zu verbinden.

Sinkende Qualität kritischer Diskurse in Krisen

In Panik und in Stress kann man nicht kommunizieren. (s.u.: Vagus)

Man greift an, flieht oder bricht zusammen. In diesem Zustand können Information nicht sinnvoll verarbeitet werden. Man brüllt, um Macht zu demonstrieren, aber nicht um Erkenntnisse zu vermitteln,

Angst kann in ein anderes Gefühl gewandelt werden: in Neugier zum Beispiel. Auch dafür sind Informationen nicht hilfreich, sondern Sicherheit und Vertrauen.

Wird Angst nicht beruhigt, muss man sich an Scheinsicherheiten klammern: Ideologien, Dogmen, Rituale und Regeln.

Wenn es aber gelingt Angst ausklingen zu lassen, kann sich die Aufmerksamkeit weit öffnen, die Möglichkeiten wahrnehmen oder auf die Details zu schauen. Jetzt erst könnte man auf einer ruhigen und respektvollen Basis in einen Dialog treten, bei dem das Zuhören (um zu lernen) eine höhere Bedeutung erhielte, als das sagen (um zu überzeugen).

Diese Art wissenschaflicher Diskurse verarmt in unserer Gesellschaft. Und das besonders dramatisch in der Krise. Warum sind Wissenschaftler:innen so oft unfähig sind fruchtbare Diskurse zu führen?

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Graphik Jäger 2020, angelehnt an einen Essay von Edgar Wunder, 1998

Der Soziologe Edgar Wunder nennt die Kommunikationsstörung unter Wissenschaftler:innen „Skeptisches Syndrom“, und beschreibt damit einen Konflikt zwischen der inneren Einstellung und dem was, von Außen als Information, Erklärungsmodell, Hypothese herangetragen wird.

In der Graphik symbolisiert „Innen“ die eigene Einstellung, zwischen dogmatischer Enge und vorurteilsfreien, offenem Weitblick.

„Außen“ symbolisiert eine Idee, die im Gespräch oder über ein Medium herangetragen wird, und der man entweder zustimmen kann oder nicht.

Daraus ergeben sich vier Möglichkeiten des Kommunikationsverhaltens

  • Links oben: Bestätigung im Glauben etwas zu wissen.
  • Links unten: Falsches erkennen. Entweder überzeugen oder bekämpfen.
  • Rechts oben: Ausprobieren, weil es tatsächlich „so“ sein könnte.
  • Rechts unten: Neugierig gemeinsam etwas untersuchen und erforschen.  

Die Wirklichkeit wissenschaftlicher Diskussion rund um die Pandemie 2020/2021 sind verkeilt im unteren linken Feld. Welche Möglichkeiten bieten sich an, das zu verändern?

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Empfehlungen für kritisches Denken

gekürzt und sinnbemäß übersetzt

Bertrand Russel, 1872-1970

  1. Nie absolut sicher sein.
  2. Keine Evidenz vertuschen.
  3. Nie Denken abwürgen.
  4. Rational (emotionsberuhig und ideologie-arm) argumentieren.
  5. Kein Respekt haben vor Autoritäten.
  6. Keine Macht nutzen, um Meinungen zu unterdrücken
  7. Keine Angst haben exzentrisch zu erscheinen, denn jede akzeptierte Meinung war einmal exzentrisch.
  8. Mehr Spaß haben an intelligentem Dissens, als an passiver Zustimmung.
  9. Bei der eigenen Wahrheit bleiben.
  10. Nicht neidisch sein auf das Glück der Narren, die sich im Paradies des Wissens glauben.

Carl Sagan (1934-1996): Rules for Bullshit-Busting and Critical Thinking

  1. Unabhängige Bestätigung der „Fakten“.
  2. Alle sachkundigen Standpunkte einbeziehen.
  3. Wissenschaft kennt keine „Autoritäten“.
  4. Mehrere Hypothesen ausprobieren und verfolgen.
  5. Nicht (zu sehr) an einer Hypothese festklammern.
  6. Es messen, um es zu vergleichen.
  7. Prüfen, ob jedes Glied einer Argumentationskette funktioniert.
  8. Occam’s Rasiermesser anwenden: Im Zweifel die einfachere Hypothese wählen.
  9. Hypothesen versuchen zu widerlegen, besonders die liebgewonnenen.

Einstein

  • Imagination is more important than knowledge. Knowledge is limited. Imagination encircles the world.
  • It’s not that I’m so smart, it’s just that I stay with problems longer.
  • Great spirits have always encountered violent opposition from mediocre minds.
  • I believe in intuitions and inspirations. I sometimes feel that I am right. I do not know that I am.

 Literatur

  • Kanazawa S. et al: Happiness in modern society: Why intelligence and ethnic composition matter. J of Research in Personality, 59(2015):111-120
  • Kanazawa S  et al Country roads, take me home… to my friends: How intelligence, population density, and friendship affect modern happiness. Br J Psychol. 2016 Nov;107(4):675-697
  • Rovelli C: Die Geburt der Wissenschaft, Anaximander und sein Erbe. Rowohlt 2019
  • Schrappe M: Thesenpapier 7.0, 10.01.2021
  • Wunder E: Skeptic Syndrome 1998 / 2019, veröffentlicht auf skeptizismus.de (zurzeit nicht erreichbar).  PDF-Download

Corona-Philosophie

25.12.2020

Nichts ist so, wie es scheint.
Anaximander von Milet (610-546 vuZ),
nach Rovelli: Die Geburt der Wissenschaft, Rowohlt 2019

Die Fähigkeit Tabus zu hinterfragen ist jung.

Homers Schilderung des listenreichen Odysseus ist erst 2.800 Jahre alt. Dieser Freibeuter hörte – in sich – keine Geister-Stimmen mehr. Auch nicht im Traum. Die Befehle der inneren Götter, die die Menschen vor Troja noch wie Marionetten gesteuert hatten, waren verstummt. Als sie ihn doch einmal betören wollten, verstopfte er sich die Ohren: Ein schlauer Einzelkämpfer, ganz allein auf sich gestellt. Ein ziellos Umherwandernder in wirren Zeiten. Aus sich heraus nach Orientierung ringend. Ohne Wahrheiten, denn die wurden von der Priester und Dogmatikern erst später verkündet.

Nur 300 Jahre später konnte jemand, neu-gierig fragend, herausfinden, dass die Erde schwebt (Rovelli 2009). Genial: Anaximander lies einfach unsinniges Glaubens-Geschwurbele weg. Aber wozu sollten solche gotteslästerlichen Gedanken nützlich sein? Bewegten sie etwa mächtige Armeen? Hielten sie etwa große Reiche zusammen?

Nein. Dazu mussten erst Wahrheiten erfunden werden: Konzepte, die über dem König standen und von niemandem angezweifelt werden durften. Mit Angst verbunden, um das Volk zu zwingen, der richtigen Ideologie zu folgen.

Selber-denken war ab dann wieder lebensgefährlich. Besonders in Krisenzeiten.

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Reiner Mausfeld 03.06.2020: Angst und Macht. Ängste haben den Vorteil, dass sie leicht zu erzeugen sind und tiefergehende psychische Auswirkungen auf unser Handeln haben. … Reale Ängste werden in Binnen-Ängste umgewandelt … Apathie, und Status-quo-Neigung steigt, … Solidarität, Handlungsmut, Empathie sinken https://www.youtube.com/watch?v=-S5WhBxQUHg. Techniken der Angsterzeugung 20.04.2020: https://www.youtube.com/watch?v=7LdLaszpO2A

Angesichts gesellschaftlicher Umbrüche wäre es – eigentlich – dringend nötig, damit aufzuhören das zu tun, was schon immer getan wurde. Denn ein Denken, das Krisen erzeugt, kann nicht in der Lage sein, Krisen zu überwinden. Also müsste gerade in Gefahr nach Selber- und Neudenker*innen gesucht werden.

Erfahrungsgemäß geschieht in Krisen zunächst das Gegenteil: Andersdenkende werden bekämpft, weil sie den zerfallenden, aber noch herrschenden Glaubenskonzepten widersprechen. Bis ein Zusammenbruch erfolgt. Und man sie wieder braucht, weil man im Chaos nach einer neuen Orientierung ringt.

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Karl Popper (1974): „Das Wichtigste ist, den großen Propheten zu mißtrauen …!“ https://www.youtube.com/watch?v=ZO2az5Eb3H0&feature=youtu.be

Die Unterwerfung

„Gemeinsam haben wir es geschafft: .. Den Triumpf der Menschheit über die Krankhheit!“ Boris Johnsen, Premier Großbritanniens anlässlich der 8,8 Mrd.-Sammelaktion für Covid-19-Impfstoffen, afp 05.06.2020

Es ist fünf vor zwölf.

Eigentlich müsste die Menschheit jetzt über das Wesentliche debattieren: In wenigen Jahren wird das 1,5°-Klimaziel endgültig verfehlt sein. Die Weltwirtschaft befindet sich in der größten Stag-Flation seit 1929. Die Reichen werden immer reicher. Die Armen rutschen ins Elend. Die Weltordnung zerbricht, die Kriegsgefahr steigt.

Die Spezies Homo sapiens steht, nachdem sie ein Erdzeitalter (Anthoprozän) geprägt hat, vor einer Klippe.

Machen wir als Schädlinge der Erdoberfläche so weiter wie bisher, werden wir in einigen Jahrzehnten unsere Lebensgrundlagen endgültig verspielt haben.

Besteht noch eine Chance, dass wir uns vom Schädling zum Nützling der Erde wandeln? Oder müssen wir erst auf den endgültigen Kollaps warten, nach dem sich die wenigen Überlebenden, vielleicht anders verhalten werden.

Für die fundamentale Krise, in der wir uns heute befinden, fantasierte der französische Schriftsteller Houellebecq 2015 eine überraschend einfache Lösung: Die Unterwerfung unter eine „modernisierte“ Einheitsreligion. Houellebecq dachte an eine Variante des Islam. Aber er übersah das Naheliegendere: die Macht des Gesundheitsmarktbetriebes.

Michel Houellebecq spielt mit den Ängsten … und dem Gespenst der Selbstaufgabe … Er hält in „Unterwerfung“ .. der westlichen Gesellschaft, die an ihrem „atheistischen Humanismus“ zugrunde gehe, einen Zerrspiegel vor. SD 16.01.2015

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Kommentar von Lucien Scherer, NZZ 03.11.2020:
Niedergang der Diskussionskultur in Zeiten von Angst und braver Gesinnung

Triumph der Medizin

Bereits 1924 hatte ein anderer genialer Schriftsteller (Jules Romain) den heutigen Triumph der Medizin vorausgeahnt. Er beschreibt wie es einem Landarzt in kurzer Zeit gelingt, alle Dörfler in kranke Kund*innen zu verwandeln:

„Werden bei ihrem Vorgehen nicht die Interessen des Patienten denen des Arztes untergeordnet?“ – „Sie vergessen, es gibt noch ein übergeordnetes Interesse.“ – „Welches?“ – „Das der Medizin.“

Ich gebe Menschen eine Bestimmung und führe sie zu einer medizinischen Existenz.“ – “ … , bis zum Äußersten zu gehen und tatsächlich die ganze Bevölkerung ins Bett zu schicken, nur um zu sehen, was passiert, nur um es zu sehen!“

Das Leben hat einen medizinischen Sinn … Verschone mich mit Gesundheit!“ Jules Romain, 1926

1977 sah ein anderer Visionär, der Soziologe und Priester Ivan Illich voraus, das das Medizinsystem wie ein Krebsgeschwür in alle Bereiche des Lebens wuchern werde:

„… Die Verpflichtung der Gesellschaft, allen Bürgern die Produkte der Medizin in nahezu unbegrenzte Maß zur Verfügung zu stellen, droht die Umwelt und die kulturellen Bedingungen zu zerstören, die der Mensch braucht, um ein Leben in dauernder autonomer Gesundheit zu führen.

… falls eine durch blutige Enthüllungen in Panik versetzte Öffentlichkeit so eingeschüchtert würde, dass sie einer Ausweitung der Spezialisten Kontrolle über Spezialisten in der Gesundheitsindustrie zustimmte, dann würde dies zu einer Vermehrung krankmachender Gesundheitspflege führen …

Die institutionelle Gesundheitsfürsorge ist gleichbedeutend mit einer systematischen Verweigerung von Gesundheit..

Sie sie dient nicht der persönlichen Entfaltung sondern dem industriellen Wachstum … Der Medizinbetrieb könnte leicht zum ersten Ziel eines politischen Handelns werden …

Nur ein politisches Programm, das auf eine Beschränkung der Gesundheitsverwaltung durch Experten abzielt, kann den Menschen die Möglichkeit geben, ihre Kraft der Gesundheitspflege zurückzugewinnen.“ Ivan Illich 1977

Viele der Vorhersagen von Ivan Illich sind eingetroffen.

Ebenso die Prognosen des Ökonomen Leo A. Nefiodow, der vor einigen Jahrzehnten voraussagte, dass die Kommerzialisierung der „Gesundheit“ alle anderen Märkte an Dynamik übertreffen werde. Dabei bezog er sich auf die Beobachtungen von Nikolai D. Kondratjew (1892-1932), der  kapitalistische  Wachstums-Zyklen beobachtet hatte. Kondratjew beschrieb, wie den Aufschwungs-Phasen der Produktion regelhaft Krisen folgten, die im Zuge technischer Innovationen wieder überwunden werden, und denen dann ein neuer ökonomischer Aufschwung folgt.

Womit Nefiodow allerdings nicht gerechnet hatte ist, dass sich die fünfte Kondratjew-Welle (Digitalisierung) mit der sechsten Kondratjew-Welle (Medikalisierung) zu einem gigantischen Tsunami verbinden würden.

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Unterwerfung funktioniert: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/regeln-befolgen-muss-man-den-menschen-so-leicht-wie-moeglich-machen-li.108195

Religiöses Denken hat wieder Hochkonjunktur.

Aber die alten Mittelmeer-Religionen werden davon nicht profitieren:

Gott sagt, für ihn sind tausend Jahre wie ein Tag. Und ein Tag wie tausend Jahre. Dazwischen kommen eben ein paar Tage Corona. Heidemarie Föster, Chrismon 11/2020

Die alten Gottesvorstellungen wirken angesichts der unkontrollierbaren Monster der Weltwirtschaft westlicher Prägung, völlig desorientiert. Ihre Moralsysteme zerfallen. Allerdings bietet die in China wachsende Neo-Religion aus Neo-Konfuzianismus und Tianxia (s.u.), eine Vision der viele Chines*innen folgen werden. Man plant fünf Jahre voraus und strebt einen „dualen Wirtschaftkreislauf“ an. Damit soll es gelingen, den Kapitalismus zu bändigen, die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zu verbessern und die Führungsrolle in der Welt auszubauen.

Die Gesundheitsreligion des Westens wirkt im Vergleich erbämlich: Es wird in immer neuen Lock-downs immer mehr Geld verblasen, dem aber kein Warenwert entgegensteht. Und zugleich dem Volk alles entzogen, was es bisher immer so erfolgreich abgelenkt hat. Eine erkennbare Zukunftsvision gibt es nicht, weil es sicher nicht so werden wird, wie es war. Das, was die Gesellschaft zusammenhalten soll, ist immer neue Angst und Panik-Mache.

Depression ist kein Zukunftsmodell, sondern macht die Gesellschaft noch kränker und krisenanfälliger, als sie ohnehin schon war.

NZZ 28.10.2020, 21:00: Klüger wäre es, die Politiker würden ihre eigene Hilflosigkeit eingestehen, anstatt das Land einem Experiment nach dem anderen zu unterziehen.

Es gibt nichts mehr, für das es sich lohnen würde zu kämpfen,

außer

„… Das nackte Leben – und die Angst, es zu verlieren – Das ist nicht etwas, was die Menschen verbindet, sondern was sie trennt und blind macht.

… Der Ausnahmezustand, auf den uns die Regierungen seit geraumer Zeit einstimmen, ist zu unserem Normalzustand geworden. … Die Menschen haben sich daran gewöhnt, unter Bedingungen einer ständigen Krise und eines ständigen Notstands zu leben. Dabei scheinen sie nicht zu bemerken, dass sich ihr Leben auf eine rein biologische Funktion reduziert hat und nicht nur jeder sozialen oder politischen, sondern auch menschlichen oder affektiven Dimension verlustig gegangen ist. Eine Gesellschaft, die im ständigen Ausnahmezustand lebt, kann keine freie Gesellschaft sein. Wir leben in der Tat in einer Gesellschaft, die die Freiheit zugunsten der sogenannten Sicherheitsgründe geopfert und sich selber dazu verurteilt hat, in einem ständigen Angst- und Unsicherheitszustand zu leben.Es wundert nicht, dass man in Bezug auf das Virus von einem Krieg spricht. Die Notmaßnahmen zwingen uns de facto, unter Bedingungen der Ausgangssperre zu leben. Nur ist ein Krieg mit einem unsichtbaren Feind, der sich in jedem Menschen einnisten kann, der absurdeste aller Kriege. Es ist in Wahrheit ein Bürgerkrieg.

Der Feind ist nicht außerhalb von uns, sondern in uns. Besorgniserregend ist nicht in erster Linie und nicht nur die Gegenwart, sondern das, was danach kommt. So wie die Kriege den Friedenszeiten eine Reihe unheilvoller Technologien hinterlassen, so werden sehr wahrscheinlich auch nach dem Notfall der öffentlichen Gesundheit die Experimente fortgesetzt, die die Regierungen vorher nicht durchzuführen vermochten. Sei es, dass Universitäten und Schulen geschlossen werden; sei es, dass der Unterricht nur noch online stattfindet; sei es, dass man endlich einmal aufhört, sich zu versammeln und über politische oder kulturelle Angelegenheiten zu reden, und stattdessen nurmehr digitale Nachrichten austauscht. Sei es, dass Maschinen jeden Kontakt – jede Ansteckung – unter Menschenwesen ersetzen“. Gergio Agamben, italienischer Philosoph

Pandemie- und Kriegsberichterstattung gleichen sich immer mehr an. Das Interesse der Öffentlichkeit speist sich aus tiefgreifenden Ängsten, die eine besondere Intensität erlangen, weil sich die gesamte Bevölkerung bedroht sieht. Aus dem Blickwinkel einer Regierung stellen Epidemien (wie Kriege) existenzielle Bedrohungen dar, weil in beiden Fällen jedes Versagen Rebellionen oder einen Regime-Wechsel herbeiführen kann.

Journalisten zappeln im Spannungsfeld zwischen Propagandisten, Verlautbarungen mächtiger Weisheiten, Falschmeldern, Intriganten und PR-Agenturen. Sauberer Journalismus ist oft auf dem Rückzug. Dabei wäre er gerade jetzt so nötig, um das gigantische Bevölkerungsexperiment zu beobachten und zu dokumentieren.

Stehen wir also, wieder einmal, am Ende der Philosophie?

Ja.

Weil „Spaltung & Polarisierung“ „Dogmen & Ideologien“ fördern. Die einen wollen als neu-digitale Medizinkunden nur das tun, was sie sollen, und die Minderheit kämpft „dagegen“ an – aber ohne bisher erkennbare Alternativ-Vision. Weder die, die sich gerade von Existenz-Angst zerfressen fühlen, noch die anderen, die „was auch immer“ mit aller Kraft bekriegen, werden Spaß daran haben selber zu denken.

Und nein.

Weil gerade jetzt die Chance besteht, dass sich einige Menschen jetzt, in Zeiten maximalen Verunsicherung, grundsätzlich anders selbst erkennen und neu verhalten.

Der Philosoph Hartmut Rosa thematisiert diese Chance, bei seiner Analyse eines Kern-Problems der modernen Zivilisationen,

„ … die Welt in Reichweite zu bringen. Sie verfügbar zu machen.

… Dabei droht sie uns jedoch stumm und fremd zu werden: (Denn) Lebendigkeit entsteht nur aus der Akzeptanz des Unverfügbaren.“ Hartmut Rosa

Die westlichen Gesellschaften erkennen zunehmend, dass das, was sie im Äußeren zu halten versuchen, ihnen immer mehr entgleitet, und dass sie im Inneren hohl und leer sind.

Hartmut Rosa empfiehlt, sich deshalb dem was uns und umgibt, und was uns durchdringt, wieder langsam zu nähern, und uns zu versöhnen. Damit könnte sich der Kampf um die Verfügbarkeit (um das Beherrschen und Gewinnen) wandeln in vorsichtige Beziehung und in Resonanz.

In der Evolution wird die Spezies Homo sapiens keine andere Alternative haben, als sich vom Krankheitserreger der Erdoberfläche zu einem harmlosen Nützling zu verändern. Aber keine/r der bisherigen Denkerinnen und Denker hat aufgeschrieben, wie das gelingen könnte.

Es ist jetzt dringender denn je, kreatives und schöpferisches Selber-denken und Selber-handeln anzuregen, und zu ermöglichen.

Mehr

Literatur

  • Carlo Rovelli: Die Geburt der Wissenschaft, Anaximander und sein Erbe, Rowohlt 2019 (Originalausgabe 2009)
  • Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit, Residenz Verlag, 2019
  • Ivan Illich: Die Nemesis der Medizin. Die Kritik der Medikalisierung des Leben: Beck Verlag 2007 (Originalausgabe 1977)
  • Jules Romain: Knock oder der Triumph der Medizin,1926, Reklam 1995
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Die Herrschaft der Cyber-Docs markiert einen Höhepunkt, dem zwangsläufig ein Absturz folgen wird. Der Philosoph Giorgio Agamben fragt deshalb gerade jetzt nach dem Stellenwert des Körperlichen. Denn in allem Lebenden sind Geist-Körper-Umwelt ungetrennt eins. In allem was lebt sind die Beziehungen, Verbindungen und Wechselwirkungen wichtiger als die beteiligten Elemente. Bild: Jäger 2019

Mehr desgleichen!

Funktioniert etwas nicht, wird es wiederholt.

Dann mit noch mehr „Wumms“: Mit Entschlossenheit, Mut, Kraft, und notfalls auch mit Gewalt.

Wird der Kranke durch die verordneten Pillen nicht geheilt, muss eben die Dosis verdoppelt oder verdreifacht werden.

„.. Es besteht die paradoxe Situation , dass eine mit hohen gesellschaftlichen Kosten verbundene Lockdown-Politik durchgesetzt wird, ohne andere Optionen in Betracht zu ziehen und über einen dringend notwendigen Strategiewechsel überhaupt nur nachzudenken, obwohl die am stärksten Betroffenen, die höheren Altersgruppen und Pflegeheimbewohner/Innen, durch den Lockdown nicht geschützt werden.Thesenpapier 7.0 der Gruppe um Matthias Schrappe 10.01.2021
Markus Söder in der Welt am 09.01.2021 und 10.10.2021: „Das Virus ist die Pest! Normalzustand in absehbarer Zeit unmöglich!

„Mehr desselben wirkt einfach besser als weniger!“

Paul Watzlawik bezeichnete diese Erkenntnis als Pat-end-lösung: Man operiert den Patienten so lange, bis er sicher nicht mehr blutet. Solche Lösungen schafften — so Watzlawick – nicht nur das Problem, sondern auch alles damit Zusammenhängende, aus der Welt.

Die Geschichte der Medizin ist voll gruseliger Verschlimm-Besserungen, bei denen jeweils die Theorie der Erfolgskonzepte wesentlich bedeutsamer erschien, als die Realität der ausgelösten Kollateralschäden. (Packard 2016, Lachenal 2014, Wooton 2006)

Menschenverursachte Katastrophen laufen (immer wieder) nach gleichen Mustern ab. Fast immer sind die Handelnden dann „zutiefst“ von ihrer Weltsicht überzeugt: Denn die sei – alternativlos – die einzig richtige. Viele von ihnen sind keinesfalls böse, sondern wollen – missionarisch getrieben – Gutes bewirken. Nur überschätzen sie die Wirkung ihrer punktgenauen Interventionen, die sie – im Kriegstaumel – immer gewaltiger ausgestalten.

Ähnlich wie Donald Trump, der 2017 den Afghanistankrieg (ein für alle Mal) beenden wollte, und der deshalb eine so genannte „Mutter aller Bomben“ abwerfen ließ. Den Krieg verlor er zwar, die getroffene Region strahlt aber immer noch.

Da der Umfang der Probleme, die durch die Intervention entstehen, anfangs noch unbekannt sind, werden sie unterschätzt. Es ist nicht überraschend, dass „die Dinge“ immer wieder „zurückbeißen“ (Tenner 1997, Dörner 2003)

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Wer einen Hammer hat, dem erscheinen alle Problem als Nägel. Wenn sich Probleme dann als Fische erweisen: Muss man eben heftiger zuschlagen. (Paul Watzlawik: Vom Schlechten des Guten, 1986). Im März 2020 setzte sich die Marketing-Strategie „The hammer and the dance“ durch: heute im Januar 2021 müssten wir eigentlich tanzen.

Die dritte Möglichkeit

Statt „zuviel des Guten“ könnte man, gerade in gefährlichen Situationen, überlegter und vorsichtiger vorgehen. Es wäre sogar möglich, die eigene Einstellung ändern.

Zum Beispiel könnte sich ein Problem, das unbedingt beseitigt werden muss, in ein Symptom wandeln, das Wechselwirkungen anzeigt, die sich verändern sollten.

Analogie zu Covid-19

Noch ist die logische Konsequenz des Scheiterns des Lockdown (Schrappe 17.02.2021 , Schrappe 25.12.2020) : Verschärfung des Lockdown!

Für die überwältigende Mehrheit der Politiker:innen und Medien erscheinen die befohlenen Interventionen alternativlos zu sein. Die langfristigen Schäden, die insbesondere bei Kindern angerichtet werden, vernachlässigen sie.

„Kollateralschäden sind inbegriffen: Die Folgen der Schulschließungen sind nicht nur für die Bildung fatal (FAZ 06.01.2021)

Kritik flammt nur auf, wenn es all denen, die an die große Erlösung glauben, nicht schnell genug geht mit der Problembekämpfung:

„Das Impfdebakel. Statt Ausatmen herrscht Enttäuschung vor: Die Politik bekommt das Coronavirus nicht in den Griff.“ Der Freitag 07.01.2021 – „Auf die Spitze getrieben Impfungen kommen nicht so schnell voran wie gedacht.“ (FAZ 06.01.2021)

Wird uns also diese Dauerwelle erhalten bleiben, wie ein Naturereignis?

Viral mutations may cause another ‘very, very bad’ COVID-19 wave, scientists warn Science mag 05.01.2021

Oder ist sie die schrille Begleitmusik (mit „Bazookas & Wumms“) einer grundlegenderen ökonomischen Krise, die sich seit September 2019 aufbläht und in ein paar Monaten platzen könnte? (Assets USA Federal Reserve ; Global stability Report IMF Okt. 2019)

Was können wir tun, ohne verrückt zu werden?

Innehalten, uns umschauen, selberdenken und Fragen stellen (s.u.). Und versuchen, die Möglichkeiten, die sich bieten, zu vermehren.

Ist weniger mehr?

Ist mehr besser?

Die Logik des Mißlingens

Umgang mit unbekanntem Nichtwissen

Interventionen in das Leben anderer

  • Lachenal G (2014): Lomidine Files. (Le médicament qui devait sauver l’Afrique) Pari,s Englisch: JHU Press 2017
  • Randall M. Packard: A History of Global Health – Interventions into the lives of other people. JHU Press 2016. ISBN 987654321
  • Wooton D (2006) Bad Medicine: Doctors Doing Harm Since Hippocrates, Review Fritzpatrik M: J R Soc Med. 2006 Oct; 99(10): 530.

Fragen zum Pandemie-Management

  • Haben immer neue Viren vielleicht auch etwas mit industrieller Landwirtschaft, Artensterben, Umweltverdreckung, Abholzung und Klimawandel zu tun? (Wallace: On the origins of Covid-19″, 2020)
  • Welche Begeleitfaktoren spielen bei Covid-19 eine Rolle? Zum Beispiel in Industrieregionen und Megastädten (relativ hohe Sterblichkeitsraten) und anderen Regionen, wie Laos/Vietnam/Kambodscha oder Neuseeland: (relativ geringe Belastungen durch die Pandemie)
  • Warum hat das Wissen um die Verschlimmerung der Covid-19-Pandemie durch Feinstaub (Xiao 2020 Wu et al, Harvard 2020) bisher kaum politische Konsequenzen (Smog-reduktion , Rauch-Prävention)?
  • Könnte ggf. auch die Kombination aus zuviel Arzneimittelkonsum (Thöns 2017) und Bewegungsmangel im Alter eine Rolle spielen, weil die flexible Anpassung von Immunfunktionen an Belastungen eingeschränkt wird?
  • Welche Rolle spielen zusätzliche Krankenhauskeime bei Covid-19?
  • Warum bleiben so viele Menschen, die mit SARS-Co-2 in Kontakt kommen, gesund?
  • Wo sind eigentlich Verhaltens- und Verhältnisprävention geblieben, die einmal auf der Top-Agenda der WHO standen? Gibt es im „Gesundheits“-Ministerium überhaupt noch Gesundheitsziele? ZB. uva. hinsichtlich Kinder-, Mütter-, Alten-Gesundheit …? Oder verfolgt man dort nur noch Bekämpfungs- und Markt-Ziele?
  • Wohin ist die Influenza verschwunden? WHO Flumart Report No 6 2020
  • Mit welchen gesellschaftlichen Kollateralschäden der Maßnahmen müssen wir rechnen? Insbesondere bei Kindern? Virus-kampf-erprobte Mediziner:innen scheint das wenig zu interessieren, Ökonom:innen aber schon seit Mitte 2020: Economist 18.07.2020
  • Warum wird die Wirksamkeit der Impfmaßnahmen nicht epidemiologisch-sorgfältig beobachtet: BIPS kritisiert Impfverordnung 27.12.2020
  • Wie kann die Wachstums-Ideologie, die die Welt zerstört, in eine nachhaltige Transformation unserer Gesellschaften gewandelt werden?

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Absatz

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Umschalten, um einen großen

„Jährlich neue Impfkampagnen!
Corona-Mutanten schaffen Milliarden-Markt.“ NTV 09.02.2021

Die Kombination „jeweils angepasster PCR-Tests“ und „mRNA“ wird das aktuelle globale Geschäft noch lange am Laufen halten. Spätestens, bis die Influenza wieder auftaucht. Dann wird auch gegen ihre neuen Viren mit PCR getestet werden. Und so ein Bedarf geschaffen für neue Marketing-Kampagnen.

mRNA-Impfungen werden infolge globaler Massen-Austestungen bald als normal akzeptiert werden. Sie sind anpassungsfähiger (an die Veränderungen ihrer jeweiligen Ziele) als konventionelle Protein-Impfstoffe: und damit langfristig profitabler.

Wenn die Produktionsanlagen für die mRNA-Technologien erst einmal (öffentlich finanziert) fertig gestellt sein werden, wird es vermutlich erst richtig losgehen: mit „Präzisions-Onkologie“ oder „Alzheimer-Impfstoffen“.

Also mit dem Verkauf der Illusionen des Schutzes gegen alles, womit Angst erzeugt werden kann. Kommerziell Uninteressantes wird im Medizinbusiness zunehmend verdrängt werden:

  • Armuts- und Zivilisationskrankheiten,
  • Entwicklungsstörungen und -verzögerungen,
  • psychisches und körperliches Leiden,
  • Verhaltens- und Verhältnisprävention, und natürlich
  • Gesundheit im Sinne mangelnder Nachfrage nach Medizinprodukten.

Ärzt:innen & Gesundheitsinstitutionen werden zunehmend von Treibern der Kommerzialisierung (die verschreiben, was auf dem Kugelschreiber steht) zu Getriebenen. Sie werden (immer mehr) nur noch tun, was sie müssen. Und überwiegend schweigend brav mit-machen, um auch etwas vom Health-2.0-Kuchen abzubekommen.

Bei machen Ärzt:innen kriecht allerdings bereits die Angst hoch, abgeschafft zu werden, weil sie viel zu teuer sind für Health-2.0: Diplom-Mediziner:innen (ausgestattet mit weißen Kitteln & Stethoskop) können im Impfzentrum sicher einen ebenso guten (und damit wirksamen) Eindruck machen beim Pieksen: Aber zu wesentlich geringeren Kosten.

Initiativen zur Corona-Strategie

Werden angesichts der Kommerz-Dauer-Wellen die Argumente kluger Mediziner:innen für einen „Strategiewechsel“ Gehör finden?

Ich bezweifle es:

Denn rational-kritische Wissenschaft, die „Für und Wider“ abwägt, ist viel zu komplex. Deshalb ist das deutsche Gesundheitsministerium auch nicht in der Lage, einen Aufklärungszettel für die Covid-Impfung zu schreiben. Es überlässt diese Aufgabe lieber einer intransparenten Briefkastenfirma: dem „Grünen Kreuz“. In dessen Text zur Impfung steht folglich all das nicht drin, was man nicht weiß:

  • Wechselwirkungen zwischen mRNA und menschlichem Erbgut in der Zelle (den Mitichondrien)
  • Risiken nicht neutralisierender Antikörper (Antibody dependant enhancement)
  • Risiken von PEG-Nano-Partikeln in Zellen und Organen

Die Entscheider:innen dieser Kampagnen und die verängstigen Gläubigen, die sich nach Sicherheit sehnen, interessiert das alles nicht.

Ich vermute, Ivan Illich hatte nicht Unrecht, als er 1977 schrieb, der Medikalisierungs-Albtraum könne nur enden, wenn die Mehrzahl der Betroffenen einfach nicht mehr mitmache.

„Ich hoffe, dass die Gesellschaft aufwacht!“
Heribert Prantl: Berliner Zeitung 30.01.2021

Mehr

Zitat: Dass es sich hierbei um keinen vorübergehenden Zustand handelt, wird von den Regierungsvertretern selbst bestätigt, indem sie nicht müde werden, zu wiederholen, dass das Virus noch unter uns sei und die Epidemie jederzeit wieder ausbrechen könnte. … Angst ist das politische Herrschaftsinstrument. … Die Dinge werden furchterregend, weil wir ihre Zugehörigkeit zur Welt vergessen. … Deshalb müssen wir zurück zur Wirklichkeit! .. Das unsichtbare Ding, das mich in Schrecken versetzt, ist gewöhnliche Realität wie ein Baum, ein Bach oder ein Mensch … Die Pandemie, welche die ganze Gesellschaft in Schach hält, bietet eine unerwartete Gelegenheit, ein Volk von Untertanen noch enger zu überwachen … Wir werden nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Wir werden nicht mehr die Augen vor der Misere verschließen können, in die uns die Religion des Geldes und die Blindheit der Entscheidungsträger gestürzt haben. Giorgio Agamben 2021

Ein Problem vernichten?

Die gängige Strategie angesichts vieler Probleme ist es (wie jetzt in der „Corona-Krise“):

  • eines herauszugreifen, und
  • es der Einfachheit halber (gedanklich), von allem anderen zu trennen.

Ist ein Problem dann erst einmal definiert (zum Beispiel die Verbreitung eines Virus), werden Strategien entwickelt, die das Problem isolieren, eingrenzen und ultimativ beseitigen sollen. Damit soll erreicht werden, dass die Welt nach der Problemlösung so sei, wie sie vorher gewesen war.

Das wird sich auch bei Covid-19 als Illusion erweisen. (Schrappe 10.01.2021) Die verzweifelten Rufe nach immer radikaleren Lösungen, die die „Dauerwelle“ wegzaubern sollen, werden unsere Chancen nicht erhöhen, die anderen beiden großen Krisen zu überleben.

Pat-end-lösungen, mit immer härteren Lockdowns, werden unter anderem immer heftigere Kollateralschäden bewirken, besonders bei Kindern.

Die scheinbar radikale Forderung nach „Zero-Covid“ im Rahmen eines „solidarischen“ Lockdowns, macht allein aus biologischen Gründen keinen Sinn: Denn die Viren sind da, sie verbreiten sich (schneller oder langsamer) weiter, und harmlosere Varianten, die ihren Wirt nicht umbringen, werden bessere Verbreitungschancen haben. So wie bei jeder Virusinfektion. Ein „Null“ kann und wird es daher nicht geben. Die Menschheit wird auch mit diesem Virus leben müssen.

„Ein solidarischer Lockdown ist ein Etikettenschwindel. Dahinter verbirgt sich die Forderung nach einer Verschärfung der Umverteilungspolitik von unten nach oben. … mit ihrem Appell (gießen sie) Öl ins Feuer einer zutiefst unsozialen Politik, die sich weit von demokratischen Prinzipien entfernt hat.“ Multipolar 18.01.2020,

Als Folge der absehbaren Dauer-Lock-downs werden die Fähigkeiten, neue Herausforderungen flexibel zu bewältigen (Resilienz), weiter sinken lassen; insbesondere bei Kindern. Kriege „gegen irgendetwas“ (z.B. Krankheit), führen eben nicht zwangsläufig zum Frieden (zu Gesundheit).

Sich auf die Apokalypse vorbereiten?

Der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist Europa und Nordamerika der ideologische Überbau abhanden gekommen. Die entfesselten Märkte werden weder von Religionen noch von Staaten kontrolliert. Angesichts der unübersehbaren Krisen, denen keine langfristiger Perspektiven gegenübergestellt werden, schwindet das Vertrauen der Bevölkerung in die Weisheit der Mächtigen. Viele basteln sich zurzeit ihr eigenes Weltbild, oder sie laufen anderen hinterher, die einfache Lösungen zu bieten scheinen.

Eines der vielen unguten Phänomene dieser Art ist die Modebewegung der „Prepper“, die sich auf den „Weltuntergang“ vorbereiten (ZDF 17.09.2020, NDR 23.05.2018).

Das Spektrum solcher Bewegungen reicht von harmlos bis faschistoid.

Solange es sich noch gut leben läßt, im reichen Norden, werden auch die „Prepper“ im Lockdown noch brav nach Hause gehen, wo ihre Vorräte lagern. Wenn sie sich aber abgekoppelt fühlen von der Gesellschaft, könnten sie rebellieren. Zum Beispiel, wenn sich die Wirtschaftskrise verschärfte oder eine Finanzblase platzte. Einen unorganisierten Mob wird man dann mit bewaffneter Staatsmacht noch relativ einfach unterdrücken können (CNBC 13.01.2021) . Aber auch Massenpsychosen?

‚Messes‘ managen?

Komplexe Probleme werden im Englischen als „mess“ bezeichnet: als Chaos oder Durcheinander.

Manche Probleme erscheinen (besonders mit Tunnelblick) relativ einfach und isoliert zu sein. Mit etwas Ruhe und Abstand kann man dann aber Wechselwirkungen und Beziehungen erkennen. Verschiedene zusammenhängende Probleme erscheinen dann nicht mehr unabhängig voneinander: Vielmehr wird bewusst, dass sie in der Realität dynamisch interagieren, und so zufällig völlig neue Situationen schaffen.

Einzelne Probleme existieren nur als willkürlich aus komplexen Situationen herausgegriffene Erscheinungen: Sie sind immer Anteile oder Aspekte größerer Zusammenhänge.

Problem-Komplexe („messes“) lassen sich nicht durch Optimierung einzelner Probleme verbessern. Stattdessen ist es notwendig, eine Situation wahrzunehmen und zu akzeptieren, wie sie sich in ihrer Gesamtheit (mit allen Aspekten) darstellt und entwickelt. Erst dann kann man sich ihr anpassen und sie begleiten, einfluss-nehmend und, im günstigen Fall, auch lenkend.

Etwa wie ein Kapitän, der Wolken, Wind, Wellen und den Zustand seines Schiffes gleichermaßen beachtet und unaufgeregt-überlegt handelt.

Bei neuen komplexen Problemzusammenhängen (die z.B. durch eine Epidemie verschlimmert wurden) wäre es günstig, möglichst viele unterschiedliche Sichtweisen einzubeziehen, Möglichkeiten zu prüfen und Strategien zu entwickeln, die die Zahl der Möglichkeiten vermehren, indem getan wird, was die Gesamtsituation erfordert.

Viele Personen einbeziehen, und sie durch eine Vision begeistern. Bild: Julian Pratt eta. Partnership for purpose. Whole system Thinking working paper series. Kings Fund, 2000, ISBN 1-85717-299-9

An Visionen arbeiten

Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Antoine de Saint-Exupéry (Quelle)

Im Kampfgetümmel ist keine Zeit für Visionen. Ohnehin halten sich „Problemlöser“ lieber an die Empfehlung von Helmut Schmidt

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen,” Schmidt über Willy Brandts Visionen im Bundestagswahlkampf 1980

Wichtiger sind ihnen „Ziele“, denn die sind (eng und einfach) das Gegenteil des Problems: „Viel Covid: schlecht!“ – „Kein Covid: super!“

Visionen dagegen erweitern das Blickfeld auf alle Aspekte einer Situation, die sich verändern und entwickeln. Während Problemlösungen typischerweise mit einer Antwort beginnen („Genau so!“), entstehen Visionen aus Fragen. Zum Beispiel: „Wie wollen wir in 20 Jahren leben?“

Eine mögliche Vision, die vor meinen Augen auftaucht, wäre die einer glücklichen Gemeinschaft, in der sich unsere Kinder und Enkel friedlich, demokratisch, solidarisch, neugierig verwirklichen können – weil sie eingebettet in elastisch-stabiles, artenreiches Ökosystem leben.

Solche Vision muss man gemeinsam ausgestalten. Dann entsteht Sehnsucht. Und der Wunsch etwas zu tun. Und schließlich kommen konkrete Fragen nach der Strategie auf:

  • Mit noch mehr Wachstum?
  • Mit einer echten Transformation, die sich von dem Wachstumszwang verabschiedet? (Kern 2020)

Fundamentale Krisen-Komplexe bringen den großen Vorteil mit sich, dass nichts mehr sein kann, wie es war: Sie eröffnen Chancen für grundsätzlich neue Erfahrungen.

Zum Beispiel könnten mehr Menschen entdecken, dass wir in Systemen leben und daraus bestehen. Dann würden

  • Problem-Ausrottungs-Trancen (oder nach Watzlawick „Paten-end-lösungen“) an Bedeutung verlieren, und
  • Wechselwirkungen, Zusammenhänge, Dynamiken größere Aufmerksamkeit erhalten.

Wir würden beginnen, im Interesse unserer Kinder und Enkel handeln. Und nicht mehr gegen sie.

Mehr

Literatur

Selber denken in der Krise

12. Januar 2021

Wichtig ist: nicht aufhören zu fragen. The important thing is not to stop questioning. Curiosity has its own reason for existence. Einstein

Meist denken wir fremd.

Und tun das, was wir sollen – dem folgend, was aufgeschrieben wurde.

Wir glauben denen, die die Wahrheit kennen. Reagieren auf Herausforderungen mit angelernten Handlungsroutinen. Halten uns an Anweisungen. Und hoffen, dass es „so“ gut wird.

Fragen offenbaren Unsicherheit.

Befehlen folgen und handeln geschieht ohne Zeitverlust. Im Gegensatz zu Innehalten und sich interessiert umschauen.

Fragen werden daher nur toleriert, wenn genügend Zeit zur Verfügung zu stehen scheint. Oder wenn Unwissende Antworten suchen, die andere seit langem besitzen. Wird aber etwas, was allgemein als „richtig“ akzeptiert wurde, hinterfragt, macht man sich unbeliebt. Denn Zweifel, an dem was getan werden muss, könnten Problemlösungen verzögern, oder gar die Sicherheit einer gewohnten Weltsicht ins Wanken bringen.

Entweder ist es richtig, falsch, sinnlos oder imaginär. G. Spencer-Brown

Wenn immer alles es so ist, wie es war, wären Fragen überflüssig. Taucht aber plötzlich eine Situation auf, die es so noch nicht gegeben hat, versagen Weisheiten, die nur auf vergangenen Denkmustern beruhen.

An solchen Weggabelungen kann man stehenbleiben und staunen. Und erkennen, dass etwas (noch) nicht verstanden wird.

Bieten die gewohnten Gewissheiten dann keine Lösung, sind neue Ideen nötig. Also entstehen aus Fragen Erklärungsmodelle, die ausprobiert werden, sich als fehlerhaft erweisen, zu neuen Fragen führen, und zu veränderten Experimenten. 

Ausprobieren macht Spaß. Ohne die vielen offenen Fragen gäbe es nur Religionen, und keine Wissenschaft. (Rovelli 2019).   

„Betrachte die Welt von einem anderen Standpunkt“ „Take the world from another point of view“  Interview (Video) Richard Feynman (1918-1988)

Meditative Ruhe? Archaische Bedrohung? Nur Sand, Muscheln, Steine?
Bewertungen sind nur im Innern des Betrachters. Bild Jäger, Juist 2019

Die Kunst des Fragens

Die Grundlage jeder guten Frage ist „Nicht-Wissen“. Niemand hat je etwas gelernt, was er vorher schon wusste.

Am besten sind Fragen gepaart mit Neugier, um etwas herauszufinden. Sobald jemand aber glaubt zu wissen, wie es „wirklich“ sei, stirbt der Entdeckerdrang. Werden dagegen neue Fenster aufgestoßen, eröffnet sich eine neue unbekannte Welt, in der wieder neue Fragen aufkeimen.

Es gehört Mut dazu, Un-sicherheit ertragen, und über die eigene Beschränktheit zu lachen. Allerdings kann das Wissen um Nicht-Wissen auch zufrieden machen: weil es den Freiheitsraum erweitert.

Neugierig forschende Menschen fühlen sich auch in Situationen wohl, in denen andere Einsamkeit empfinden würden. Und sie haben weniger Bedarf an besserwissenden Dogmen und esoterisch-religiösem Geschwurbele. (Kanazawa 2015, 2016)

Gerade in Gefahr: Fragen!

statt: vorschnell antworten.

Bei Covid-19 geschah 2020/2021 das Gegenteil: hektischer Aktionismus, Tunnelblick, Dogma, politischen Dampf, Kampf-Euphorie, Kriegs-Metapher, Stress.

Zusammenhänge, Beziehungen und Wechselwirkungen waren unwichtig. Stattdessen wurde und wird „gegen“ etwas gekämpft: gegen Probleme, Mikroben, Terroristen oder Andersgläubige.

Diejenigen, die den Priester:innen der offiziellen Wahrheiten nicht folgen, organisieren sich in Sekten, die gegen übermächtige Kirchen zu kämpfen glauben. In diesem Kampf des gegenseitigen Besser-Wissens, bleibt nur wenig Raum für vorurteils-freies Fragen:

“ .. Durch die Epidemie ist es zu einer Fragmentierung der Gesellschaft in Gruppen („Clans“) gekommen, die sich in erster Linie in der Abgrenzung gegenüber dem „Außen“ stabilisieren und das Interesse an der Integration discordanter, „nicht passender“ Meinungen verloren haben. .. Die dabei ins Spiel kommende Vorstellung von Wissenschaft als geschlossene Faktenordnung mit direkt ableitbaren Handlungsanweisungen beruht auf einem szientistischen ( und solutionistischen) Missverständnis dessen, was Wissenschaft darstellt – nämlich das konstitutive Prinzip des systematischen Zweifels, dass Wissenschaft als plurales Wissensregime ausmacht. Dieses Missverständnis erfüllt eine relativ präzise zu benennende politische Funktion: nämlich die der argumentativen Schließung und der Abwehr bzw. Abwertung von Kritik.“ Thesenpapier 7.0, Schrappe et.al 10.01.2021

Wahrheit und Lüge

Immer neue Realitäten entstehen, entfalten sich und werden wirklich. „Wahrheit“ oder „Unwahrheit“ dagegen sind, statisch, auf Vergangenes bezogen. Sie werden in dem Moment, in dem sie ausgesprochen werden, aktiv erstellt. Kinder erlernen diese Fähigkeiten mit etwa vier Jahren. Sie sind dann in der Lage, Kasperletheater zu verstehen,

D.h. sie können sich vorstellen, was im Kopf eines anderen vorgeht, der darüber nachdenkt, was sie wohl denken oder fühlen mögen. Ab diesem Zeitalter sind sie auch für Wahrheiten empfänglich. Sie lauschen den Botschaften von Lehrern und Eltern, die ihnen erklären, dass die Welt eben nicht so sei, wie sie von ihnen subjektiv erfahren wird, oder in ihrer Fantasie entsteht. Sondern vielmehr so, wie sie nach den Lebensmodellen der Erwachsenen zu sein hat.

Auch die Realität einer Pandemie ist nicht: sie wird. Sie entwickelt und verändert sich. Man kann solche dynamischen Prozesse begleiten, und, aus dem jeweils subjektiven Blickwinkel, die vielen Einflussfaktoren betrachten, denen sie unterworfen sind.

Unterschiedliche Bewertungen sind dann weder „wahr“ noch „unwahr“, sondern nur relativ plausibel oder relativ unwahrscheinlich.

Als (wahrscheinlich) „wahr“ kann man aus wissenschaftlicher Sicht nur bezeichnen, was nach zahllosen Überprüfungen bisher nicht widerlegt werden konnte. Zum Beispiel bestimmte Naturgesetze, die zu immer wieder gleichen Mess-Resultaten führen. Wir können deshalb annehmen, dass die Welt immer wieder, im Rahmen dieser Gesetzmäßigkeiten, neu entsteht.

Eine ganz andere Möglichkeit, etwas als „wahr“ zu erkennen, wäre die körperliche Wahrnehmung: In einem Moment die Dynamik und die Facetten des eigenen Selbst und des Umfeldes zu erleben und sich zu verbinden.

Sinkende Qualität kritischer Diskurse in Krisen

In Panik und in Stress kann man nicht kommunizieren. (s.u.: Vagus)

Man greift an, flieht oder bricht zusammen. In diesem Zustand können Information nicht sinnvoll verarbeitet werden. Man brüllt, um Macht zu demonstrieren, aber nicht um Erkenntnisse zu vermitteln,

Angst kann in ein anderes Gefühl gewandelt werden: in Neugier zum Beispiel. Auch dafür sind Informationen nicht hilfreich, sondern Sicherheit und Vertrauen.

Wird Angst nicht beruhigt, muss man sich an Scheinsicherheiten klammern: Ideologien, Dogmen, Rituale und Regeln.

Wenn es aber gelingt Angst ausklingen zu lassen, kann sich die Aufmerksamkeit weit öffnen, die Möglichkeiten wahrnehmen oder auf die Details zu schauen. Jetzt erst könnte man auf einer ruhigen und respektvollen Basis in einen Dialog treten, bei dem das Zuhören (um zu lernen) eine höhere Bedeutung erhielte, als das sagen (um zu überzeugen).

Diese Art wissenschaflicher Diskurse verarmt in unserer Gesellschaft. Und das besonders dramatisch in der Krise. Warum sind Wissenschaftler:innen so oft unfähig sind fruchtbare Diskurse zu führen?

Graphik Jäger 2020, angelehnt an einen Essay von Edgar Wunder, 1998

Der Soziologe Edgar Wunder nennt die Kommunikationsstörung unter Wissenschaftler:innen „Skeptisches Syndrom“, und beschreibt damit einen Konflikt zwischen der inneren Einstellung und dem was, von Außen als Information, Erklärungsmodell, Hypothese herangetragen wird.

In der Graphik symbolisiert „Innen“ die eigene Einstellung, zwischen dogmatischer Enge und vorurteilsfreien, offenem Weitblick.

„Außen“ symbolisiert eine Idee, die im Gespräch oder über ein Medium herangetragen wird, und der man entweder zustimmen kann oder nicht.

Daraus ergeben sich vier Möglichkeiten des Kommunikationsverhaltens

  • Links oben: Bestätigung im Glauben etwas zu wissen.
  • Links unten: Falsches erkennen. Entweder überzeugen oder bekämpfen.
  • Rechts oben: Ausprobieren, weil es tatsächlich „so“ sein könnte.
  • Rechts unten: Neugierig gemeinsam etwas untersuchen und erforschen.  

Die Wirklichkeit wissenschaftlicher Diskussion rund um die Pandemie 2020/2021 sind verkeilt im unteren linken Feld. Welche Möglichkeiten bieten sich an, das zu verändern?

Mehr

Empfehlungen für kritisches Denken

gekürzt und sinnbemäß übersetzt

Bertrand Russel, 1872-1970

  1. Nie absolut sicher sein.
  2. Keine Evidenz vertuschen.
  3. Nie Denken abwürgen.
  4. Rational (emotionsberuhig und ideologie-arm) argumentieren.
  5. Kein Respekt haben vor Autoritäten.
  6. Keine Macht nutzen, um Meinungen zu unterdrücken
  7. Keine Angst haben exzentrisch zu erscheinen, denn jede akzeptierte Meinung war einmal exzentrisch.
  8. Mehr Spaß haben an intelligentem Dissens, als an passiver Zustimmung.
  9. Bei der eigenen Wahrheit bleiben.
  10. Nicht neidisch sein auf das Glück der Narren, die sich im Paradies des Wissens glauben.

Carl Sagan (1934-1996): Rules for Bullshit-Busting and Critical Thinking

  1. Unabhängige Bestätigung der „Fakten“.
  2. Alle sachkundigen Standpunkte einbeziehen.
  3. Wissenschaft kennt keine „Autoritäten“.
  4. Mehrere Hypothesen ausprobieren und verfolgen.
  5. Nicht (zu sehr) an einer Hypothese festklammern.
  6. Es messen, um es zu vergleichen.
  7. Prüfen, ob jedes Glied einer Argumentationskette funktioniert.
  8. Occam’s Rasiermesser anwenden: Im Zweifel die einfachere Hypothese wählen.
  9. Hypothesen versuchen zu widerlegen, besonders die liebgewonnenen.

Einstein

  • Imagination is more important than knowledge. Knowledge is limited. Imagination encircles the world.
  • It’s not that I’m so smart, it’s just that I stay with problems longer.
  • Great spirits have always encountered violent opposition from mediocre minds.
  • I believe in intuitions and inspirations. I sometimes feel that I am right. I do not know that I am.

 Literatur

  • Kanazawa S. et al: Happiness in modern society: Why intelligence and ethnic composition matter. J of Research in Personality, 59(2015):111-120
  • Kanazawa S  et al Country roads, take me home… to my friends: How intelligence, population density, and friendship affect modern happiness. Br J Psychol. 2016 Nov;107(4):675-697
  • Rovelli C: Die Geburt der Wissenschaft, Anaximander und sein Erbe. Rowohlt 2019
  • Schrappe M: Thesenpapier 7.0, 10.01.2021
  • Wunder E: Skeptic Syndrome 1998 / 2019, veröffentlicht auf skeptizismus.de (zurzeit nicht erreichbar).  PDF-Download

Corona-Philosophie

25.12.2020

Nichts ist so, wie es scheint.
Anaximander von Milet (610-546 vuZ),
nach Rovelli: Die Geburt der Wissenschaft, Rowohlt 2019

Die Fähigkeit Tabus zu hinterfragen ist jung.

Homers Schilderung des listenreichen Odysseus ist erst 2.800 Jahre alt. Dieser Freibeuter hörte – in sich – keine Geister-Stimmen mehr. Auch nicht im Traum. Die Befehle der inneren Götter, die die Menschen vor Troja noch wie Marionetten gesteuert hatten, waren verstummt. Als sie ihn doch einmal betören wollten, verstopfte er sich die Ohren: Ein schlauer Einzelkämpfer, ganz allein auf sich gestellt. Ein ziellos Umherwandernder in wirren Zeiten. Aus sich heraus nach Orientierung ringend. Ohne Wahrheiten, denn die wurden von der Priester und Dogmatikern erst später verkündet.

Nur 300 Jahre später konnte jemand, neu-gierig fragend, herausfinden, dass die Erde schwebt (Rovelli 2009). Genial: Anaximander lies einfach unsinniges Glaubens-Geschwurbele weg. Aber wozu sollten solche gotteslästerlichen Gedanken nützlich sein? Bewegten sie etwa mächtige Armeen? Hielten sie etwa große Reiche zusammen?

Nein. Dazu mussten erst Wahrheiten erfunden werden: Konzepte, die über dem König standen und von niemandem angezweifelt werden durften. Mit Angst verbunden, um das Volk zu zwingen, der richtigen Ideologie zu folgen.

Selber-denken war ab dann wieder lebensgefährlich. Besonders in Krisenzeiten.

Reiner Mausfeld 03.06.2020: Angst und Macht. Ängste haben den Vorteil, dass sie leicht zu erzeugen sind und tiefergehende psychische Auswirkungen auf unser Handeln haben. … Reale Ängste werden in Binnen-Ängste umgewandelt … Apathie, und Status-quo-Neigung steigt, … Solidarität, Handlungsmut, Empathie sinken https://www.youtube.com/watch?v=-S5WhBxQUHg. Techniken der Angsterzeugung 20.04.2020: https://www.youtube.com/watch?v=7LdLaszpO2A

Angesichts gesellschaftlicher Umbrüche wäre es – eigentlich – dringend nötig, damit aufzuhören das zu tun, was schon immer getan wurde. Denn ein Denken, das Krisen erzeugt, kann nicht in der Lage sein, Krisen zu überwinden. Also müsste gerade in Gefahr nach Selber- und Neudenker*innen gesucht werden.

Erfahrungsgemäß geschieht in Krisen zunächst das Gegenteil: Andersdenkende werden bekämpft, weil sie den zerfallenden, aber noch herrschenden Glaubenskonzepten widersprechen. Bis ein Zusammenbruch erfolgt. Und man sie wieder braucht, weil man im Chaos nach einer neuen Orientierung ringt.

Karl Popper (1974): „Das Wichtigste ist, den großen Propheten zu mißtrauen …!“ https://www.youtube.com/watch?v=ZO2az5Eb3H0&feature=youtu.be

Die Unterwerfung

„Gemeinsam haben wir es geschafft: .. Den Triumpf der Menschheit über die Krankhheit!“ Boris Johnsen, Premier Großbritanniens anlässlich der 8,8 Mrd.-Sammelaktion für Covid-19-Impfstoffen, afp 05.06.2020

Es ist fünf vor zwölf.

Eigentlich müsste die Menschheit jetzt über das Wesentliche debattieren: In wenigen Jahren wird das 1,5°-Klimaziel endgültig verfehlt sein. Die Weltwirtschaft befindet sich in der größten Stag-Flation seit 1929. Die Reichen werden immer reicher. Die Armen rutschen ins Elend. Die Weltordnung zerbricht, die Kriegsgefahr steigt.

Die Spezies Homo sapiens steht, nachdem sie ein Erdzeitalter (Anthoprozän) geprägt hat, vor einer Klippe.

Machen wir als Schädlinge der Erdoberfläche so weiter wie bisher, werden wir in einigen Jahrzehnten unsere Lebensgrundlagen endgültig verspielt haben.

Besteht noch eine Chance, dass wir uns vom Schädling zum Nützling der Erde wandeln? Oder müssen wir erst auf den endgültigen Kollaps warten, nach dem sich die wenigen Überlebenden, vielleicht anders verhalten werden.

Für die fundamentale Krise, in der wir uns heute befinden, fantasierte der französische Schriftsteller Houellebecq 2015 eine überraschend einfache Lösung: Die Unterwerfung unter eine „modernisierte“ Einheitsreligion. Houellebecq dachte an eine Variante des Islam. Aber er übersah das Naheliegendere: die Macht des Gesundheitsmarktbetriebes.

Michel Houellebecq spielt mit den Ängsten … und dem Gespenst der Selbstaufgabe … Er hält in „Unterwerfung“ .. der westlichen Gesellschaft, die an ihrem „atheistischen Humanismus“ zugrunde gehe, einen Zerrspiegel vor. SD 16.01.2015

Kommentar von Lucien Scherer, NZZ 03.11.2020:
Niedergang der Diskussionskultur in Zeiten von Angst und braver Gesinnung

 

Triumph der Medizin

Bereits 1924 hatte ein anderer genialer Schriftsteller (Jules Romain) den heutigen Triumph der Medizin vorausgeahnt. Er beschreibt wie es einem Landarzt in kurzer Zeit gelingt, alle Dörfler in kranke Kund*innen zu verwandeln:

„Werden bei ihrem Vorgehen nicht die Interessen des Patienten denen des Arztes untergeordnet?“ – „Sie vergessen, es gibt noch ein übergeordnetes Interesse.“ – „Welches?“ – „Das der Medizin.“

Ich gebe Menschen eine Bestimmung und führe sie zu einer medizinischen Existenz.“ – “ … , bis zum Äußersten zu gehen und tatsächlich die ganze Bevölkerung ins Bett zu schicken, nur um zu sehen, was passiert, nur um es zu sehen!“

Das Leben hat einen medizinischen Sinn … Verschone mich mit Gesundheit!“ Jules Romain, 1926

1977 sah ein anderer Visionär, der Soziologe und Priester Ivan Illich voraus, das das Medizinsystem wie ein Krebsgeschwür in alle Bereiche des Lebens wuchern werde:

„… Die Verpflichtung der Gesellschaft, allen Bürgern die Produkte der Medizin in nahezu unbegrenzte Maß zur Verfügung zu stellen, droht die Umwelt und die kulturellen Bedingungen zu zerstören, die der Mensch braucht, um ein Leben in dauernder autonomer Gesundheit zu führen.

… falls eine durch blutige Enthüllungen in Panik versetzte Öffentlichkeit so eingeschüchtert würde, dass sie einer Ausweitung der Spezialisten Kontrolle über Spezialisten in der Gesundheitsindustrie zustimmte, dann würde dies zu einer Vermehrung krankmachender Gesundheitspflege führen …

Die institutionelle Gesundheitsfürsorge ist gleichbedeutend mit einer systematischen Verweigerung von Gesundheit..

Sie sie dient nicht der persönlichen Entfaltung sondern dem industriellen Wachstum … Der Medizinbetrieb könnte leicht zum ersten Ziel eines politischen Handelns werden …

Nur ein politisches Programm, das auf eine Beschränkung der Gesundheitsverwaltung durch Experten abzielt, kann den Menschen die Möglichkeit geben, ihre Kraft der Gesundheitspflege zurückzugewinnen.“ Ivan Illich 1977

Viele der Vorhersagen von Ivan Illich sind eingetroffen.

Ebenso die Prognosen des Ökonomen Leo A. Nefiodow, der vor einigen Jahrzehnten voraussagte, dass die Kommerzialisierung der „Gesundheit“ alle anderen Märkte an Dynamik übertreffen werde. Dabei bezog er sich auf die Beobachtungen von Nikolai D. Kondratjew (1892-1932), der  kapitalistische  Wachstums-Zyklen beobachtet hatte. Kondratjew beschrieb, wie den Aufschwungs-Phasen der Produktion regelhaft Krisen folgten, die im Zuge technischer Innovationen wieder überwunden werden, und denen dann ein neuer ökonomischer Aufschwung folgt.

Womit Nefiodow allerdings nicht gerechnet hatte ist, dass sich die fünfte Kondratjew-Welle (Digitalisierung) mit der sechsten Kondratjew-Welle (Medikalisierung) zu einem gigantischen Tsunami verbinden würden.

Unterwerfung funktioniert: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/regeln-befolgen-muss-man-den-menschen-so-leicht-wie-moeglich-machen-li.108195

Religiöses Denken hat wieder Hochkonjunktur.

Aber die alten Mittelmeer-Religionen werden davon nicht profitieren:

Gott sagt, für ihn sind tausend Jahre wie ein Tag. Und ein Tag wie tausend Jahre. Dazwischen kommen eben ein paar Tage Corona. Heidemarie Föster, Chrismon 11/2020

Die alten Gottesvorstellungen wirken angesichts der unkontrollierbaren Monster der Weltwirtschaft westlicher Prägung, völlig desorientiert. Ihre Moralsysteme zerfallen. Allerdings bietet die in China wachsende Neo-Religion aus Neo-Konfuzianismus und Tianxia (s.u.), eine Vision der viele Chines*innen folgen werden. Man plant fünf Jahre voraus und strebt einen „dualen Wirtschaftkreislauf“ an. Damit soll es gelingen, den Kapitalismus zu bändigen, die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zu verbessern und die Führungsrolle in der Welt auszubauen.

Die Gesundheitsreligion des Westens wirkt im Vergleich erbämlich: Es wird in immer neuen Lock-downs immer mehr Geld verblasen, dem aber kein Warenwert entgegensteht. Und zugleich dem Volk alles entzogen, was es bisher immer so erfolgreich abgelenkt hat. Eine erkennbare Zukunftsvision gibt es nicht, weil es sicher nicht so werden wird, wie es war. Das, was die Gesellschaft zusammenhalten soll, ist immer neue Angst und Panik-Mache.

Depression ist kein Zukunftsmodell, sondern macht die Gesellschaft noch kränker und krisenanfälliger, als sie ohnehin schon war.

NZZ 28.10.2020, 21:00: Klüger wäre es, die Politiker würden ihre eigene Hilflosigkeit eingestehen, anstatt das Land einem Experiment nach dem anderen zu unterziehen.

Es gibt nichts mehr, für das es sich lohnen würde zu kämpfen,

außer

„… Das nackte Leben – und die Angst, es zu verlieren – Das ist nicht etwas, was die Menschen verbindet, sondern was sie trennt und blind macht.

… Der Ausnahmezustand, auf den uns die Regierungen seit geraumer Zeit einstimmen, ist zu unserem Normalzustand geworden. … Die Menschen haben sich daran gewöhnt, unter Bedingungen einer ständigen Krise und eines ständigen Notstands zu leben. Dabei scheinen sie nicht zu bemerken, dass sich ihr Leben auf eine rein biologische Funktion reduziert hat und nicht nur jeder sozialen oder politischen, sondern auch menschlichen oder affektiven Dimension verlustig gegangen ist. Eine Gesellschaft, die im ständigen Ausnahmezustand lebt, kann keine freie Gesellschaft sein. Wir leben in der Tat in einer Gesellschaft, die die Freiheit zugunsten der sogenannten Sicherheitsgründe geopfert und sich selber dazu verurteilt hat, in einem ständigen Angst- und Unsicherheitszustand zu leben.Es wundert nicht, dass man in Bezug auf das Virus von einem Krieg spricht. Die Notmaßnahmen zwingen uns de facto, unter Bedingungen der Ausgangssperre zu leben. Nur ist ein Krieg mit einem unsichtbaren Feind, der sich in jedem Menschen einnisten kann, der absurdeste aller Kriege. Es ist in Wahrheit ein Bürgerkrieg.

Der Feind ist nicht außerhalb von uns, sondern in uns. Besorgniserregend ist nicht in erster Linie und nicht nur die Gegenwart, sondern das, was danach kommt. So wie die Kriege den Friedenszeiten eine Reihe unheilvoller Technologien hinterlassen, so werden sehr wahrscheinlich auch nach dem Notfall der öffentlichen Gesundheit die Experimente fortgesetzt, die die Regierungen vorher nicht durchzuführen vermochten. Sei es, dass Universitäten und Schulen geschlossen werden; sei es, dass der Unterricht nur noch online stattfindet; sei es, dass man endlich einmal aufhört, sich zu versammeln und über politische oder kulturelle Angelegenheiten zu reden, und stattdessen nurmehr digitale Nachrichten austauscht. Sei es, dass Maschinen jeden Kontakt – jede Ansteckung – unter Menschenwesen ersetzen“. Gergio Agamben, italienischer Philosoph

Pandemie- und Kriegsberichterstattung gleichen sich immer mehr an. Das Interesse der Öffentlichkeit speist sich aus tiefgreifenden Ängsten, die eine besondere Intensität erlangen, weil sich die gesamte Bevölkerung bedroht sieht. Aus dem Blickwinkel einer Regierung stellen Epidemien (wie Kriege) existenzielle Bedrohungen dar, weil in beiden Fällen jedes Versagen Rebellionen oder einen Regime-Wechsel herbeiführen kann.

Journalisten zappeln im Spannungsfeld zwischen Propagandisten, Verlautbarungen mächtiger Weisheiten, Falschmeldern, Intriganten und PR-Agenturen. Sauberer Journalismus ist oft auf dem Rückzug. Dabei wäre er gerade jetzt so nötig, um das gigantische Bevölkerungsexperiment zu beobachten und zu dokumentieren.

Stehen wir also, wieder einmal, am Ende der Philosophie?

Ja.

Weil „Spaltung & Polarisierung“ „Dogmen & Ideologien“ fördern. Die einen wollen als neu-digitale Medizinkunden nur das tun, was sie sollen, und die Minderheit kämpft „dagegen“ an – aber ohne bisher erkennbare Alternativ-Vision. Weder die, die sich gerade von Existenz-Angst zerfressen fühlen, noch die anderen, die „was auch immer“ mit aller Kraft bekriegen, werden Spaß daran haben selber zu denken.

Und nein.

Weil gerade jetzt die Chance besteht, dass sich einige Menschen jetzt, in Zeiten maximalen Verunsicherung, grundsätzlich anders selbst erkennen und neu verhalten.

Der Philosoph Hartmut Rosa thematisiert diese Chance, bei seiner Analyse eines Kern-Problems der modernen Zivilisationen,

„ … die Welt in Reichweite zu bringen. Sie verfügbar zu machen.

… Dabei droht sie uns jedoch stumm und fremd zu werden: (Denn) Lebendigkeit entsteht nur aus der Akzeptanz des Unverfügbaren.“ Hartmut Rosa

Die westlichen Gesellschaften erkennen zunehmend, dass das, was sie im Äußeren zu halten versuchen, ihnen immer mehr entgleitet, und dass sie im Inneren hohl und leer sind.

Hartmut Rosa empfiehlt, sich deshalb dem was uns und umgibt, und was uns durchdringt, wieder langsam zu nähern, und uns zu versöhnen. Damit könnte sich der Kampf um die Verfügbarkeit (um das Beherrschen und Gewinnen) wandeln in vorsichtige Beziehung und in Resonanz.

In der Evolution wird die Spezies Homo sapiens keine andere Alternative haben, als sich vom Krankheitserreger der Erdoberfläche zu einem harmlosen Nützling zu verändern. Aber keine/r der bisherigen Denkerinnen und Denker hat aufgeschrieben, wie das gelingen könnte.

Es ist jetzt dringender denn je, kreatives und schöpferisches Selber-denken und Selber-handeln anzuregen, und zu ermöglichen.

Mehr

Literatur

  • Carlo Rovelli: Die Geburt der Wissenschaft, Anaximander und sein Erbe, Rowohlt 2019 (Originalausgabe 2009)
  • Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit, Residenz Verlag, 2019
  • Ivan Illich: Die Nemesis der Medizin. Die Kritik der Medikalisierung des Leben: Beck Verlag 2007 (Originalausgabe 1977)
  • Jules Romain: Knock oder der Triumph der Medizin,1926, Reklam 1995
Die Herrschaft der Cyber-Docs markiert einen Höhepunkt, dem zwangsläufig ein Absturz folgen wird. Der Philosoph Giorgio Agamben fragt deshalb gerade jetzt nach dem Stellenwert des Körperlichen. Denn in allem Lebenden sind Geist-Körper-Umwelt ungetrennt eins. In allem was lebt sind die Beziehungen, Verbindungen und Wechselwirkungen wichtiger als die beteiligten Elemente. Bild: Jäger 2019

 

Mehr desgleichen!

Funktioniert etwas nicht, wird es wiederholt.

Dann mit noch mehr „Wumms“: Mit Entschlossenheit, Mut, Kraft, und notfalls auch mit Gewalt.

Wird der Kranke durch die verordneten Pillen nicht geheilt, muss eben die Dosis verdoppelt oder verdreifacht werden.

„.. Es besteht die paradoxe Situation , dass eine mit hohen gesellschaftlichen Kosten verbundene Lockdown-Politik durchgesetzt wird, ohne andere Optionen in Betracht zu ziehen und über einen dringend notwendigen Strategiewechsel überhaupt nur nachzudenken, obwohl die am stärksten Betroffenen, die höheren Altersgruppen und Pflegeheimbewohner/Innen, durch den Lockdown nicht geschützt werden.Thesenpapier 7.0 der Gruppe um Matthias Schrappe 10.01.2021
Markus Söder in der Welt am 09.01.2021 und 10.10.2021: „Das Virus ist die Pest! Normalzustand in absehbarer Zeit unmöglich!

„Mehr desselben wirkt einfach besser als weniger!“

Paul Watzlawik bezeichnete diese Erkenntnis als Pat-end-lösung: Man operiert den Patienten so lange, bis er sicher nicht mehr blutet. Solche Lösungen schafften — so Watzlawick – nicht nur das Problem, sondern auch alles damit Zusammenhängende, aus der Welt.

Die Geschichte der Medizin ist voll gruseliger Verschlimm-Besserungen, bei denen jeweils die Theorie der Erfolgskonzepte wesentlich bedeutsamer erschien, als die Realität der ausgelösten Kollateralschäden. (Packard 2016, Lachenal 2014, Wooton 2006)

Menschenverursachte Katastrophen laufen (immer wieder) nach gleichen Mustern ab. Fast immer sind die Handelnden dann „zutiefst“ von ihrer Weltsicht überzeugt: Denn die sei – alternativlos – die einzig richtige. Viele von ihnen sind keinesfalls böse, sondern wollen – missionarisch getrieben – Gutes bewirken. Nur überschätzen sie die Wirkung ihrer punktgenauen Interventionen, die sie – im Kriegstaumel – immer gewaltiger ausgestalten.

Ähnlich wie Donald Trump, der 2017 den Afghanistankrieg (ein für alle Mal) beenden wollte, und der deshalb eine so genannte „Mutter aller Bomben“ abwerfen ließ. Den Krieg verlor er zwar, die getroffene Region strahlt aber immer noch.

Da der Umfang der Probleme, die durch die Intervention entstehen, anfangs noch unbekannt sind, werden sie unterschätzt. Es ist nicht überraschend, dass „die Dinge“ immer wieder „zurückbeißen“ (Tenner 1997, Dörner 2003)

Wer einen Hammer hat, dem erscheinen alle Problem als Nägel. Wenn sich Probleme dann als Fische erweisen: Muss man eben heftiger zuschlagen. (Paul Watzlawik: Vom Schlechten des Guten, 1986). Im März 2020 setzte sich die Marketing-Strategie „The hammer and the dance“ durch: heute im Januar 2021 müssten wir eigentlich tanzen.

Die dritte Möglichkeit

Statt „zuviel des Guten“ könnte man, gerade in gefährlichen Situationen, überlegter und vorsichtiger vorgehen. Es wäre sogar möglich, die eigene Einstellung ändern.

Zum Beispiel könnte sich ein Problem, das unbedingt beseitigt werden muss, in ein Symptom wandeln, das Wechselwirkungen anzeigt, die sich verändern sollten.

Analogie zu Covid-19

Noch ist die logische Konsequenz des Scheiterns des Lockdown (Schrappe 17.02.2021 , Schrappe 25.12.2020) : Verschärfung des Lockdown!

Für die überwältigende Mehrheit der Politiker:innen und Medien erscheinen die befohlenen Interventionen alternativlos zu sein. Die langfristigen Schäden, die insbesondere bei Kindern angerichtet werden, vernachlässigen sie.

„Kollateralschäden sind inbegriffen: Die Folgen der Schulschließungen sind nicht nur für die Bildung fatal (FAZ 06.01.2021)

Kritik flammt nur auf, wenn es all denen, die an die große Erlösung glauben, nicht schnell genug geht mit der Problembekämpfung:

„Das Impfdebakel. Statt Ausatmen herrscht Enttäuschung vor: Die Politik bekommt das Coronavirus nicht in den Griff.“ Der Freitag 07.01.2021 – „Auf die Spitze getrieben Impfungen kommen nicht so schnell voran wie gedacht.“ (FAZ 06.01.2021)

Wird uns also diese Dauerwelle erhalten bleiben, wie ein Naturereignis?

Viral mutations may cause another ‘very, very bad’ COVID-19 wave, scientists warn Science mag 05.01.2021

Oder ist sie die schrille Begleitmusik (mit „Bazookas & Wumms“) einer grundlegenderen ökonomischen Krise, die sich seit September 2019 aufbläht und in ein paar Monaten platzen könnte? (Assets USA Federal Reserve ; Global stability Report IMF Okt. 2019)

Was können wir tun, ohne verrückt zu werden?

Innehalten, uns umschauen, selberdenken und Fragen stellen (s.u.). Und versuchen, die Möglichkeiten, die sich bieten, zu vermehren.

Ist weniger mehr?

Ist mehr besser?

Die Logik des Mißlingens

Umgang mit unbekanntem Nichtwissen

Interventionen in das Leben anderer

  • Lachenal G (2014): Lomidine Files. (Le médicament qui devait sauver l’Afrique) Pari,s Englisch: JHU Press 2017
  • Randall M. Packard: A History of Global Health – Interventions into the lives of other people. JHU Press 2016. ISBN 987654321
  • Wooton D (2006) Bad Medicine: Doctors Doing Harm Since Hippocrates, Review Fritzpatrik M: J R Soc Med. 2006 Oct; 99(10): 530.

Fragen zum Pandemie-Management

  • Haben immer neue Viren vielleicht auch etwas mit industrieller Landwirtschaft, Artensterben, Umweltverdreckung, Abholzung und Klimawandel zu tun? (Wallace: On the origins of Covid-19″, 2020)
  • Welche Begeleitfaktoren spielen bei Covid-19 eine Rolle? Zum Beispiel in Industrieregionen und Megastädten (relativ hohe Sterblichkeitsraten) und anderen Regionen, wie Laos/Vietnam/Kambodscha oder Neuseeland: (relativ geringe Belastungen durch die Pandemie)
  • Warum hat das Wissen um die Verschlimmerung der Covid-19-Pandemie durch Feinstaub (Xiao 2020 Wu et al, Harvard 2020) bisher kaum politische Konsequenzen (Smog-reduktion , Rauch-Prävention)?
  • Könnte ggf. auch die Kombination aus zuviel Arzneimittelkonsum (Thöns 2017) und Bewegungsmangel im Alter eine Rolle spielen, weil die flexible Anpassung von Immunfunktionen an Belastungen eingeschränkt wird?
  • Welche Rolle spielen zusätzliche Krankenhauskeime bei Covid-19?
  • Warum bleiben so viele Menschen, die mit SARS-Co-2 in Kontakt kommen, gesund?
  • Wo sind eigentlich Verhaltens- und Verhältnisprävention geblieben, die einmal auf der Top-Agenda der WHO standen? Gibt es im „Gesundheits“-Ministerium überhaupt noch Gesundheitsziele? ZB. uva. hinsichtlich Kinder-, Mütter-, Alten-Gesundheit …? Oder verfolgt man dort nur noch Bekämpfungs- und Markt-Ziele?
  • Wohin ist die Influenza verschwunden? WHO Flumart Report No 6 2020
  • Mit welchen gesellschaftlichen Kollateralschäden der Maßnahmen müssen wir rechnen? Insbesondere bei Kindern? Virus-kampf-erprobte Mediziner:innen scheint das wenig zu interessieren, Ökonom:innen aber schon seit Mitte 2020: Economist 18.07.2020
  • Warum wird die Wirksamkeit der Impfmaßnahmen nicht epidemiologisch-sorgfältig beobachtet: BIPS kritisiert Impfverordnung 27.12.2020
  • Wie kann die Wachstums-Ideologie, die die Welt zerstört, in eine nachhaltige Transformation unserer Gesellschaften gewandelt werden?

 

Letzte Aktualisierung: 19.10.2021