1. Home
  2. /
  3. Fragen
  4. /
  5. Corona-Krisen-Philosophie
3. April 2021

Corona-Krisen-Philosophie

Inhalt

  • Ultimativer Placebo
  • Freiheit und Geborgenheit
  • Wo ist der Notausgang?
  • Todes-Angst
  • Dauerwelle?
  • Chaos managen statt bekämpfen
  • Selber Denken in der Krise
  • Corona-Philosophie
  • Mehr desgleichen

Interner Link

Kunst

Bildquelle: https://qqcitations.com/citation/182415. Übersetzung: „Habt keine Angst! Die Angst verhindert nicht den Tod. Sie verhindert das Leben. Solange ihr den Tod fürchtet, lebt ihr nicht.“

Ultimative Placebos

17. April 2021

„.. Das raffinierteste, schmerzhafteste, teuerste, invasivste und zeitaufwendigste
aller Placebos erreicht den stärksten Effekt“, Harris 2020

Eine Gruppe erfahrener Gesundheitswissenschaftler befürchtet, das „Gesetzgebungsverfahren zum vierten Bevölkerungsschutzgesetz” könne „der Ausgangspunkt für einen auf Permanenz gestellten Lockdown sein.“ (Matthias Schrappe u.a.: „Zentralisierte Willkür, 15.04.2021“)

Auch andere ahnen, der gerade durchlebte Albtraum werde nicht mehr enden. Denn die ergriffenen Maßnahmen sollen nur (in Teilen) zurückgenommen werden, wenn es „genau dieses Virus“ nicht mehr gäbe. Das wird aber nicht der Fall sein.

Wir werden mit dem Virus leben müssen. Daher werden mit fortschreitender Durchseuchung der Bevölkerung umso mehr positive Ergebnisse gemeldet werden, je mehr (gesunde) Menschen getestet werden. Wie üblich bei Virusinfektionen, werden sich die Varianten verbreiten, denen sich trotz aller Maßnahmen evolutionäre Chancen bieten. (Kustin T, medRxiv 09.04.2021)

Und natürlich werden spätestens ab dem Sommer (wie jedes Jahr) neue Atemwegs-Viren um die Welt schwappen, und auf Menschen treffen, deren Immunsysteme in diesem Winter nicht trainiert wurden. Auch für diese Viren werden Tests entwickelt werden, um sie dann zielgenauer bekämpfen zu können. Selbst wenn es so gelänge, einen Terroristen nach dem anderen ausrotten, warteten zahllose andere auf ihre Chance. Also läge es eigentlich nahe, nachzudenken … zum Beispiel, wie Gesundheit gefördert werden könnte, und die Fähigkeit, Krisen ohne Schaden zu bewältigen. (Resilienz)

Aber noch hoffen die meisten, das „Neue Normale“ würde dem alten gleichen, wenn erst alle geimpft wären. Ginge auch diese Hoffnung verloren, stiege die Zahl der Dauer-Verunsicherten und psychisch Kranken noch stärker. (Guardian 27.12.2020, Solé 2021)

„…wenn die Rückkehr zu einem „normalen“ Leben nur so zu gewährleisten ist, könnte das der Preis sein, den jeder einzelne von uns für das Ticket zur Teilnahme an diesem Leben zahlen muss„. Anastasisus, Rotenburger Kreiszeitung 29.12.2020

„Wenn der Arztbesuch glücklich macht“ (TAZ 14.04.2021)

Belohnende Hirnbotenstoffe (u.a. Dopamin) werden besonders dann ausgeschüttet, wenn ein langersehnte Belohnung unmittelbar bevor steht (Saplosky 2014). Einprägsam-schmerzhafte Rituale können dann weitere Hirnbotenstoffe freisetzen, die beruhigen (u.a. Endorphine). Denn etwas, das drastisch, schmerzhaft und erschreckend erlebt wird, brennt in der Erinnerung ein. Deshalb stechen, tätowieren, picksen und ritzen Schamanen seit der Steinzeit.

Nach solchen bedeutungsvollen Ritualen ist dann alles „wieder gut“ … solange, bis man sich wieder krank fühlt.

Lehrbuchwürdige Beschreibung eines Placebo-Phänomens:

“ … Es ist ein besonderer Tag für Anita Drews: endlich wird sie gegen Covid19 geimpft – und das sogar um die Ecke. Viele Menschen sind wie die Berlinerin dankbar, dass jetzt auch Hausärzte zur Coronaspritze greifen dürfen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot mehrfach.“ Bild-Text rechts: „Ein Hoffnungsschimmer: Anita Drews kurz nach ihrer ersten Impfung bei der Hausärztin.“ Schluss-Satz: „… ‚Das ist ein kleiner Hoffnungsschimmer, aus dieser Isolation herauszukommen‘, sagt sie“ (die Hausärztin). “ ‚Das gibt mir Kraft für den Endspurt – noch durchhalten‘.“ (TAZ 14.04.2021)

Beispiel: Chirurgie als ultimativer Placebo

Prof. Ian Harris ist ein leidenschaftlicher, australischer Chirurg.

Er operiert und überprüft zugleich durch Studien, was er und andere tun. Chirurgie bezeichnet er als „ultimate placebo“. Denn invasive, schmerzhaft-einprägsame „Placebos“ wirkten noch besser als bunte (inhalts-leere) Tabletten oder Kügelchen.

Prof Dr. Ian Harris: Schnippeln für den Profit. Riva Verlag. München 2020
Video-Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=IzueFu1cq5U

In „beziehungslosen“ Chirurg-Patient-Beziehungen ist es möglich, Patient:innen geschickt zu täuschen, und ihnen eine Wirksamkeit vorzugaukeln, die nicht existiert.

Bei einem operativen „Placebo“, der Patient:innen ablenkt oder in die Irre führen soll, wirkt also nicht etwa die (leere) „bunte Pille“, sondern das starke Gefühl, man könne vertrauen, man werde nicht betrogen, und alles werde wieder so wie früher sein.

Weil diese Art von Betrug so gut wirkt, würden in England „Placebos“ von 70% der Ärzt:innen angewendet. In Deutschland (vermuten viele, wie ich) noch deutlich häufiger. Das aber widerspricht der ärztlicher Ethik.

Deshalb sollten (nach Ansicht von Harris) nicht nur bei der Zulassung von Medikamenten, sondern auch in der Chirurgie allen Neuerungen und Verfahren durch in die Zukunft gerichtete, langfristige Studien begleitet werden.

Tatsächlich aber beruhten die meisten chirurgischen Verfahren (wie er schreibt) auf einem wackeligen Drei-Bein:

  • Der Vermutung, dass es funktionieren könnte (Biologische Plausibilität)
  • Erfolgversprechenden Hinweisen aus Labor- oder Tierversuchen
  • Der persönlichen Erfahrung der Chirurg:innen (so genannte „Eminenz“ based Medicine)

Notwendig sei eine Veränderung der ärztlichen Ethik, sowohl hinsichtlich der Forschung, als auch der klinischen Praxis. Gerade in der Chirurgie, wo oft Ärzt:innen nur wenige Male eine Methode ausprobieren, um sie dann regelhaft durchzuführen.Die Forschung müsse stringent und unabhängig erfolgen.

Die ethischen Anforderungen an die klinische Praxis müssten unbedingt erhöht werden, da Kliniker keine Therapie anwenden sollten, die nicht kritisch in ihrer Praxis getestet wurde oder wird.

Was ist eigentlich ein „Placebo“?

Beruhigungseffekte können nur bei Säugetieren, nicht aber bei Krokodilen und Schlangen ausgelöst werden. Diesen Ur-Tieren fehlen noch Hirnstrukturen, die ihnen Emotionen vermitteln könnten. Rituale der Gabe von „Placebo“-Pillen haben bei Tieren (ohne Mittelhirn) keinen Effekt.

Säugetiere dagegen bewerten äußere und innere Signale. Sie teilen sich ihren Artgenossen mit. Sie gehen Beziehungen ein. Sie können durch andere beruhigt werden. Ihre Fähigkeit zu „Stillen“ (neudeutsch: bonden) wirkt auf jede Zelle ihrer Kinder:

  • Herzschlag und Atmung normalisieren sich, und
  • das Immunsystem wird sinnvoll gedämpft.

Systemeffekt Mutter (später Ärzt:in)

Alle Funktionen des Körpers können – beruhigt – äußere Belastungen besser bewältigen. Sie agieren weniger aufgeregt und arbeiten effektiver.

Später bei Erwachsenen können auch Rituale besänftigen, wenn ihnen eine Bedeutung beigemessen wird. Lautgebung, Musik, Sprache, Mimik, Berührungen, Körperhaltungen, Gesten uva. können sehr starke Wirkungen auslösen, wenn die Personen, die die „heilsamen Handlungen“ ausführt vertraut ist.

Eine Mutter, die ihr Kind tröstet, kann – zusätzlich zu Kuscheln und Streicheln – auch von einer Fee erzählen, die den Bauchschmerz wegzaubern werde. Dieser „Schwindel“ ist aber nur Beiwerk. Viel wichtiger ist, dass das Kind die Liebe und Sorge spürt, die seine Mutter ihm entgegenbringt.

Der stärkste nicht-spezifische Effekt:
Sicherheit und Beziehung nach großer Gefahr. Bild: Jäger 2017

​Beispiel: Schwarzer Stein bei Schlangenbissen

Mein „Schwarzer Stein“ (folgendes Bild) ist das Geschenk eines traditionellen Spezialisten für Schlangenbisse. Ich lernte ihn 1982 im Süden Tansanias kennen, als er bei einer akuten Bissverletzung ins Krankenhaus gerufen wurde. Die moderne Medizin hatte in diesem Fall nichts zu bieten. Die Patientin mit weit aufgerissenen Augen sah sich (zurecht) vom Tod bedroht. Der Schamanen-Experte aber rettete sie. Mit seinem „Schwarzen Stein“, den er auf Bisswunde drückte, während er wie nebenbei die Frau durch seinen ruhigen Blick und sein Gemurmel in Trance versetzte.

Sein „Schwarzer Stein“, erklärte er mir, werde aufwendig hergestellt aus Holzkohle und Knochenmehl, unter Beimischung vieler Kräuter und Säfte, begleitet von Rühren, Schütteln, frommen Segnungen und Sprüchen.

„Sein Original“ unterschied sich also deutlich von „irgendwelchen Fake-Imitaten aus Asien“, selbst wenn diese das Gleiche enthielten. Sein Verfahren wirke immer dann am besten, wenn die Betroffenen wirklich Todesangst empfänden, aber bei „diesem“ Gift gewisse Überlebenschancen nicht ausgeschlossen wären. Werde er zu einem panisch-verstörten Opfer gerufen, beruhige sich die Situation meist schlagartig. Denn man wisse, dass er seinen „einzigartigen schwarzen Stein“ mitbringen würde, und dass nur er allein damit umzugehen wisse.

Alles Weitere sei Zutat: das Eindrücken des Steins in die Bisswunde, das rituelles Gemurmel, die Auslösung von Trance … So beruhigt sich die Atmung, das Herz schlägt langsamer und das Gift verteilt sich nur allmählich im Körper.

Seine Technik ist uralt. Auch die ersten griechischen Ärzte kannten sie schon:
„Den Patienten ablenken, bis die Natur sich selber hilft“.

Ein originaler „Schwarzer Stein“ (Bild: Jäger 2021, Stein hergestellt in Süd-Tansania 1982)

Corona-Impfungen

Die Patienten:innen, die geimpft werden wollen, sind hochmotiviert. Sie wollen sich unbedingt sicher fühlen. Eigentlich spräche für die ärztliche Qualität der Impfärzt:innen, wenn sie erklären würden, ob und wie ein Medikament oder eine Intervention helfe, und welche Risiken damit verbunden seien.

Impfende Allgemeinärzt:innen berichteten aber (i.R. eines Online-Treffens am 14.04.2021) von ihren Erfahrungen, dass rationale Aufklärung in der Regel unerwünscht sei. Selbst wenn mehr Zeit zur Verfügung stünde, wolle das eigentlich niemand. Die Patient:innen verlangten nur das, was ihnen absolut dringend erscheine. Und es bleibe Ärzt:innen keine Wahl, als das zu tun, was man von ihnen verlangt. Anschließend sei die Mehrzahl der Patient:innen überglücklich und tief erleichtert, wenn der Piecks endlich erfolgt sei.

Wäre dieser Quiz-Master neugierig, interessierte ihn die Frage. Er wüsste, dass er nichts weiß, und könnte diese Unsicherheit aushalten. Und er würde klarer sehen wollen, um mehr zu verstehen. Wäre er in Angst, brauchte er dringend Sicherheit, durch eine einzige Antwort – auf jede Frage. Genau das soll sein „Ja Ja Ja Ja“ offenbar vermitteln. In Panik ist es egal, ob man in einen Nebel schaut – Hauptsache man findet irgendwo Halt. So fröhlich wie Günther Jauch lacht, ist Angst bei ihm unwahrscheinlich. Freut er sich über die Summe, die man ihm bezahlt hat? (Bild: Reklame am 17.04.2021)

Rituale

Alles was „wissenschaftlich-bedeutungsvoll“ erscheint und durch die Körpersinne (Berührung, Druck, Schmerz,…) wahrgenommen werden, kann die Hirnchemie auch moderner Menschen nachhaltig beeinflussen (Fabrizio Bennedetti, Gerac-Studien s.u.). Der Glaube an einen rationalen Zusammenhang ist in unserer Kultur hilfreich, aber (auch hier) nicht zwingend erforderlich.

Chirurgische Eingriffe und Impfungen müssten eigentlich (genau wie medikamentöse Therapien) durch zufalls-kontrollierte, in die Zukunft gerichtete (prospektive) Studien“ begleitet werde. Das wäre z.B. leicht im Rahmen von Krankenkassendaten möglich: Eine chirurgische Neuerung oder die Anwendung eines neuartigen Impfstoffs in einer bestimmten Region, könnte mit Patient:innen einer anderen Region zu verglichen werden, wo die Maßnahmen (noch) nicht zum Einsatz kamen (Relton 2010).

Ob solche herstellerunabhängigen Anwendungsstudien (Phase IV Studien) bei den Covid-19-Impfungen durchgeführt wurden, ist mir nicht bekannt.

Die Placebo-Effekte, die bei der jetzigen Impfkampagne auftreten, werden (nach meinen Erfahrungen mit heilsamen Ritualen) erheblich sein: Völlig unabhängig von der jeweiligen spezifischen Wirkungen der mRNA- oder Vektor-Impfstoffe. Wie sich diese Effekte langfristiger auf die Psyche und das Immunsystem der Geimpften auswirken, wissen wir nicht. Unbekannt ist auch, was geschehen wird, wenn die durch Erwartungen angeregten Konzentration von Hirnhormonen wieder abfallen. Und wie Psyche und Immunsystem später auf neue Herausforderungen reagieren werden: zum Beispiel, wenn künftige Testergebnisse und ähnliche Viren, neue Ängste auslösen werden.

Mehr

Literatur

Freiheit und Geborgenheit

10. April 2021

Freiheit wird genommen. Vertrauen geht verloren.

Freiheit

Eigentlich werden Freiheitsrechte in Deutschland im Grundgesetz (Artikel 2) garantiert.

Das ändert sich gerade. Expert:innen glauben, auf der Basis vorläufigen Wissens Maßnahmen empfehlen zu müssen, die Freiheitsrechte einschränken. Gesundheits-Schutz sei vorrangig. Für „härtere“ Zwangsmaßnahmen müsse das Infektionsschutzgesetz sogar noch verschärft werden. (Merkel 08.04.2021) Wie in vielen Ländern nutzen Mächtige die willkommene Gelegenheit, Freiheitsrechte wegzuschmelzen (AI Report 2020/21 – 07.04.2021).

Da es einen „freien Willen“ ebenso wenig gibt wie „wahre Kartoffeln“ (Dörner 2006), kann man „Freiheit“ zwar nicht wegnehmen, wie einen Gegenstand. Aber man kann sehr wirksam, mitleidlos und brutal verhindern, dass sich etwas ungestört entwickeln, gestalten und entfalten kann. (Pink Floyd 14.03.2021)

Es ist leicht möglich Leben einzuengen, und für Angst und Beklemmung zu sorgen. So fördert man die Illusion, alles sei unter Kontrolle. Komplexe Situationen neigen aber dazu „sich zu rächen“ (überraschend in Katastrophen abzukippen), wenn man ihre Flexibilität und Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt. (Tenner 2015)

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand. Charles Darwin

Geborgenheit

Geborgenheit

Der japanische Philosoph Takeo Doi beschrieb das zentrale, handlungsleitende Gefühl: Geborgen zu sein. Er nannte es „Amae“ abgeleitet von „amaeru“: „sich anlehnen, sich verwöhnen lassen“. (Takeo Doi 1982) „Mütterliche Geborgenheit« sei ein innerer Ur-Zustand. Das tiefe Vertrauen in eine sichere Abhängigkeit zu sorgenden nahen Menschen. Werde dieses Gefühl tief verletzt, folge auf „Amae“ die Verzweiflung. Immer dann, wenn ein Lügengebäude in sich zusammenbricht, und zu Vertrauensverlust führt.

„Sich geborgen fühlen“ ist ein Grundbedürfnis. Es widerspricht nicht unserer Sehnsucht nach freier Entwicklungsmöglichkeit. Sondern es ergänzt sie. Der Mensch habe (so Takeo Doi) „ein Recht auf Abhängigkeit“ – ebenso und gleichermaßen wie ein „Recht auf Freiheit“. Amae, die Lust, das fröhliche Baby einer großen Mutter sein zu dürfen, steht nicht im Widerspruch zu persönlicher Entfaltung und Leistung: „Die Mutter darf streng sein, klare Grenzen setzen und sagen, was zu tun ist“. Nur eines darf sie nicht: täuschen und lügen.

Sehnsucht nach Geborgenheit und Freiheit

Wir brauchen beides – gleichermaßen – wie Wasser und Nahrung.

Die Erinnerung an den Schutz im Bauch der Mutter ist körperlich eingeprägt. Auf dieser ursprünglichen Geborgenheit beruht unser Urvertrauen. Die erste Freiheit entsteht durch die elementare Trennung: das Auspressen der Lungen und anschließende Einsaugen von Luft. Durch das Abnabeln. Und durch die weite Öffnung der Arme und Beine für die Welt. Streicht man Neugeborenen sanft über die Außenseiten der Gliedmaßen, kuscheln sie sich in der Geborgenheits-Geste zusammen, und erwarten das Gefühl einer „Gebärmutter-Berührung“ am Rücken (Tragetuch) und die sanfte „Berührung eines Beckens“ an der Kopfhaut (durch eine Hand). Dann aber wollen sie wieder frei sein, sich der Welt weit öffnen und sie begreifen. Was ihnen am besten gelingt, wenn sie auf Schutz und Sicherheit vertrauen können.

Bilder: Jäger 2021. Puppe Rikepa

Freiheit bedeutet auf der Grundlage, der Kleinkind-Erfahrungen, sich weit öffnen, verletzlich sein, etwas riskieren, mutig die Welt erkunden, neugierig sein.

Graphik Jäger 2021. Rechte Skizze: Die Möglichkeit, sich dem was geschieht, lebensfroh und risikobereit zu öffnen. Wird dieses natürliche Gefühl unterbunden, entsteht nicht etwa Geborgenheit und Vertrauen. Sondern Frust, Ärger, Depression, Instabiltät (Skizze links).

Eine Stimmung, die aus Unsicherheit, Angst, Wut, und Hilfslosigkeit aufgemischt wird, ist unerträglich. Daher steigt der Bedarf durch Schein-Sicherheit, durch Rituale oder Produkte, deren Anwendung zelebriert wird mit dem Versprechen, dass alles wieder gut werde. Pharmafirmen forschen daher intensiv an Möglichkeiten, wie ihre kommerzielle Produkte Gefühle mütterlichen Vertrauens auslösen können (placebo-competence.euprograminplacebostudies). Das klappt meist auch wunderbar, bis die Betroffen entdecken, dass sie getäuscht wurden.

Foto Jäger: 2018

Menschen brauchen alles zugleich: Geborgen-sein, Schutz und die Freiheit, das zu entwickeln, was aus uns entstehen will. Dafür brauchen Menschen (besonders dringend Kinder) keine Placebos, sondern offene Kommunikation und sanfte Berührungen (Arte verfügbar bis 31.05.2021, Arte verfügbar bis 28.05.2021, danach über mediathekview möglich)

Foto: Jäger (Tansania 1983) – Zukunftsfähige Kinder: frei, geborgen, neugierig, lebensfroh, schmutzig, zärtlich, verspielt, fröhlich und voller Unsinn im Kopf

Wir müssen dringend wieder in das Leben zurückfinden.

Todesangst, Macht und Gier machen krank.

Mehr

Wo ist der Notausgang?

3. April 2021

„Der Koyote, der – vor dem Wolf fliehend – über die Klippe gesprungen ist,
hat noch nicht nach unten geschaut.“ Indianisch / Nord-Amerika

Alle suchen den Ausstieg …

… hektisch, getrieben, verzweifelt. Und finden ihn nicht.
Trotz Lock-downs, Impfkampagnen und Bazooka-Geballere. (Spiegel 13.03.2020)

„Der große Wumms“ der Bundesregierung im Juni 2020 reichte nicht. Aber jetzt wird nachgeladen:

  • „Die EU-Staaten haben unter dem Eindruck der Corona-Krise einem 750-Milliarden-Euro-Fonds zugestimmt, um die Wirtschaft zu beleben. Doch das Projekt ist zum Scheitern verurteilt. Das Geld kommt viel zu spät und wird kaum für Sinnvolles eingesetzt.“ NZZ 01.04.2021
  • „Mr. Biden rettet die Welt!“ (Zeit 10.03.2021 ; Lancet 20.03.2021). Die Presse ist beeindruckt: Das größte Konjunkturprogramm der Menschheitsgeschichte (mit 1,9 Billionen US$) habe „Ganz schön viel Wumms!“ (Zeit 30.03.2021)
Philosophie-Magazin 02/2021 Februar/März

Das Philosophie-Magazin irrt: „Wer hier eine Gebetsgeste erkennt“, liegt völlig richtig! Gebete stärken den Glauben. Sie liefern Antworten und Gewissheiten. Sie vertreiben Angst und Zweifel. Wichtig ist nur, dass die Priester inbrünstig selber glauben, was sie ihren Schäfchen verkünden. Fotokopie: Philosophie Magazin Philosophie-Magazin 02/2021 Februar/März

Wird jetzt alles wieder gut?

Unwahrscheinlich: Denn gerade schwappt die dritte Corona-Welle, der sicher eine vierte und fünfte folgen wird.

Die „Rufe nach hartem Lockdown“ (dpa 01.04.2021) werden jedenfalls mal wieder lauter, und der Lieblings-Virologe der Kanzlerin droht: „Es bleibt nur der Holzhammer!“ (ZDF 31.03.2021).

In diesen schlimmen Zeiten heiligt der Zweck (der Virusausrottung) die Mittel (der Zwangsmaßnahmen): Kollateralschäden müssen folglich (zwangsläufig) in Kauf genommen werden. Uva. die Wechselwirkungen mit anderen Krisen, die gerade in den Hintergrund treten:

Bild: The Economist vom 07.04.2021: Der Internationale Währungsfond sei optimistisch. Auch international würde „Corona“ Reichen zu mehr Reichtum verhelfen. Leider würden Arme dabei etwas Ärmer werden.

Das Lebensgefüge auf der Erdoberfläche ist krank.

Die umfassende Störung zeigt sich in vielen Teil-Krisen, die miteinander wechselwirken und sich hochschaukeln. Viele, die gerade an diesem siechen Ökosystem herumzudoktern versuchen, verschlimmern den Zustand noch. Ganz so wie mittelalterliche Ärzt:innen, die ihre Kranke manchmal auch zu Tode quälten.

Es sieht nicht so aus, als ob diejenigen, die über die Macht verfügen, das überblicken würden, was sie anrichten. Eher scheinen sie hinter den zunehmend eigendynamischen und zufälligen Entwicklungen hinterher zu rennen. Auch wenn sie sich aufblasen und verkünden, man solle ihrer Führungskompetenz trauen und ihnen folgen.

Politiker:innen verfolgen Problemlöse-Strategien

Sie leiden an Projektitis: Dem Wahn, das alles besser sei, wenn ein „Problembär“ erst einmal erschlagen sei. Dieses Verhalten hat sich in der Steinzeit bewährt, als die natürlichen Ressourcen noch unerschöpflich zu sein schienen. Heute führt es in den Ökosystemen, in denen wir leben, und aus denen wir bestehen, oft zu neuen Krankheiten, die es ohne die Problembekämpfung nicht gegeben hätte. Das liegt daran, dass auch scheinbar vorrangige Ärgernisse sich bei genauerem Hinsehen meist als komplex erweisen.

Dynamische Wechselwirkungen in Systemen sind Physiker:innen seit über einhundert Jahren vertraut. Auch in der Biologie werden sie zunehmend verstanden (Mikrobiom). Nur Politik und Medizin tun sich damit noch schwer. Dort herrscht das Dogma der Einzelfaktor-Bekämpfung, das aus der Zeit der Dampfmaschinen und der imperialistischen Kolonialkriege stammt.

Mit ihren vielen Feldzügen gegen alles mögliche, was sich der Wachstums-Ideologie entgegenstellt, rast die Menschheit gerade zu auf eine evolutionäre Wand. Eigentlich müssten wir uns deshalb intensiv mit Beziehungen, Wechselwirkungen, Interaktionen, Kollateralen, schwachen Wirkungen, Zufällen und Dynamiken in komplexen ökologischen und sozialen Systemen beschäftigen. Denn unsere Spezies steckt gerade einer fundamentalen Krise. Bei Bakterien sterben bei solchem evolutionären Druck die meisten Exemplare ab. Nur sehr wenige, die sich, neu angepasst völlig anders verhalten, kommen durch, und vermehren sich dann wieder in anderen Zusammenhängen.

Bei der Entwicklung der Menschheit war es ähnlich. Wir stammen von sehr wenigen Ur-Ur-Großeltern ab, die deshalb eine oder mehrere Katastrophen überlebten, weil sie in der Lage waren, völlig neuartige Verhaltensweisen in die Evolution einzubringen.

Heute sind wir die einzigen (uns bekannten) Lebenswesen, die solche Zusammenhänge erkennen könnten. Und die sich deshalb bereits vor der drohenden evolutionären Katastrophe radikal anders verhalten könnten.

Ist Covid-19 „einfach“ nur ein Virus?

Davon geht die Politik jedenfalls aus. Man verhindert die Übertragung von Covid-19, und hält das Virus durch Medizinprodukte fern. Dann wird alles sein wie vorher … (rechtzeitig zur Bundestagswahl?).

Diese Art mechanischen Denkens gleicht den Vorstellungen, wie sich die NATO die Befriedung Afghanistans vorstellte: Man benannte die Terroristen, spürte sie auf, isolierte, bekämpfte und vernichtete sie … ganz einfach. Nur war man dort nicht besonders erfolgreich (trotz des Abwurfes der „Mutter aller Bomben“).

Tägliche Leitartikel zur viralen Katastrophe, zu der es glücklicherweise viele Produkte zu kaufen gibt, die freundlicherweise auch gleich alle genannt werden. RKZ 11.03.2021 mit dpa-Artikeln

In der Realität sind Zusammenhänge verwoben

Bei Menschen ist der sozio-ökonomische Status einer der stärksten Einflussfaktoren für Gesundheit und Sterblichkeit. Die soziale Schicht schränkt die Lebenschancen ein. Armut bewirkt oft ein niedrigeres Bildungs- und Einkommensniveau, und führt zu höherer Arbeitslosigkeit. Die Gesundheit liegt also nicht allein in den Händen des Einzelnen, sondern ist abhängig von der Umwelt und den Bedingungen, unter denen Menschen leben und arbeiten. (Lancet 2021)

Es sind globale Gesundheits-System-Störungen („Syndemien“), die bestimmte Menschen für virale „Pandemien“ empfänglich machen: Neben Armut, Krieg, Elend, Umweltverdreckung (Feinstaub u.a.) sind es vor allem Über- und Unternährung. Und natürlich auch die jetzt schon spürbaren Veränderungen der Klimakatstrophe (Lancet 2019).

Von erhöhter, durch Covid-19 verursachter Sterblichkeit, sind besonders Länder betroffen, bei denen die Zahl der Fehlernährten und Fettsucht-Kranken besonders hoch ist.

„Covid-19: Höchste Todesraten werden in Ländern gesehen mit besonders übergewichtigen Bevölkerungen.“ BMJ 2021; 372:n623

Ähnlich gut untersucht sind die Risikofaktoren Stress und Schlafmangel. Folglich sollte, wer seine Chancen steigern möchte, Covid-19 ohne Schäden zu überstehen (unabhängig von medizinischen, hygienischen Maßnahmen)

  • sich viel und entspannt bewegen,
  • stress-arm leben und ausgiebig schlafen,
  • sich gesund ernähren (Mangel ausgleichen / Überernährung abbauen),
  • sich dem Sonnenlicht aussetzen,
  • und nicht rauchen.

Sind die zurzeit getroffenen Maßnahmen bezogen auf die Virusverbreitung effektiv?

Das ist umstritten.

Eine Arbeitsgruppe erfahrener Experten öffentlicher Gesundheitsversorgung bezweifelt es. Sie stellt immer wieder alternative Vorschläge vor, die aber bei den Entscheidungsträger:innen offenbar weder diskutiert noch gehört werden: Schrappe 21.03.2021 und 11.03.2021.

Viele der getroffenen Maßnahmen beruhen auf einem politisch-zurechtgebogenen Zahlen-Geschwurbele, das Laien nur schwierig durchschauen können (Unstatistiken 2020 / 2021).

Ob in einem komplexen Zusammenhang (wie bei einer Virusinfektion) etwas geschieht, kann an Wechselwirkungen vieler Faktoren liegen. Und das ist durch Interpretation weit auslegbar.

  • Bei „Verstorben und positiv auf Covid PCR-Testet!“ ist es einfach:
    „Sie oder er ist an Covid verstorben!“
  • Bei „Verstorben nach Covid-Impfung?“ dagegen überhaupt nicht:
    Dann handelt es sich vermutlich um ein „zufälliges Zusammentreffen!“ oder „Sie oder er wäre in dem Alter wohl ohnehin gestorben!“

Der tatsächliche positive oder negative Vorhersagewert eines Tests hängt nicht allein von seiner operativen Genauigkeit ab. Maßgeblich ist auch die Vortestwahrscheinlichkeit, die angibt, wie hoch das geschätzte Risiko für eine Erkrankung vor dem Test ist. DÄB 24/2020

Die STIKO schrieb auf Anfrage am 26.02.2019, dass sie Postmarketing-Studien bei der Covid-Impfung für „unethisch“ hielte, und deshalb nicht durchführen könne. Obwohl es natürlich alternative Studien-Designs gäbe, um Nicht-geimpfte und Geimpfte zu vergleichen. Wenn aber solche vergleichenden Studien nicht gewollt sind, müsste man jede/n Tote/n nach Impfung obduzieren. Dann sähe man übersteigerte Immunreaktionen (als Impfnebenwirkung) oder andere Todesursachen. Das erfolgt aber ebensowenig.

Wir tappen also zu Nutzen und Risiken der laufenden Impfkampagne im Dunkeln. Wenn man aber in eine, sich gerade ausbreitende, Infektion hinein-behandelt (mit Antibiotika oder mit Impfungen), und dabei die gefährlichen Keime nicht alle gleichzeitig ausrotten kann, entstehen Resistenzen. Und die sind dann erfahrungsgemäß bösartiger. (Guardian 30.03.2021, Vanden Bossche)

Durch die laufenden hygienischen und medikamentösen Bekämpfungs-Maßnahmen, könnte sich die Situation also durchaus verschlimmern. Insbesondere dann, wenn sich neue Virus-Mutationen oder andere Viren (wie Influenza) verbreiten, die Immunsysteme befallen, die hinsichtlich der jährlich umlaufender Atemwegsinfektionen untrainiert sind.

Letztlich geht es um Biologie: Um die Dynamik instabiler, lebender Systeme.

Physikalische Gesetze sind ziemlich sicher. Und auch eine biologische Erfahrung halte ich für robust: dass Kooperationen zu evolutionären Erfolgen führen können (Beispiel: Das Ökosystem des Zell-Inneren).

Anders als Viren und Bakterien, könnten wir diese Gesetzmäßigkeit erkennen, und uns anders verhalten, um z.B. vom Schädling (Typ Cholera ) zu einem Teil eines blühenden Ökosystems zu werden.

Aus meiner Sicht bieten sich für viele der hier genannten Krisen zwei grundlegend verschiedene Strategien an:

  • Alle Varianten, Mutanten, Pathogene, Krebszellen, Wachstumsverhinderer, und auch alle anderen Feinde & Terroristen (da draußen) identifizieren, isolieren, umbringen, ausmerzen, abwehren, durch Stacheldraht weghalten, totschlagen, für immer vernichten … einen nach dem anderen, bis sie alle mause-tot sind … und wir dann mit ihnen.
  • Oder gemeinsam sozial und ökologisch-friedfertige Visionen und Strategien entwickeln, wie wir als Superorganismen (aus Viromen, Mikrobiomen, Zellen ..) in übergeordneten lebenden Ökosystemen nutzbringend gedeihen könnten.

Der Finanzmathematiker Nassim Taleb beschrieb drei Trugschlüsse bei Interventionen in komplexe (lebende) Zusammenhänge, wie sie gerade stattfinden:

  • die Illusion, die gegenwärtigen Ereignisse zu verstehen,
  • die retrospektive Verzerrung zurückliegender Ereignisse,
  • die Überbewertung von Sachinformation, in Kombination mit der Überschätzung der Intelligenz und der Macht der intellektuellen Elite.

Diese Ansicht teile ich, und ich wünschte mir, dass in Politik und Medizin nicht überstürzt gehandelt würde. Und, dass man aus Fehlern lernen würde. Und, dass man sich am Vorsorgeprinzip orientierte (Nicht schaden). Und das Vorsorgeprinzip nicht umkehrte. Und, dass man für kritische, neutrale, unabhängige Bewertungen sorgte.

We believe that in the absence of manifest danger, all-out action was a mistake. Beforehand … and … after the decision. … the thing that was needed was a day around the table brainstorming Murphy’s Law: ‚If anything can go wrong it will!‘ When decisions are based on very limited scientific data, the Ministry should establish key points at which the program should be re-evaluated. (Neustadt 1978, Zitat eines Beteiligten an einer Regierungskommission, die 1976 die Swine-Flu Katastrophe in den USA untersuchte.

Kein Fazit – nur Fragen

Ich bin weder Experte noch Besserwisser. Schon gar nicht bei Dynamiken, die ich nicht mehr überschauen kann. Je mehr ich lese, höre, sehe, und versuche das zu verstehen, was andere gesehen, gehört oder gelesen haben, desto weniger weiß ich. Und dann frage ich: offen, ungläubig, neugierig, staunend, mich vorsichtig weiter tastend, und versuchte etwas zu begreifen.

Lob der Kritik: Freie Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie Widersprüche aushalten. In der Corona-Krise darf diese Fähigkeit nicht verloren gehen. Sie ist systemrelevant … Sie kann Kraft zur Entwicklung guter Lösungen entwickeln. Heribert Prantl, SZ 3.-5. April 2021

Todes-Angst

Vermag mich der Tod nicht mehr zu schrecken, was sollte mich dann Verlust noch ängstigen?
Shenzi (385-337 vuZ) Philosoph und Politiker

Die Visionen des Westens sind überschaubar

An der Börse sei die Stimmung gut, sagt man, denn viele Großunternehmen profitierten in den Corona-Zeiten.

Auch diese zyklische Krise des Kapitalismus, werde, wie alle vorherigen, den Markt nur bereinigen. Das sagen uns die, die wissen, wie man krisensicher Geld vermehren kann. Auch jetzt in der Talsohle stünden wir am Beginn einer neuen Wachstumswelle. Der Neo-Kapitalismus des „Neuen Normal“ werde sich – grün, nachhaltig, digital und gesund – stabilisieren und immer gigantischer aufblasen.

Mich erinnert dieser kommerzielle Optimismus an eine alternde Sonne, die ihre letzten Energiereserven verbrennt. An einen Stern, der sich noch einmal riesig aufbläht, bevor er irgendwann zum weißen Zwerg zusammenschrumpfen wird.

Es ist möglich, dass diese Bestimmungen angesichts der ethischen Inkonsequenz unserer Regierenden
von der gleichen Angst diktiert werden, die sie zu provozieren beabsichtigen.

Es ist schwierig, nicht zu denken, dass die Situation, die sie schaffen, genau das ist, was diejenigen, die uns regieren, immer wieder versucht haben zu erreichen: dass Universitäten und Schulen ein für alle Mal geschlossen werden und der Unterricht nur noch online stattfindet, dass wir aufhören, uns aus politischen oder kulturellen Gründen zu treffen und zu reden und nur noch digitale Nachrichten austauschen, dass,
wo immer möglich, Maschinen jeden Kontakt – jede Ansteckung – zwischen Menschen ersetzen.

Giorgio Agamben, 11.03.2020) Weitere Texte: „An welchem Punkt stehen wir?“ Turia 2021, ISBN 9783851329964

Bild „Farbe“, Gerd Trostmann, 1998

Dem Westen ist der Sinn verloren gegangen.

Angesichts von Klima- und Umweltkrise fehlen den Regierungen der großen westlichen Industrieländer Visionen für eine lebenswerte, ökologisch-nachhaltige, friedliche Zukunft der Menschheit.

Das ist gefährlich, weil die Spaßgesellschaft, die für „Brot und Spiele“ sorgte (möglichst unbemerkt und geräuschlos) von angepasster Bravheit abgelöst werden wird. „Mainz wie es singt und lacht“ wird künftig wohl im Wohnzimmer stattfinden. Damit die Gesellschaft (die sozial immer mehr auseinanderdriftet) trotzdem zusammenhält, braucht es einen Ersatz. Eine Art Kit, der aus digitaler Ablenkung und Todes-Ängsten gemischt wird.

Oder ein klebriger Brei, der aus Produkten der digitalen Tranfomation, der medialen Durchdringung und der religiösen Medikalisierung zusammengekocht wird. In einem Topf der Geborgenheit vermittelt:weil er vor allen Feinden schützt, die uns von außerhalb bedrohen.

„… unsere Gesellschaft glaubt an nichts mehr außer an das nackte Leben.“
Giorgio Agamben NZZ 18.03.2020

Seuchen weisen – mitleidslos und brutal – auf mangelhafte Fähigkeiten, sich flexibel an neue Situationen anzupassen.

Seuchen gehören zur Evolution.

Bei einzelnen Organismen oder bei Gesellschaften gehen einer explosionsartigen Vermehrung von Infektionskrankheiten empfindliche Störungen voraus: der natürlichen Vielfalt der inneren Funktionen oder der umgebenden Ökosysteme.

Allein mit todes-angst-getriebenen Bekämpfungen einer Seuche ist es deshalb nicht getan: Denn entsteht keine neue elastische Widerstands- und Beziehungsfähigkeit, wird die nächste Epidemie weiter-bestehende Krankheiten oder Verfallserscheinungen verschlimmern.

Now let’s end pandemics forever!
Motto der „Coalition for Epidemic Preparedness“ Cepi am 12.03.2021.
Die Entwicklungszeit für neue Impfstoffe soll auf 100 Tage gedrückt werden, durch zusätzliche 3,5 Milliarden Dollar aus öffentlichen Mitteln. (NZZ 10.03.2021)

Erfolgreiche Lebensformen verhalten sich kooperativ

Aggressive Formen der Cholera-Erreger, die ihren Wirt umbringen, sind evolutionär nicht erfolgreich. Sie sterben aus. Langfristig setzen sich Varianten durch, denen es gelingt, sich friedfertig und nützlich in einen neuen Wirtsorganismus zu integrieren (Ewald 2007)

Bild: Paul Ewald: Können wir Keime domestizieren? TED-Vortrag 2007

Naturwissenschaftlicher Erkenntnis zum Trotz, quält uns die Kriegsmedizin des 19. Jahrhunderts bis heute. Mit ihrem quasi-religösen Glaube, dass es erfolgversprechend sei, alle „Feinde, die uns mit dem Tod bedrohen, zu benennen, zu isolieren,zu bekämpfen und zu vernichten!“. Und dass es – wie bei jeder Todesstrategie – notwendig sei, dem Leben Kollateralschäden zuzumuten.

Die Feinde der Kriegsmedizin stehen „da draußen“! Sie erscheinen schicksalhaft. Scheinbar völlig unabhängig von der Art unseres Verhaltens und vom Zustand unserer Verhältnisse. Und Sterben kann nur verhindert werden, wenn man das tut was man soll. Und wenn man Produkte konsumiert, die dafür sorgen sollen, dass alles wieder gut wird.

Gelänge es CEPI tatsächlich, alle uns heute bekannten globalen Viren durch hoch-effektive Impfstoffe auszurotten, dann eröffneten sich evolutionäre Lücken für neue Viren, die wir noch nicht kennen.

Ganz ähnlich ist es mit der Anwendung von Antibiotika. Sie können Leben retten. Aber auch die effektivsten Bakterienvernichter züchten die Bakterienstämme, die gegen genau diese Medikamente resistent sind. Deshalb entwickeln sich Pandemien antibiotikaresistenter Mikroorganismen (WHO 2020). Auf Covid-19 trifft das gleiche zu. Im Gemisch der weltweit verbreiteten Virusvarianten, werden sich die durchsetzen, die sich schnell (von Gesunden auf Gesunde) verbreiten können, und die von den Impfstoffen nicht erfasst werden. Wie auch bei den jährlichen Influenza-Pandemien.

Todesstrategien („etwas ausrotten“) sind in der Evolution selten erfolgreich, zumindest nicht auf lange Sicht. Dagegen entwickeln sich flexibel-angepasste, friedvolle, sich-selbst-regulierende Ökosystemen dynamischer. Zum Beispiel gäbe es uns sonst nicht. Denn unsere Körperzellen stammen von einem Kampf ab der beigelegt wurde. Statt sich gegenseitig zu vernichten schufen Urzellen und Minibakterien eine Einheit, in der beide untrennbar zusammenwirken und doch jeweils Eigenständigkeit bewahrten (s. Ökosystem Zelle)

Gab es vor Covid-19 noch andere Probleme?

Eigentlich müssten unsere Gesellschaften den Warnschuss „Covid-19“ zum Anlass nehmen, das Verhalten und die Verhältnisse so verändern, dass sich unseren Gesellschaften neue Chancen eröffneten. Angesichts der übergeordneten Umwelt-, Sozial- und Finanzkrisen.

Eigentlich müsste auf allen Ebenen debattiert werden, wie Menschen sich von todbringenden Hautkrankheits-Erregern der Erde-Oberfläche zu nützlichen, fröhlich-lebensbejahenden Organismen wandeln könnten. Die fähig wären, friedlich, in stabilen, artenreichen Ökosystemen zu leben.

Greta’s Schrei „Ich will, dass ihr in Panik geratet!“ verhallte folgenlos. Von Panik keine Spur. Denn es gab plötzlich viel wichtigeres: einen unmittelbaren Feind, der jetzt sofort „bekriegt“ werden musste (Macron 16.03.2020). Die unmittelbare Todes-Drohung (Leichentransporte in Bergamo!) erwies sich als ungleich wirksamer, als rationale Gedanken an ferne Lebenswelten, die ohnehin nur die Eisbären und die Enkel anderer Leute betreffen würden.

Wir brauchen Lebensmut statt Todesangst!

„Der Tod ist uns ein Nichts, denn was der Auflösung verfiel, besitzt keine Empfindung mehr. Was aber keine Empfindung mehr hat das kümmert uns nicht. Solange wir da sind, ist der Tod nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht mehr. Folglich betrifft er weder die Lebenden noch die gestorbenen, denn wo jene sind ist er nicht und diese sind ja überhaupt nicht mehr da. Freilich, die große Masse meidet den Tod als das größere Übel …“
Epikur 341-270 vuZ. Philosoph (Kröner Verlag 1973)

Der Tod kann nichts wegnehmen, von dem, was bereits geschehen ist. Alles was er „entfernen“ könnte, ist bereits verschwunden, weil es wie alles Vergangene nicht mehr ist. Was wir gestern waren, ist schon gestorben. Nicht einmal Gegenwart existiert für uns, weil alles, was unsere Sinne wahrnehmen und verarbeiten, bereits geschehen ist. Über unser „Ich“, dessen Tod wir fürchten, können wir nur Geschichten erzählen, die wir aktiv erinnernd mehr oder weniger ausschmücken.

Das einzige was wir tatsächlich erleben, sind Entwicklungen in die Zukunft. Wir erfahren die Ergebnisse dessen, was gerade neu entsteht. Leben bedeutet wachsen, wandeln, neu entstehen. All das kann man verhindern: brutal hart, unbarmherzig. Aber man kann nicht nehmen, was nicht „ist“. Eigentlich ist es nicht die Todes-Illusion, die uns ängstigt, sondern die Sorge vor der stetigen Veränderung des Leben.

Alles wird. Solange noch Energie verfügbar ist. Und dafür kann man sorgen:

Es ist die Bewegung, die Körper und Geist gesund erhält. Fließendes Wasser fault nicht.
Türen und Angeln werden nicht wurmstichig, denn sie bewegen sich.
Gleiches gilt für Körper und Geist.
Lü Buwei (Kaufmann, Politiker, Philosoph) 300-235 v.u.Z.

Warum ist die Todes-Angst nur so mächtig?

Und die Lebenslust so schwach?

Ich spreche vom Licht
von Fereydoun Moshiri (1926-2000) Übersetzung aus dem Persischen von Afsane Bahar; 2013

Jeden Morgen, sobald das Sonnenlicht über den fernen Bergen emporsteigt, breite ich die Flügel aus,
flinker als die Brise; lasse die Botschaft der Morgendämmerung fliegen, Ich erzähle vom Licht, vom Licht, von lebendigem Leben, von frischem Atem, von neuem Dasein, vom Stolz.

Aber im Gedränge der Straße verlieren sich meine Stimme und meine Lieder. ... Fremd mit diesem ganzen kalten Gerede rufe ich weiterhin geduldig die Menge der Schlafenden mit Liebe, Freude, Leidenschaft. Die Botschaft der Morgendämmerung lasse ich fliegen. Wohin ich auch gehe, spreche ich diesem und jenem ins Ohr, sogar im Gedränge der Straße, vom Licht, vom Licht

Mehr

Dauerwelle?

Seite bearbeiten

about:blankTitel hier eingebenCorona-Krisen-Philosophie

Inhalt

  • Ultimativer Placebo
  • Freiheit und Geborgenheit
  • Wo ist der Notausgang?
  • Todes-Angst
  • Dauerwelle?
  • Chaos managen statt bekämpfen
  • Selber Denken in der Krise
  • Corona-Philosophie
  • Mehr desgleichen

Interner Link

Kunst

Ultimative Placebos

17. April 2021

„.. Das raffinierteste, schmerzhafteste, teuerste, invasivste und zeitaufwendigste
aller Placebos erreicht den stärksten Effekt“, Harris 2020

Eine Gruppe erfahrener Gesundheitswissenschaftler befürchtet, das „Gesetzgebungsverfahren zum vierten Bevölkerungsschutzgesetz” könne „der Ausgangspunkt für einen auf Permanenz gestellten Lockdown sein.“ (Matthias Schrappe u.a.: „Zentralisierte Willkür, 15.04.2021“)

Auch andere ahnen, der gerade durchlebte Albtraum werde nicht mehr enden. Denn die ergriffenen Maßnahmen sollen nur (in Teilen) zurückgenommen werden, wenn es „genau dieses Virus“ nicht mehr gäbe. Das wird aber nicht der Fall sein.

Wir werden mit dem Virus leben müssen. Daher werden mit fortschreitender Durchseuchung der Bevölkerung umso mehr positive Ergebnisse gemeldet werden, je mehr (gesunde) Menschen getestet werden. Wie üblich bei Virusinfektionen, werden sich die Varianten verbreiten, denen sich trotz aller Maßnahmen evolutionäre Chancen bieten.

Und natürlich werden spätestens ab dem Sommer (wie jedes Jahr) neue Atemwegs-Viren um die Welt schwappen, und auf Menschen treffen, deren Immunsysteme in diesem Winter nicht trainiert wurden. Auch für diese Viren werden Tests entwickelt werden, um sie dann zielgenauer bekämpfen zu können. Selbst wenn es so gelänge, einen Terroristen nach dem anderen ausrotten, warteten zahllose andere auf ihre Chance. Also läge es eigentlich nahe, nachzudenken … zum Beispiel, wie Gesundheit gefördert werden könnte, und die Fähigkeit, Krisen ohne Schaden zu bewältigen. (Resilienz)

Aber noch hoffen die meisten, das „Neue Normale“ würde dem alten gleichen, wenn erst alle geimpft wären. Ginge auch diese Hoffnung verloren, stiege die Zahl der Dauer-Verunsicherten und psychisch Kranken noch stärker. (Guardian 27.12.2020, Solé 2021)

„…wenn die Rückkehr zu einem „normalen“ Leben nur so zu gewährleisten ist, könnte das der Preis sein, den jeder einzelne von uns für das Ticket zur Teilnahme an diesem Leben zahlen muss„. Anastasisus, Rotenburger Kreiszeitung 29.12.2020

„Wenn der Arztbesuch glücklich macht“ (TAZ 14.04.2021)

Belohnende Hirnbotenstoffe (u.a. Dopamin) werden besonders dann ausgeschüttet, wenn ein langersehnte Belohnung unmittelbar bevor steht (Saplosky 2014). Einprägsam-schmerzhafte Rituale können dann weitere Hirnbotenstoffe freisetzen, die beruhigen (u.a. Endorphine). Denn etwas, das drastisch, schmerzhaft und erschreckend erlebt wird, brennt in der Erinnerung ein. Deshalb stechen, tätowieren, picksen und ritzen Schamanen seit der Steinzeit.

Nach solchen bedeutungsvollen Ritualen ist dann alles „wieder gut“ … solange, bis man sich wieder krank fühlt.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist taz-placebo.jpg

Lehrbuchwürdige Beschreibung eines Placebo-Phänomens:

“ … Es ist ein besonderer Tag für Anita Drews: endlich wird sie gegen Covid19 geimpft – und das sogar um die Ecke. Viele Menschen sind wie die Berlinerin dankbar, dass jetzt auch Hausärzte zur Coronaspritze greifen dürfen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot mehrfach.“ Bild-Text rechts: „Ein Hoffnungsschimmer: Anita Drews kurz nach ihrer ersten Impfung bei der Hausärztin.“ Schluss-Satz: „… ‚Das ist ein kleiner Hoffnungsschimmer, aus dieser Isolation herauszukommen‘, sagt sie“ (die Hausärztin). “ ‚Das gibt mir Kraft für den Endspurt – noch durchhalten‘.“ (TAZ 14.04.2021)

Beispiel: Chirurgie als ultimativer Placebo

Prof. Ian Harris ist ein leidenschaftlicher, australischer Chirurg.

Er operiert und überprüft zugleich durch Studien, was er und andere tun. Chirurgie bezeichnet er als „ultimate placebo“. Denn invasive, schmerzhaft-einprägsame „Placebos“ wirkten noch besser als bunte (inhalts-leere) Tabletten oder Kügelchen.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Harris.jpg

Prof Dr. Ian Harris: Schnippeln für den Profit. Riva Verlag. München 2020
Video-Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=IzueFu1cq5U

In „beziehungslosen“ Chirurg-Patient-Beziehungen ist es möglich, Patient:innen geschickt zu täuschen, und ihnen eine Wirksamkeit vorzugaukeln, die nicht existiert.

Bei einem operativen „Placebo“, der Patient:innen ablenkt oder in die Irre führen soll, wirkt also nicht etwa die (leere) „bunte Pille“, sondern das starke Gefühl, man könne vertrauen, man werde nicht betrogen, und alles werde wieder so wie früher sein.

Weil diese Art von Betrug so gut wirkt, würden in England „Placebos“ von 70% der Ärzt:innen angewendet. In Deutschland (vermuten viele, wie ich) noch deutlich häufiger. Das aber widerspricht der ärztlicher Ethik.

Deshalb sollten (nach Ansicht von Harris) nicht nur bei der Zulassung von Medikamenten, sondern auch in der Chirurgie allen Neuerungen und Verfahren durch in die Zukunft gerichtete, langfristige Studien begleitet werden.

Tatsächlich aber beruhten die meisten chirurgischen Verfahren (wie er schreibt) auf einem wackeligen Drei-Bein:

  • Der Vermutung, dass es funktionieren könnte (Biologische Plausibilität)
  • Erfolgversprechenden Hinweisen aus Labor- oder Tierversuchen
  • Der persönlichen Erfahrung der Chirurg:innen (so genannte „Eminenz“ based Medicine)

Notwendig sei eine Veränderung der ärztlichen Ethik, sowohl hinsichtlich der Forschung, als auch der klinischen Praxis. Gerade in der Chirurgie, wo oft Ärzt:innen nur wenige Male eine Methode ausprobieren, um sie dann regelhaft durchzuführen.Die Forschung müsse stringent und unabhängig erfolgen.

Die ethischen Anforderungen an die klinische Praxis müssten unbedingt erhöht werden, da Kliniker keine Therapie anwenden sollten, die nicht kritisch in ihrer Praxis getestet wurde oder wird.

Was ist eigentlich ein „Placebo“?

Beruhigungseffekte können nur bei Säugetieren, nicht aber bei Krokodilen und Schlangen ausgelöst werden. Diesen Ur-Tieren fehlen noch Hirnstrukturen, die ihnen Emotionen vermitteln könnten. Rituale der Gabe von „Placebo“-Pillen haben bei Tieren (ohne Mittelhirn) keinen Effekt.

Säugetiere dagegen bewerten äußere und innere Signale. Sie teilen sich ihren Artgenossen mit. Sie gehen Beziehungen ein. Sie können durch andere beruhigt werden. Ihre Fähigkeit zu „Stillen“ (neudeutsch: bonden) wirkt auf jede Zelle ihrer Kinder:

  • Herzschlag und Atmung normalisieren sich, und
  • das Immunsystem wird sinnvoll gedämpft.

Systemeffekt Mutter (später Ärzt:in)

Alle Funktionen des Körpers können – beruhigt – äußere Belastungen besser bewältigen. Sie agieren weniger aufgeregt und arbeiten effektiver.

Später bei Erwachsenen können auch Rituale besänftigen, wenn ihnen eine Bedeutung beigemessen wird. Lautgebung, Musik, Sprache, Mimik, Berührungen, Körperhaltungen, Gesten uva. können sehr starke Wirkungen auslösen, wenn die Personen, die die „heilsamen Handlungen“ ausführt vertraut ist.

Eine Mutter, die ihr Kind tröstet, kann – zusätzlich zu Kuscheln und Streicheln – auch von einer Fee erzählen, die den Bauchschmerz wegzaubern werde. Dieser „Schwindel“ ist aber nur Beiwerk. Viel wichtiger ist, dass das Kind die Liebe und Sorge spürt, die seine Mutter ihm entgegenbringt.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Ich_baby.jpg

Der stärkste nicht-spezifische Effekt:
Sicherheit und Beziehung nach großer Gefahr. Bild: Jäger 2017

​Beispiel: Schwarzer Stein bei Schlangenbissen

Mein „Schwarzer Stein“ (folgendes Bild) ist das Geschenk eines traditionellen Spezialisten für Schlangenbisse. Ich lernte ihn 1982 im Süden Tansanias kennen, als er bei einer akuten Bissverletzung ins Krankenhaus gerufen wurde. Die moderne Medizin hatte in diesem Fall nichts zu bieten. Die Patientin mit weit aufgerissenen Augen sah sich (zurecht) vom Tod bedroht. Der Schamanen-Experte aber rettete sie. Mit seinem „Schwarzen Stein“, den er auf Bisswunde drückte, während er wie nebenbei die Frau durch seinen ruhigen Blick und sein Gemurmel in Trance versetzte.

Sein „Schwarzer Stein“, erklärte er mir, werde aufwendig hergestellt aus Holzkohle und Knochenmehl, unter Beimischung vieler Kräuter und Säfte, begleitet von Rühren, Schütteln, frommen Segnungen und Sprüchen.

„Sein Original“ unterschied sich also deutlich von „irgendwelchen Fake-Imitaten aus Asien“, selbst wenn diese das Gleiche enthielten. Sein Verfahren wirke immer dann am besten, wenn die Betroffenen wirklich Todesangst empfänden, aber bei „diesem“ Gift gewisse Überlebenschancen nicht ausgeschlossen wären. Werde er zu einem panisch-verstörten Opfer gerufen, beruhige sich die Situation meist schlagartig. Denn man wisse, dass er seinen „einzigartigen schwarzen Stein“ mitbringen würde, und dass nur er allein damit umzugehen wisse.

Alles Weitere sei Zutat: das Eindrücken des Steins in die Bisswunde, das rituelles Gemurmel, die Auslösung von Trance … So beruhigt sich die Atmung, das Herz schlägt langsamer und das Gift verteilt sich nur allmählich im Körper.

Seine Technik ist uralt. Auch die ersten griechischen Ärzte kannten sie schon:
„Den Patienten ablenken, bis die Natur sich selber hilft“.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Schwarzer-Stein.jpg

Ein originaler „Schwarzer Stein“ (Bild: Jäger 2021, Stein hergestellt in Süd-Tansania 1982)

Corona-Impfungen

Die Patienten:innen, die geimpft werden wollen, sind hochmotiviert. Sie wollen sich unbedingt sicher fühlen. Eigentlich spräche für die ärztliche Qualität der Impfärzt:innen, wenn sie erklären würden, ob und wie ein Medikament oder eine Intervention helfe, und welche Risiken damit verbunden seien.

Impfende Allgemeinärzt:innen berichteten aber (i.R. eines Online-Treffens am 14.04.2021) von ihren Erfahrungen, dass rationale Aufklärung in der Regel unerwünscht sei. Selbst wenn mehr Zeit zur Verfügung stünde, wolle das eigentlich niemand. Die Patient:innen verlangten nur das, was ihnen absolut dringend erscheine. Und es bleibe Ärzt:innen keine Wahl, als das zu tun, was man von ihnen verlangt. Anschließend sei die Mehrzahl der Patient:innen überglücklich und tief erleichtert, wenn der Piecks endlich erfolgt sei.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Jauchs-Impfung.jpg

Wäre dieser Quiz-Master neugierig, interessierte ihn die Frage. Er wüsste, dass er nichts weiß, und könnte diese Unsicherheit aushalten. Und er würde klarer sehen wollen, um mehr zu verstehen. Wäre er in Angst, brauchte er dringend Sicherheit, durch eine einzige Antwort – auf jede Frage. Genau das soll sein „Ja Ja Ja Ja“ offenbar vermitteln. In Panik ist es egal, ob man in einen Nebel schaut – Hauptsache man findet irgendwo Halt. So fröhlich wie Günther Jauch lacht, ist Angst bei ihm unwahrscheinlich. Freut er sich über die Summe, die man ihm bezahlt hat? (Bild: Reklame am 17.04.2021)

Rituale

Alles was „wissenschaftlich-bedeutungsvoll“ erscheint und durch die Körpersinne (Berührung, Druck, Schmerz,…) wahrgenommen werden, kann die Hirnchemie auch moderner Menschen nachhaltig beeinflussen (Fabrizio Bennedetti, Gerac-Studien s.u.). Der Glaube an einen rationalen Zusammenhang ist in unserer Kultur hilfreich, aber (auch hier) nicht zwingend erforderlich.

Chirurgische Eingriffe und Impfungen müssten eigentlich (genau wie medikamentöse Therapien) durch zufalls-kontrollierte, in die Zukunft gerichtete (prospektive) Studien“ begleitet werde. Das wäre z.B. leicht im Rahmen von Krankenkassendaten möglich: Eine chirurgische Neuerung oder die Anwendung eines neuartigen Impfstoffs in einer bestimmten Region, könnte mit Patient:innen einer anderen Region zu verglichen werden, wo die Maßnahmen (noch) nicht zum Einsatz kamen (Relton 2010).

Ob solche herstellerunabhängigen Anwendungsstudien (Phase IV Studien) bei den Covid-19-Impfungen durchgeführt wurden, ist mir nicht bekannt.

Die Placebo-Effekte, die bei der jetzigen Impfkampagne auftreten, werden (nach meinen Erfahrungen mit heilsamen Ritualen) erheblich sein: Völlig unabhängig von der jeweiligen spezifischen Wirkungen der mRNA- oder Vektor-Impfstoffe. Wie sich diese Effekte langfristiger auf die Psyche und das Immunsystem der Geimpften auswirken, wissen wir nicht. Unbekannt ist auch, was geschehen wird, wenn die durch Erwartungen angeregten Konzentration von Hirnhormonen wieder abfallen. Und wie Psyche und Immunsystem später auf neue Herausforderungen reagieren werden: zum Beispiel, wenn künftige Testergebnisse und ähnliche Viren, neue Ängste auslösen werden.

Mehr

Literatur

Freiheit und Geborgenheit

10. April 2021

Freiheit wird genommen. Vertrauen geht verloren.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist das-Recht-auf-Freiheit.jpg

Freiheit

Eigentlich werden Freiheitsrechte in Deutschland im Grundgesetz (Artikel 2) garantiert.

Das ändert sich gerade. Expert:innen glauben, auf der Basis vorläufigen Wissens Maßnahmen empfehlen zu müssen, die Freiheitsrechte einschränken. Gesundheits-Schutz sei vorrangig. Für „härtere“ Zwangsmaßnahmen müsse das Infektionsschutzgesetz sogar noch verschärft werden. (Merkel 08.04.2021) Wie in vielen Ländern nutzen Mächtige die willkommene Gelegenheit, Freiheitsrechte wegzuschmelzen (AI Report 2020/21 – 07.04.2021).

Da es einen „freien Willen“ ebenso wenig gibt wie „wahre Kartoffeln“ (Dörner 2006), kann man „Freiheit“ zwar nicht wegnehmen, wie einen Gegenstand. Aber man kann sehr wirksam, mitleidlos und brutal verhindern, dass sich etwas ungestört entwickeln, gestalten und entfalten kann. (Pink Floyd 14.03.2021)

Es ist leicht möglich Leben einzuengen, und für Angst und Beklemmung zu sorgen. So fördert man die Illusion, alles sei unter Kontrolle. Komplexe Situationen neigen aber dazu „sich zu rächen“ (überraschend in Katastrophen abzukippen), wenn man ihre Flexibilität und Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt. (Tenner 2015)

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand. Charles Darwin

Geborgenheit

Geborgenheit

Der japanische Philosoph Takeo Doi beschrieb das zentrale, handlungsleitende Gefühl: Geborgen zu sein. Er nannte es „Amae“ abgeleitet von „amaeru“: „sich anlehnen, sich verwöhnen lassen“. (Takeo Doi 1982) „Mütterliche Geborgenheit« sei ein innerer Ur-Zustand. Das tiefe Vertrauen in eine sichere Abhängigkeit zu sorgenden nahen Menschen. Werde dieses Gefühl tief verletzt, folge auf „Amae“ die Verzweiflung. Immer dann, wenn ein Lügengebäude in sich zusammenbricht, und zu Vertrauensverlust führt.

„Sich geborgen fühlen“ ist ein Grundbedürfnis. Es widerspricht nicht unserer Sehnsucht nach freier Entwicklungsmöglichkeit. Sondern es ergänzt sie. Der Mensch habe (so Takeo Doi) „ein Recht auf Abhängigkeit“ – ebenso und gleichermaßen wie ein „Recht auf Freiheit“. Amae, die Lust, das fröhliche Baby einer großen Mutter sein zu dürfen, steht nicht im Widerspruch zu persönlicher Entfaltung und Leistung: „Die Mutter darf streng sein, klare Grenzen setzen und sagen, was zu tun ist“. Nur eines darf sie nicht: täuschen und lügen.

Sehnsucht nach Geborgenheit und Freiheit

Wir brauchen beides – gleichermaßen – wie Wasser und Nahrung.

Die Erinnerung an den Schutz im Bauch der Mutter ist körperlich eingeprägt. Auf dieser ursprünglichen Geborgenheit beruht unser Urvertrauen. Die erste Freiheit entsteht durch die elementare Trennung: das Auspressen der Lungen und anschließende Einsaugen von Luft. Durch das Abnabeln. Und durch die weite Öffnung der Arme und Beine für die Welt. Streicht man Neugeborenen sanft über die Außenseiten der Gliedmaßen, kuscheln sie sich in der Geborgenheits-Geste zusammen, und erwarten das Gefühl einer „Gebärmutter-Berührung“ am Rücken (Tragetuch) und die sanfte „Berührung eines Beckens“ an der Kopfhaut (durch eine Hand). Dann aber wollen sie wieder frei sein, sich der Welt weit öffnen und sie begreifen. Was ihnen am besten gelingt, wenn sie auf Schutz und Sicherheit vertrauen können.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist freiheit_geborgenheit-1024x573.jpg

Bilder: Jäger 2021. Puppe Rikepa

Freiheit bedeutet auf der Grundlage, der Kleinkind-Erfahrungen, sich weit öffnen, verletzlich sein, etwas riskieren, mutig die Welt erkunden, neugierig sein.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist offen.jpg

Graphik Jäger 2021. Rechte Skizze: Die Möglichkeit, sich dem was geschieht, lebensfroh und risikobereit zu öffnen. Wird dieses natürliche Gefühl unterbunden, entsteht nicht etwa Geborgenheit und Vertrauen. Sondern Frust, Ärger, Depression, Instabiltät (Skizze links).

Eine Stimmung, die aus Unsicherheit, Angst, Wut, und Hilfslosigkeit aufgemischt wird, ist unerträglich. Daher steigt der Bedarf durch Schein-Sicherheit, durch Rituale oder Produkte, deren Anwendung zelebriert wird mit dem Versprechen, dass alles wieder gut werde. Pharmafirmen forschen daher intensiv an Möglichkeiten, wie ihre kommerzielle Produkte Gefühle mütterlichen Vertrauens auslösen können (placebo-competence.euprograminplacebostudies). Das klappt meist auch wunderbar, bis die Betroffen entdecken, dass sie getäuscht wurden.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist beziehung-1.jpg

Foto Jäger: 2018

Menschen brauchen alles zugleich: Geborgen-sein, Schutz und die Freiheit, das zu entwickeln, was aus uns entstehen will. Dafür brauchen Menschen (besonders dringend Kinder) keine Placebos, sondern offene Kommunikation und sanfte Berührungen (Arte verfügbar bis 31.05.2021, Arte verfügbar bis 28.05.2021, danach über mediathekview möglich)

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Kinder-1024x665.jpg

Foto: Jäger (Tansania 1983) – Zukunftsfähige Kinder: frei, geborgen, neugierig, lebensfroh, schmutzig, zärtlich, verspielt, fröhlich und voller Unsinn im Kopf

Wir müssen dringend wieder in das Leben zurückfinden.

Todesangst, Macht und Gier machen krank.

Mehr

Wo ist der Notausgang?

3. April 2021

„Der Koyote, der – vor dem Wolf fliehend – über die Klippe gesprungen ist,
hat noch nicht nach unten geschaut.“ Indianisch / Nord-Amerika

Alle suchen den Ausstieg …

… hektisch, getrieben, verzweifelt. Und finden ihn nicht.
Trotz Lock-downs, Impfkampagnen und Bazooka-Geballere. (Spiegel 13.03.2020)

„Der große Wumms“ der Bundesregierung im Juni 2020 reichte nicht. Aber jetzt wird nachgeladen:

  • „Die EU-Staaten haben unter dem Eindruck der Corona-Krise einem 750-Milliarden-Euro-Fonds zugestimmt, um die Wirtschaft zu beleben. Doch das Projekt ist zum Scheitern verurteilt. Das Geld kommt viel zu spät und wird kaum für Sinnvolles eingesetzt.“ NZZ 01.04.2021
  • „Mr. Biden rettet die Welt!“ (Zeit 10.03.2021 ; Lancet 20.03.2021). Die Presse ist beeindruckt: Das größte Konjunkturprogramm der Menschheitsgeschichte (mit 1,9 Billionen US$) habe „Ganz schön viel Wumms!“ (Zeit 30.03.2021)
Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist himmel-hilf.jpg
Philosophie-Magazin 02/2021 Februar/März

Das Philosophie-Magazin irrt: „Wer hier eine Gebetsgeste erkennt“, liegt völlig richtig! Gebete stärken den Glauben. Sie liefern Antworten und Gewissheiten. Sie vertreiben Angst und Zweifel. Wichtig ist nur, dass die Priester inbrünstig selber glauben, was sie ihren Schäfchen verkünden. Fotokopie: Philosophie Magazin Philosophie-Magazin 02/2021 Februar/März

Wird jetzt alles wieder gut?

Unwahrscheinlich: Denn gerade schwappt die dritte Corona-Welle, der sicher eine vierte und fünfte folgen wird.

Die „Rufe nach hartem Lockdown“ (dpa 01.04.2021) werden jedenfalls mal wieder lauter, und der Lieblings-Virologe der Kanzlerin droht: „Es bleibt nur der Holzhammer!“ (ZDF 31.03.2021).

In diesen schlimmen Zeiten heiligt der Zweck (der Virusausrottung) die Mittel (der Zwangsmaßnahmen): Kollateralschäden müssen folglich (zwangsläufig) in Kauf genommen werden. Uva. die Wechselwirkungen mit anderen Krisen, die gerade in den Hintergrund treten:

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist economist-07042021-1024x685.jpg

Bild: The Economist vom 07.04.2021: Der Internationale Währungsfond sei optimistisch. Auch international würde „Corona“ Reichen zu mehr Reichtum verhelfen. Leider würden Arme dabei etwas Ärmer werden.

Das Lebensgefüge auf der Erdoberfläche ist krank.

Die umfassende Störung zeigt sich in vielen Teil-Krisen, die miteinander wechselwirken und sich hochschaukeln. Viele, die gerade an diesem siechen Ökosystem herumzudoktern versuchen, verschlimmern den Zustand noch. Ganz so wie mittelalterliche Ärzt:innen, die ihre Kranke manchmal auch zu Tode quälten.

Es sieht nicht so aus, als ob diejenigen, die über die Macht verfügen, das überblicken würden, was sie anrichten. Eher scheinen sie hinter den zunehmend eigendynamischen und zufälligen Entwicklungen hinterher zu rennen. Auch wenn sie sich aufblasen und verkünden, man solle ihrer Führungskompetenz trauen und ihnen folgen.

Politiker:innen verfolgen Problemlöse-Strategien

Sie leiden an Projektitis: Dem Wahn, das alles besser sei, wenn ein „Problembär“ erst einmal erschlagen sei. Dieses Verhalten hat sich in der Steinzeit bewährt, als die natürlichen Ressourcen noch unerschöpflich zu sein schienen. Heute führt es in den Ökosystemen, in denen wir leben, und aus denen wir bestehen, oft zu neuen Krankheiten, die es ohne die Problembekämpfung nicht gegeben hätte. Das liegt daran, dass auch scheinbar vorrangige Ärgernisse sich bei genauerem Hinsehen meist als komplex erweisen.

Dynamische Wechselwirkungen in Systemen sind Physiker:innen seit über einhundert Jahren vertraut. Auch in der Biologie werden sie zunehmend verstanden (Mikrobiom). Nur Politik und Medizin tun sich damit noch schwer. Dort herrscht das Dogma der Einzelfaktor-Bekämpfung, das aus der Zeit der Dampfmaschinen und der imperialistischen Kolonialkriege stammt.

Mit ihren vielen Feldzügen gegen alles mögliche, was sich der Wachstums-Ideologie entgegenstellt, rast die Menschheit gerade zu auf eine evolutionäre Wand. Eigentlich müssten wir uns deshalb intensiv mit Beziehungen, Wechselwirkungen, Interaktionen, Kollateralen, schwachen Wirkungen, Zufällen und Dynamiken in komplexen ökologischen und sozialen Systemen beschäftigen. Denn unsere Spezies steckt gerade einer fundamentalen Krise. Bei Bakterien sterben bei solchem evolutionären Druck die meisten Exemplare ab. Nur sehr wenige, die sich, neu angepasst völlig anders verhalten, kommen durch, und vermehren sich dann wieder in anderen Zusammenhängen.

Bei der Entwicklung der Menschheit war es ähnlich. Wir stammen von sehr wenigen Ur-Ur-Großeltern ab, die deshalb eine oder mehrere Katastrophen überlebten, weil sie in der Lage waren, völlig neuartige Verhaltensweisen in die Evolution einzubringen.

Heute sind wir die einzigen (uns bekannten) Lebenswesen, die solche Zusammenhänge erkennen könnten. Und die sich deshalb bereits vor der drohenden evolutionären Katastrophe radikal anders verhalten könnten.

Ist Covid-19 „einfach“ nur ein Virus?

Davon geht die Politik jedenfalls aus. Man verhindert die Übertragung von Covid-19, und hält das Virus durch Medizinprodukte fern. Dann wird alles sein wie vorher … (rechtzeitig zur Bundestagswahl?).

Diese Art mechanischen Denkens gleicht den Vorstellungen, wie sich die NATO die Befriedung Afghanistans vorstellte: Man benannte die Terroristen, spürte sie auf, isolierte, bekämpfte und vernichtete sie … ganz einfach. Nur war man dort nicht besonders erfolgreich (trotz des Abwurfes der „Mutter aller Bomben“).

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist RoW-Ippen-1.jpg

Tägliche Leitartikel zur viralen Katastrophe, zu der es glücklicherweise viele Produkte zu kaufen gibt, die freundlicherweise auch gleich alle genannt werden. RKZ 11.03.2021 mit dpa-Artikeln

In der Realität sind Zusammenhänge verwoben

Bei Menschen ist der sozio-ökonomische Status einer der stärksten Einflussfaktoren für Gesundheit und Sterblichkeit. Die soziale Schicht schränkt die Lebenschancen ein. Armut bewirkt oft ein niedrigeres Bildungs- und Einkommensniveau, und führt zu höherer Arbeitslosigkeit. Die Gesundheit liegt also nicht allein in den Händen des Einzelnen, sondern ist abhängig von der Umwelt und den Bedingungen, unter denen Menschen leben und arbeiten. (Lancet 2021)

Es sind globale Gesundheits-System-Störungen („Syndemien“), die bestimmte Menschen für virale „Pandemien“ empfänglich machen: Neben Armut, Krieg, Elend, Umweltverdreckung (Feinstaub u.a.) sind es vor allem Über- und Unternährung. Und natürlich auch die jetzt schon spürbaren Veränderungen der Klimakatstrophe (Lancet 2019).

Von erhöhter, durch Covid-19 verursachter Sterblichkeit, sind besonders Länder betroffen, bei denen die Zahl der Fehlernährten und Fettsucht-Kranken besonders hoch ist.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Covid19-highest-deathrates.jpg
„Covid-19: Höchste Todesraten werden in Ländern gesehen mit besonders übergewichtigen Bevölkerungen.“ BMJ 2021; 372:n623

Ähnlich gut untersucht sind die Risikofaktoren Stress und Schlafmangel. Folglich sollte, wer seine Chancen steigern möchte, Covid-19 ohne Schäden zu überstehen (unabhängig von medizinischen, hygienischen Maßnahmen)

  • sich viel und entspannt bewegen,
  • stress-arm leben und ausgiebig schlafen,
  • sich gesund ernähren (Mangel ausgleichen / Überernährung abbauen),
  • sich dem Sonnenlicht aussetzen,
  • und nicht rauchen.

Sind die zurzeit getroffenen Maßnahmen bezogen auf die Virusverbreitung effektiv?

Das ist umstritten.

Eine Arbeitsgruppe erfahrener Experten öffentlicher Gesundheitsversorgung bezweifelt es. Sie stellt immer wieder alternative Vorschläge vor, die aber bei den Entscheidungsträger:innen offenbar weder diskutiert noch gehört werden: Schrappe 21.03.2021 und 11.03.2021.

Viele der getroffenen Maßnahmen beruhen auf einem politisch-zurechtgebogenen Zahlen-Geschwurbele, das Laien nur schwierig durchschauen können (Unstatistiken 2020 / 2021).

Ob in einem komplexen Zusammenhang (wie bei einer Virusinfektion) etwas geschieht, kann an Wechselwirkungen vieler Faktoren liegen. Und das ist durch Interpretation weit auslegbar.

  • Bei „Verstorben und positiv auf Covid PCR-Testet!“ ist es einfach:
    „Sie oder er ist an Covid verstorben!“
  • Bei „Verstorben nach Covid-Impfung?“ dagegen überhaupt nicht:
    Dann handelt es sich vermutlich um ein „zufälliges Zusammentreffen!“ oder „Sie oder er wäre in dem Alter wohl ohnehin gestorben!“

Der tatsächliche positive oder negative Vorhersagewert eines Tests hängt nicht allein von seiner operativen Genauigkeit ab. Maßgeblich ist auch die Vortestwahrscheinlichkeit, die angibt, wie hoch das geschätzte Risiko für eine Erkrankung vor dem Test ist. DÄB 24/2020

Die STIKO schrieb auf Anfrage am 26.02.2019, dass sie Postmarketing-Studien bei der Covid-Impfung für „unethisch“ hielte, und deshalb nicht durchführen könne. Obwohl es natürlich alternative Studien-Designs gäbe, um Nicht-geimpfte und Geimpfte zu vergleichen. Wenn aber solche vergleichenden Studien nicht gewollt sind, müsste man jede/n Tote/n nach Impfung obduzieren. Dann sähe man übersteigerte Immunreaktionen (als Impfnebenwirkung) oder andere Todesursachen. Das erfolgt aber ebensowenig.

Wir tappen also zu Nutzen und Risiken der laufenden Impfkampagne im Dunkeln. Wenn man aber in eine, sich gerade ausbreitende, Infektion hinein-behandelt (mit Antibiotika oder mit Impfungen), und dabei die gefährlichen Keime nicht alle gleichzeitig ausrotten kann, entstehen Resistenzen. Und die sind dann erfahrungsgemäß bösartiger. (Guardian 30.03.2021, Vanden Bossche)

Durch die laufenden hygienischen und medikamentösen Bekämpfungs-Maßnahmen, könnte sich die Situation also durchaus verschlimmern. Insbesondere dann, wenn sich neue Virus-Mutationen oder andere Viren (wie Influenza) verbreiten, die Immunsysteme befallen, die hinsichtlich der jährlich umlaufender Atemwegsinfektionen untrainiert sind.

Letztlich geht es um Biologie: Um die Dynamik instabiler, lebender Systeme.

Physikalische Gesetze sind ziemlich sicher. Und auch eine biologische Erfahrung halte ich für robust: dass Kooperationen zu evolutionären Erfolgen führen können (Beispiel: Das Ökosystem des Zell-Inneren).

Anders als Viren und Bakterien, könnten wir diese Gesetzmäßigkeit erkennen, und uns anders verhalten, um z.B. vom Schädling (Typ Cholera ) zu einem Teil eines blühenden Ökosystems zu werden.

Aus meiner Sicht bieten sich für viele der hier genannten Krisen zwei grundlegend verschiedene Strategien an:

  • Alle Varianten, Mutanten, Pathogene, Krebszellen, Wachstumsverhinderer, und auch alle anderen Feinde & Terroristen (da draußen) identifizieren, isolieren, umbringen, ausmerzen, abwehren, durch Stacheldraht weghalten, totschlagen, für immer vernichten … einen nach dem anderen, bis sie alle mause-tot sind … und wir dann mit ihnen.
  • Oder gemeinsam sozial und ökologisch-friedfertige Visionen und Strategien entwickeln, wie wir als Superorganismen (aus Viromen, Mikrobiomen, Zellen ..) in übergeordneten lebenden Ökosystemen nutzbringend gedeihen könnten.

Der Finanzmathematiker Nassim Taleb beschrieb drei Trugschlüsse bei Interventionen in komplexe (lebende) Zusammenhänge, wie sie gerade stattfinden:

  • die Illusion, die gegenwärtigen Ereignisse zu verstehen,
  • die retrospektive Verzerrung zurückliegender Ereignisse,
  • die Überbewertung von Sachinformation, in Kombination mit der Überschätzung der Intelligenz und der Macht der intellektuellen Elite.

Diese Ansicht teile ich, und ich wünschte mir, dass in Politik und Medizin nicht überstürzt gehandelt würde. Und, dass man aus Fehlern lernen würde. Und, dass man sich am Vorsorgeprinzip orientierte (Nicht schaden). Und das Vorsorgeprinzip nicht umkehrte. Und, dass man für kritische, neutrale, unabhängige Bewertungen sorgte.

We believe that in the absence of manifest danger, all-out action was a mistake. Beforehand … and … after the decision. … the thing that was needed was a day around the table brainstorming Murphy’s Law: ‚If anything can go wrong it will!‘ When decisions are based on very limited scientific data, the Ministry should establish key points at which the program should be re-evaluated. (Neustadt 1978, Zitat eines Beteiligten an einer Regierungskommission, die 1976 die Swine-Flu Katastrophe in den USA untersuchte.

Kein Fazit – nur Fragen

Ich bin weder Experte noch Besserwisser. Schon gar nicht bei Dynamiken, die ich nicht mehr überschauen kann. Je mehr ich lese, höre, sehe, und versuche das zu verstehen, was andere gesehen, gehört oder gelesen haben, desto weniger weiß ich. Und dann frage ich: offen, ungläubig, neugierig, staunend, mich vorsichtig weiter tastend, und versuchte etwas zu begreifen.

Lob der Kritik: Freie Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie Widersprüche aushalten. In der Corona-Krise darf diese Fähigkeit nicht verloren gehen. Sie ist systemrelevant … Sie kann Kraft zur Entwicklung guter Lösungen entwickeln. Heribert Prantl, SZ 3.-5. April 2021

Todes-Angst

Vermag mich der Tod nicht mehr zu schrecken, was sollte mich dann Verlust noch ängstigen?
Shenzi (385-337 vuZ) Philosoph und Politiker

Die Visionen des Westens sind überschaubar

An der Börse sei die Stimmung gut, sagt man, denn viele Großunternehmen profitierten in den Corona-Zeiten.

Auch diese zyklische Krise des Kapitalismus, werde, wie alle vorherigen, den Markt nur bereinigen. Das sagen uns die, die wissen, wie man krisensicher Geld vermehren kann. Auch jetzt in der Talsohle stünden wir am Beginn einer neuen Wachstumswelle. Der Neo-Kapitalismus des „Neuen Normal“ werde sich – grün, nachhaltig, digital und gesund – stabilisieren und immer gigantischer aufblasen.

Mich erinnert dieser kommerzielle Optimismus an eine alternde Sonne, die ihre letzten Energiereserven verbrennt. An einen Stern, der sich noch einmal riesig aufbläht, bevor er irgendwann zum weißen Zwerg zusammenschrumpfen wird.

Es ist möglich, dass diese Bestimmungen angesichts der ethischen Inkonsequenz unserer Regierenden
von der gleichen Angst diktiert werden, die sie zu provozieren beabsichtigen.

Es ist schwierig, nicht zu denken, dass die Situation, die sie schaffen, genau das ist, was diejenigen, die uns regieren, immer wieder versucht haben zu erreichen: dass Universitäten und Schulen ein für alle Mal geschlossen werden und der Unterricht nur noch online stattfindet, dass wir aufhören, uns aus politischen oder kulturellen Gründen zu treffen und zu reden und nur noch digitale Nachrichten austauschen, dass,
wo immer möglich, Maschinen jeden Kontakt – jede Ansteckung – zwischen Menschen ersetzen.

Giorgio Agamben, 11.03.2020) Weitere Texte: „An welchem Punkt stehen wir?“ Turia 2021, ISBN 9783851329964

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Gerd-Trostmann.jpg

Bild „Farbe“, Gerd Trostmann, 1998

Dem Westen ist der Sinn verloren gegangen.

Angesichts von Klima- und Umweltkrise fehlen den Regierungen der großen westlichen Industrieländer Visionen für eine lebenswerte, ökologisch-nachhaltige, friedliche Zukunft der Menschheit.

Das ist gefährlich, weil die Spaßgesellschaft, die für „Brot und Spiele“ sorgte (möglichst unbemerkt und geräuschlos) von angepasster Bravheit abgelöst werden wird. „Mainz wie es singt und lacht“ wird künftig wohl im Wohnzimmer stattfinden. Damit die Gesellschaft (die sozial immer mehr auseinanderdriftet) trotzdem zusammenhält, braucht es einen Ersatz. Eine Art Kit, der aus digitaler Ablenkung und Todes-Ängsten gemischt wird.

Oder ein klebriger Brei, der aus Produkten der digitalen Tranfomation, der medialen Durchdringung und der religiösen Medikalisierung zusammengekocht wird. In einem Topf der Geborgenheit vermittelt:weil er vor allen Feinden schützt, die uns von außerhalb bedrohen.

„… unsere Gesellschaft glaubt an nichts mehr außer an das nackte Leben.“
Giorgio Agamben NZZ 18.03.2020

Seuchen weisen – mitleidslos und brutal – auf mangelhafte Fähigkeiten, sich flexibel an neue Situationen anzupassen.

Seuchen gehören zur Evolution.

Bei einzelnen Organismen oder bei Gesellschaften gehen einer explosionsartigen Vermehrung von Infektionskrankheiten empfindliche Störungen voraus: der natürlichen Vielfalt der inneren Funktionen oder der umgebenden Ökosysteme.

Allein mit todes-angst-getriebenen Bekämpfungen einer Seuche ist es deshalb nicht getan: Denn entsteht keine neue elastische Widerstands- und Beziehungsfähigkeit, wird die nächste Epidemie weiter-bestehende Krankheiten oder Verfallserscheinungen verschlimmern.

Now let’s end pandemics forever!
Motto der „Coalition for Epidemic Preparedness“ Cepi am 12.03.2021.
Die Entwicklungszeit für neue Impfstoffe soll auf 100 Tage gedrückt werden, durch zusätzliche 3,5 Milliarden Dollar aus öffentlichen Mitteln. (NZZ 10.03.2021)

Erfolgreiche Lebensformen verhalten sich kooperativ

Aggressive Formen der Cholera-Erreger, die ihren Wirt umbringen, sind evolutionär nicht erfolgreich. Sie sterben aus. Langfristig setzen sich Varianten durch, denen es gelingt, sich friedfertig und nützlich in einen neuen Wirtsorganismus zu integrieren (Ewald 2007)

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Ewald.jpg

Bild: Paul Ewald: Können wir Keime domestizieren? TED-Vortrag 2007

Naturwissenschaftlicher Erkenntnis zum Trotz, quält uns die Kriegsmedizin des 19. Jahrhunderts bis heute. Mit ihrem quasi-religösen Glaube, dass es erfolgversprechend sei, alle „Feinde, die uns mit dem Tod bedrohen, zu benennen, zu isolieren,zu bekämpfen und zu vernichten!“. Und dass es – wie bei jeder Todesstrategie – notwendig sei, dem Leben Kollateralschäden zuzumuten.

Die Feinde der Kriegsmedizin stehen „da draußen“! Sie erscheinen schicksalhaft. Scheinbar völlig unabhängig von der Art unseres Verhaltens und vom Zustand unserer Verhältnisse. Und Sterben kann nur verhindert werden, wenn man das tut was man soll. Und wenn man Produkte konsumiert, die dafür sorgen sollen, dass alles wieder gut wird.

Gelänge es CEPI tatsächlich, alle uns heute bekannten globalen Viren durch hoch-effektive Impfstoffe auszurotten, dann eröffneten sich evolutionäre Lücken für neue Viren, die wir noch nicht kennen.

Ganz ähnlich ist es mit der Anwendung von Antibiotika. Sie können Leben retten. Aber auch die effektivsten Bakterienvernichter züchten die Bakterienstämme, die gegen genau diese Medikamente resistent sind. Deshalb entwickeln sich Pandemien antibiotikaresistenter Mikroorganismen (WHO 2020). Auf Covid-19 trifft das gleiche zu. Im Gemisch der weltweit verbreiteten Virusvarianten, werden sich die durchsetzen, die sich schnell (von Gesunden auf Gesunde) verbreiten können, und die von den Impfstoffen nicht erfasst werden. Wie auch bei den jährlichen Influenza-Pandemien.

Todesstrategien („etwas ausrotten“) sind in der Evolution selten erfolgreich, zumindest nicht auf lange Sicht. Dagegen entwickeln sich flexibel-angepasste, friedvolle, sich-selbst-regulierende Ökosystemen dynamischer. Zum Beispiel gäbe es uns sonst nicht. Denn unsere Körperzellen stammen von einem Kampf ab der beigelegt wurde. Statt sich gegenseitig zu vernichten schufen Urzellen und Minibakterien eine Einheit, in der beide untrennbar zusammenwirken und doch jeweils Eigenständigkeit bewahrten (s. Ökosystem Zelle)

Gab es vor Covid-19 noch andere Probleme?

Eigentlich müssten unsere Gesellschaften den Warnschuss „Covid-19“ zum Anlass nehmen, das Verhalten und die Verhältnisse so verändern, dass sich unseren Gesellschaften neue Chancen eröffneten. Angesichts der übergeordneten Umwelt-, Sozial- und Finanzkrisen.

Eigentlich müsste auf allen Ebenen debattiert werden, wie Menschen sich von todbringenden Hautkrankheits-Erregern der Erde-Oberfläche zu nützlichen, fröhlich-lebensbejahenden Organismen wandeln könnten. Die fähig wären, friedlich, in stabilen, artenreichen Ökosystemen zu leben.

Greta’s Schrei „Ich will, dass ihr in Panik geratet!“ verhallte folgenlos. Von Panik keine Spur. Denn es gab plötzlich viel wichtigeres: einen unmittelbaren Feind, der jetzt sofort „bekriegt“ werden musste (Macron 16.03.2020). Die unmittelbare Todes-Drohung (Leichentransporte in Bergamo!) erwies sich als ungleich wirksamer, als rationale Gedanken an ferne Lebenswelten, die ohnehin nur die Eisbären und die Enkel anderer Leute betreffen würden.

Wir brauchen Lebensmut statt Todesangst!

„Der Tod ist uns ein Nichts, denn was der Auflösung verfiel, besitzt keine Empfindung mehr. Was aber keine Empfindung mehr hat das kümmert uns nicht. Solange wir da sind, ist der Tod nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht mehr. Folglich betrifft er weder die Lebenden noch die gestorbenen, denn wo jene sind ist er nicht und diese sind ja überhaupt nicht mehr da. Freilich, die große Masse meidet den Tod als das größere Übel …“
Epikur 341-270 vuZ. Philosoph (Kröner Verlag 1973)

Der Tod kann nichts wegnehmen, von dem, was bereits geschehen ist. Alles was er „entfernen“ könnte, ist bereits verschwunden, weil es wie alles Vergangene nicht mehr ist. Was wir gestern waren, ist schon gestorben. Nicht einmal Gegenwart existiert für uns, weil alles, was unsere Sinne wahrnehmen und verarbeiten, bereits geschehen ist. Über unser „Ich“, dessen Tod wir fürchten, können wir nur Geschichten erzählen, die wir aktiv erinnernd mehr oder weniger ausschmücken.

Das einzige was wir tatsächlich erleben, sind Entwicklungen in die Zukunft. Wir erfahren die Ergebnisse dessen, was gerade neu entsteht. Leben bedeutet wachsen, wandeln, neu entstehen. All das kann man verhindern: brutal hart, unbarmherzig. Aber man kann nicht nehmen, was nicht „ist“. Eigentlich ist es nicht die Todes-Illusion, die uns ängstigt, sondern die Sorge vor der stetigen Veränderung des Leben.

Alles wird. Solange noch Energie verfügbar ist. Und dafür kann man sorgen:

Es ist die Bewegung, die Körper und Geist gesund erhält. Fließendes Wasser fault nicht.
Türen und Angeln werden nicht wurmstichig, denn sie bewegen sich.
Gleiches gilt für Körper und Geist.
Lü Buwei (Kaufmann, Politiker, Philosoph) 300-235 v.u.Z.

Warum ist die Todes-Angst nur so mächtig?

Und die Lebenslust so schwach?

Ich spreche vom Licht
von Fereydoun Moshiri (1926-2000) Übersetzung aus dem Persischen von Afsane Bahar; 2013

Jeden Morgen, sobald das Sonnenlicht über den fernen Bergen emporsteigt, breite ich die Flügel aus,
flinker als die Brise; lasse die Botschaft der Morgendämmerung fliegen, Ich erzähle vom Licht, vom Licht, von lebendigem Leben, von frischem Atem, von neuem Dasein, vom Stolz.

Aber im Gedränge der Straße verlieren sich meine Stimme und meine Lieder. ... Fremd mit diesem ganzen kalten Gerede rufe ich weiterhin geduldig die Menge der Schlafenden mit Liebe, Freude, Leidenschaft. Die Botschaft der Morgendämmerung lasse ich fliegen. Wohin ich auch gehe, spreche ich diesem und jenem ins Ohr, sogar im Gedränge der Straße, vom Licht, vom Licht

Mehr

Dauerwelle?

„Jährlich neue Impfkampagnen!
Corona-Mutanten schaffen Milliarden-Markt.“ NTV 09.02.2021

Die Kombination „jeweils angepasster PCR-Tests“ und „mRNA“ wird das aktuelle globale Geschäft noch lange am Laufen halten. Spätestens, bis die Influenza wieder auftaucht. Dann wird auch gegen ihre neuen Viren mit PCR getestet werden. Und so ein Bedarf geschaffen für neue Marketing-Kampagnen.

mRNA-Impfungen werden infolge globaler Massen-Austestungen bald als normal akzeptiert werden. Sie sind anpassungsfähiger (an die Veränderungen ihrer jeweiligen Ziele) als konventionelle Protein-Impfstoffe: und damit langfristig profitabler.

Wenn die Produktionsanlagen für die mRNA-Technologien erst einmal (öffentlich finanziert) fertig gestellt sein werden, wird es vermutlich erst richtig losgehen: mit „Präzisions-Onkologie“ oder „Alzheimer-Impfstoffen“.

Also mit dem Verkauf der Illusionen des Schutzes gegen alles, womit Angst erzeugt werden kann. Kommerziell Uninteressantes wird im Medizinbusiness zunehmend verdrängt werden:

  • Armuts- und Zivilisationskrankheiten,
  • Entwicklungsstörungen und -verzögerungen,
  • psychisches und körperliches Leiden,
  • Verhaltens- und Verhältnisprävention, und natürlich
  • Gesundheit im Sinne mangelnder Nachfrage nach Medizinprodukten.

Ärzt:innen & Gesundheitsinstitutionen werden zunehmend von Treibern der Kommerzialisierung (die verschreiben, was auf dem Kugelschreiber steht) zu Getriebenen. Sie werden (immer mehr) nur noch tun, was sie müssen. Und überwiegend schweigend brav mit-machen, um auch etwas vom Health-2.0-Kuchen abzubekommen.

Bei machen Ärzt:innen kriecht allerdings bereits die Angst hoch, abgeschafft zu werden, weil sie viel zu teuer sind für Health-2.0: Diplom-Mediziner:innen (ausgestattet mit weißen Kitteln & Stethoskop) können im Impfzentrum sicher einen ebenso guten (und damit wirksamen) Eindruck machen beim Pieksen: Aber zu wesentlich geringeren Kosten.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Schrappe-Corona-Strategie-1024x600.jpg

Initiativen zur Corona-Strategie

Werden angesichts der Kommerz-Dauer-Wellen die Argumente kluger Mediziner:innen für einen „Strategiewechsel“ Gehör finden?

Ich bezweifle es:

Denn rational-kritische Wissenschaft, die „Für und Wider“ abwägt, ist viel zu komplex. Deshalb ist das deutsche Gesundheitsministerium auch nicht in der Lage, einen Aufklärungszettel für die Covid-Impfung zu schreiben. Es überlässt diese Aufgabe lieber einer intransparenten Briefkastenfirma: dem „Grünen Kreuz“. In dessen Text zur Impfung steht folglich all das nicht drin, was man nicht weiß:

  • Wechselwirkungen zwischen mRNA und menschlichem Erbgut in der Zelle (den Mitichondrien)
  • Risiken nicht neutralisierender Antikörper (Antibody dependant enhancement)
  • Risiken von PEG-Nano-Partikeln in Zellen und Organen

Die Entscheider:innen dieser Kampagnen und die verängstigen Gläubigen, die sich nach Sicherheit sehnen, interessiert das alles nicht.

Ich vermute, Ivan Illich hatte nicht Unrecht, als er 1977 schrieb, der Medikalisierungs-Albtraum könne nur enden, wenn die Mehrzahl der Betroffenen einfach nicht mehr mitmache.

„Ich hoffe, dass die Gesellschaft aufwacht!“
Heribert Prantl: Berliner Zeitung 30.01.2021

Mehr

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist agamben.jpg

Zitat: Dass es sich hierbei um keinen vorübergehenden Zustand handelt, wird von den Regierungsvertretern selbst bestätigt, indem sie nicht müde werden, zu wiederholen, dass das Virus noch unter uns sei und die Epidemie jederzeit wieder ausbrechen könnte. … Angst ist das politische Herrschaftsinstrument. … Die Dinge werden furchterregend, weil wir ihre Zugehörigkeit zur Welt vergessen. … Deshalb müssen wir zurück zur Wirklichkeit! .. Das unsichtbare Ding, das mich in Schrecken versetzt, ist gewöhnliche Realität wie ein Baum, ein Bach oder ein Mensch … Die Pandemie, welche die ganze Gesellschaft in Schach hält, bietet eine unerwartete Gelegenheit, ein Volk von Untertanen noch enger zu überwachen … Wir werden nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Wir werden nicht mehr die Augen vor der Misere verschließen können, in die uns die Religion des Geldes und die Blindheit der Entscheidungsträger gestürzt haben. Giorgio Agamben 2021

Chaos managen (statt bekämpfen)

19.01.2021

Herausforderungen, zur Verhinderung einer grässlichen Zukunft, werden unterschätzt: Das Ausmaß der Bedrohung für die Biosphäre und all ihre Lebensform – einschließlich der Menschheit – ist so groß, dass es selbst für die am besten informierten Expert:innen schwierig zu verstehen ist – die Umweltzerstörung ist unendlich gefährlicher für die Zivilisation als Trumpismus oder Covid-19″ Sinngemäß übersetzt aus: „Underestimating the Challenges of Avoiding a Ghastly FutureBradshaw Front. Conserv. Sci., 13.01.2021.

Ein Problem kann man bekämpfen.

Bei vielen Problemen wäre es sinnvoller, sie zu managen.

Wir stecken in der Klemme.

Ressourcen der Biosphäre werden dynamisch zerstört.

Das Klima heizt sich auf. Meere, Böden und Trinkwaser verdrecken. (Bradshaw, 2021)

Der Raum für alle Lebensformen der Erde (uns eingeschlossen) wird enger. Einige Wissenschaftler:innen diskutieren bereits über ein „Ende der Evolution“ – wie wir sie kennen. (Glaubrecht 2020, Jorion 2018, 2020)

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist future2-1.jpg

Scan: „Actuel Novapress“ No. 137 (25), Ron Cobb 1937-2020, cartoon: 1968
Die Bedrohung der Biospäre wird seit einem halben Jahrhundert diskutiert. Konsequenzen? Fehlanzeige!

Die globale Krise des Wirtschaftssystems

Seit 2008 blähen sich immer größere Finanzblasen auf. Die Bilanzen der EZB (Europäische Zentralbank) und der FED (Federal Rexerve System) der USA) sind voll von Risikopapieren (Derivaten), nicht marktgängigen (derzeit unverkäuflichen) Staatsanleihen und Kreditaufnahmen.

“Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” EZB Präsident Maria Draghi, 26. Juli 2012

Draghi irrte. Es reichte nicht.

  • Ab Früh-Herbst 2019 blähten sich die Bilanzsummen der EZB und der FED in einer bisher ungeahnten Geschwindigkeit auf.
  • Ab Februar 2020 beschleunigte sich die weitere Ausdehnung durch die diverse finanzielle „Corona“-Rettungsprogramme.
Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist balace-sheets.jpg

Bild: Links Staatsanleihen der EZB (Bild: www.ecb.europa.eu/pub/annual/balance/html/index.en.html), und rechts der FED (USA) 2008-2021. Bild: www.federalreserve.gov/monetarypolicy/bst_recenttrends.htm

Die Finanzkrise sorgt für eine Marktbereinigung: Wie in der Evolution eröffnen sich Lücken für einige Großunternehmen (in Deutschland u.a. Lidl, Aldi, SAP, ..), in die sie jetzt wuchern. Andere sterben ab, spätestens dann, wenn sie nicht mehr staatlich gestützt werden. (Schick 2021)

Sollten die Finanz-Blasen platzen, werden einige Gesellschaften und Staaten instabil werden. Denn viele leiden zusätzlich an einem gesellschaftlichen Spaltpilz: Die Reichen werden immer reicher, und Armen ärmer. (Tagesschau 22.10.20)

Die absehbaren Strategien, das überkommene Wirtschaftssystem nach einer „Bereinigung der Märkte“ in einem „Neuen Normal“ durch neues „nachhaltiges“ Wachstums zu stabilisieren, werden die Umwelt weiter zerstören.

Aber die weitere Verknappung der natürlicher Ressourcen wird, ebenso wie die dadurch ausgelösten sozialen Verwerfungen, die Möglichkeiten zur weiteren Profitmaximierung langfristig begrenzen.

Angesichts innerer Verfallserscheinungen wurden und werden immer wieder Kriege ausgerufen, gegen Feinde, die sich gerade anbieten. Das führt dann zu einem vorübergehenden Aufschwung einer Kriegswirtschaft, die wirksame Munition produziert. Aber auch solche Blasen kollabieren erfahrungsgemäß, wenn das Limit der Ausdehnung erreicht wird. Entschlossene Rufe, wie „Wir sind im Krieg!“, sind daher immer auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit.

… Momentan beruhigen sich alle damit, dass der Impfstoff uns alle alsbald retten könnte. Bezogen auf das Finanzsystem ist das jedoch nur die nächste Illussion. Denn ohne fundamentale Änderungen steht hier nur eines fest: Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt.“ Schick 2021

Die dritte Katastrophe: Covid-19

Wie die ersten beiden Krisen hat auch die SARS-CoV-2-Pandemie etwas mit menschlichem Verhalten zu tun. Neue Viren fallen nicht vom Himmel wie Meteoriten: Die Wahrscheinlichkeit ihres Auftauchens steigt u.a. mit dem Rückgang der Artenvielfalt, der Abholzung, der Umweltverdreckung und der Dynamik chemisch-industrieller Landwirtschaft. (Wallace 2020).

Zudem machen neue Viren nicht nur krank, sondern sie verweisen ebenso auf bestehende Krankheiten. Viele, die mit ihnen in Berührung kommen bleiben gesund.

Die Verbreitung des tödlichen Ebola-Virus ist z.B ein Anzeichen für kranke „Gesundheits“-Systeme. Covid-19 spiegelt eine abnehmende Fähigkeit bestimmter Personen auf neue Herausforderungen effektiv zu reagieren (bedingt durch vorgeschädigte Organe, übererregtes Immunsystem, Alter, Übertherapie, Adipositas, Bewegungsmangel uva.). Oder die Tatsache, dass viele Menschen in krankmachenden Verhältnissen leben müssen (u.a. mit Feinstaub).

Es läge deshalb nahe, sich nicht nur auf die Bekämpfung des Virus zu konzentrieren. Sondern sich ebenso intensiv zu fragen, was getan werden muss, um Gesundheit zu fördern: durch geeignetes Verhalten (Bewegung, Schlaf, Ernährung, u.a.) und geeignete Verhältnisse (Schutz älterer Menschen u.a.).

Im Zusammenhang mit diesen, zurzeit drei, fundamentalen Krisen entwickeln sich weitere:

  • Entwicklungsverzögerungen bei Kinder (Bewegungs- und Sprach-Kompetenz, Handfertigkeiten, soziale Fähigkeiten uva)
  • Zunahme psychiatrischer Erkrankungen,
  • Epidemien von Adipositas, Diabetes, Immunstörungen uva.,
  • weiteres Aufklappen der Schere zwischen Arm und Reich,
  • Demokratieabbau,
  • Gesundheitliche Folgen der Medikalisierung aller Lebensbereiche
  • und viele andere.

„Ein gesundheitlicher Notfall dieses Ausmaßes erfordert einen strategischen und systembasierten Ansatz.“ – „A health emergency of this scale requires a strategic and systems-based approach.“ BMJ 08.01.2020)

Ein Problem vernichten?

Die gängige Strategie angesichts vieler Probleme ist es (wie jetzt in der „Corona-Krise“):

  • eines herauszugreifen, und
  • es der Einfachheit halber (gedanklich), von allem anderen zu trennen.

Ist ein Problem dann erst einmal definiert (zum Beispiel die Verbreitung eines Virus), werden Strategien entwickelt, die das Problem isolieren, eingrenzen und ultimativ beseitigen sollen. Damit soll erreicht werden, dass die Welt nach der Problemlösung so sei, wie sie vorher gewesen war.

Das wird sich auch bei Covid-19 als Illusion erweisen. (Schrappe 10.01.2021) Die verzweifelten Rufe nach immer radikaleren Lösungen, die die „Dauerwelle“ wegzaubern sollen, werden unsere Chancen nicht erhöhen, die anderen beiden großen Krisen zu überleben.

Pat-end-lösungen, mit immer härteren Lockdowns, werden unter anderem immer heftigere Kollateralschäden bewirken, besonders bei Kindern.

Die scheinbar radikale Forderung nach „Zero-Covid“ im Rahmen eines „solidarischen“ Lockdowns, macht allein aus biologischen Gründen keinen Sinn: Denn die Viren sind da, sie verbreiten sich (schneller oder langsamer) weiter, und harmlosere Varianten, die ihren Wirt nicht umbringen, werden bessere Verbreitungschancen haben. So wie bei jeder Virusinfektion. Ein „Null“ kann und wird es daher nicht geben. Die Menschheit wird auch mit diesem Virus leben müssen.

„Ein solidarischer Lockdown ist ein Etikettenschwindel. Dahinter verbirgt sich die Forderung nach einer Verschärfung der Umverteilungspolitik von unten nach oben. … mit ihrem Appell (gießen sie) Öl ins Feuer einer zutiefst unsozialen Politik, die sich weit von demokratischen Prinzipien entfernt hat.“ Multipolar 18.01.2020,

Als Folge der absehbaren Dauer-Lock-downs werden die Fähigkeiten, neue Herausforderungen flexibel zu bewältigen (Resilienz), weiter sinken lassen; insbesondere bei Kindern. Kriege „gegen irgendetwas“ (z.B. Krankheit), führen eben nicht zwangsläufig zum Frieden (zu Gesundheit).

Sich auf die Apokalypse vorbereiten?

Der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist Europa und Nordamerika der ideologische Überbau abhanden gekommen. Die entfesselten Märkte werden weder von Religionen noch von Staaten kontrolliert. Angesichts der unübersehbaren Krisen, denen keine langfristiger Perspektiven gegenübergestellt werden, schwindet das Vertrauen der Bevölkerung in die Weisheit der Mächtigen. Viele basteln sich zurzeit ihr eigenes Weltbild, oder sie laufen anderen hinterher, die einfache Lösungen zu bieten scheinen.

Eines der vielen unguten Phänomene dieser Art ist die Modebewegung der „Prepper“, die sich auf den „Weltuntergang“ vorbereiten (ZDF 17.09.2020, NDR 23.05.2018).

Das Spektrum solcher Bewegungen reicht von harmlos bis faschistoid.

Solange es sich noch gut leben läßt, im reichen Norden, werden auch die „Prepper“ im Lockdown noch brav nach Hause gehen, wo ihre Vorräte lagern. Wenn sie sich aber abgekoppelt fühlen von der Gesellschaft, könnten sie rebellieren. Zum Beispiel, wenn sich die Wirtschaftskrise verschärfte oder eine Finanzblase platzte. Einen unorganisierten Mob wird man dann mit bewaffneter Staatsmacht noch relativ einfach unterdrücken können (CNBC 13.01.2021) . Aber auch Massenpsychosen?

‚Messes‘ managen?

Komplexe Probleme werden im Englischen als „mess“ bezeichnet: als Chaos oder Durcheinander.

Manche Probleme erscheinen (besonders mit Tunnelblick) relativ einfach und isoliert zu sein. Mit etwas Ruhe und Abstand kann man dann aber Wechselwirkungen und Beziehungen erkennen. Verschiedene zusammenhängende Probleme erscheinen dann nicht mehr unabhängig voneinander: Vielmehr wird bewusst, dass sie in der Realität dynamisch interagieren, und so zufällig völlig neue Situationen schaffen.

Einzelne Probleme existieren nur als willkürlich aus komplexen Situationen herausgegriffene Erscheinungen: Sie sind immer Anteile oder Aspekte größerer Zusammenhänge.

Problem-Komplexe („messes“) lassen sich nicht durch Optimierung einzelner Probleme verbessern. Stattdessen ist es notwendig, eine Situation wahrzunehmen und zu akzeptieren, wie sie sich in ihrer Gesamtheit (mit allen Aspekten) darstellt und entwickelt. Erst dann kann man sich ihr anpassen und sie begleiten, einfluss-nehmend und, im günstigen Fall, auch lenkend.

Etwa wie ein Kapitän, der Wolken, Wind, Wellen und den Zustand seines Schiffes gleichermaßen beachtet und unaufgeregt-überlegt handelt.

Bei neuen komplexen Problemzusammenhängen (die z.B. durch eine Epidemie verschlimmert wurden) wäre es günstig, möglichst viele unterschiedliche Sichtweisen einzubeziehen, Möglichkeiten zu prüfen und Strategien zu entwickeln, die die Zahl der Möglichkeiten vermehren, indem getan wird, was die Gesamtsituation erfordert.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist solve-future-problems.gif

Viele Personen einbeziehen, und sie durch eine Vision begeistern. Bild: Julian Pratt eta. Partnership for purpose. Whole system Thinking working paper series. Kings Fund, 2000, ISBN 1-85717-299-9

An Visionen arbeiten

Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Antoine de Saint-Exupéry (Quelle)

Im Kampfgetümmel ist keine Zeit für Visionen. Ohnehin halten sich „Problemlöser“ lieber an die Empfehlung von Helmut Schmidt

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen,” Schmidt über Willy Brandts Visionen im Bundestagswahlkampf 1980

Wichtiger sind ihnen „Ziele“, denn die sind (eng und einfach) das Gegenteil des Problems: „Viel Covid: schlecht!“ – „Kein Covid: super!“

Visionen dagegen erweitern das Blickfeld auf alle Aspekte einer Situation, die sich verändern und entwickeln. Während Problemlösungen typischerweise mit einer Antwort beginnen („Genau so!“), entstehen Visionen aus Fragen. Zum Beispiel: „Wie wollen wir in 20 Jahren leben?“

Eine mögliche Vision, die vor meinen Augen auftaucht, wäre die einer glücklichen Gemeinschaft, in der sich unsere Kinder und Enkel friedlich, demokratisch, solidarisch, neugierig verwirklichen können – weil sie eingebettet in elastisch-stabiles, artenreiches Ökosystem leben.

Solche Vision muss man gemeinsam ausgestalten. Dann entsteht Sehnsucht. Und der Wunsch etwas zu tun. Und schließlich kommen konkrete Fragen nach der Strategie auf:

  • Mit noch mehr Wachstum?
  • Mit einer echten Transformation, die sich von dem Wachstumszwang verabschiedet? (Kern 2020)

Fundamentale Krisen-Komplexe bringen den großen Vorteil mit sich, dass nichts mehr sein kann, wie es war: Sie eröffnen Chancen für grundsätzlich neue Erfahrungen.

Zum Beispiel könnten mehr Menschen entdecken, dass wir in Systemen leben und daraus bestehen. Dann würden

  • Problem-Ausrottungs-Trancen (oder nach Watzlawick „Paten-end-lösungen“) an Bedeutung verlieren, und
  • Wechselwirkungen, Zusammenhänge, Dynamiken größere Aufmerksamkeit erhalten.

Wir würden beginnen, im Interesse unserer Kinder und Enkel handeln. Und nicht mehr gegen sie.

Mehr

Literatur

Selber denken in der Krise

12. Januar 2021

Wichtig ist: nicht aufhören zu fragen. The important thing is not to stop questioning. Curiosity has its own reason for existence. Einstein

Meist denken wir fremd.

Und tun das, was wir sollen – dem folgend, was aufgeschrieben wurde.

Wir glauben denen, die die Wahrheit kennen. Reagieren auf Herausforderungen mit angelernten Handlungsroutinen. Halten uns an Anweisungen. Und hoffen, dass es „so“ gut wird.

Fragen offenbaren Unsicherheit.

Befehlen folgen und handeln geschieht ohne Zeitverlust. Im Gegensatz zu Innehalten und sich interessiert umschauen.

Fragen werden daher nur toleriert, wenn genügend Zeit zur Verfügung zu stehen scheint. Oder wenn Unwissende Antworten suchen, die andere seit langem besitzen. Wird aber etwas, was allgemein als „richtig“ akzeptiert wurde, hinterfragt, macht man sich unbeliebt. Denn Zweifel, an dem was getan werden muss, könnten Problemlösungen verzögern, oder gar die Sicherheit einer gewohnten Weltsicht ins Wanken bringen.

Entweder ist es richtig, falsch, sinnlos oder imaginär. G. Spencer-Brown

Wenn immer alles es so ist, wie es war, wären Fragen überflüssig. Taucht aber plötzlich eine Situation auf, die es so noch nicht gegeben hat, versagen Weisheiten, die nur auf vergangenen Denkmustern beruhen.

An solchen Weggabelungen kann man stehenbleiben und staunen. Und erkennen, dass etwas (noch) nicht verstanden wird.

Bieten die gewohnten Gewissheiten dann keine Lösung, sind neue Ideen nötig. Also entstehen aus Fragen Erklärungsmodelle, die ausprobiert werden, sich als fehlerhaft erweisen, zu neuen Fragen führen, und zu veränderten Experimenten. 

Ausprobieren macht Spaß. Ohne die vielen offenen Fragen gäbe es nur Religionen, und keine Wissenschaft. (Rovelli 2019).   

„Betrachte die Welt von einem anderen Standpunkt“ „Take the world from another point of view“  Interview (Video) Richard Feynman (1918-1988)

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Die-Bedrohung-1024x592.png

Meditative Ruhe? Archaische Bedrohung? Nur Sand, Muscheln, Steine?
Bewertungen sind nur im Innern des Betrachters. Bild Jäger, Juist 2019

Die Kunst des Fragens

Die Grundlage jeder guten Frage ist „Nicht-Wissen“. Niemand hat je etwas gelernt, was er vorher schon wusste.

Am besten sind Fragen gepaart mit Neugier, um etwas herauszufinden. Sobald jemand aber glaubt zu wissen, wie es „wirklich“ sei, stirbt der Entdeckerdrang. Werden dagegen neue Fenster aufgestoßen, eröffnet sich eine neue unbekannte Welt, in der wieder neue Fragen aufkeimen.

Es gehört Mut dazu, Un-sicherheit ertragen, und über die eigene Beschränktheit zu lachen. Allerdings kann das Wissen um Nicht-Wissen auch zufrieden machen: weil es den Freiheitsraum erweitert.

Neugierig forschende Menschen fühlen sich auch in Situationen wohl, in denen andere Einsamkeit empfinden würden. Und sie haben weniger Bedarf an besserwissenden Dogmen und esoterisch-religiösem Geschwurbele. (Kanazawa 2015, 2016)

Gerade in Gefahr: Fragen!

statt: vorschnell antworten.

Bei Covid-19 geschah 2020/2021 das Gegenteil: hektischer Aktionismus, Tunnelblick, Dogma, politischen Dampf, Kampf-Euphorie, Kriegs-Metapher, Stress.

Zusammenhänge, Beziehungen und Wechselwirkungen waren unwichtig. Stattdessen wurde und wird „gegen“ etwas gekämpft: gegen Probleme, Mikroben, Terroristen oder Andersgläubige.

Diejenigen, die den Priester:innen der offiziellen Wahrheiten nicht folgen, organisieren sich in Sekten, die gegen übermächtige Kirchen zu kämpfen glauben. In diesem Kampf des gegenseitigen Besser-Wissens, bleibt nur wenig Raum für vorurteils-freies Fragen:

“ .. Durch die Epidemie ist es zu einer Fragmentierung der Gesellschaft in Gruppen („Clans“) gekommen, die sich in erster Linie in der Abgrenzung gegenüber dem „Außen“ stabilisieren und das Interesse an der Integration discordanter, „nicht passender“ Meinungen verloren haben. .. Die dabei ins Spiel kommende Vorstellung von Wissenschaft als geschlossene Faktenordnung mit direkt ableitbaren Handlungsanweisungen beruht auf einem szientistischen ( und solutionistischen) Missverständnis dessen, was Wissenschaft darstellt – nämlich das konstitutive Prinzip des systematischen Zweifels, dass Wissenschaft als plurales Wissensregime ausmacht. Dieses Missverständnis erfüllt eine relativ präzise zu benennende politische Funktion: nämlich die der argumentativen Schließung und der Abwehr bzw. Abwertung von Kritik.“ Thesenpapier 7.0, Schrappe et.al 10.01.2021

Wahrheit und Lüge

Immer neue Realitäten entstehen, entfalten sich und werden wirklich. „Wahrheit“ oder „Unwahrheit“ dagegen sind, statisch, auf Vergangenes bezogen. Sie werden in dem Moment, in dem sie ausgesprochen werden, aktiv erstellt. Kinder erlernen diese Fähigkeiten mit etwa vier Jahren. Sie sind dann in der Lage, Kasperletheater zu verstehen,

D.h. sie können sich vorstellen, was im Kopf eines anderen vorgeht, der darüber nachdenkt, was sie wohl denken oder fühlen mögen. Ab diesem Zeitalter sind sie auch für Wahrheiten empfänglich. Sie lauschen den Botschaften von Lehrern und Eltern, die ihnen erklären, dass die Welt eben nicht so sei, wie sie von ihnen subjektiv erfahren wird, oder in ihrer Fantasie entsteht. Sondern vielmehr so, wie sie nach den Lebensmodellen der Erwachsenen zu sein hat.

Auch die Realität einer Pandemie ist nicht: sie wird. Sie entwickelt und verändert sich. Man kann solche dynamischen Prozesse begleiten, und, aus dem jeweils subjektiven Blickwinkel, die vielen Einflussfaktoren betrachten, denen sie unterworfen sind.

Unterschiedliche Bewertungen sind dann weder „wahr“ noch „unwahr“, sondern nur relativ plausibel oder relativ unwahrscheinlich.

Als (wahrscheinlich) „wahr“ kann man aus wissenschaftlicher Sicht nur bezeichnen, was nach zahllosen Überprüfungen bisher nicht widerlegt werden konnte. Zum Beispiel bestimmte Naturgesetze, die zu immer wieder gleichen Mess-Resultaten führen. Wir können deshalb annehmen, dass die Welt immer wieder, im Rahmen dieser Gesetzmäßigkeiten, neu entsteht.

Eine ganz andere Möglichkeit, etwas als „wahr“ zu erkennen, wäre die körperliche Wahrnehmung: In einem Moment die Dynamik und die Facetten des eigenen Selbst und des Umfeldes zu erleben und sich zu verbinden.

Sinkende Qualität kritischer Diskurse in Krisen

In Panik und in Stress kann man nicht kommunizieren. (s.u.: Vagus)

Man greift an, flieht oder bricht zusammen. In diesem Zustand können Information nicht sinnvoll verarbeitet werden. Man brüllt, um Macht zu demonstrieren, aber nicht um Erkenntnisse zu vermitteln,

Angst kann in ein anderes Gefühl gewandelt werden: in Neugier zum Beispiel. Auch dafür sind Informationen nicht hilfreich, sondern Sicherheit und Vertrauen.

Wird Angst nicht beruhigt, muss man sich an Scheinsicherheiten klammern: Ideologien, Dogmen, Rituale und Regeln.

Wenn es aber gelingt Angst ausklingen zu lassen, kann sich die Aufmerksamkeit weit öffnen, die Möglichkeiten wahrnehmen oder auf die Details zu schauen. Jetzt erst könnte man auf einer ruhigen und respektvollen Basis in einen Dialog treten, bei dem das Zuhören (um zu lernen) eine höhere Bedeutung erhielte, als das sagen (um zu überzeugen).

Diese Art wissenschaflicher Diskurse verarmt in unserer Gesellschaft. Und das besonders dramatisch in der Krise. Warum sind Wissenschaftler:innen so oft unfähig sind fruchtbare Diskurse zu führen?

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Skepsis_Graphik-1024x603.jpg

Graphik Jäger 2020, angelehnt an einen Essay von Edgar Wunder, 1998

Der Soziologe Edgar Wunder nennt die Kommunikationsstörung unter Wissenschaftler:innen „Skeptisches Syndrom“, und beschreibt damit einen Konflikt zwischen der inneren Einstellung und dem was, von Außen als Information, Erklärungsmodell, Hypothese herangetragen wird.

In der Graphik symbolisiert „Innen“ die eigene Einstellung, zwischen dogmatischer Enge und vorurteilsfreien, offenem Weitblick.

„Außen“ symbolisiert eine Idee, die im Gespräch oder über ein Medium herangetragen wird, und der man entweder zustimmen kann oder nicht.

Daraus ergeben sich vier Möglichkeiten des Kommunikationsverhaltens

  • Links oben: Bestätigung im Glauben etwas zu wissen.
  • Links unten: Falsches erkennen. Entweder überzeugen oder bekämpfen.
  • Rechts oben: Ausprobieren, weil es tatsächlich „so“ sein könnte.
  • Rechts unten: Neugierig gemeinsam etwas untersuchen und erforschen.  

Die Wirklichkeit wissenschaftlicher Diskussion rund um die Pandemie 2020/2021 sind verkeilt im unteren linken Feld. Welche Möglichkeiten bieten sich an, das zu verändern?

Mehr

Empfehlungen für kritisches Denken

gekürzt und sinnbemäß übersetzt

Bertrand Russel, 1872-1970

  1. Nie absolut sicher sein.
  2. Keine Evidenz vertuschen.
  3. Nie Denken abwürgen.
  4. Rational (emotionsberuhig und ideologie-arm) argumentieren.
  5. Kein Respekt haben vor Autoritäten.
  6. Keine Macht nutzen, um Meinungen zu unterdrücken
  7. Keine Angst haben exzentrisch zu erscheinen, denn jede akzeptierte Meinung war einmal exzentrisch.
  8. Mehr Spaß haben an intelligentem Dissens, als an passiver Zustimmung.
  9. Bei der eigenen Wahrheit bleiben.
  10. Nicht neidisch sein auf das Glück der Narren, die sich im Paradies des Wissens glauben.

Carl Sagan (1934-1996): Rules for Bullshit-Busting and Critical Thinking

  1. Unabhängige Bestätigung der „Fakten“.
  2. Alle sachkundigen Standpunkte einbeziehen.
  3. Wissenschaft kennt keine „Autoritäten“.
  4. Mehrere Hypothesen ausprobieren und verfolgen.
  5. Nicht (zu sehr) an einer Hypothese festklammern.
  6. Es messen, um es zu vergleichen.
  7. Prüfen, ob jedes Glied einer Argumentationskette funktioniert.
  8. Occam’s Rasiermesser anwenden: Im Zweifel die einfachere Hypothese wählen.
  9. Hypothesen versuchen zu widerlegen, besonders die liebgewonnenen.

Einstein

  • Imagination is more important than knowledge. Knowledge is limited. Imagination encircles the world.
  • It’s not that I’m so smart, it’s just that I stay with problems longer.
  • Great spirits have always encountered violent opposition from mediocre minds.
  • I believe in intuitions and inspirations. I sometimes feel that I am right. I do not know that I am.

 Literatur

  • Kanazawa S. et al: Happiness in modern society: Why intelligence and ethnic composition matter. J of Research in Personality, 59(2015):111-120
  • Kanazawa S  et al Country roads, take me home… to my friends: How intelligence, population density, and friendship affect modern happiness. Br J Psychol. 2016 Nov;107(4):675-697
  • Rovelli C: Die Geburt der Wissenschaft, Anaximander und sein Erbe. Rowohlt 2019
  • Schrappe M: Thesenpapier 7.0, 10.01.2021
  • Wunder E: Skeptic Syndrome 1998 / 2019, veröffentlicht auf skeptizismus.de (zurzeit nicht erreichbar).  PDF-Download

Corona-Philosophie

25.12.2020

Nichts ist so, wie es scheint.
Anaximander von Milet (610-546 vuZ),
nach Rovelli: Die Geburt der Wissenschaft, Rowohlt 2019

Die Fähigkeit Tabus zu hinterfragen ist jung.

Homers Schilderung des listenreichen Odysseus ist erst 2.800 Jahre alt. Dieser Freibeuter hörte – in sich – keine Geister-Stimmen mehr. Auch nicht im Traum. Die Befehle der inneren Götter, die die Menschen vor Troja noch wie Marionetten gesteuert hatten, waren verstummt. Als sie ihn doch einmal betören wollten, verstopfte er sich die Ohren: Ein schlauer Einzelkämpfer, ganz allein auf sich gestellt. Ein ziellos Umherwandernder in wirren Zeiten. Aus sich heraus nach Orientierung ringend. Ohne Wahrheiten, denn die wurden von der Priester und Dogmatikern erst später verkündet.

Nur 300 Jahre später konnte jemand, neu-gierig fragend, herausfinden, dass die Erde schwebt (Rovelli 2009). Genial: Anaximander lies einfach unsinniges Glaubens-Geschwurbele weg. Aber wozu sollten solche gotteslästerlichen Gedanken nützlich sein? Bewegten sie etwa mächtige Armeen? Hielten sie etwa große Reiche zusammen?

Nein. Dazu mussten erst Wahrheiten erfunden werden: Konzepte, die über dem König standen und von niemandem angezweifelt werden durften. Mit Angst verbunden, um das Volk zu zwingen, der richtigen Ideologie zu folgen.

Selber-denken war ab dann wieder lebensgefährlich. Besonders in Krisenzeiten.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Mausfeld.jpg
Reiner Mausfeld 03.06.2020: Angst und Macht. Ängste haben den Vorteil, dass sie leicht zu erzeugen sind und tiefergehende psychische Auswirkungen auf unser Handeln haben. … Reale Ängste werden in Binnen-Ängste umgewandelt … Apathie, und Status-quo-Neigung steigt, … Solidarität, Handlungsmut, Empathie sinken https://www.youtube.com/watch?v=-S5WhBxQUHg. Techniken der Angsterzeugung 20.04.2020: https://www.youtube.com/watch?v=7LdLaszpO2A

Angesichts gesellschaftlicher Umbrüche wäre es – eigentlich – dringend nötig, damit aufzuhören das zu tun, was schon immer getan wurde. Denn ein Denken, das Krisen erzeugt, kann nicht in der Lage sein, Krisen zu überwinden. Also müsste gerade in Gefahr nach Selber- und Neudenker*innen gesucht werden.

Erfahrungsgemäß geschieht in Krisen zunächst das Gegenteil: Andersdenkende werden bekämpft, weil sie den zerfallenden, aber noch herrschenden Glaubenskonzepten widersprechen. Bis ein Zusammenbruch erfolgt. Und man sie wieder braucht, weil man im Chaos nach einer neuen Orientierung ringt.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Karl-Popper.png
Karl Popper (1974): „Das Wichtigste ist, den großen Propheten zu mißtrauen …!“ https://www.youtube.com/watch?v=ZO2az5Eb3H0&feature=youtu.be

Die Unterwerfung

„Gemeinsam haben wir es geschafft: .. Den Triumpf der Menschheit über die Krankhheit!“ Boris Johnsen, Premier Großbritanniens anlässlich der 8,8 Mrd.-Sammelaktion für Covid-19-Impfstoffen, afp 05.06.2020

Es ist fünf vor zwölf.

Eigentlich müsste die Menschheit jetzt über das Wesentliche debattieren: In wenigen Jahren wird das 1,5°-Klimaziel endgültig verfehlt sein. Die Weltwirtschaft befindet sich in der größten Stag-Flation seit 1929. Die Reichen werden immer reicher. Die Armen rutschen ins Elend. Die Weltordnung zerbricht, die Kriegsgefahr steigt.

Die Spezies Homo sapiens steht, nachdem sie ein Erdzeitalter (Anthoprozän) geprägt hat, vor einer Klippe.

Machen wir als Schädlinge der Erdoberfläche so weiter wie bisher, werden wir in einigen Jahrzehnten unsere Lebensgrundlagen endgültig verspielt haben.

Besteht noch eine Chance, dass wir uns vom Schädling zum Nützling der Erde wandeln? Oder müssen wir erst auf den endgültigen Kollaps warten, nach dem sich die wenigen Überlebenden, vielleicht anders verhalten werden.

Für die fundamentale Krise, in der wir uns heute befinden, fantasierte der französische Schriftsteller Houellebecq 2015 eine überraschend einfache Lösung: Die Unterwerfung unter eine „modernisierte“ Einheitsreligion. Houellebecq dachte an eine Variante des Islam. Aber er übersah das Naheliegendere: die Macht des Gesundheitsmarktbetriebes.

Michel Houellebecq spielt mit den Ängsten … und dem Gespenst der Selbstaufgabe … Er hält in „Unterwerfung“ .. der westlichen Gesellschaft, die an ihrem „atheistischen Humanismus“ zugrunde gehe, einen Zerrspiegel vor. SD 16.01.2015

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Niedergang-der-Diskussionskultur.jpg
Kommentar von Lucien Scherer, NZZ 03.11.2020:
Niedergang der Diskussionskultur in Zeiten von Angst und braver Gesinnung

Triumph der Medizin

Bereits 1924 hatte ein anderer genialer Schriftsteller (Jules Romain) den heutigen Triumph der Medizin vorausgeahnt. Er beschreibt wie es einem Landarzt in kurzer Zeit gelingt, alle Dörfler in kranke Kund*innen zu verwandeln:

„Werden bei ihrem Vorgehen nicht die Interessen des Patienten denen des Arztes untergeordnet?“ – „Sie vergessen, es gibt noch ein übergeordnetes Interesse.“ – „Welches?“ – „Das der Medizin.“

Ich gebe Menschen eine Bestimmung und führe sie zu einer medizinischen Existenz.“ – “ … , bis zum Äußersten zu gehen und tatsächlich die ganze Bevölkerung ins Bett zu schicken, nur um zu sehen, was passiert, nur um es zu sehen!“

Das Leben hat einen medizinischen Sinn … Verschone mich mit Gesundheit!“ Jules Romain, 1926

1977 sah ein anderer Visionär, der Soziologe und Priester Ivan Illich voraus, das das Medizinsystem wie ein Krebsgeschwür in alle Bereiche des Lebens wuchern werde:

„… Die Verpflichtung der Gesellschaft, allen Bürgern die Produkte der Medizin in nahezu unbegrenzte Maß zur Verfügung zu stellen, droht die Umwelt und die kulturellen Bedingungen zu zerstören, die der Mensch braucht, um ein Leben in dauernder autonomer Gesundheit zu führen.

… falls eine durch blutige Enthüllungen in Panik versetzte Öffentlichkeit so eingeschüchtert würde, dass sie einer Ausweitung der Spezialisten Kontrolle über Spezialisten in der Gesundheitsindustrie zustimmte, dann würde dies zu einer Vermehrung krankmachender Gesundheitspflege führen …

Die institutionelle Gesundheitsfürsorge ist gleichbedeutend mit einer systematischen Verweigerung von Gesundheit..

Sie sie dient nicht der persönlichen Entfaltung sondern dem industriellen Wachstum … Der Medizinbetrieb könnte leicht zum ersten Ziel eines politischen Handelns werden …

Nur ein politisches Programm, das auf eine Beschränkung der Gesundheitsverwaltung durch Experten abzielt, kann den Menschen die Möglichkeit geben, ihre Kraft der Gesundheitspflege zurückzugewinnen.“ Ivan Illich 1977

Viele der Vorhersagen von Ivan Illich sind eingetroffen.

Ebenso die Prognosen des Ökonomen Leo A. Nefiodow, der vor einigen Jahrzehnten voraussagte, dass die Kommerzialisierung der „Gesundheit“ alle anderen Märkte an Dynamik übertreffen werde. Dabei bezog er sich auf die Beobachtungen von Nikolai D. Kondratjew (1892-1932), der  kapitalistische  Wachstums-Zyklen beobachtet hatte. Kondratjew beschrieb, wie den Aufschwungs-Phasen der Produktion regelhaft Krisen folgten, die im Zuge technischer Innovationen wieder überwunden werden, und denen dann ein neuer ökonomischer Aufschwung folgt.

Womit Nefiodow allerdings nicht gerechnet hatte ist, dass sich die fünfte Kondratjew-Welle (Digitalisierung) mit der sechsten Kondratjew-Welle (Medikalisierung) zu einem gigantischen Tsunami verbinden würden.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Unterwerfung-funktioniert-1024x626.png
Unterwerfung funktioniert: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/regeln-befolgen-muss-man-den-menschen-so-leicht-wie-moeglich-machen-li.108195

Religiöses Denken hat wieder Hochkonjunktur.

Aber die alten Mittelmeer-Religionen werden davon nicht profitieren:

Gott sagt, für ihn sind tausend Jahre wie ein Tag. Und ein Tag wie tausend Jahre. Dazwischen kommen eben ein paar Tage Corona. Heidemarie Föster, Chrismon 11/2020

Die alten Gottesvorstellungen wirken angesichts der unkontrollierbaren Monster der Weltwirtschaft westlicher Prägung, völlig desorientiert. Ihre Moralsysteme zerfallen. Allerdings bietet die in China wachsende Neo-Religion aus Neo-Konfuzianismus und Tianxia (s.u.), eine Vision der viele Chines*innen folgen werden. Man plant fünf Jahre voraus und strebt einen „dualen Wirtschaftkreislauf“ an. Damit soll es gelingen, den Kapitalismus zu bändigen, die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zu verbessern und die Führungsrolle in der Welt auszubauen.

Die Gesundheitsreligion des Westens wirkt im Vergleich erbämlich: Es wird in immer neuen Lock-downs immer mehr Geld verblasen, dem aber kein Warenwert entgegensteht. Und zugleich dem Volk alles entzogen, was es bisher immer so erfolgreich abgelenkt hat. Eine erkennbare Zukunftsvision gibt es nicht, weil es sicher nicht so werden wird, wie es war. Das, was die Gesellschaft zusammenhalten soll, ist immer neue Angst und Panik-Mache.

Depression ist kein Zukunftsmodell, sondern macht die Gesellschaft noch kränker und krisenanfälliger, als sie ohnehin schon war.

NZZ 28.10.2020, 21:00: Klüger wäre es, die Politiker würden ihre eigene Hilflosigkeit eingestehen, anstatt das Land einem Experiment nach dem anderen zu unterziehen.

Es gibt nichts mehr, für das es sich lohnen würde zu kämpfen,

außer

„… Das nackte Leben – und die Angst, es zu verlieren – Das ist nicht etwas, was die Menschen verbindet, sondern was sie trennt und blind macht.

… Der Ausnahmezustand, auf den uns die Regierungen seit geraumer Zeit einstimmen, ist zu unserem Normalzustand geworden. … Die Menschen haben sich daran gewöhnt, unter Bedingungen einer ständigen Krise und eines ständigen Notstands zu leben. Dabei scheinen sie nicht zu bemerken, dass sich ihr Leben auf eine rein biologische Funktion reduziert hat und nicht nur jeder sozialen oder politischen, sondern auch menschlichen oder affektiven Dimension verlustig gegangen ist. Eine Gesellschaft, die im ständigen Ausnahmezustand lebt, kann keine freie Gesellschaft sein. Wir leben in der Tat in einer Gesellschaft, die die Freiheit zugunsten der sogenannten Sicherheitsgründe geopfert und sich selber dazu verurteilt hat, in einem ständigen Angst- und Unsicherheitszustand zu leben.Es wundert nicht, dass man in Bezug auf das Virus von einem Krieg spricht. Die Notmaßnahmen zwingen uns de facto, unter Bedingungen der Ausgangssperre zu leben. Nur ist ein Krieg mit einem unsichtbaren Feind, der sich in jedem Menschen einnisten kann, der absurdeste aller Kriege. Es ist in Wahrheit ein Bürgerkrieg.

Der Feind ist nicht außerhalb von uns, sondern in uns. Besorgniserregend ist nicht in erster Linie und nicht nur die Gegenwart, sondern das, was danach kommt. So wie die Kriege den Friedenszeiten eine Reihe unheilvoller Technologien hinterlassen, so werden sehr wahrscheinlich auch nach dem Notfall der öffentlichen Gesundheit die Experimente fortgesetzt, die die Regierungen vorher nicht durchzuführen vermochten. Sei es, dass Universitäten und Schulen geschlossen werden; sei es, dass der Unterricht nur noch online stattfindet; sei es, dass man endlich einmal aufhört, sich zu versammeln und über politische oder kulturelle Angelegenheiten zu reden, und stattdessen nurmehr digitale Nachrichten austauscht. Sei es, dass Maschinen jeden Kontakt – jede Ansteckung – unter Menschenwesen ersetzen“. Gergio Agamben, italienischer Philosoph

Pandemie- und Kriegsberichterstattung gleichen sich immer mehr an. Das Interesse der Öffentlichkeit speist sich aus tiefgreifenden Ängsten, die eine besondere Intensität erlangen, weil sich die gesamte Bevölkerung bedroht sieht. Aus dem Blickwinkel einer Regierung stellen Epidemien (wie Kriege) existenzielle Bedrohungen dar, weil in beiden Fällen jedes Versagen Rebellionen oder einen Regime-Wechsel herbeiführen kann.

Journalisten zappeln im Spannungsfeld zwischen Propagandisten, Verlautbarungen mächtiger Weisheiten, Falschmeldern, Intriganten und PR-Agenturen. Sauberer Journalismus ist oft auf dem Rückzug. Dabei wäre er gerade jetzt so nötig, um das gigantische Bevölkerungsexperiment zu beobachten und zu dokumentieren.

Stehen wir also, wieder einmal, am Ende der Philosophie?

Ja.

Weil „Spaltung & Polarisierung“ „Dogmen & Ideologien“ fördern. Die einen wollen als neu-digitale Medizinkunden nur das tun, was sie sollen, und die Minderheit kämpft „dagegen“ an – aber ohne bisher erkennbare Alternativ-Vision. Weder die, die sich gerade von Existenz-Angst zerfressen fühlen, noch die anderen, die „was auch immer“ mit aller Kraft bekriegen, werden Spaß daran haben selber zu denken.

Und nein.

Weil gerade jetzt die Chance besteht, dass sich einige Menschen jetzt, in Zeiten maximalen Verunsicherung, grundsätzlich anders selbst erkennen und neu verhalten.

Der Philosoph Hartmut Rosa thematisiert diese Chance, bei seiner Analyse eines Kern-Problems der modernen Zivilisationen,

„ … die Welt in Reichweite zu bringen. Sie verfügbar zu machen.

… Dabei droht sie uns jedoch stumm und fremd zu werden: (Denn) Lebendigkeit entsteht nur aus der Akzeptanz des Unverfügbaren.“ Hartmut Rosa

Die westlichen Gesellschaften erkennen zunehmend, dass das, was sie im Äußeren zu halten versuchen, ihnen immer mehr entgleitet, und dass sie im Inneren hohl und leer sind.

Hartmut Rosa empfiehlt, sich deshalb dem was uns und umgibt, und was uns durchdringt, wieder langsam zu nähern, und uns zu versöhnen. Damit könnte sich der Kampf um die Verfügbarkeit (um das Beherrschen und Gewinnen) wandeln in vorsichtige Beziehung und in Resonanz.

In der Evolution wird die Spezies Homo sapiens keine andere Alternative haben, als sich vom Krankheitserreger der Erdoberfläche zu einem harmlosen Nützling zu verändern. Aber keine/r der bisherigen Denkerinnen und Denker hat aufgeschrieben, wie das gelingen könnte.

Es ist jetzt dringender denn je, kreatives und schöpferisches Selber-denken und Selber-handeln anzuregen, und zu ermöglichen.

Mehr

Literatur

  • Carlo Rovelli: Die Geburt der Wissenschaft, Anaximander und sein Erbe, Rowohlt 2019 (Originalausgabe 2009)
  • Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit, Residenz Verlag, 2019
  • Ivan Illich: Die Nemesis der Medizin. Die Kritik der Medikalisierung des Leben: Beck Verlag 2007 (Originalausgabe 1977)
  • Jules Romain: Knock oder der Triumph der Medizin,1926, Reklam 1995
Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Maschinenarzt-2-1024x768.jpg
Die Herrschaft der Cyber-Docs markiert einen Höhepunkt, dem zwangsläufig ein Absturz folgen wird. Der Philosoph Giorgio Agamben fragt deshalb gerade jetzt nach dem Stellenwert des Körperlichen. Denn in allem Lebenden sind Geist-Körper-Umwelt ungetrennt eins. In allem was lebt sind die Beziehungen, Verbindungen und Wechselwirkungen wichtiger als die beteiligten Elemente. Bild: Jäger 2019

Mehr desgleichen!

Funktioniert etwas nicht, wird es wiederholt.

Dann mit noch mehr „Wumms“: Mit Entschlossenheit, Mut, Kraft, und notfalls auch mit Gewalt.

Wird der Kranke durch die verordneten Pillen nicht geheilt, muss eben die Dosis verdoppelt oder verdreifacht werden.

„.. Es besteht die paradoxe Situation , dass eine mit hohen gesellschaftlichen Kosten verbundene Lockdown-Politik durchgesetzt wird, ohne andere Optionen in Betracht zu ziehen und über einen dringend notwendigen Strategiewechsel überhaupt nur nachzudenken, obwohl die am stärksten Betroffenen, die höheren Altersgruppen und Pflegeheimbewohner/Innen, durch den Lockdown nicht geschützt werden.Thesenpapier 7.0 der Gruppe um Matthias Schrappe 10.01.2021
Markus Söder in der Welt am 09.01.2021 und 10.10.2021: „Das Virus ist die Pest! Normalzustand in absehbarer Zeit unmöglich!

„Mehr desselben wirkt einfach besser als weniger!“

Paul Watzlawik bezeichnete diese Erkenntnis als Pat-end-lösung: Man operiert den Patienten so lange, bis er sicher nicht mehr blutet. Solche Lösungen schafften — so Watzlawick – nicht nur das Problem, sondern auch alles damit Zusammenhängende, aus der Welt.

Die Geschichte der Medizin ist voll gruseliger Verschlimm-Besserungen, bei denen jeweils die Theorie der Erfolgskonzepte wesentlich bedeutsamer erschien, als die Realität der ausgelösten Kollateralschäden. (Packard 2016, Lachenal 2014, Wooton 2006)

Menschenverursachte Katastrophen laufen (immer wieder) nach gleichen Mustern ab. Fast immer sind die Handelnden dann „zutiefst“ von ihrer Weltsicht überzeugt: Denn die sei – alternativlos – die einzig richtige. Viele von ihnen sind keinesfalls böse, sondern wollen – missionarisch getrieben – Gutes bewirken. Nur überschätzen sie die Wirkung ihrer punktgenauen Interventionen, die sie – im Kriegstaumel – immer gewaltiger ausgestalten.

Ähnlich wie Donald Trump, der 2017 den Afghanistankrieg (ein für alle Mal) beenden wollte, und der deshalb eine so genannte „Mutter aller Bomben“ abwerfen ließ. Den Krieg verlor er zwar, die getroffene Region strahlt aber immer noch.

Da der Umfang der Probleme, die durch die Intervention entstehen, anfangs noch unbekannt sind, werden sie unterschätzt. Es ist nicht überraschend, dass „die Dinge“ immer wieder „zurückbeißen“ (Tenner 1997, Dörner 2003)

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist paul-watzlawick.jpg
Wer einen Hammer hat, dem erscheinen alle Problem als Nägel. Wenn sich Probleme dann als Fische erweisen: Muss man eben heftiger zuschlagen. (Paul Watzlawik: Vom Schlechten des Guten, 1986). Im März 2020 setzte sich die Marketing-Strategie „The hammer and the dance“ durch: heute im Januar 2021 müssten wir eigentlich tanzen.

Die dritte Möglichkeit

Statt „zuviel des Guten“ könnte man, gerade in gefährlichen Situationen, überlegter und vorsichtiger vorgehen. Es wäre sogar möglich, die eigene Einstellung ändern.

Zum Beispiel könnte sich ein Problem, das unbedingt beseitigt werden muss, in ein Symptom wandeln, das Wechselwirkungen anzeigt, die sich verändern sollten.

Analogie zu Covid-19

Noch ist die logische Konsequenz des Scheiterns des Lockdown (Schrappe 17.02.2021 , Schrappe 25.12.2020) : Verschärfung des Lockdown!

Für die überwältigende Mehrheit der Politiker:innen und Medien erscheinen die befohlenen Interventionen alternativlos zu sein. Die langfristigen Schäden, die insbesondere bei Kindern angerichtet werden, vernachlässigen sie.

„Kollateralschäden sind inbegriffen: Die Folgen der Schulschließungen sind nicht nur für die Bildung fatal (FAZ 06.01.2021)

Kritik flammt nur auf, wenn es all denen, die an die große Erlösung glauben, nicht schnell genug geht mit der Problembekämpfung:

„Das Impfdebakel. Statt Ausatmen herrscht Enttäuschung vor: Die Politik bekommt das Coronavirus nicht in den Griff.“ Der Freitag 07.01.2021 – „Auf die Spitze getrieben Impfungen kommen nicht so schnell voran wie gedacht.“ (FAZ 06.01.2021)

Wird uns also diese Dauerwelle erhalten bleiben, wie ein Naturereignis?

Viral mutations may cause another ‘very, very bad’ COVID-19 wave, scientists warn Science mag 05.01.2021

Oder ist sie die schrille Begleitmusik (mit „Bazookas & Wumms“) einer grundlegenderen ökonomischen Krise, die sich seit September 2019 aufbläht und in ein paar Monaten platzen könnte? (Assets USA Federal Reserve ; Global stability Report IMF Okt. 2019)

Was können wir tun, ohne verrückt zu werden?

Innehalten, uns umschauen, selberdenken und Fragen stellen (s.u.). Und versuchen, die Möglichkeiten, die sich bieten, zu vermehren.

Ist weniger mehr?

Ist mehr besser?

Die Logik des Mißlingens

Umgang mit unbekanntem Nichtwissen

Interventionen in das Leben anderer

  • Lachenal G (2014): Lomidine Files. (Le médicament qui devait sauver l’Afrique) Pari,s Englisch: JHU Press 2017
  • Randall M. Packard: A History of Global Health – Interventions into the lives of other people. JHU Press 2016. ISBN 987654321
  • Wooton D (2006) Bad Medicine: Doctors Doing Harm Since Hippocrates, Review Fritzpatrik M: J R Soc Med. 2006 Oct; 99(10): 530.

Fragen zum Pandemie-Management

  • Haben immer neue Viren vielleicht auch etwas mit industrieller Landwirtschaft, Artensterben, Umweltverdreckung, Abholzung und Klimawandel zu tun? (Wallace: On the origins of Covid-19″, 2020)
  • Welche Begeleitfaktoren spielen bei Covid-19 eine Rolle? Zum Beispiel in Industrieregionen und Megastädten (relativ hohe Sterblichkeitsraten) und anderen Regionen, wie Laos/Vietnam/Kambodscha oder Neuseeland: (relativ geringe Belastungen durch die Pandemie)
  • Warum hat das Wissen um die Verschlimmerung der Covid-19-Pandemie durch Feinstaub (Xiao 2020 Wu et al, Harvard 2020) bisher kaum politische Konsequenzen (Smog-reduktion , Rauch-Prävention)?
  • Könnte ggf. auch die Kombination aus zuviel Arzneimittelkonsum (Thöns 2017) und Bewegungsmangel im Alter eine Rolle spielen, weil die flexible Anpassung von Immunfunktionen an Belastungen eingeschränkt wird?
  • Welche Rolle spielen zusätzliche Krankenhauskeime bei Covid-19?
  • Warum bleiben so viele Menschen, die mit SARS-Co-2 in Kontakt kommen, gesund?
  • Wo sind eigentlich Verhaltens- und Verhältnisprävention geblieben, die einmal auf der Top-Agenda der WHO standen? Gibt es im „Gesundheits“-Ministerium überhaupt noch Gesundheitsziele? ZB. uva. hinsichtlich Kinder-, Mütter-, Alten-Gesundheit …? Oder verfolgt man dort nur noch Bekämpfungs- und Markt-Ziele?
  • Wohin ist die Influenza verschwunden? WHO Flumart Report No 6 2020
  • Mit welchen gesellschaftlichen Kollateralschäden der Maßnahmen müssen wir rechnen? Insbesondere bei Kindern? Virus-kampf-erprobte Mediziner:innen scheint das wenig zu interessieren, Ökonom:innen aber schon seit Mitte 2020: Economist 18.07.2020
  • Warum wird die Wirksamkeit der Impfmaßnahmen nicht epidemiologisch-sorgfältig beobachtet: BIPS kritisiert Impfverordnung 27.12.2020
  • Wie kann die Wachstums-Ideologie, die die Welt zerstört, in eine nachhaltige Transformation unserer Gesellschaften gewandelt werden?

Snippet Preview https://www.medizinisches-coaching.net/fragen/philosophie-in-der-coronakrise.html Philosophie & Coronakrise | Medizinisches CoachingNichts ist so wie es scheint Seite Title Click on the tags below to insert variables into your title. View all tags →

Philosophie & Coronakrise | Titel der Webseite51 out of 60 max recommended characters. Meta Description Click on the tags below to insert variables into your meta description. View all tags →

Nichts ist so wie es scheint28 out of 160 max recommended characters. Looking for meta keywords? Click on the advanced tab above to add/edit meta keywords. Focus Keyphrase Get Additional Keyphrases Not sure what keyphrases are used for? Check out our documentation for more information. Mehr erfahren → Additional Keyphrases Upgrade to Pro to add related keyphrases. Mehr erfahren → Page Analysis

Meta description length

The meta description is too short.

Content Length

Internal links

  • External links

Here you can replace the default sidebars. Simply select what sidebar you want to show for this post!

Boxes: Header: Sidebar Top: Sidebar Left: Sidebar Right: Sidebar Bottom: Footer: 404 Page: Wide:

Absatz

Starte mit dem Grundbaustein aller Erzählungen.SchriftgrößeSchriftgrößeIndividuellInitialbuchstabe

Umschalten, um einen großen

„Jährlich neue Impfkampagnen!
Corona-Mutanten schaffen Milliarden-Markt.“ NTV 09.02.2021

Die Kombination „jeweils angepasster PCR-Tests“ und „mRNA“ wird das aktuelle globale Geschäft noch lange am Laufen halten. Spätestens, bis die Influenza wieder auftaucht. Dann wird auch gegen ihre neuen Viren mit PCR getestet werden. Und so ein Bedarf geschaffen für neue Marketing-Kampagnen.

mRNA-Impfungen werden infolge globaler Massen-Austestungen bald als normal akzeptiert werden. Sie sind anpassungsfähiger (an die Veränderungen ihrer jeweiligen Ziele) als konventionelle Protein-Impfstoffe: und damit langfristig profitabler.

Wenn die Produktionsanlagen für die mRNA-Technologien erst einmal (öffentlich finanziert) fertig gestellt sein werden, wird es vermutlich erst richtig losgehen: mit „Präzisions-Onkologie“ oder „Alzheimer-Impfstoffen“.

Also mit dem Verkauf der Illusionen des Schutzes gegen alles, womit Angst erzeugt werden kann. Kommerziell Uninteressantes wird im Medizinbusiness zunehmend verdrängt werden:

  • Armuts- und Zivilisationskrankheiten,
  • Entwicklungsstörungen und -verzögerungen,
  • psychisches und körperliches Leiden,
  • Verhaltens- und Verhältnisprävention, und natürlich
  • Gesundheit im Sinne mangelnder Nachfrage nach Medizinprodukten.

Ärzt:innen & Gesundheitsinstitutionen werden zunehmend von Treibern der Kommerzialisierung (die verschreiben, was auf dem Kugelschreiber steht) zu Getriebenen. Sie werden (immer mehr) nur noch tun, was sie müssen. Und überwiegend schweigend brav mit-machen, um auch etwas vom Health-2.0-Kuchen abzubekommen.

Bei machen Ärzt:innen kriecht allerdings bereits die Angst hoch, abgeschafft zu werden, weil sie viel zu teuer sind für Health-2.0: Diplom-Mediziner:innen (ausgestattet mit weißen Kitteln & Stethoskop) können im Impfzentrum sicher einen ebenso guten (und damit wirksamen) Eindruck machen beim Pieksen: Aber zu wesentlich geringeren Kosten.

Initiativen zur Corona-Strategie

Werden angesichts der Kommerz-Dauer-Wellen die Argumente kluger Mediziner:innen für einen „Strategiewechsel“ Gehör finden?

Ich bezweifle es:

Denn rational-kritische Wissenschaft, die „Für und Wider“ abwägt, ist viel zu komplex. Deshalb ist das deutsche Gesundheitsministerium auch nicht in der Lage, einen Aufklärungszettel für die Covid-Impfung zu schreiben. Es überlässt diese Aufgabe lieber einer intransparenten Briefkastenfirma: dem „Grünen Kreuz“. In dessen Text zur Impfung steht folglich all das nicht drin, was man nicht weiß:

  • Wechselwirkungen zwischen mRNA und menschlichem Erbgut in der Zelle (den Mitichondrien)
  • Risiken nicht neutralisierender Antikörper (Antibody dependant enhancement)
  • Risiken von PEG-Nano-Partikeln in Zellen und Organen

Die Entscheider:innen dieser Kampagnen und die verängstigen Gläubigen, die sich nach Sicherheit sehnen, interessiert das alles nicht.

Ich vermute, Ivan Illich hatte nicht Unrecht, als er 1977 schrieb, der Medikalisierungs-Albtraum könne nur enden, wenn die Mehrzahl der Betroffenen einfach nicht mehr mitmache.

„Ich hoffe, dass die Gesellschaft aufwacht!“
Heribert Prantl: Berliner Zeitung 30.01.2021

Mehr

Zitat: Dass es sich hierbei um keinen vorübergehenden Zustand handelt, wird von den Regierungsvertretern selbst bestätigt, indem sie nicht müde werden, zu wiederholen, dass das Virus noch unter uns sei und die Epidemie jederzeit wieder ausbrechen könnte. … Angst ist das politische Herrschaftsinstrument. … Die Dinge werden furchterregend, weil wir ihre Zugehörigkeit zur Welt vergessen. … Deshalb müssen wir zurück zur Wirklichkeit! .. Das unsichtbare Ding, das mich in Schrecken versetzt, ist gewöhnliche Realität wie ein Baum, ein Bach oder ein Mensch … Die Pandemie, welche die ganze Gesellschaft in Schach hält, bietet eine unerwartete Gelegenheit, ein Volk von Untertanen noch enger zu überwachen … Wir werden nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Wir werden nicht mehr die Augen vor der Misere verschließen können, in die uns die Religion des Geldes und die Blindheit der Entscheidungsträger gestürzt haben. Giorgio Agamben 2021

Chaos managen (statt bekämpfen)

19.01.2021

Herausforderungen, zur Verhinderung einer grässlichen Zukunft, werden unterschätzt: Das Ausmaß der Bedrohung für die Biosphäre und all ihre Lebensform – einschließlich der Menschheit – ist so groß, dass es selbst für die am besten informierten Expert:innen schwierig zu verstehen ist – die Umweltzerstörung ist unendlich gefährlicher für die Zivilisation als Trumpismus oder Covid-19″ Sinngemäß übersetzt aus: „Underestimating the Challenges of Avoiding a Ghastly FutureBradshaw Front. Conserv. Sci., 13.01.2021.

Ein Problem kann man bekämpfen.

Bei vielen Problemen wäre es sinnvoller, sie zu managen.

Wir stecken in der Klemme.

Ressourcen der Biosphäre werden dynamisch zerstört.

Das Klima heizt sich auf. Meere, Böden und Trinkwaser verdrecken. (Bradshaw, 2021)

Der Raum für alle Lebensformen der Erde (uns eingeschlossen) wird enger. Einige Wissenschaftler:innen diskutieren bereits über ein „Ende der Evolution“ – wie wir sie kennen. (Glaubrecht 2020, Jorion 2018, 2020)

Scan: „Actuel Novapress“ No. 137 (25), Ron Cobb 1937-2020, cartoon: 1968
Die Bedrohung der Biospäre wird seit einem halben Jahrhundert diskutiert. Konsequenzen? Fehlanzeige!

Die globale Krise des Wirtschaftssystems

Seit 2008 blähen sich immer größere Finanzblasen auf. Die Bilanzen der EZB (Europäische Zentralbank) und der FED (Federal Rexerve System) der USA) sind voll von Risikopapieren (Derivaten), nicht marktgängigen (derzeit unverkäuflichen) Staatsanleihen und Kreditaufnahmen.

“Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” EZB Präsident Maria Draghi, 26. Juli 2012

Draghi irrte. Es reichte nicht.

  • Ab Früh-Herbst 2019 blähten sich die Bilanzsummen der EZB und der FED in einer bisher ungeahnten Geschwindigkeit auf.
  • Ab Februar 2020 beschleunigte sich die weitere Ausdehnung durch die diverse finanzielle „Corona“-Rettungsprogramme.

Bild: Links Staatsanleihen der EZB (Bild: www.ecb.europa.eu/pub/annual/balance/html/index.en.html), und rechts der FED (USA) 2008-2021. Bild: www.federalreserve.gov/monetarypolicy/bst_recenttrends.htm

Die Finanzkrise sorgt für eine Marktbereinigung: Wie in der Evolution eröffnen sich Lücken für einige Großunternehmen (in Deutschland u.a. Lidl, Aldi, SAP, ..), in die sie jetzt wuchern. Andere sterben ab, spätestens dann, wenn sie nicht mehr staatlich gestützt werden. (Schick 2021)

Sollten die Finanz-Blasen platzen, werden einige Gesellschaften und Staaten instabil werden. Denn viele leiden zusätzlich an einem gesellschaftlichen Spaltpilz: Die Reichen werden immer reicher, und Armen ärmer. (Tagesschau 22.10.20)

Die absehbaren Strategien, das überkommene Wirtschaftssystem nach einer „Bereinigung der Märkte“ in einem „Neuen Normal“ durch neues „nachhaltiges“ Wachstums zu stabilisieren, werden die Umwelt weiter zerstören.

Aber die weitere Verknappung der natürlicher Ressourcen wird, ebenso wie die dadurch ausgelösten sozialen Verwerfungen, die Möglichkeiten zur weiteren Profitmaximierung langfristig begrenzen.

Angesichts innerer Verfallserscheinungen wurden und werden immer wieder Kriege ausgerufen, gegen Feinde, die sich gerade anbieten. Das führt dann zu einem vorübergehenden Aufschwung einer Kriegswirtschaft, die wirksame Munition produziert. Aber auch solche Blasen kollabieren erfahrungsgemäß, wenn das Limit der Ausdehnung erreicht wird. Entschlossene Rufe, wie „Wir sind im Krieg!“, sind daher immer auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit.

… Momentan beruhigen sich alle damit, dass der Impfstoff uns alle alsbald retten könnte. Bezogen auf das Finanzsystem ist das jedoch nur die nächste Illussion. Denn ohne fundamentale Änderungen steht hier nur eines fest: Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt.“ Schick 2021

Die dritte Katastrophe: Covid-19

Wie die ersten beiden Krisen hat auch die SARS-CoV-2-Pandemie etwas mit menschlichem Verhalten zu tun. Neue Viren fallen nicht vom Himmel wie Meteoriten: Die Wahrscheinlichkeit ihres Auftauchens steigt u.a. mit dem Rückgang der Artenvielfalt, der Abholzung, der Umweltverdreckung und der Dynamik chemisch-industrieller Landwirtschaft. (Wallace 2020).

Zudem machen neue Viren nicht nur krank, sondern sie verweisen ebenso auf bestehende Krankheiten. Viele, die mit ihnen in Berührung kommen bleiben gesund.

Die Verbreitung des tödlichen Ebola-Virus ist z.B ein Anzeichen für kranke „Gesundheits“-Systeme. Covid-19 spiegelt eine abnehmende Fähigkeit bestimmter Personen auf neue Herausforderungen effektiv zu reagieren (bedingt durch vorgeschädigte Organe, übererregtes Immunsystem, Alter, Übertherapie, Adipositas, Bewegungsmangel uva.). Oder die Tatsache, dass viele Menschen in krankmachenden Verhältnissen leben müssen (u.a. mit Feinstaub).

Es läge deshalb nahe, sich nicht nur auf die Bekämpfung des Virus zu konzentrieren. Sondern sich ebenso intensiv zu fragen, was getan werden muss, um Gesundheit zu fördern: durch geeignetes Verhalten (Bewegung, Schlaf, Ernährung, u.a.) und geeignete Verhältnisse (Schutz älterer Menschen u.a.).

Im Zusammenhang mit diesen, zurzeit drei, fundamentalen Krisen entwickeln sich weitere:

  • Entwicklungsverzögerungen bei Kinder (Bewegungs- und Sprach-Kompetenz, Handfertigkeiten, soziale Fähigkeiten uva)
  • Zunahme psychiatrischer Erkrankungen,
  • Epidemien von Adipositas, Diabetes, Immunstörungen uva.,
  • weiteres Aufklappen der Schere zwischen Arm und Reich,
  • Demokratieabbau,
  • Gesundheitliche Folgen der Medikalisierung aller Lebensbereiche
  • und viele andere.

„Ein gesundheitlicher Notfall dieses Ausmaßes erfordert einen strategischen und systembasierten Ansatz.“ – „A health emergency of this scale requires a strategic and systems-based approach.“ BMJ 08.01.2020)

Ein Problem vernichten?

Die gängige Strategie angesichts vieler Probleme ist es (wie jetzt in der „Corona-Krise“):

  • eines herauszugreifen, und
  • es der Einfachheit halber (gedanklich), von allem anderen zu trennen.

Ist ein Problem dann erst einmal definiert (zum Beispiel die Verbreitung eines Virus), werden Strategien entwickelt, die das Problem isolieren, eingrenzen und ultimativ beseitigen sollen. Damit soll erreicht werden, dass die Welt nach der Problemlösung so sei, wie sie vorher gewesen war.

Das wird sich auch bei Covid-19 als Illusion erweisen. (Schrappe 10.01.2021) Die verzweifelten Rufe nach immer radikaleren Lösungen, die die „Dauerwelle“ wegzaubern sollen, werden unsere Chancen nicht erhöhen, die anderen beiden großen Krisen zu überleben.

Pat-end-lösungen, mit immer härteren Lockdowns, werden unter anderem immer heftigere Kollateralschäden bewirken, besonders bei Kindern.

Die scheinbar radikale Forderung nach „Zero-Covid“ im Rahmen eines „solidarischen“ Lockdowns, macht allein aus biologischen Gründen keinen Sinn: Denn die Viren sind da, sie verbreiten sich (schneller oder langsamer) weiter, und harmlosere Varianten, die ihren Wirt nicht umbringen, werden bessere Verbreitungschancen haben. So wie bei jeder Virusinfektion. Ein „Null“ kann und wird es daher nicht geben. Die Menschheit wird auch mit diesem Virus leben müssen.

„Ein solidarischer Lockdown ist ein Etikettenschwindel. Dahinter verbirgt sich die Forderung nach einer Verschärfung der Umverteilungspolitik von unten nach oben. … mit ihrem Appell (gießen sie) Öl ins Feuer einer zutiefst unsozialen Politik, die sich weit von demokratischen Prinzipien entfernt hat.“ Multipolar 18.01.2020,

Als Folge der absehbaren Dauer-Lock-downs werden die Fähigkeiten, neue Herausforderungen flexibel zu bewältigen (Resilienz), weiter sinken lassen; insbesondere bei Kindern. Kriege „gegen irgendetwas“ (z.B. Krankheit), führen eben nicht zwangsläufig zum Frieden (zu Gesundheit).

Sich auf die Apokalypse vorbereiten?

Der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist Europa und Nordamerika der ideologische Überbau abhanden gekommen. Die entfesselten Märkte werden weder von Religionen noch von Staaten kontrolliert. Angesichts der unübersehbaren Krisen, denen keine langfristiger Perspektiven gegenübergestellt werden, schwindet das Vertrauen der Bevölkerung in die Weisheit der Mächtigen. Viele basteln sich zurzeit ihr eigenes Weltbild, oder sie laufen anderen hinterher, die einfache Lösungen zu bieten scheinen.

Eines der vielen unguten Phänomene dieser Art ist die Modebewegung der „Prepper“, die sich auf den „Weltuntergang“ vorbereiten (ZDF 17.09.2020, NDR 23.05.2018).

Das Spektrum solcher Bewegungen reicht von harmlos bis faschistoid.

Solange es sich noch gut leben läßt, im reichen Norden, werden auch die „Prepper“ im Lockdown noch brav nach Hause gehen, wo ihre Vorräte lagern. Wenn sie sich aber abgekoppelt fühlen von der Gesellschaft, könnten sie rebellieren. Zum Beispiel, wenn sich die Wirtschaftskrise verschärfte oder eine Finanzblase platzte. Einen unorganisierten Mob wird man dann mit bewaffneter Staatsmacht noch relativ einfach unterdrücken können (CNBC 13.01.2021) . Aber auch Massenpsychosen?

‚Messes‘ managen?

Komplexe Probleme werden im Englischen als „mess“ bezeichnet: als Chaos oder Durcheinander.

Manche Probleme erscheinen (besonders mit Tunnelblick) relativ einfach und isoliert zu sein. Mit etwas Ruhe und Abstand kann man dann aber Wechselwirkungen und Beziehungen erkennen. Verschiedene zusammenhängende Probleme erscheinen dann nicht mehr unabhängig voneinander: Vielmehr wird bewusst, dass sie in der Realität dynamisch interagieren, und so zufällig völlig neue Situationen schaffen.

Einzelne Probleme existieren nur als willkürlich aus komplexen Situationen herausgegriffene Erscheinungen: Sie sind immer Anteile oder Aspekte größerer Zusammenhänge.

Problem-Komplexe („messes“) lassen sich nicht durch Optimierung einzelner Probleme verbessern. Stattdessen ist es notwendig, eine Situation wahrzunehmen und zu akzeptieren, wie sie sich in ihrer Gesamtheit (mit allen Aspekten) darstellt und entwickelt. Erst dann kann man sich ihr anpassen und sie begleiten, einfluss-nehmend und, im günstigen Fall, auch lenkend.

Etwa wie ein Kapitän, der Wolken, Wind, Wellen und den Zustand seines Schiffes gleichermaßen beachtet und unaufgeregt-überlegt handelt.

Bei neuen komplexen Problemzusammenhängen (die z.B. durch eine Epidemie verschlimmert wurden) wäre es günstig, möglichst viele unterschiedliche Sichtweisen einzubeziehen, Möglichkeiten zu prüfen und Strategien zu entwickeln, die die Zahl der Möglichkeiten vermehren, indem getan wird, was die Gesamtsituation erfordert.

Viele Personen einbeziehen, und sie durch eine Vision begeistern. Bild: Julian Pratt eta. Partnership for purpose. Whole system Thinking working paper series. Kings Fund, 2000, ISBN 1-85717-299-9

An Visionen arbeiten

Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Antoine de Saint-Exupéry (Quelle)

Im Kampfgetümmel ist keine Zeit für Visionen. Ohnehin halten sich „Problemlöser“ lieber an die Empfehlung von Helmut Schmidt

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen,” Schmidt über Willy Brandts Visionen im Bundestagswahlkampf 1980

Wichtiger sind ihnen „Ziele“, denn die sind (eng und einfach) das Gegenteil des Problems: „Viel Covid: schlecht!“ – „Kein Covid: super!“

Visionen dagegen erweitern das Blickfeld auf alle Aspekte einer Situation, die sich verändern und entwickeln. Während Problemlösungen typischerweise mit einer Antwort beginnen („Genau so!“), entstehen Visionen aus Fragen. Zum Beispiel: „Wie wollen wir in 20 Jahren leben?“

Eine mögliche Vision, die vor meinen Augen auftaucht, wäre die einer glücklichen Gemeinschaft, in der sich unsere Kinder und Enkel friedlich, demokratisch, solidarisch, neugierig verwirklichen können – weil sie eingebettet in elastisch-stabiles, artenreiches Ökosystem leben.

Solche Vision muss man gemeinsam ausgestalten. Dann entsteht Sehnsucht. Und der Wunsch etwas zu tun. Und schließlich kommen konkrete Fragen nach der Strategie auf:

  • Mit noch mehr Wachstum?
  • Mit einer echten Transformation, die sich von dem Wachstumszwang verabschiedet? (Kern 2020)

Fundamentale Krisen-Komplexe bringen den großen Vorteil mit sich, dass nichts mehr sein kann, wie es war: Sie eröffnen Chancen für grundsätzlich neue Erfahrungen.

Zum Beispiel könnten mehr Menschen entdecken, dass wir in Systemen leben und daraus bestehen. Dann würden

  • Problem-Ausrottungs-Trancen (oder nach Watzlawick „Paten-end-lösungen“) an Bedeutung verlieren, und
  • Wechselwirkungen, Zusammenhänge, Dynamiken größere Aufmerksamkeit erhalten.

Wir würden beginnen, im Interesse unserer Kinder und Enkel handeln. Und nicht mehr gegen sie.

Mehr

Literatur

Selber denken in der Krise

12. Januar 2021

Wichtig ist: nicht aufhören zu fragen. The important thing is not to stop questioning. Curiosity has its own reason for existence. Einstein

Meist denken wir fremd.

Und tun das, was wir sollen – dem folgend, was aufgeschrieben wurde.

Wir glauben denen, die die Wahrheit kennen. Reagieren auf Herausforderungen mit angelernten Handlungsroutinen. Halten uns an Anweisungen. Und hoffen, dass es „so“ gut wird.

Fragen offenbaren Unsicherheit.

Befehlen folgen und handeln geschieht ohne Zeitverlust. Im Gegensatz zu Innehalten und sich interessiert umschauen.

Fragen werden daher nur toleriert, wenn genügend Zeit zur Verfügung zu stehen scheint. Oder wenn Unwissende Antworten suchen, die andere seit langem besitzen. Wird aber etwas, was allgemein als „richtig“ akzeptiert wurde, hinterfragt, macht man sich unbeliebt. Denn Zweifel, an dem was getan werden muss, könnten Problemlösungen verzögern, oder gar die Sicherheit einer gewohnten Weltsicht ins Wanken bringen.

Entweder ist es richtig, falsch, sinnlos oder imaginär. G. Spencer-Brown

Wenn immer alles es so ist, wie es war, wären Fragen überflüssig. Taucht aber plötzlich eine Situation auf, die es so noch nicht gegeben hat, versagen Weisheiten, die nur auf vergangenen Denkmustern beruhen.

An solchen Weggabelungen kann man stehenbleiben und staunen. Und erkennen, dass etwas (noch) nicht verstanden wird.

Bieten die gewohnten Gewissheiten dann keine Lösung, sind neue Ideen nötig. Also entstehen aus Fragen Erklärungsmodelle, die ausprobiert werden, sich als fehlerhaft erweisen, zu neuen Fragen führen, und zu veränderten Experimenten. 

Ausprobieren macht Spaß. Ohne die vielen offenen Fragen gäbe es nur Religionen, und keine Wissenschaft. (Rovelli 2019).   

„Betrachte die Welt von einem anderen Standpunkt“ „Take the world from another point of view“  Interview (Video) Richard Feynman (1918-1988)

Meditative Ruhe? Archaische Bedrohung? Nur Sand, Muscheln, Steine?
Bewertungen sind nur im Innern des Betrachters. Bild Jäger, Juist 2019

Die Kunst des Fragens

Die Grundlage jeder guten Frage ist „Nicht-Wissen“. Niemand hat je etwas gelernt, was er vorher schon wusste.

Am besten sind Fragen gepaart mit Neugier, um etwas herauszufinden. Sobald jemand aber glaubt zu wissen, wie es „wirklich“ sei, stirbt der Entdeckerdrang. Werden dagegen neue Fenster aufgestoßen, eröffnet sich eine neue unbekannte Welt, in der wieder neue Fragen aufkeimen.

Es gehört Mut dazu, Un-sicherheit ertragen, und über die eigene Beschränktheit zu lachen. Allerdings kann das Wissen um Nicht-Wissen auch zufrieden machen: weil es den Freiheitsraum erweitert.

Neugierig forschende Menschen fühlen sich auch in Situationen wohl, in denen andere Einsamkeit empfinden würden. Und sie haben weniger Bedarf an besserwissenden Dogmen und esoterisch-religiösem Geschwurbele. (Kanazawa 2015, 2016)

Gerade in Gefahr: Fragen!

statt: vorschnell antworten.

Bei Covid-19 geschah 2020/2021 das Gegenteil: hektischer Aktionismus, Tunnelblick, Dogma, politischen Dampf, Kampf-Euphorie, Kriegs-Metapher, Stress.

Zusammenhänge, Beziehungen und Wechselwirkungen waren unwichtig. Stattdessen wurde und wird „gegen“ etwas gekämpft: gegen Probleme, Mikroben, Terroristen oder Andersgläubige.

Diejenigen, die den Priester:innen der offiziellen Wahrheiten nicht folgen, organisieren sich in Sekten, die gegen übermächtige Kirchen zu kämpfen glauben. In diesem Kampf des gegenseitigen Besser-Wissens, bleibt nur wenig Raum für vorurteils-freies Fragen:

“ .. Durch die Epidemie ist es zu einer Fragmentierung der Gesellschaft in Gruppen („Clans“) gekommen, die sich in erster Linie in der Abgrenzung gegenüber dem „Außen“ stabilisieren und das Interesse an der Integration discordanter, „nicht passender“ Meinungen verloren haben. .. Die dabei ins Spiel kommende Vorstellung von Wissenschaft als geschlossene Faktenordnung mit direkt ableitbaren Handlungsanweisungen beruht auf einem szientistischen ( und solutionistischen) Missverständnis dessen, was Wissenschaft darstellt – nämlich das konstitutive Prinzip des systematischen Zweifels, dass Wissenschaft als plurales Wissensregime ausmacht. Dieses Missverständnis erfüllt eine relativ präzise zu benennende politische Funktion: nämlich die der argumentativen Schließung und der Abwehr bzw. Abwertung von Kritik.“ Thesenpapier 7.0, Schrappe et.al 10.01.2021

Wahrheit und Lüge

Immer neue Realitäten entstehen, entfalten sich und werden wirklich. „Wahrheit“ oder „Unwahrheit“ dagegen sind, statisch, auf Vergangenes bezogen. Sie werden in dem Moment, in dem sie ausgesprochen werden, aktiv erstellt. Kinder erlernen diese Fähigkeiten mit etwa vier Jahren. Sie sind dann in der Lage, Kasperletheater zu verstehen,

D.h. sie können sich vorstellen, was im Kopf eines anderen vorgeht, der darüber nachdenkt, was sie wohl denken oder fühlen mögen. Ab diesem Zeitalter sind sie auch für Wahrheiten empfänglich. Sie lauschen den Botschaften von Lehrern und Eltern, die ihnen erklären, dass die Welt eben nicht so sei, wie sie von ihnen subjektiv erfahren wird, oder in ihrer Fantasie entsteht. Sondern vielmehr so, wie sie nach den Lebensmodellen der Erwachsenen zu sein hat.

Auch die Realität einer Pandemie ist nicht: sie wird. Sie entwickelt und verändert sich. Man kann solche dynamischen Prozesse begleiten, und, aus dem jeweils subjektiven Blickwinkel, die vielen Einflussfaktoren betrachten, denen sie unterworfen sind.

Unterschiedliche Bewertungen sind dann weder „wahr“ noch „unwahr“, sondern nur relativ plausibel oder relativ unwahrscheinlich.

Als (wahrscheinlich) „wahr“ kann man aus wissenschaftlicher Sicht nur bezeichnen, was nach zahllosen Überprüfungen bisher nicht widerlegt werden konnte. Zum Beispiel bestimmte Naturgesetze, die zu immer wieder gleichen Mess-Resultaten führen. Wir können deshalb annehmen, dass die Welt immer wieder, im Rahmen dieser Gesetzmäßigkeiten, neu entsteht.

Eine ganz andere Möglichkeit, etwas als „wahr“ zu erkennen, wäre die körperliche Wahrnehmung: In einem Moment die Dynamik und die Facetten des eigenen Selbst und des Umfeldes zu erleben und sich zu verbinden.

Sinkende Qualität kritischer Diskurse in Krisen

In Panik und in Stress kann man nicht kommunizieren. (s.u.: Vagus)

Man greift an, flieht oder bricht zusammen. In diesem Zustand können Information nicht sinnvoll verarbeitet werden. Man brüllt, um Macht zu demonstrieren, aber nicht um Erkenntnisse zu vermitteln,

Angst kann in ein anderes Gefühl gewandelt werden: in Neugier zum Beispiel. Auch dafür sind Informationen nicht hilfreich, sondern Sicherheit und Vertrauen.

Wird Angst nicht beruhigt, muss man sich an Scheinsicherheiten klammern: Ideologien, Dogmen, Rituale und Regeln.

Wenn es aber gelingt Angst ausklingen zu lassen, kann sich die Aufmerksamkeit weit öffnen, die Möglichkeiten wahrnehmen oder auf die Details zu schauen. Jetzt erst könnte man auf einer ruhigen und respektvollen Basis in einen Dialog treten, bei dem das Zuhören (um zu lernen) eine höhere Bedeutung erhielte, als das sagen (um zu überzeugen).

Diese Art wissenschaflicher Diskurse verarmt in unserer Gesellschaft. Und das besonders dramatisch in der Krise. Warum sind Wissenschaftler:innen so oft unfähig sind fruchtbare Diskurse zu führen?

Graphik Jäger 2020, angelehnt an einen Essay von Edgar Wunder, 1998

Der Soziologe Edgar Wunder nennt die Kommunikationsstörung unter Wissenschaftler:innen „Skeptisches Syndrom“, und beschreibt damit einen Konflikt zwischen der inneren Einstellung und dem was, von Außen als Information, Erklärungsmodell, Hypothese herangetragen wird.

In der Graphik symbolisiert „Innen“ die eigene Einstellung, zwischen dogmatischer Enge und vorurteilsfreien, offenem Weitblick.

„Außen“ symbolisiert eine Idee, die im Gespräch oder über ein Medium herangetragen wird, und der man entweder zustimmen kann oder nicht.

Daraus ergeben sich vier Möglichkeiten des Kommunikationsverhaltens

  • Links oben: Bestätigung im Glauben etwas zu wissen.
  • Links unten: Falsches erkennen. Entweder überzeugen oder bekämpfen.
  • Rechts oben: Ausprobieren, weil es tatsächlich „so“ sein könnte.
  • Rechts unten: Neugierig gemeinsam etwas untersuchen und erforschen.  

Die Wirklichkeit wissenschaftlicher Diskussion rund um die Pandemie 2020/2021 sind verkeilt im unteren linken Feld. Welche Möglichkeiten bieten sich an, das zu verändern?

Mehr

Empfehlungen für kritisches Denken

gekürzt und sinnbemäß übersetzt

Bertrand Russel, 1872-1970

  1. Nie absolut sicher sein.
  2. Keine Evidenz vertuschen.
  3. Nie Denken abwürgen.
  4. Rational (emotionsberuhig und ideologie-arm) argumentieren.
  5. Kein Respekt haben vor Autoritäten.
  6. Keine Macht nutzen, um Meinungen zu unterdrücken
  7. Keine Angst haben exzentrisch zu erscheinen, denn jede akzeptierte Meinung war einmal exzentrisch.
  8. Mehr Spaß haben an intelligentem Dissens, als an passiver Zustimmung.
  9. Bei der eigenen Wahrheit bleiben.
  10. Nicht neidisch sein auf das Glück der Narren, die sich im Paradies des Wissens glauben.

Carl Sagan (1934-1996): Rules for Bullshit-Busting and Critical Thinking

  1. Unabhängige Bestätigung der „Fakten“.
  2. Alle sachkundigen Standpunkte einbeziehen.
  3. Wissenschaft kennt keine „Autoritäten“.
  4. Mehrere Hypothesen ausprobieren und verfolgen.
  5. Nicht (zu sehr) an einer Hypothese festklammern.
  6. Es messen, um es zu vergleichen.
  7. Prüfen, ob jedes Glied einer Argumentationskette funktioniert.
  8. Occam’s Rasiermesser anwenden: Im Zweifel die einfachere Hypothese wählen.
  9. Hypothesen versuchen zu widerlegen, besonders die liebgewonnenen.

Einstein

  • Imagination is more important than knowledge. Knowledge is limited. Imagination encircles the world.
  • It’s not that I’m so smart, it’s just that I stay with problems longer.
  • Great spirits have always encountered violent opposition from mediocre minds.
  • I believe in intuitions and inspirations. I sometimes feel that I am right. I do not know that I am.

 Literatur

  • Kanazawa S. et al: Happiness in modern society: Why intelligence and ethnic composition matter. J of Research in Personality, 59(2015):111-120
  • Kanazawa S  et al Country roads, take me home… to my friends: How intelligence, population density, and friendship affect modern happiness. Br J Psychol. 2016 Nov;107(4):675-697
  • Rovelli C: Die Geburt der Wissenschaft, Anaximander und sein Erbe. Rowohlt 2019
  • Schrappe M: Thesenpapier 7.0, 10.01.2021
  • Wunder E: Skeptic Syndrome 1998 / 2019, veröffentlicht auf skeptizismus.de (zurzeit nicht erreichbar).  PDF-Download

Corona-Philosophie

25.12.2020

Nichts ist so, wie es scheint.
Anaximander von Milet (610-546 vuZ),
nach Rovelli: Die Geburt der Wissenschaft, Rowohlt 2019

Die Fähigkeit Tabus zu hinterfragen ist jung.

Homers Schilderung des listenreichen Odysseus ist erst 2.800 Jahre alt. Dieser Freibeuter hörte – in sich – keine Geister-Stimmen mehr. Auch nicht im Traum. Die Befehle der inneren Götter, die die Menschen vor Troja noch wie Marionetten gesteuert hatten, waren verstummt. Als sie ihn doch einmal betören wollten, verstopfte er sich die Ohren: Ein schlauer Einzelkämpfer, ganz allein auf sich gestellt. Ein ziellos Umherwandernder in wirren Zeiten. Aus sich heraus nach Orientierung ringend. Ohne Wahrheiten, denn die wurden von der Priester und Dogmatikern erst später verkündet.

Nur 300 Jahre später konnte jemand, neu-gierig fragend, herausfinden, dass die Erde schwebt (Rovelli 2009). Genial: Anaximander lies einfach unsinniges Glaubens-Geschwurbele weg. Aber wozu sollten solche gotteslästerlichen Gedanken nützlich sein? Bewegten sie etwa mächtige Armeen? Hielten sie etwa große Reiche zusammen?

Nein. Dazu mussten erst Wahrheiten erfunden werden: Konzepte, die über dem König standen und von niemandem angezweifelt werden durften. Mit Angst verbunden, um das Volk zu zwingen, der richtigen Ideologie zu folgen.

Selber-denken war ab dann wieder lebensgefährlich. Besonders in Krisenzeiten.

Reiner Mausfeld 03.06.2020: Angst und Macht. Ängste haben den Vorteil, dass sie leicht zu erzeugen sind und tiefergehende psychische Auswirkungen auf unser Handeln haben. … Reale Ängste werden in Binnen-Ängste umgewandelt … Apathie, und Status-quo-Neigung steigt, … Solidarität, Handlungsmut, Empathie sinken https://www.youtube.com/watch?v=-S5WhBxQUHg. Techniken der Angsterzeugung 20.04.2020: https://www.youtube.com/watch?v=7LdLaszpO2A

Angesichts gesellschaftlicher Umbrüche wäre es – eigentlich – dringend nötig, damit aufzuhören das zu tun, was schon immer getan wurde. Denn ein Denken, das Krisen erzeugt, kann nicht in der Lage sein, Krisen zu überwinden. Also müsste gerade in Gefahr nach Selber- und Neudenker*innen gesucht werden.

Erfahrungsgemäß geschieht in Krisen zunächst das Gegenteil: Andersdenkende werden bekämpft, weil sie den zerfallenden, aber noch herrschenden Glaubenskonzepten widersprechen. Bis ein Zusammenbruch erfolgt. Und man sie wieder braucht, weil man im Chaos nach einer neuen Orientierung ringt.

Karl Popper (1974): „Das Wichtigste ist, den großen Propheten zu mißtrauen …!“ https://www.youtube.com/watch?v=ZO2az5Eb3H0&feature=youtu.be

Die Unterwerfung

„Gemeinsam haben wir es geschafft: .. Den Triumpf der Menschheit über die Krankhheit!“ Boris Johnsen, Premier Großbritanniens anlässlich der 8,8 Mrd.-Sammelaktion für Covid-19-Impfstoffen, afp 05.06.2020

Es ist fünf vor zwölf.

Eigentlich müsste die Menschheit jetzt über das Wesentliche debattieren: In wenigen Jahren wird das 1,5°-Klimaziel endgültig verfehlt sein. Die Weltwirtschaft befindet sich in der größten Stag-Flation seit 1929. Die Reichen werden immer reicher. Die Armen rutschen ins Elend. Die Weltordnung zerbricht, die Kriegsgefahr steigt.

Die Spezies Homo sapiens steht, nachdem sie ein Erdzeitalter (Anthoprozän) geprägt hat, vor einer Klippe.

Machen wir als Schädlinge der Erdoberfläche so weiter wie bisher, werden wir in einigen Jahrzehnten unsere Lebensgrundlagen endgültig verspielt haben.

Besteht noch eine Chance, dass wir uns vom Schädling zum Nützling der Erde wandeln? Oder müssen wir erst auf den endgültigen Kollaps warten, nach dem sich die wenigen Überlebenden, vielleicht anders verhalten werden.

Für die fundamentale Krise, in der wir uns heute befinden, fantasierte der französische Schriftsteller Houellebecq 2015 eine überraschend einfache Lösung: Die Unterwerfung unter eine „modernisierte“ Einheitsreligion. Houellebecq dachte an eine Variante des Islam. Aber er übersah das Naheliegendere: die Macht des Gesundheitsmarktbetriebes.

Michel Houellebecq spielt mit den Ängsten … und dem Gespenst der Selbstaufgabe … Er hält in „Unterwerfung“ .. der westlichen Gesellschaft, die an ihrem „atheistischen Humanismus“ zugrunde gehe, einen Zerrspiegel vor. SD 16.01.2015

Kommentar von Lucien Scherer, NZZ 03.11.2020:
Niedergang der Diskussionskultur in Zeiten von Angst und braver Gesinnung

Triumph der Medizin

Bereits 1924 hatte ein anderer genialer Schriftsteller (Jules Romain) den heutigen Triumph der Medizin vorausgeahnt. Er beschreibt wie es einem Landarzt in kurzer Zeit gelingt, alle Dörfler in kranke Kund*innen zu verwandeln:

„Werden bei ihrem Vorgehen nicht die Interessen des Patienten denen des Arztes untergeordnet?“ – „Sie vergessen, es gibt noch ein übergeordnetes Interesse.“ – „Welches?“ – „Das der Medizin.“

Ich gebe Menschen eine Bestimmung und führe sie zu einer medizinischen Existenz.“ – “ … , bis zum Äußersten zu gehen und tatsächlich die ganze Bevölkerung ins Bett zu schicken, nur um zu sehen, was passiert, nur um es zu sehen!“

Das Leben hat einen medizinischen Sinn … Verschone mich mit Gesundheit!“ Jules Romain, 1926

1977 sah ein anderer Visionär, der Soziologe und Priester Ivan Illich voraus, das das Medizinsystem wie ein Krebsgeschwür in alle Bereiche des Lebens wuchern werde:

„… Die Verpflichtung der Gesellschaft, allen Bürgern die Produkte der Medizin in nahezu unbegrenzte Maß zur Verfügung zu stellen, droht die Umwelt und die kulturellen Bedingungen zu zerstören, die der Mensch braucht, um ein Leben in dauernder autonomer Gesundheit zu führen.

… falls eine durch blutige Enthüllungen in Panik versetzte Öffentlichkeit so eingeschüchtert würde, dass sie einer Ausweitung der Spezialisten Kontrolle über Spezialisten in der Gesundheitsindustrie zustimmte, dann würde dies zu einer Vermehrung krankmachender Gesundheitspflege führen …

Die institutionelle Gesundheitsfürsorge ist gleichbedeutend mit einer systematischen Verweigerung von Gesundheit..

Sie sie dient nicht der persönlichen Entfaltung sondern dem industriellen Wachstum … Der Medizinbetrieb könnte leicht zum ersten Ziel eines politischen Handelns werden …

Nur ein politisches Programm, das auf eine Beschränkung der Gesundheitsverwaltung durch Experten abzielt, kann den Menschen die Möglichkeit geben, ihre Kraft der Gesundheitspflege zurückzugewinnen.“ Ivan Illich 1977

Viele der Vorhersagen von Ivan Illich sind eingetroffen.

Ebenso die Prognosen des Ökonomen Leo A. Nefiodow, der vor einigen Jahrzehnten voraussagte, dass die Kommerzialisierung der „Gesundheit“ alle anderen Märkte an Dynamik übertreffen werde. Dabei bezog er sich auf die Beobachtungen von Nikolai D. Kondratjew (1892-1932), der  kapitalistische  Wachstums-Zyklen beobachtet hatte. Kondratjew beschrieb, wie den Aufschwungs-Phasen der Produktion regelhaft Krisen folgten, die im Zuge technischer Innovationen wieder überwunden werden, und denen dann ein neuer ökonomischer Aufschwung folgt.

Womit Nefiodow allerdings nicht gerechnet hatte ist, dass sich die fünfte Kondratjew-Welle (Digitalisierung) mit der sechsten Kondratjew-Welle (Medikalisierung) zu einem gigantischen Tsunami verbinden würden.

Unterwerfung funktioniert: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/regeln-befolgen-muss-man-den-menschen-so-leicht-wie-moeglich-machen-li.108195

Religiöses Denken hat wieder Hochkonjunktur.

Aber die alten Mittelmeer-Religionen werden davon nicht profitieren:

Gott sagt, für ihn sind tausend Jahre wie ein Tag. Und ein Tag wie tausend Jahre. Dazwischen kommen eben ein paar Tage Corona. Heidemarie Föster, Chrismon 11/2020

Die alten Gottesvorstellungen wirken angesichts der unkontrollierbaren Monster der Weltwirtschaft westlicher Prägung, völlig desorientiert. Ihre Moralsysteme zerfallen. Allerdings bietet die in China wachsende Neo-Religion aus Neo-Konfuzianismus und Tianxia (s.u.), eine Vision der viele Chines*innen folgen werden. Man plant fünf Jahre voraus und strebt einen „dualen Wirtschaftkreislauf“ an. Damit soll es gelingen, den Kapitalismus zu bändigen, die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zu verbessern und die Führungsrolle in der Welt auszubauen.

Die Gesundheitsreligion des Westens wirkt im Vergleich erbämlich: Es wird in immer neuen Lock-downs immer mehr Geld verblasen, dem aber kein Warenwert entgegensteht. Und zugleich dem Volk alles entzogen, was es bisher immer so erfolgreich abgelenkt hat. Eine erkennbare Zukunftsvision gibt es nicht, weil es sicher nicht so werden wird, wie es war. Das, was die Gesellschaft zusammenhalten soll, ist immer neue Angst und Panik-Mache.

Depression ist kein Zukunftsmodell, sondern macht die Gesellschaft noch kränker und krisenanfälliger, als sie ohnehin schon war.

NZZ 28.10.2020, 21:00: Klüger wäre es, die Politiker würden ihre eigene Hilflosigkeit eingestehen, anstatt das Land einem Experiment nach dem anderen zu unterziehen.

Es gibt nichts mehr, für das es sich lohnen würde zu kämpfen,

außer

„… Das nackte Leben – und die Angst, es zu verlieren – Das ist nicht etwas, was die Menschen verbindet, sondern was sie trennt und blind macht.

… Der Ausnahmezustand, auf den uns die Regierungen seit geraumer Zeit einstimmen, ist zu unserem Normalzustand geworden. … Die Menschen haben sich daran gewöhnt, unter Bedingungen einer ständigen Krise und eines ständigen Notstands zu leben. Dabei scheinen sie nicht zu bemerken, dass sich ihr Leben auf eine rein biologische Funktion reduziert hat und nicht nur jeder sozialen oder politischen, sondern auch menschlichen oder affektiven Dimension verlustig gegangen ist. Eine Gesellschaft, die im ständigen Ausnahmezustand lebt, kann keine freie Gesellschaft sein. Wir leben in der Tat in einer Gesellschaft, die die Freiheit zugunsten der sogenannten Sicherheitsgründe geopfert und sich selber dazu verurteilt hat, in einem ständigen Angst- und Unsicherheitszustand zu leben.Es wundert nicht, dass man in Bezug auf das Virus von einem Krieg spricht. Die Notmaßnahmen zwingen uns de facto, unter Bedingungen der Ausgangssperre zu leben. Nur ist ein Krieg mit einem unsichtbaren Feind, der sich in jedem Menschen einnisten kann, der absurdeste aller Kriege. Es ist in Wahrheit ein Bürgerkrieg.

Der Feind ist nicht außerhalb von uns, sondern in uns. Besorgniserregend ist nicht in erster Linie und nicht nur die Gegenwart, sondern das, was danach kommt. So wie die Kriege den Friedenszeiten eine Reihe unheilvoller Technologien hinterlassen, so werden sehr wahrscheinlich auch nach dem Notfall der öffentlichen Gesundheit die Experimente fortgesetzt, die die Regierungen vorher nicht durchzuführen vermochten. Sei es, dass Universitäten und Schulen geschlossen werden; sei es, dass der Unterricht nur noch online stattfindet; sei es, dass man endlich einmal aufhört, sich zu versammeln und über politische oder kulturelle Angelegenheiten zu reden, und stattdessen nurmehr digitale Nachrichten austauscht. Sei es, dass Maschinen jeden Kontakt – jede Ansteckung – unter Menschenwesen ersetzen“. Gergio Agamben, italienischer Philosoph

Pandemie- und Kriegsberichterstattung gleichen sich immer mehr an. Das Interesse der Öffentlichkeit speist sich aus tiefgreifenden Ängsten, die eine besondere Intensität erlangen, weil sich die gesamte Bevölkerung bedroht sieht. Aus dem Blickwinkel einer Regierung stellen Epidemien (wie Kriege) existenzielle Bedrohungen dar, weil in beiden Fällen jedes Versagen Rebellionen oder einen Regime-Wechsel herbeiführen kann.

Journalisten zappeln im Spannungsfeld zwischen Propagandisten, Verlautbarungen mächtiger Weisheiten, Falschmeldern, Intriganten und PR-Agenturen. Sauberer Journalismus ist oft auf dem Rückzug. Dabei wäre er gerade jetzt so nötig, um das gigantische Bevölkerungsexperiment zu beobachten und zu dokumentieren.

Stehen wir also, wieder einmal, am Ende der Philosophie?

Ja.

Weil „Spaltung & Polarisierung“ „Dogmen & Ideologien“ fördern. Die einen wollen als neu-digitale Medizinkunden nur das tun, was sie sollen, und die Minderheit kämpft „dagegen“ an – aber ohne bisher erkennbare Alternativ-Vision. Weder die, die sich gerade von Existenz-Angst zerfressen fühlen, noch die anderen, die „was auch immer“ mit aller Kraft bekriegen, werden Spaß daran haben selber zu denken.

Und nein.

Weil gerade jetzt die Chance besteht, dass sich einige Menschen jetzt, in Zeiten maximalen Verunsicherung, grundsätzlich anders selbst erkennen und neu verhalten.

Der Philosoph Hartmut Rosa thematisiert diese Chance, bei seiner Analyse eines Kern-Problems der modernen Zivilisationen,

„ … die Welt in Reichweite zu bringen. Sie verfügbar zu machen.

… Dabei droht sie uns jedoch stumm und fremd zu werden: (Denn) Lebendigkeit entsteht nur aus der Akzeptanz des Unverfügbaren.“ Hartmut Rosa

Die westlichen Gesellschaften erkennen zunehmend, dass das, was sie im Äußeren zu halten versuchen, ihnen immer mehr entgleitet, und dass sie im Inneren hohl und leer sind.

Hartmut Rosa empfiehlt, sich deshalb dem was uns und umgibt, und was uns durchdringt, wieder langsam zu nähern, und uns zu versöhnen. Damit könnte sich der Kampf um die Verfügbarkeit (um das Beherrschen und Gewinnen) wandeln in vorsichtige Beziehung und in Resonanz.

In der Evolution wird die Spezies Homo sapiens keine andere Alternative haben, als sich vom Krankheitserreger der Erdoberfläche zu einem harmlosen Nützling zu verändern. Aber keine/r der bisherigen Denkerinnen und Denker hat aufgeschrieben, wie das gelingen könnte.

Es ist jetzt dringender denn je, kreatives und schöpferisches Selber-denken und Selber-handeln anzuregen, und zu ermöglichen.

Mehr

Literatur

  • Carlo Rovelli: Die Geburt der Wissenschaft, Anaximander und sein Erbe, Rowohlt 2019 (Originalausgabe 2009)
  • Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit, Residenz Verlag, 2019
  • Ivan Illich: Die Nemesis der Medizin. Die Kritik der Medikalisierung des Leben: Beck Verlag 2007 (Originalausgabe 1977)
  • Jules Romain: Knock oder der Triumph der Medizin,1926, Reklam 1995
Die Herrschaft der Cyber-Docs markiert einen Höhepunkt, dem zwangsläufig ein Absturz folgen wird. Der Philosoph Giorgio Agamben fragt deshalb gerade jetzt nach dem Stellenwert des Körperlichen. Denn in allem Lebenden sind Geist-Körper-Umwelt ungetrennt eins. In allem was lebt sind die Beziehungen, Verbindungen und Wechselwirkungen wichtiger als die beteiligten Elemente. Bild: Jäger 2019

Mehr desgleichen!

Funktioniert etwas nicht, wird es wiederholt.

Dann mit noch mehr „Wumms“: Mit Entschlossenheit, Mut, Kraft, und notfalls auch mit Gewalt.

Wird der Kranke durch die verordneten Pillen nicht geheilt, muss eben die Dosis verdoppelt oder verdreifacht werden.

„.. Es besteht die paradoxe Situation , dass eine mit hohen gesellschaftlichen Kosten verbundene Lockdown-Politik durchgesetzt wird, ohne andere Optionen in Betracht zu ziehen und über einen dringend notwendigen Strategiewechsel überhaupt nur nachzudenken, obwohl die am stärksten Betroffenen, die höheren Altersgruppen und Pflegeheimbewohner/Innen, durch den Lockdown nicht geschützt werden.Thesenpapier 7.0 der Gruppe um Matthias Schrappe 10.01.2021
Markus Söder in der Welt am 09.01.2021 und 10.10.2021: „Das Virus ist die Pest! Normalzustand in absehbarer Zeit unmöglich!

„Mehr desselben wirkt einfach besser als weniger!“

Paul Watzlawik bezeichnete diese Erkenntnis als Pat-end-lösung: Man operiert den Patienten so lange, bis er sicher nicht mehr blutet. Solche Lösungen schafften — so Watzlawick – nicht nur das Problem, sondern auch alles damit Zusammenhängende, aus der Welt.

Die Geschichte der Medizin ist voll gruseliger Verschlimm-Besserungen, bei denen jeweils die Theorie der Erfolgskonzepte wesentlich bedeutsamer erschien, als die Realität der ausgelösten Kollateralschäden. (Packard 2016, Lachenal 2014, Wooton 2006)

Menschenverursachte Katastrophen laufen (immer wieder) nach gleichen Mustern ab. Fast immer sind die Handelnden dann „zutiefst“ von ihrer Weltsicht überzeugt: Denn die sei – alternativlos – die einzig richtige. Viele von ihnen sind keinesfalls böse, sondern wollen – missionarisch getrieben – Gutes bewirken. Nur überschätzen sie die Wirkung ihrer punktgenauen Interventionen, die sie – im Kriegstaumel – immer gewaltiger ausgestalten.

Ähnlich wie Donald Trump, der 2017 den Afghanistankrieg (ein für alle Mal) beenden wollte, und der deshalb eine so genannte „Mutter aller Bomben“ abwerfen ließ. Den Krieg verlor er zwar, die getroffene Region strahlt aber immer noch.

Da der Umfang der Probleme, die durch die Intervention entstehen, anfangs noch unbekannt sind, werden sie unterschätzt. Es ist nicht überraschend, dass „die Dinge“ immer wieder „zurückbeißen“ (Tenner 1997, Dörner 2003)

Wer einen Hammer hat, dem erscheinen alle Problem als Nägel. Wenn sich Probleme dann als Fische erweisen: Muss man eben heftiger zuschlagen. (Paul Watzlawik: Vom Schlechten des Guten, 1986). Im März 2020 setzte sich die Marketing-Strategie „The hammer and the dance“ durch: heute im Januar 2021 müssten wir eigentlich tanzen.

Die dritte Möglichkeit

Statt „zuviel des Guten“ könnte man, gerade in gefährlichen Situationen, überlegter und vorsichtiger vorgehen. Es wäre sogar möglich, die eigene Einstellung ändern.

Zum Beispiel könnte sich ein Problem, das unbedingt beseitigt werden muss, in ein Symptom wandeln, das Wechselwirkungen anzeigt, die sich verändern sollten.

Analogie zu Covid-19

Noch ist die logische Konsequenz des Scheiterns des Lockdown (Schrappe 17.02.2021 , Schrappe 25.12.2020) : Verschärfung des Lockdown!

Für die überwältigende Mehrheit der Politiker:innen und Medien erscheinen die befohlenen Interventionen alternativlos zu sein. Die langfristigen Schäden, die insbesondere bei Kindern angerichtet werden, vernachlässigen sie.

„Kollateralschäden sind inbegriffen: Die Folgen der Schulschließungen sind nicht nur für die Bildung fatal (FAZ 06.01.2021)

Kritik flammt nur auf, wenn es all denen, die an die große Erlösung glauben, nicht schnell genug geht mit der Problembekämpfung:

„Das Impfdebakel. Statt Ausatmen herrscht Enttäuschung vor: Die Politik bekommt das Coronavirus nicht in den Griff.“ Der Freitag 07.01.2021 – „Auf die Spitze getrieben Impfungen kommen nicht so schnell voran wie gedacht.“ (FAZ 06.01.2021)

Wird uns also diese Dauerwelle erhalten bleiben, wie ein Naturereignis?

Viral mutations may cause another ‘very, very bad’ COVID-19 wave, scientists warn Science mag 05.01.2021

Oder ist sie die schrille Begleitmusik (mit „Bazookas & Wumms“) einer grundlegenderen ökonomischen Krise, die sich seit September 2019 aufbläht und in ein paar Monaten platzen könnte? (Assets USA Federal Reserve ; Global stability Report IMF Okt. 2019)

Was können wir tun, ohne verrückt zu werden?

Innehalten, uns umschauen, selberdenken und Fragen stellen (s.u.). Und versuchen, die Möglichkeiten, die sich bieten, zu vermehren.

Ist weniger mehr?

Ist mehr besser?

Die Logik des Mißlingens

Umgang mit unbekanntem Nichtwissen

Interventionen in das Leben anderer

  • Lachenal G (2014): Lomidine Files. (Le médicament qui devait sauver l’Afrique) Pari,s Englisch: JHU Press 2017
  • Randall M. Packard: A History of Global Health – Interventions into the lives of other people. JHU Press 2016. ISBN 987654321
  • Wooton D (2006) Bad Medicine: Doctors Doing Harm Since Hippocrates, Review Fritzpatrik M: J R Soc Med. 2006 Oct; 99(10): 530.

Fragen zum Pandemie-Management

  • Haben immer neue Viren vielleicht auch etwas mit industrieller Landwirtschaft, Artensterben, Umweltverdreckung, Abholzung und Klimawandel zu tun? (Wallace: On the origins of Covid-19″, 2020)
  • Welche Begeleitfaktoren spielen bei Covid-19 eine Rolle? Zum Beispiel in Industrieregionen und Megastädten (relativ hohe Sterblichkeitsraten) und anderen Regionen, wie Laos/Vietnam/Kambodscha oder Neuseeland: (relativ geringe Belastungen durch die Pandemie)
  • Warum hat das Wissen um die Verschlimmerung der Covid-19-Pandemie durch Feinstaub (Xiao 2020 Wu et al, Harvard 2020) bisher kaum politische Konsequenzen (Smog-reduktion , Rauch-Prävention)?
  • Könnte ggf. auch die Kombination aus zuviel Arzneimittelkonsum (Thöns 2017) und Bewegungsmangel im Alter eine Rolle spielen, weil die flexible Anpassung von Immunfunktionen an Belastungen eingeschränkt wird?
  • Welche Rolle spielen zusätzliche Krankenhauskeime bei Covid-19?
  • Warum bleiben so viele Menschen, die mit SARS-Co-2 in Kontakt kommen, gesund?
  • Wo sind eigentlich Verhaltens- und Verhältnisprävention geblieben, die einmal auf der Top-Agenda der WHO standen? Gibt es im „Gesundheits“-Ministerium überhaupt noch Gesundheitsziele? ZB. uva. hinsichtlich Kinder-, Mütter-, Alten-Gesundheit …? Oder verfolgt man dort nur noch Bekämpfungs- und Markt-Ziele?
  • Wohin ist die Influenza verschwunden? WHO Flumart Report No 6 2020
  • Mit welchen gesellschaftlichen Kollateralschäden der Maßnahmen müssen wir rechnen? Insbesondere bei Kindern? Virus-kampf-erprobte Mediziner:innen scheint das wenig zu interessieren, Ökonom:innen aber schon seit Mitte 2020: Economist 18.07.2020
  • Warum wird die Wirksamkeit der Impfmaßnahmen nicht epidemiologisch-sorgfältig beobachtet: BIPS kritisiert Impfverordnung 27.12.2020
  • Wie kann die Wachstums-Ideologie, die die Welt zerstört, in eine nachhaltige Transformation unserer Gesellschaften gewandelt werden?

Letzte Aktualisierung: 23.04.2021