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28. März 2026

Kriege zerstören. Alles, was lebt.

Inhalt:

  • Krieg und Umwelt
  • Uranmunition

Kriegsfolgen für die Umwelt

Die größte Gesundheitsgefahr für Menschen und Tiere ist die Zerstörung der Umwelt (Fuller 2022). Wichtige Ursachen dafür sind: unbegrenztes Wirtschaftswachstum und die Kriege um die verbleibenden Ressourcen der Erde.

Kriege schädigen alle Aspekte des Lebens auf der Erde: das Klima, die Böden, die Meere, die Luft und alle Arten des Lebens.

Beobachter, die im März 2026 über schwerwiegende ökologische Folgen durch Bombardierung der iranischen Ölinfrastruktur berichten, verloren den Überblick über die Katastrophen, die durch den sich ausweitenden Krieg entstanden (The Guardian 10.03.2026):

„Das Öldepot Shahran nordöstlich von Teheran und das Treibstoffdepot Shahr-e südlich davon brannten zwei Tage nach den Bombenangriffen israelischer Kampfflugzeuge, weiter. … Die durch die Luftangriffe auf fünf fossile Brennstoffanlagen in der Umgebung der Stadt freigesetzten giftigen Chemikalien führten zu saurem Regen und schädigten Haut und Lunge. … Der Boden und die Wasservorräte rund um Teheran seien bereits durch den Niederschlag der Explosionen vom Wochenende kontaminiert.

Der schwarze Regen, der in den Stunden nach den Bombenanschlägen über Teheran fiel, war … eine Mischung aus Ruß und Feinstaub aus den Explosionen und Regen aus einem Sturm, der bereits über die Region hinwegzog. … Die Luftangriffe auf Öllager setzten Ruß, Rauch, Ölpartikel, Schwefelverbindungen und wahrscheinlich auch Schwermetalle und anorganische Stoffe aus den Gebäuden frei, während ein Tiefdruckgebiet, das typischerweise um diese Jahreszeit über den Iran und Westasien hinwegzieht, günstige Bedingungen für Niederschläge schuf. … Aus atmosphärisch-chemischer Sicht produzieren die Ölbrände Schwefel- und Stickstoffverbindungen, die sich in Regenwasser auflösen und Säuren bilden können.

Die Risiken für die menschliche Gesundheit entstehen durch das Einatmen oder Berühren des Rauchs und der Partikel. Zu den unmittelbaren Auswirkungen können Kopfschmerzen, Reizungen der Augen und der Haut sowie Atembeschwerden gehören – insbesondere bei Menschen mit Asthma, Lungenerkrankungen, älteren Erwachsenen, kleinen Kindern und Menschen mit Behinderungen. … Es handelt sich um einen regelrechten chemischen Cocktail, darunter erhebliche Mengen an aromatischen Verbindungen, von denen bekannt ist, dass sie mit der DNA interagieren und mit Krebserkrankungen in Verbindung gebracht werden. Ob sich dies manifestiert, hängt stark davon ab, wie lange und wie stark eine Person diesen Stoffen ausgesetzt ist.

Hinzu kommt, dass das Material, sobald die Tanks und Rohre zerstört sind, überallhin fließen und eine Menge schädlicher Stoffe hinterlassen wird, die den Boden durchdringen und alles andere bedecken. Es besteht die Gefahr einer Kontamination der Trinkwasserversorgung. … Wir wissen mittlerweile von Hunderten umweltproblematischen Vorfällen im Iran und in der Region, aber aufgrund des anhaltenden Konflikts, der Internetbeschränkungen und der Verzögerungen bei der Verfügbarkeit von Satellitenbildern ist diese Zahl sicherlich zu niedrig angesetzt. …

Die Umweltbilanz des Krieges und seine potenziellen Auswirkungen auf Menschen und Ökosysteme zusammenzufassen, wird eine enorme Aufgabe sein, die mit jedem Tag, an dem der Krieg weitergeht, komplexer wird. Nachdem in den ersten Tagen militärische Einrichtungen angegriffen wurden, sehen wir nun eine Ausweitung auf zivile und doppelt genutzte Einrichtungen, wodurch sich auch die Bandbreite der mit den Militäraktionen verbundenen Risiken für die Umwelt und die öffentliche Gesundheit vergrößert.“ (Zitatende, freie Übersetzung, Unterstützung deepl.com) Mehr: BZ vom 16.03.2026

Kriege zerstören die Biosphäre. Appelle halten sie nicht auf.

Militarisierung, Kriegstreiberei, Profitsucht und (zu deren Absicherung) ein immer gewaltigeres Aufblasen der Rüstungsetats gefährden die Existenzgrundlage der Menschheit. (Mögeling 2026)

Vor diesem Hintergrund sind aufwendige, umweltschädigende Spektakel wie Weltklimakonferenzen höchstens eine Ablenkung von Kernproblemen. (Mach 2019, Lakhani 2025, Guardian 15.09.2025)

DU-Munition

Der Begriff DU bedeutet abgereichertes Uran (englisch depleted uranium). Abgereichertes Uran entsteht bei der Anreicherung von Kernbrennstoff für Atomkraftwerke und von waffenfähigem Uran für Atombomben. Weltweit nutzen Militär und Rüstungsfirmen Waffen mit Uranmunition, zum Beispiel um Panzer zu zerstören oder Bunker zu sprengen. Unter anderem besitzen die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland, Griechenland, die Türkei, Israel, Pakistan, Saudi-Arabien und Thailand diese Waffen.

Wegen der hohen Dichte des Urans entfalten DU-Geschosse beim Auftreffen auf das Ziel eine große Durchschlagskraft. Sie gelten als „panzerbrechend“. Von 1999 bis 2026 wurden bei den Kampfeinsätzen unter Führung der USA erhebliche Mengen DU-Sprengstoff abgeworfen. Offizielle überprüfbare Daten dazu gibt es nicht, aber verfügbare Informationen sind u. a. hier aufgelistet: Spacer, Combat.

DU ist als Schwermetall ein chemisches Zellgift, als Alphastrahler verursacht es radioaktive Schäden. Beide Wirkungen potenzieren sich. Bei der Explosion von Uranmunition bildet sich ein Aerosol mit Partikelgrößen im Nanobereich. Diese Partikel gelangen durch Einatmen, durch Aufnahme mit dem Wasser oder Nahrungsmitteln, aber auch über Wunden in den menschlichen Körper. Das Uran-Aerosol kann durch den Wind weiträumig verteilt werden. Im Blut gelöstes ‚DU‘ wird in wenigen Tagen über die Nieren ausgeschieden, aber im Skelett eingelagerte Uranpartikel bestrahlen dort jahrelang umliegende Zellen mit Alpha-Teilchen. Das verursacht Knochentumore und Leukämie. Eingeatmete Uranpartikel werden in der Lunge abgekapselt oder in regionale Lymphknoten transportiert, wo sie dauerhaft verbleiben und Krebs erzeugen können.

Uranmunition, die im Boden lagert, ist Verwitterungs- und Auswaschungsprozessen ausgesetzt. Bei der Verwitterung der Uranmunition entstehen Uranminerale (u. a. Sabugalit), in denen das giftige Uran fest gebunden ist. Ein Projektil könnte sich innerhalb von 50 Jahren komplett in Sabugalit umgebildet haben. Es entstehen aber auch wasserlösliche Uranverbindungen, die in Sicker- und Grundwasser gelangen und anschließend von Pflanzen und Tieren aufgenommen werden, und Grundwasser, Böden und Pflanzen bedrohen. (Schimmack 2007)

Die ersten Krankheitsbilder, die sich nach Kontakt mit Uranmunition entwickelten („DU-Syndrom“), wurden 2001 bei Soldaten beschrieben, die 1999 am Krieg im ehemaligen Jugoslawien teilgenommen hatten. (Bleise 2001)

Italien hat im Jahr 2009 den kausalen Zusammenhang von DU-Munition und bestimmten Krebserkrankungen anerkannt und 30 Millionen Euro als Wiedergutmachungsfonds für kranke Soldaten bereitgestellt.

Munition mit abgereichertem Uran wurde in den Balkan-Kriegen, im Kosovo-Krieg und in den beiden Irakkriegen 1991 und 2003 eingesetzt. Es kam zu einem Anstieg der Fehlbildungen, sowie von Krebs bei Kindern und Erwachsenen. Weitere Länder mit DU-Belastung sind  Libyen, Afghanistan, Syrien und (vermutlich) seit 2025 Gaza und der Iran.

Moderne konventionelle Mega-Bomben, die Erdbeben auslösen, sind möglicherweise noch mörderischer als DU-Munition. (MOAB, Afghanistan 2017) Aber die DU-Munition strahlt länger.

Frieder Wagner zu den Folgen des Einsatzes von Uranmunition: 
https://youtu.be/fk-Rb_S0_iI

DU-Einsatz im Kosovo 1999

Zitat: „Im Jahr 1999 griff die NATO die Bundesrepublik Jugoslawien an – unter dem Deckmantel einer humanitären Intervention. Was blieb, sind nicht nur zerstörte Städte und traumatisierte Menschen, sondern ein kaum beachtetes Erbe: der Einsatz von Uranmunition. Dr. Srđan Aleksić dokumentiert mit juristischer Präzision und menschlicher Tiefe die bis heute anhaltenden Folgen dieser Bombardierungen. Auf Grundlage zahlreicher Recherchen, Zeugenaussagen und internationaler Studien zeigt er auf, wie die NATO mit abgereichertem Uran nicht nur Infrastruktur zerstörte, sondern langfristig Gesundheit, Umwelt und Zukunft eines ganzen Landes vergiftete. Missbildungen bei Neugeborenen, eine dramatische Zunahme von Krebserkrankungen und das anhaltende Schweigen internationaler Institutionen sind nur einige der erschreckenden Konsequenzen. Dieses Buch ist ein aufrüttelndes Zeugnis – über eine Tragödie, die offiziell nie stattgefunden hat. Und über den unermüdlichen Einsatz eines Einzelnen, der sich gegen das Vergessen stellt und für Gerechtigkeit kämpft.“ Srđan Aleksić: Uran 238 – Das Krebsgeschoss, 2025

Die im Kosovo verschossene DU-Munition strahlt bis heute aus. Warum hat sie die NATO nicht wieder eingesammelt? Mit Strahlenmessgeräten sind sie dort einfach aufzufinden, solange sie bisher nicht zerfallen sind. Hätte man sie nicht ins Herkunftsland zurücktransportieren können? Muss die Zivilbevölkerung (insbesondere junge Frauen und Kinder) nicht langfristig vor den Strahlenfolgen geschützt werden?

Fliegerbombe. Vietnam 1997. Bis heute leiden die Bewohner dort unter den Folgen von Napalm. (Bild: Jäger)

DU-Einsatz im Irak

Die US-Armee griff im November 2004 Falludscha an (Irak, Provinz al-Anbarm). Die Belagerung dauerte wochenlang. Mit massivem Beschuss, u. a. mit 140 Tonnen DU-Munition. Über den tatsächlichen Einsatz der DU-Munition verweigerte das US-amerikanische Verteidigungsministerium nähere Angaben.

In den Jahren danach beobachtete man in Falludscha einen starken Anstieg von Kindersterblichkeit, Missbildungen und Tumor- und Leukämieerkrankungen. Die Zahl der Krebsfälle hatte sich in der Zeit zwischen 2004 und 2009 in Falludscha im Vergleich zu der Zeit vor 2004 vervierfacht. Die Krebsrate bei Kindern in Falludscha stieg auf das Zwölffache der Vergleichswerte in Ägypten, Jordanien und Kuwait. Auch die allgemeine Sterblichkeitsrate bei Kindern war fünfmal höher als in Ägypten und Jordanien und achtmal höher als in Kuwait. Die aufgetretenen Krebsarten ähneln denen, die sich bei Überlebenden der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945 herausgebildet haben. Die Geburtenrate sank deutlich ab. (Al-Shammari 2016 ; Busby 2010)

DU-Munition in der Ukraine

Seit 2023 wird in der Ukraine englische Uranmunition verschossen. Der Sieg über Russland wurde dadurch nicht greifbarer, aber seither sind Landschaften, Tiere und Menschen in den umkämpften Regionen bleibend verstrahlt. (Daily Mail 24.03.23 ; NTV 21.03.23 ; Aljazeerah 23.01.2023)
Theoretisch müssten alle Orte, an denen DU eingesetzt wurde, deutlich gekennzeichnet werden. Die Bevölkerung in diesen Gebieten müsste über die von abgereichertem Uran ausgehende Gefahr aufgeklärt werden. Und die Einschlagstellen müssten so schnell und gründlich wie möglich geräumt werden. Materialien zur Aufklärung über die Risiken von abgereichertem Uran müssten erstellt und zusammen mit der Aufklärung über die Risiken von Minen und Sprengkörpern vermittelt werden. (Fuller: Depleted Uranium in Ukraine 2024, Eslami N: A warning against Du Renaissance 2024)

Je länger das Massaker in der Ukraine andauert, desto schrecklicher werden die Folgen sein. Zumal auch banal-konventionelle Munition eine Katastrophe auslösen könnte: wenn das Atomkraftwerk Saporischschja getroffen würde. (Augs.-Allg. 23.03.2023)

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Literatur

Krieg und Umwelt

DU Munition


Letzte Aktualisierung: 01.04.2026