Glauben oder selber denken?

… Ausländer, Fremde, sind es meist – Die unter uns gesät den Geist – Der Rebellion. … Vertrauet Eurem Magistrat – Der fromm und liebend schützt den Staat – Durch huldreich hochwohlweises Walten – Euch ziemt es, stets das Maul zu halten. Heinrich Heine, Krähwinkels Schreckenstage, 1854

Wem darf man glauben?

Expert*innen kennen die „Wahrheit“. So auch in der Corona-Krise 2020. Politiker*innen leiten aus ihren Aussagen Handlungs-Zwänge ab. Das Vorgehen sei so wissenschaftlich legitimiert und folglich „alternativlos“. Die Bevölkerung erduldet es. Und hofft auf „wissenschaftlich begründete“ Entscheidungen.

In der gefährlichen weltweiten Corona-Krise scheint kein Raum zu sein für Zweifel. Die Menschheit ist bedroht von einer Naturgewalt, die ganze Gesellschaften in den Abgrund ziehen wird.

Wirklich?

Krise: Gefahr (links) und Möglichkeit (rechts). Bild: Wikipedia, oben alt-chinesische, unten vereinfachte Schrift

In jeder Krise stecken Möglichkeiten.

Eine der Möglichkeiten der Corona-Krise könnte zum Beispiel darin bestehen, dass mehr Menschen den Mut aufbringen, selber zu denken.

Selber-denken?

Meist denken wir bei komplizierten Zusammenhängen das, was andere, die es besser wissen müssen, aufgeschrieben oder gesagt haben. Wenn wir dann anderen „unsere Meinung“ mitteilen … wiederholen wir in der Regel etwas zuvor Gehörtes. Aber wir könnten auch kreativ und intuitiv aus unser Erfahrung Gedanken wahrnehmen, die neu und „unerhört“ wären.

In Angst ist das nicht möglich. Denn dann muss lösungsorientiert nach Sicherheit gesucht werden. Man hält sich im schlingernden Chaos lieber an Bewährtes und das von Expert*innen Gesagte.

Manchmal wird Angst aber auch von einer Überraschung abgelöst. Und dann entsteht eine Frage:

Das Killer-Virus ist gefährlicher als die jährliche Grippe!

Expert*innen versichern, das SARS-CoV-2-Virus verursache viel mehr Todesfälle als die jährlichen Pandemien mit den Influenza-Viren. Dort liegt die Sterblichkeitsraten weit unter 1% der Infizierten. Betroffen sind überwiegend ältere Menschen, die viele Vorerkrankungen aufweisen.

Weil Covid-19 deutlich häufiger zu Todesfällen führe als Influenza, seien Quarantäne-Maßnahmen, Grundgesetz-Einschränkungen, Kindergarten-Schul-Schließungen nötig. Und man müsse auch die rasante Talfahrt in eine Rezession in Kauf nehmen.

Ist das so?

Für die Annahme der großen Gefährlichkeit von SARS-CoV-2 sprechen die Zahlenangaben der „renommierten John Hopkins-Universität“ (Zitat aus den täglichen Tagesschau-Nachrichten). Danach wird die Sterblichkeit bei Covid-19 Patient*innen in Deutschland auf 2,64% geschätzt (Stand 15.04.2020). Die WHO gibt die Sterblichkeitsrate der positiv getesteten Fälle weltweit sogar mit 3-4% an (WHO 06.03.2020) Sicher deutlich mehr, als bei Influenza-Viren zu erwarten wäre. Mitte März wurde sogar noch Schlimmeres befürchtet: „In neun Tagen sind wir Italien! (Ruhrbarone 12.03.20). Dort lag die Todesrate der Infizierten mit dem gleichen Virus bei 7.2%! (Jama 17.03.20).

Allerdings …

Zwei Wochen später errechnete das RKI die Sterberate in Deutschland nur auf 0,8%-1% (Ärzteblatt 31.03.20RKI 09.03.2020). Man glaube aber, die wirkliche Zahl sei höher, weil noch nachgemeldet werde. Allerdings war die Zahl der Atemwegserkrankungen in Deutschland bereits „abrupt“ zurückgegangen (RKI 03.04.20). In der europäischen Sterbestatistik war für Deutschland nichts Ungewöhnliches erkennbar. Und auch in Nachbarländern war der Trend der Sterblichkeit nicht höher als in anderen schweren Grippeepidemien und bereits wieder rückläufig (Euromomo, 14 KW). Anfang April schätzte eine Untersuchung der ersten epidemischen Verbreitung von SARS-CoV-2 in Gangelt (NRW) die Sterblichkeit der Personen, die Covid-19 positiv getestet worden waren, auf 0,37%, was bezogen auf die Sterblichkeit der Bevölkerung 0,06% ausmachen würde (Steeck 09.04.20).

„Das COVID-19-Todesfallrisiko bei Menschen älter als 65 Jahre (während des Zeitraums der der Epidemie) entsprach dem Todesfallrisiko beim Fahren zwischen neun Meilen pro Tag in Deutschland und 415 Meilen pro Tag in New York City … Todesfälle bei Menschen unter 65 Jahre, ohne zugrunde liegende krankheitsverschlimmernde Zustände sind bemerkenswert selten“ Epidemiologe John Ioannides 10.04.2020

Eigentlich kann das nicht sein …

Die Bilder in den Nachrichtensendungen von völlig überlasteten Leichenbestattern trügen doch nicht. Oder?

Eine Studie aus den USA bietet eine naheliegende Erklärung: Die Covid-19- bedingte Sterblichkeit liege nur bei 0,1%, und dennoch seien (schlecht vorbereitete) Krankenhäuser in bestimmten Regionen überlastetet. Besonders dann, wenn alle Infizierten, wie sonst über einen Saisonverteilt, plötzlich in einer Woche die Notaufnahmen überfüllen:

Economist-Artikel vom 11.04. (freie Übersetzung): Influenza ähnliche Erkrankungen (ILI) ohne Influenza-Viren sind in den USA stark angestiegen ist. Der Anstieg hat das gleiche geographische Muster wie bei den Covid-19-Fällen … Insgesamt übertraf die geschätzte ILI-Grippe ohne Influenza vom 8. bis 28. März eine historische Grundlinie um 23 Millionen Fälle – das ist das 200-fache der Anzahl positiver Covid-19-Tests in diesem Zeitraum. Dies könnte die Ausbreitung von Covid-19 überbewerten, da die ILI-Grippe auch durch andere Viren verursacht wird. Sie könnte auch zu niedrig sein, da Personen mit asymptomatischem oder mildem Covid-19 nicht über einen grippalen Infekt berichten würden. … Covid-19 braucht 20-25 Tage, um Opfer zu töten. Die Publikation rechnet damit, dass sieben Millionen Amerikaner vom 8. bis 14. März infiziert wurden. Offizielle Daten zeigen 7.000 Todesfälle drei Wochen später. Die daraus resultierende Sterblichkeitsrate liegt bei 0,1%, ähnlich wie bei einer Influenza-Grippe. Das ist erstaunlich niedrig, nur ein Zehntel von einigen anderen Schätzungen. Vielleicht ist es einfach falsch, möglicherweise weil die Zahl der Todesopfer zu niedrig angegeben wurde. Vielleicht sind die New Yorker Krankenhäuser aber auch deshalb überfüllt, weil das Virus so ansteckend ist, dass es den Gegenwert eines Jahres an Grippefällen auf eine Woche zusammengepresste.“ Publikation: Silverman J MedRxiv 2020 www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.01.20050542v1.full.pdf

Eine Arbeitsgruppe der Standfort Universität (USA) schätzt, dass

„… die Prävalenz (Häufigkeit) von SARS-CoV-2-Antikörpern in Santa Clara County, basierend auf Seroprävalenz-Proben einer großen regionalen Bevölkerung, Anfang April zwischen 2,49% und 4,16% lag. Auch wenn diese Prävalenz weit unter der theoretischen End-Größe der Epidemie liegen könnte, deutet dies darauf hin, dass die Zahl der Infektionen 50-85-mal größer ist als die Zahl der derzeit im Bezirk Santa Clara festgestellten Fälle.“ Bendavid 2020 COVID-19 Antibody Seroprevalence in Santa Clara County, California , www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.14.20062463v1)

Lieber kluge Fragen stellen, als schlauen Antworten glauben

Manchmal sind Antworten, wie hier hinsichtlich der Gefährlichkeit von SARS-CoV-2, nicht eindeutig. Das zwingt dazu, der einen oder der anderen Seite zu glauben, oder selber nachzudenken. Oft beginnt Selber-Denken mit Fragen. Bei mir z.B. mit diesen:

  • Gibt es in einigen Regionen andere Faktoren, die die Ausbreitung von SARS-Cov.2 begünstigten, und die den Verlauf verschlimmerten (Umwelt, Luft, Medizinqualität …)?
  • Was sagen Meldezahlen aus?
  • Ist die angekündigte Jahrhundert-Rezession in Europa eine Folge der Corona-Pandemie, wenn sie schon lange vor dem Shut-Down bekannt war (IMF 24.02.2020 und IMF 27.03.2020?
  • Waren die Quarantäne Maßnahmen wirksam gegenüber Ländern, die einen Shut-down vermieden haben?
Schweden: https://en.wikipedia.org/wiki/2020_coronavirus_pandemic_in_Sweden –
https://www.folkhalsomyndigheten.se/smittskydd-beredskap/utbrott/aktuella-utbrott/covid-19/bekraftade-fall-i-sverige/ –
https://www.krisinformation.se/en/hazards-and-risks/disasters-and-incidents/2020/official-information-on-the-new-coronavirus/aktuellt-om-covid-19 –
Island: https://de.wikipedia.org/wiki/COV
ID-19-Pandemie_in_Island –
Niederlande: https://de.m.wikipedia.org/wiki/COVID-19
-Pandemie_im_K%C3%B6nigreich_der_Niederlande

Wenn die Tatsachen nicht mit der Theorie übereinstimmen muss man sie beseitigen.
If the facts do not conform, to the theory, they must be diposed of.
Murphys Law

Inproportion 18.04.2020

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Letzte Aktualisierung: 26.04.2020