Bewegte Kinder
Wir müssen neu anfangen.
Die Bildung unserer Kinder steckt in der Krise. Das Überangebot fertiger Lösungen (Medien, KI etc.) behindert oder verhindert Selbst-Denken.
Das Gehirn als ungetrennter Teil des Bewegungssystems wird bei Mangel an Bewegungs-Feedback-Signalen in seinen Funktionen abgebaut (und schließlich auch in der Substanz).
Vielfach beobachtet sind primitive Lebewesen (Korallen, Würmer), die sich nach mühsamem Kriechen irgendwo endgültig festsetzen, und die dann als Erstes ihre Nervenzellen verdauen.
In unserem Familienprojekt simbav.de sehen wir zunehmend körperlich-psychische Aufmerksamkeitsdefizite (z. B. die Unfähigkeit, Märchen anzuhören, die länger dauern als 5 Minuten, oder etwas konzentriert aus Bauklötzen zu bauen …).
Und ebenso bei vielen einen Mangel an körperlicher Grundkompetenz (Rückwärtsgehen, Hüpfen, Einbeinstand …). Der seit 2019 verstärkte Leistungsrückgang bei Mathematik und Naturwissenschaften erklärt sich u. a. auch damit, dass Kleinkinder mit allen Sinnen und allen erdenklichen Bewegungen Tausende von Gegenständen an- und erfassen müssen. Erst dann können sie eine „Menge“ bilden (z. B. „Ball“). Wenn sie nur viele ähnlich aussehende Muster auf einem Bildschirm sehen, können sie das nicht.
Die Folgen erkennt man später in der Uni. Denn die in der Schule trainierte Hauptkompetenz ist, eine Institution erfolgreich zu durchlaufen: durch Wiederkäuen und Ausspucken vorverdauter Information. Datenmengen durchforsten und „zuvor von irgendjemandem Gesagtes oder aufgeschriebenes“ formal perfekt wiedergeben, kann aber jede KI besser.
Vor einem halben Jahrhundert warnte der Verhaltensforscher Lorenz vor der „Verhausschweinung oder Verdeichschafung“ des Menschen. Er hatte gemessen, dass Wildtiere eine um ein Vielfaches effektivere Hirnkompetenz (und Hirnmasse) verfügen als ihre doofen Verwandten im Stall. Der Philosoph Grünewald spricht von einer „allgemeinen Verblödung“ und rät engagierten Eltern und jungen Menschen zu selbstorganisiertem Lernen.
Der Hirnforscher Gerald Hüther, der sich Jahrzehnte für einen Paradigmenwechsel der Bildung engagierte, resigniert („Ich gebe auf“).
Ich bin da weniger pessimistisch. Denn in einigen anderen Kulturen scheint man das zugrunde liegende Problem besser zu verstehen. Auch in Deutschland gäbe es eine Chance bei einer Revolution körperlicher-geistiger Entwicklung (neudeutsch Embodiment), besonders bei Kleinkindern bis jungen Menschen. Neudeutsch nennt sich diese Idee: Body turn. Um KI als Werkzeug handhaben zu können (also nicht nur Käfig, Gefängnis, Fußfessel oder Handschelle), muss man ganzkörperliche, natürlich gelassene Bewegungskunst trainieren, die alle körperlichen Sinne und psychologischen Funktionen dynamisiert und entwickelt.
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