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Kriege gegen Pest und Cholera

Der Siegeszug der modernen Medizin „gegen die Keime“ endet.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) war 2023 jede sechste im Labor bestätigte bakterielle Infektion resistent gegen bestimmte Antibiotika. Zwischen 2018 und 2023 stieg die Antibiotikaresistenz um 40 %, mit einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 5–15 %. (UN News, WHO 13.10.2025)

Die europäische Behörde zur Infektionsüberwachung berichtete erstmals im November 2024 über die Verbreitung carbapenem-resistenter E.-coli-Keime in Europa, für deren Behandlung keine gängigen Antibiotika mehr zur Verfügung stehen. (Eurosurveillance 2024, 29 (24):00727)

Jetzt fordert die WHO eine entschlossene Mobilisierung „letzter Waffen“ gegen die Keime.

Bilder: Jäger, Tansania 2022. links: Darmverschluss nach Antibiotika im Hospital. Rechts Pharma-Kommerz direkt gegenüber.

Ist die Theorie des 19. Jh., dass die Feinde des Körpers (die Keime) von außen kommen, nicht grundsätzlich überholt?

Jeder Krieg beginnt damit, dass zuerst das Böse benannt werden muss. Aus der Vielzahl von Wechselwirkungen aus einer unüberschaubar komplexen Realität wird ein Faktor herausgenommen und zur Ursache aller Übel bestimmt. Erst dann kann eine Gruppe von Terroristen durch immer bessere Militärtechniken und Strategien vernichtet werden.

Die Idee, dass eine bestimmte Krankheit (zielgerichtet) bekämpft werden könne, ist eine logische Folge, dass nur ein einziger Faktor für die Störung gesunder Lebensabläufe verantwortlich sei.

Die Benennung eines Feindes führt zwangsläufig zum Krieg. Und der nutzt der Militär-Industrie. Bei der Keimtherapie ist es ähnlich. Sie ist das Lebenselixier der Pharmaunternehmen und Gerätehersteller. Sie verkaufen Tests, denen eine Diagnose folgt, die den Trend zur Medikalisierung eines Lebensproblems bahnt. (BMJ 2024)

Vor 150 Jahren setzte sich bei Ärzten und Pillenherstellern militärisches Denken durch. Seither verloren Ruhe, Besonnenheit, Ausgleich und lebenorientiertes Handeln an Bedeutung.

Anders in der Physik: Dort wurde Ende des 19. Jh. das mechanische Denken von Ursache und Wirkung abgelöst, durch das Verstehen komplexer Wechselbeziehungen. Einzelfaktoren (Photonen) und Wechselwirkungen (Wellen) wurden als unterschiedliche Aspekte des Gleichen erkannt.

Seither sind der Naturwissenschaft scharfe Trennungen fremd.

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Letzte Aktualisierung: 23.03.2026