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16. November 2025

Oasen bei Hoffnungslosigkeit

Heilung ist ein friedlicher Prozess

Friedliches Ökosystem. Bild: Jäger 2018

Medizin wird bestimmt durch moderne Kriegsführung gegen Viren, Krebs, Bakterien oder gegen Probleme, Störungen oder Unpässlichkeiten.

Die Bekämpfung von Krankheit erfordert eine Architektur, in der optimale Ablaufprozesse des Patientenmanagements Kosten und Zeit einsparen, ohne die Erreichung kurzfristiger Ziele zu gefährden.

Medizinische Einrichtungen ähneln oft Fabriken, in denen dringende Reparatureingriffe erledigt werden. Patient:innen werden dort effizient im Rahmen von „patient-processing“ durchgeschleust. Die eigentliche Genesung soll nach der „zeitnahen“ Entlassung, „da draußen“ im ambulanten Bereich, stattfinden.

Angesichts baulicher Wucht erwarten die Patient:innen in Krankenhäusern technisch hochpräzise handelnde Expert:innen, die mit modernsten Algorithmen komplizierte Reparaturaufgaben erledigen.

Es fehlt oft an Räumen und Orten, die heilende Prozesse begünstigen. Friedvoll-licht-durchflutete Orte für ernsthaft erkrankte Menschen.

Tagung zu lichtdurchflutetem Bauen, Walsrode 1982

In England wurde diese Idee aufgenommen. Von einer an Krebs erkrankten Frau: Maggie Keswick Jencks. Die von ihr angeregte Oasen-Bewegung möchte Heilungsprozesse einfühlsam begünstigen – unabhängig von Bekämpfungsstrategien.

Maggie Keswick Jencks hatte erkannt, dass es für sie in einem Krieg gegen den Krebs keinen Sieg geben konnte.

„Maggie Keswick Jencks war siebenundvierzig Jahre alt, als bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wurde. Fünf Jahre später bekam sie starke Rückenschmerzen, die zunächst für Störungen des Bewegungsapparates gehalten wurden. Bis ihr ein Arzt mitteilte, dass sich der Krebs vermutlich auf ihre Knochen, Leber und Knochenmark verbreitet hätte. Daraufhin wurde sie in eine Spezialklinik in Edinburgh überwiesen. Dort musste sie in einem „schrecklichen, kalten Innenraum mit Neonbeleuchtung“ warten, bis eine Krankenschwester sie aufforderte, mit ihrem Ehemann in den Behandlungsraum zu kommen. Sie fragte dort sehr direkt:  „Wie lange haben wir?“ Darauf der Arzt: „Wollen Sie das wirklich wissen?“ – „Ja, wir wollen es wirklich wissen.“ – „Zwei bis drei Monate.“ – „Oh …!“ Und dann unterbrach die Krankenschwester: „Es tut mir sehr leid, Dear, aber wir müssen dich in den Korridor verlegen. Es warten so viele andere.“ Sie fand sich in einem fensterlosen Korridor wieder, und versuchte, mit der Vorstellung umzugehen, nur noch zwei bis drei Monate zu leben. Zufällig kamen Bekannte vorbei, die fröhlich fragten: „Na Kleine, wie geht’s?“ Ihr gelang ein verkrampftes Lachen: „Gut geht’s mir!“ (Zitat aus Guardian 11.02.2011)

Maggie war am Boden zerstört. Jede Hoffnung war verflogen. Aber sie verspürte noch Leben in sich. Sie nahm ihre Krankheit an. Und ebenso den Tod. Sie wollte, solange sie noch atmete, etwas Kleines, etwas Sinnvolles tun. Etwas für andere, die noch weiterleben würden. Sie wollte zu sich kommen, das eigene Leben selbst bestimmt gestalten und in Beziehungen wirken.

Respekt, Ruhe, Zeit, Raum

Bis zu ihrem Tod (1995) arbeitete Maggie mit einer jungen Krankenschwester an der Gestaltung von Krebsbetreuungszentren. Sie (Designerin) und ihr Mann (Architekt) realisierten Oasen: Ruhe- und Schutzräume, die allein durch die Schönheit ihrer äußeren Gestalt und durch die liebevollen Details ihrer Innenausstattung heilsam wirken sollten.

Die Maggie’s-Center entstanden in der Nähe von Krebsbehandlungszentren, sind aber von diesen organisatorisch und inhaltlich unabhängig.

Die Hemmschwelle, diese Orte zu betreten, ist sehr niedrig. Betroffene sind immer willkommen, für einen ersten Kontakt, für einen Tee oder ein Gespräch. Die Angebote, die den Raum füllen, helfen, zu entspannen und zu akzeptieren, und sie unterstützen den Aufbau von neuem Selbstwertgefühl. Der ganze Mensch mit allen seinen geistigen, körperlichen und sozialen Aspekten steht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Damit Harmonie entstehen kann, und die Zahl der Möglichkeiten für günstige Entwicklungen zunimmt.

Der Kampf gegen einen Feind (den Krebs) bleibt Aufgabe der Behandlungszentren. Bei Maggies beruhigt sich das Kämpfen, und ein Frieden (mit sich und dem Schicksal) erhält eine kleine Chance.

In den vergleichbaren Projekten anderer Länder stehen dagegen die kämpferischen Aspekte im Vordergrund. Hier gilt es wieder, fit zu werden, um den inneren Feind besiegen zu können.

Maggies Idee ergänzt (manchmal notwendiges) Kämpfen durch eine versöhnende Perspektive, die zu Ruhe führt, zu Lebenskraft und zu neuen Perspektiven, trotz Krankheit.

Die Maggie‘s-Zentren regen an, etwas anzunehmen, wie es ist, etwas Unbekanntes zu entdecken, etwas auszuprobieren, es zu entwickeln, es zu gestalten und es selbstbestimmt und kreativ mit Sinn zu erfüllen.

Maggie Keswick Jencks lebte und wirkte, nachdem man ihren nahen Tod angekündigt hatte, noch weitere sieben Jahre.

Maggie’s

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Literatur

Letzte Aktualisierung: 25.11.2025