21. Juli 2026

Gesundheit: Friede oder Krieg?

Inhalt

  • Krebs: Mit guten Worten „gegen …“ oder „für …“?
  • Infektion: Bekämpfen oder beruhigen?
  • Gesundheit: Folge von Pillen und Spritzen?
  • Gesundheits-Religion: Kontrolle und Kommerz?
  • Vagus: Der Gesundheits-Nerv (Link)

Krebs: Mit guten Worten „gegen …“ oder „für …“?

Die Deutsche Krebshilfe möchte die Kommunikation im Kampf gegen den Krebs verbessern. (krebshilfe.de, 07.07.2026) Weil eine gute Gesprächsführung sich positiv auf die weitere Behandlung auswirke, fördere man seit 2025 das Programm „TrainKommOnko“ mit mehr als acht Millionen Euro „um die Kommunikation in der Onkologie … nachhaltig zu verbessern“.

Heilung ist ein friedvoller Prozess.

Zellen, die nicht tun, was sie sollen, werden abgeräumt. Das geschieht regelmäßig, besonders im Schlaf. In jeder Ausatmung sendet die übergeordnete Steuerung des Immunsystems Impulse an weit entfernt liegende Zellen, dass die äußere Situation beruhigt sei. Wenn das so ist und die Körperfunktionen gelassen werden, räumen Immunzellen kranke Zellen ab. Ohne gesunde Zellen zu stören. (Anti-Inflammatorischer Reflex). Bei jeder Art von Krankheit, gerade in großer Gefahr, ist es daher nötig, für Ruhe zu sorgen. Deshalb haben Frühgeborene größere Überlebenschancen, wenn sie wie Känguru-Babys in ständigem Hautkontakt in intensiver Beziehung von Mutterliebe durchflutet werden.

Wenn es also Ärzten gelingt, durch eine hohe Qualität der Kommunikation, ihre Patient:innen zu beruhigen, Selbstvertrauen zu stärken und Lebensgeister zu wecken, werden Körper und Psyche Belastungen besser überstehen können.

Beziehungsreiche Medizin ist aber weit mehr als „gute Worte“ und zudem das Gegenteil von Kriegstüchtigkeit im Krieg „gegen“ einen äußeren Feind. Manchmal ist es nötig, zielgenau zu intervenieren, wenn es eine Bedrohungslage dazu zwingt. Das einzuschätzen erfordert eine optimale Beratung und Begleitung zu den Möglichkeiten, die das Medizinsystem bieten kann.

Zugleich aber auch Oasen der Ruhe und Geborgenheit, um zu sich selbst finden zu können.

Infektion: Bekämpfen oder beruhigen?

Menschen bestehen nicht nur aus Zellen. Sondern auch aus menschentypischen Bakterien und Viren. Alle lebenden Bestandteile wechselwirken in einem Gesamtorganismus. Diese Funktionszusammenhänge reifen unmittelbar nach der Geburt aus. Sie prägen Darm, Herz, Immunfunktion und Gehirn, und beeinflussen das gesamte weitere Leben. (Mikrobiom)

Krankheiten folgen Störungen von Systemzusammenhängen. Zum Beispiel, wenn das Mikrobiom verarmt oder das Immunsystem bei geringen Belastungen überreagiert. Die Bekämpfung einzelner, äußerer Störfaktoren bleibt dann oft unwirksam. Besonders, wenn gut gemeinte Interventionen mehr Begleitschäden anrichten, als sie nutzen können.

Ob Menschen eine Infektion mit einem Virus oder Bakterium folgenlos überstehen, oder ob sie sterben, hängt nicht nur von der Art und der Menge äußerer Erreger ab. Sondern ebenso von dem erlernten Zusammenspiel körpereigener Viren, Bakterien und Zellen in ihren Organfunktionen.

Fließgleichgewichte und störungsfreie Wechselwirkungen in lebenden Organismen werden von vielem beeinflusst.

Im Inneren von

  • Immunsystem, Mikrobiom (im Darm und auf anderen Körperoberflächen), Psycho-Neuro-Endokrinologie, Mitochondrien-Gesundheit, Genetik, Alter, vorbestehende Erkrankungen, Fähigkeit zur Stressbewältigung uva.

Im Äußeren von

  • Stressoren und der Zufuhr chemischer Substanzen, Umweltgifte, Erreger, u. v. a. …

Gesundheit ist also ein Zeichen für ungestörte Körperfunktionen. Es ist ein Begriff für die Fähigkeit, mit Belastungen flexibel umzugehen. Krankheiten sind Anzeichen dafür, dass gestörte Systeme, wichtige Herausforderungen nicht mehr bewältigen können.

Warum bleiben manche gesund?

Bilder aus Valdés-AguayoJJ et al: Mitochondria and Mitochondrial DNA: Key Elements in the Pathogenesis and Exacerbation of the Inflammatory State Caused by COVID-19, Medicina 2021, 57(9), 928 , Pdf-Download: www.mdpi.com/1648-9144/57/9/928

Der Soziologe Aaron Antonovsky (1923–1994) beschrieb Merkmale bei Menschen, die trotz starker Belastungen gesund blieben. Diesen Personen erschienen den Personen, die gesund blieben, „verstehbar“ zu sein. Sie konnten das Erfahrene mit ihrem Erfahrungshintergrund in einem Modell verbinden und einen Handlungsrahmen erkennen.

Weiter vertrauten die Gesund-Gebliebenen darauf, dass die Herausforderungen „„handhabbar“seien.

Und sie waren überzeugt, dass die Dynamik der Situation in einem größeren Zusammenhang einen (persönlich nachvollziehbaren) ‚Sinn‘ ergebe.

D. hh.,sie hatten das Gefühl, dass die gerade ablaufende Situation „sie benötige“. Offenbar wurde bei diesen Personen durch die psychische Einstellung das Immunsystem so beruhigt, dass es ungestört handeln konnte.

Effektive Immunfunktion

Das Immunsystem arbeitet nur dann effektiv, wenn es beruhigt wird. Das geschieht durch das eigene Nervensystem (u. a. die psychologische Einstellung) und durch eine vertrauensvolle Beziehung zu anderen (zum Beispiel im Rahmen einer heilsamen Arzt-Patient-Beziehung). Wird das Immunsystem durch Angst, oder noch schlimmer durch Stress, gestört, reagiert es fahrig, ineffektiv oder übersteigert.

Eine Überflutung mit Einzel-Daten, die nicht sofort in sinnvolle persönliche Zusammenhänge eingeordnet werden kann, erzeugt noch mehr Stress. Und damit wird eine wirksame Immunfunktion ausgebremst.

Deshalb ist es, bei jeder Art von Erkrankung wichtig, zuerst für Ruhe, Beruhigung, Vertrauen, Sicherheit und soziale Unterstützung zu sorgen.

Das gilt analog auch für den gesellschaftlichen Umgang mit Epidemien: Menschen, die „ruhig & besonnen“ mit einer Belastung umgehen können, haben bessere CChancen,eine Notsituation zu bewältigen, als andere, die gestresst, hektisch und panisch reagieren.

Es ist möglich, Infektionen wirksam vorzubeugen.

Eine Infektionskrankheit bezeichnet eine Störung des inneren Gleichgewichtes, die verhindert werden oder die behoben werden kann.

Vorbeugung bedeutet nicht nur die Abwehr der iinfragekommenden Infektionserreger. Denn das Immunsystem muss auch durch leichte Belastungen trainiert werden, damit es fit bleibt. Und auch nicht nur durch Medizinprodukte. U. a. weil sich das Erreger-Spektrum ständig verändert, und sie deshalb nur kurzfristig wirksam bleiben können.

Ebenso sinnvoll ist es, sich zu schützen:

  • Achtsam und entspannt leben (dafür sorgen, dass alle Zellen und körpereigenen Keime sich optimal auf Belastungen einstellen können),
  • Starke Belastungen vermindern (Stress reduzieren),
  • Angst (vor Krankheit und Tod) in Neugier (auf ein erfülltes Leben) wandeln,
  • Bewusste Wahrnehmung der Atemfunktion (frei, entspannt, achtsam, ungehindert)
  • Steigerung der Vitamin D Herstellung (Sonnenlicht) oder ggf. ergänzende Zufuhr,
  • Körperliche, entspannte Tätigkeit – sich stressfrei bewegen,
  • Regelmäßigen Rhythmus von Belastung und Entspannung suchen,
  • Ausgiebig schlafen (dem Immunsystem Zeit einzuräumen)
  • Sich abwechslungsreich ernähren (um den Bioreaktor ‚Mikrobiom‘ optimal zu befeuern).
  • Nach innen und außen für Frieden sorgen (um das Immunsystem nur wenig zu stören).
  • Sich sicher und umsichtig verhalten.
  • Nichtrauchen und auch keinen e‑Smokeeinsaugen (um das Immunsystem nicht zu verwirren und die Lungenfunktion nicht zu schädigen).

Gesundheit: Folge von Pillen und Spritzen?

Vor langer Zeit galt es als gesund, mit Körper und Geist achtsam umzugehen, für friedvolle Verhältnisse zu sorgen und sinnvoll zu leben. (Aulus Celsus: römischer Mediziner, EAN 9783534741038). „Der gelbe“ Kaiser gilt als Grundlage der chinesischen Medizin (ISBN 978-3-426-87570-4). Rudof Virchow erweckte 1852 diese uralten Kerngedanken vorübergehend zu neuem Leben: Grundlage von Gesundheit seien „Wohlstand, Bildung und Freiheit“ („Die Noth im Spessart„). 1988 erlangten diese Ideen dann Weltruhm mit der „Ottawa Charta„, dem Entwurf einer „gesunden“ Weltpolitik. Das ist lange her.

Folgt Gesundheit richtiger Behandlung?

Ja, manchmal. Leider nur kurzfristig. Denn umgehend droht ein neues Krankheitsrisiko, dem zwangsläufig die nächste Therapie folgt.

Vor einem halben Jahrhundert lernte man im Medizinstudium, Kinder seien dann gesund, wenn sie fröhlich im Freien herumtobten. Wenn sie sich also Belastungen aussetzten und dabei vor Spaß juchzten, quietschten und lachten.

Dass es das Immunsystem fördere, wenn raufende und rennende Kinderhorden sich im Wald Schrammen zuzögen, in Pfützen planschten und einander mit ihren Rotznasen ansteckten.

Im Zeitalter der Medikalisierung aller Lebensbereiche ist das vorbei:

Heute sitzt ein Kind brav zu Hause vor seinem Tablet oder seiner Spielkonsole. Weil es, den gerade wiedereröffneten, Kindergarten wegen eines Schnupfens „sofort“ verlassen musste. Jetzt nervt es, auf dem Stuhl hängend, seine Mama. Die muss wiederum gestresst am Herd ausharren, weil sie nicht arbeiten kann.

Wenn die unsichtbaren Gefahren überbewertet werden, bewegen sich die Kinder weniger. Und sie verlernen die Kunst, miteinander zu kommunizieren. Folglich kränkeln sie: körperlich und seelisch.

Sie werden dann später (mit untrainiertem Immunsystem) schwerer an Infektionen leiden, und noch leichter in Depression verfallen.

Bildquelle: Zitatforschung

Folglich werden sie als Erwachsene einen hohen Bedarf nach Gesundheitsprodukten entwickeln, und diese auch brav schlucken.

Unser Gesundheitsbewusstsein hat sich seit 2020 gewandelt: von der Gesundheitsförderung zu kommerzieller Krankheitsbekämpfung, in allen Bereichen des Lebens:

Die Erkenntnis, dass Gesundheit nicht nur von einer medizinischen Grundversorgung abhängt (Ottawa-Charta der WHO 1986), sondern von der Schaffung und dem Erhalt gesunder Verhältnisse und gesunden Verhaltens. Das ist längst vergessen.

Gut-Feeling und Bone-Feeling (Guardian Juli 2020): Fühlen was der Darm und die Knochen wollen, und ihnen dann das richtige Medikament besorgen. Allerdings gibt es gar keinen Darm, und auch keine Knochen, ohne Gehirn, Haut, Leber, Herz, Blut … Und auch keinen ganzen Menschen, ohne das, was ihn durchdringt und ihn umgibt. Es würde also Sinn machen, den Tunnelblick auf das (im Labor) tote Einzelne (Enzym, Zelle, Bakterium, Virus, ..) auf die lebenden Zusammenhänge, Beziehungen und Wechselwirkungen zu weiten. Wenn das geschähe, würde der Bedarf sinken, all die schönen Mittel zur Lösung von Einzelproblemen zu kaufen. Aber: schadete das nicht dem Share-Holder-Value und kostete das nicht Arbeitsplätze?

Heute ist das Geschäft der Medizin zu einem der größten Gesundheitsrisiken geworden.

Gesund ist deshalb heute die oder der

  • die den Gesundheitsmarkt möglichst selten aufsucht,
  • wenige KKrankheitsproduktekonsumiert,
  • unversehrt, grundversorgt und sicher lebt,
  • persönliche Fähigkeiten ungehindert entfaltet,
  • sinnvoll tätig ist,
  • mit sich und dem Umfeld zufrieden sein kann.

Kontrolle und Kommerz

In der Covid-19-Krise (2020.2022) wurde „Gesundheit“ zum wichtigsten moralischen Wert überhöht. Alle anderen gesellschaftlichen Bereiche (Wirtschaft, Kultur, Recht u. v. a.) mussten sich unterordnen.

Heute gilt man als „gesund“, wenn ausgewählte Krankheiten erfolgreich durch Produkte oder Dienstleistungen bekämpft werden konnten.

Früher schien jemand gesund zu sein, wenn sie, oder er, trotz Belastungen, weder Gesundheitsprodukte kaufen noch einen Arzt rufen musste. Jetzt werden dagegen, um Virus-Epidemien vorzubeugen, technische Lösungen angestrebt. Veränderungen der Verhältnisse und sicher-gesund-flexibles Verhalten spielen kaum noch eine Rolle.

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Letzte Aktualisierung: 21.07.2026