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21. Januar 2026

Chinesische Medizin (TCM)

Inhalt

  • „Traditionelle Chinesische Medizin“ (TCM)
  • westliche und östliche Sicht
  • Persönliche Erfahrungen

Link:

„Traditionelle Chinesische Medizin“

Der Begriff „TCM“ ist eine Erfindung von Mao Zedong

1949 sollte aus der Not des Landes, das über kein Penicillin verfügte, eine Tugend gemacht werden. Daher führte man unterschiedliche, überlieferte Heiltraditionen zusammen: die Kräutermedizin traditioneller Apotheken, schamanistische Rituale, esoterisch-religiöse Konzepte, Bewegungslehren und ärztlich-philosophische Vorstellungen. Unter dem noch sehr jungen Begriff „Traditionelle chinesische Medizin“ verbergen sich also viele unterschiedliche Strömungen des Heilens und des Denkens:

Neijing
Die ältesten Medizinabhandlungen, wie Huang Di Nei Jing Su Wen und Aulus Cornelius Celsus, stimmen überein: Wichtig ist es sich zurückzuhalten, sich entspannt zu bewegen, sich sauber zu halten, die Welt ruhend und gelassen zu betrachten, sich azsgewogen ernähren, nur in Maßen Genussmitteln zu konsumieren, sich jahreszeitlich angepasst zu verhalten, sich zu mäßigen. Fazit: Natürlich und fröhlich leben.

  • Verwendung lindernd oder stimulierend wirkender Pflanzenextrakte,
  • Schamanistische Versöhnungsrituale mit den Geistern und Ahnen,
  • philosophischen Konzepten, die Menschen dabei unterstützen sollen, gesund zu bleiben

Chinas Kräutermedizin (z. B. Sumpffieber-Behandlung mit Beifuß-Artemisin) wurde seit über 2000 Jahren von Apotheken verkauft. Die Pflanzenkundigen stellten sich vor, Krankheiten würden von Mini-Wesen oder Geistern verursacht, und müssten durch geeignete Gegenmittel und kriegsähnliche Strategien besiegt werden.

Die frühen chinesischen Ärzte hatten ursprünglich, ähnlich wie ihre Kollegen in Griechenland und Indien, keine Therapie-Interessen. Sie waren eher daran interessiert, wie ein Körper, ähnlich wie ein Staat, so regiert werden könnte, dass er langfristig ohne Kriege und Revolution in Frieden alt wurde.

Antike chinesische Ärzte gaben gute Ratschläge, leiteten Bewegungsübungen an, propagierten Hygiene und Mäßigung, verminderten Stress und tasteten den Puls. Der 2200 Jahre alte Klassiker früher ärztlicher Philosophie in China, „Huang Di Nei Jing“, gleicht in vielem dem, was sich 200 Jahre zuvor als klassische griechische Medizin entwickelte und bis ans Ende des römischen Reiches praktiziert wurde, (vgl. Celsus Cornelius: De Medicina).

Der Ursprung der chinesischen Medizin

Neijingtu
Neijing Tu: Die Karte des inneren Glanzes (in Stein gemeißelt von Liu Cheng-yin 1886): Ein Schaubild der Beziehungen im lebenden Menschen (Foto: Jäger)

Die ursprüngliche chinesische Medizin-Philosophie war von den Apotheken strikt getrennt. Dort wurden und werden nicht sichtbare Kleinstlebewesen („Mikroben“) militärisch bekämpft, Dämonen ausgetrieben, Potenz mit Hornspänen seltener Tiere gestärkt, oder Heilkräuter symptombezogen angewendet. Teilweise mit guten Erfolgen: die chinesischen Heilkräuterkonzepte wurden seit 2500 Jahren systematisch erfasst und taugten nicht nur bei Malaria (sofern die Anzucht und der Transport nicht zur Verseuchung der Pflanzen durch Pestizide und Schwermetalle führen).

Durch einen kaiserlichen Erlass von 1078 n. u. Z. erhielten die Apotheken ein Monopol zur Krankheitsbehandlung. Alle Rezepturen wurden verschriftlicht und Symptomen zugeordnet. Die Nutzer traten direkt an die Kräuterverkäufer heran, schauten in einer Liste nach, wo es wehtat, und sagten dem Apotheker dann, was dieser ihnen verkaufen sollte: antike Vorläufer der Online-Apotheken.

Die chinesischen Ärzte waren plötzlich überflüssig geworden und erwerbslos. Aber es tat sich für sie eine neue Marktlücke auf: Viele Ärzte ließen sich von Apotheken gegen Bezahlung anstellen, um den Patienten mit ihren Modellen zu erklären, warum eine offenbar beliebte und häufig verkaufte Droge oder Präparate-Mischung auch wirkte. Dazu konstruierten sie reichlich komplexe Denkgebäude, die kein Laie zu verstehen, in der Lage war. Daher fehlte dem Patienten ohne Expertenanalyse der Glaube an die Heilwirkung der Droge.

5-Elemente-Lehre. Die Realität ist unendlich komplex und undurchschaubar. Das einfache Modell ist nur ein Symbol, das Vorstellungen anregt. Es kann (wie ein Kompass) nützlich sein, um Erlebtes, immer wieder Erfahrenes, im persönlichen Kontext besser zu verstehen. Um Gegebenes anzunehmen und neue Möglichkeiten zu entdecken. Das Lebenspotential kann körperlich-achtsam gepflegt und kultiviert werden. In der chinesischen Kultur wird diese Art, sich und anderes wahrzunehmen, Qigong genannt (Übung mit der Lebensenergie). Grafik Jäger 2024

Die neue Medizin-Philosophie fußte auf der Staatsphilosophie des rituellen, formalistischen Konfuzianismus und dem Glaubenssystem des religiösen Daoismus, in das auch die Ideen nestorianisch-christlicher Missionare eingeflossen waren. Die alchemistischen Theorien hatten das aus Griechenland importierte Fünf-Elemente-Wandlungs-System aufgenommen, das mit den buddhistischen Sekten von Indien nach China transportiert worden war. Grundlage der Behandlung war die Annahme, dass die Wirklichkeit durch das Erklärungssystem in vereinfachter Form abgebildet werde, sodass eine Diagnostik möglich sei, die wiederum zu Kräuteranwendungen oder Akupunktur oder Bewegungsempfehlungen führte.

Die Akupunktur wurde aus Experimenten mit Kriegsgefangenen und Sklaven entwickelt. Man trieb spitze Gegenstände aus Holz oder Metall in ihre Körper und beobachtete, was dann geschah: manchmal Gutes (wenn man einen anatomisch definierten Schmerzpunkt getroffen hatte, der ein indirekt wirkendes Hirnsignal auslöste), oder auch Schlechtes: Infektionen, Vereiterungen, Blutungen und Verletzungen. Die frühe Akupunktur war weder sanft noch harmlos. Sie erlebte deshalb im 19. Jh. wegen ihrer zahlreichen Nebenwirkungen einen Niedergang. Viel später entwickelte sich dann die Renaissance der Akupunktur im Westen, insbesondere weil während der Kulturrevolution traditionelles Wissen verfolgt wurde.

Im 17. Jh. waren chinesische Apotheken bei Erkrankten offenbar sehr beliebt. Die Ärzte aber stritten sich über viele chaotisch widersprechende Lehrmeinungen. Jeder definierte als richtig, was er so meinte, und wofür er bezahlt wurde. Der Arzt Xu Dachun nannte Gründe für eine nachlassende Bedeutung der Akupunktur: Sie sei schwieriger zu erlernen, als die Arzneikunde. Die Menschen wollten nicht mehr gestochen werden. Denn offenbar ging es ihnen danach nicht gut. Eine eingenommene Arznei erschien vielen Patienten nebenwirkungsärmer. Allmählich verkamen die präventiven Philosophien der Frühzeit oder wurden in die Volksmedizin aufgenommen: als „Do-it-yourself“ oder Gymnastik oder Meditationsformen.

Akupunktur
Akupunktur-Puppe (Bild Jäger 2018) GERAC-Akupunktur – Studien 2002-2007

Im 18. und 19. Jh. wurde das, was von der Akupunkturlehre übrig geblieben war, durch die Friseure übernommen. Diese boten ihren Kunden als Ergänzung zum Zöpfeflechten und Haareschneiden jetzt auch die Tuina-Massage an. Akupunktur wurde dann Ende des 19. Jh. an der kaiserlichen Akademie in Peking verboten, weil sie zu viele Nebenwirkungen hat: kein Wunder bei der Mehrfachverwendung von Holzstäbchen. Damit war das Ende der philosophisch-chinesischen Medizin besiegelt, während in den Apotheken mit einem Gemisch aus Kräutern, Räuchern, Schlucken verhökert wurde.

Mao Zedong sorgte nicht nur dafür, dass alle verbleibenden Reste überlieferter und sich widersprechender Methoden zusammengerührt wurden. Ungewollt förderte er auch die Wandlung und Weiterentwicklung des komplexen Gedankengutes. Herausragende, kluge und kompetente Personen der (chinesisch-psychologischen) Medizin- und Bewegungskunst flohen wie der Arzt und Taiji-Lehrer Zheng Manqing über Taiwan in die USA oder nach Südostasien, weil sie sonst während der Kulturrevolution verfolgt oder als Konterrevolutionäre umgebracht worden wären. Und von Taiwan, San Francisco und New York mussten sie, um zu überleben, dann ihre bis dahin geheim gehaltenen Fähigkeiten und Künste an „Langnasen“ weitergeben, die sie nach Europa weitertrugen.

China
China (Unbekannter Künstler, 20. Jhh., Privatbesitz, Foto: Jäger)

Die Entwicklung der Akupunktur zu einem überprüfbaren System der indirekten Beeinflussung körperlicher Funktionen erfolgte erst im Westen. Bewegungsformen wie Qigong und Taiji sind inzwischen ein weltweites Kulturgut und werden auch in Europa, Russland, Asien, Brasilien oder Amerika dynamisch weiterentwickelt. In China wird dieser Trend zunehmend erkannt und als ein Verlust empfunden. Um die Marke „made in China“ zu erhalten, erlebt „TCM“ nun auch in China selbst eine dynamische Renaissance. Wissenschaftliche chinesische Journale untersuchen Wirkstoffe der „TCM“, und die Sportuniversitäten in Peking und Shanghai u. a. bemühen sich um eine Standardisierung des Qigong.

In China (wie im Westen) ist die wesentliche Existenzberechtigung der Ärzt:innen, mit ihrem komplexen, für Laien wenig durchschaubaren Glaubensmodell die Welt zu erklären, und damit den Patient:innen eines zu vermitteln: Vertrauen, Sicherheit, Hoffnung.

Eine verwirrend chaotische Situation (Krankheit) wird in einem Denkmodell auf den Punkt gebracht und erhält einen Namen (Diagnose). Damit erscheint das Problem klar und einfach zu sein. Und bald werde es wieder gut werden!

Westliche und östliche Sicht

Im Westen studierte man den Körper, indem man ihn zerlegte.

vesalius
Andreas Vesalius (1514-1564). Der Mensch besteht aus Einzelteilen. Ist deren Summe ein Mensch? Bild: Wiki Commons

Die Benennung der betrachteten Einzelteile verschafft Klarheit, denn das eine (z. B. ein Muskel) kann so von anderem (Faszien, Blutgefäßen, Nerven, Knochen) abgelöst werden. Allerdings geht dabei zwangsläufig der Funktionszusammenhang verloren. Aber SpezialistInnen (des Gehirns, der Knochen, der Leber oder der Immunzellen) können natürlich bei lebenden Personen, das reparieren, was sie (oder ihre Lehrer) zuvor am toten Gewebe ausprobiert hatten.

Damit Probleme gelöst oder beseitigt werden, müssen die Expert*innen mit einer Diagnose das Normale von dem Krankhaften trennen. Ein Kunstgriff, der mit einem Widerspruch verbunden ist, der kaum beachtet wird: Ein untersuchter Mensch lebt, Präparate von Krebszellen, Laborwerte, Röntgenbilder, dagegen sind starr und tot. Die Diagnose gründet sich auf toten Erkenntnissen, von denen man annimmt, dass sie nützlich sind bei Interventionen in komplexe, lebende, dynamisch-unvorhersehbare Zusammenhänge.

Aus der sicheren Diagnose folgt die richtige Behandlung, die auf Wahrheit, Evidenz, Messbarkeit beruht. Dabei stehen die spezifischen, punktgenauen, problemfokussierten Wirkungen im Vordergrund. Die westliche Medizin des 20. Jahrhunderts ist daher eher den Gedankengängen Newtons verwandt, der mit seiner Physik Ursache-Wirkungsbezüge analysierte.

In der Realität aber gibt es keine Muskeln, Nerven, Gefäße, Faszien oder Knochen, sondern ungetrennt lebende Elemente, die miteinander zu Funktionseinheiten verwoben sind: Jede Zelle ist z. B. von feinen Fibrillen durchwebt, die über Kontaktstellen zu Nachbarzellen führen. Und alle Zellen sind mit allen anderen in einem gigantischen Informations- und Bewegungssystem verbunden. Bewegungsapparat, Gehirn, Darmbakterien und Stoffwechsel sind durch zahllose Rückkopplungen miteinander verschaltet und schwingen sich aufeinander ein. Körperzellen und das Gewimmel der sie umgebenden Bakterien kommunizieren miteinander nicht wie Sender und Empfänger, sondern in Überlagerungen quantenphysikalischer Wellen.

Im Osten interessierte man sich mehr für Wechselwirkungen.

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Neijing Tu: Die Karte des inneren Glanzes (in Stein gemeißelt von Liu Cheng-yin 1886). Ein anschauliches Modell der Wirkzusammenhänge und Rückkopplungen physiologischer und psychologischer Körperstrukturen.

In China betrachtete man Lebendes als ein Wirksystem von Psyche, Körper und umgebender Umwelt. Beziehungen, Austausch, Selbstorganisation und Veränderungsdynamik interessierten dort mehr als Einzelfaktoren.

Erklärungsmodelle dienten als Symbole einer in ihrer Komplexität nicht erfassbaren Realität. In der Quantenphysik wird diese Auffassung „modellabhängiger Realismus“ genannt (Hawkins, Mlodinow 2011) Danach können alle Modelle, die eine zutreffende Vorhersage liefern, gleichermaßen als real angesehen werden. Deshalb könne es prinzipiell keine „richtige, wahre“ Interpretation geben.

Vor 2500 Jahren waren für den Philosophen Konfuzius punktgenaue Einzelerkenntnisse weniger bedeutsam, als das Verstehen von Gesamtzusammenhängen. Es lohne sich zum Beispiel nicht zu fragen, warum Fleisch nahrhaft sei. Das sei eben so. Vielmehr interessierten ihn die „nicht-spezifischen“ Wirkkräfte und Wechselwirkungen, die ein ganzes System in höheren Systemen, betrafen. Er wollte durch Rituale beruhigend auf die Psyche der Menschen wirken, damit sie sich an natürliche Gegebenheiten und Situationen besser anpassen konnten. Dafür sei es notwendig, dass sowohl der Betroffene als auch ein segnender „Opferpriester“ (wie er) an die Wirksamkeit eines praktizierten Rituals glaubten. Es sei dazu nicht nötig, auch daran festzuhalten, dass es „Geister“ (personifizierte unspezifische Wirkkräfte) tatsächlich und wahrhaftig gibt. Wichtig sei nur, dass man so handeln solle, „als ob“ (!) es sie gäbe (Littlejohn 2007).

Das Lebende musste also an nicht zerstückelten Objekten studiert werden. Und alles Wahrnehmbare konnte nur ein Teil weit größerer Wirkzusammenhänge sein.

Für die östliche Betrachtung der Welt war daher ein Einzelfaktor, eine Zelle, ein Organ so bedeutungslos wie eine gewöhnliche Person in einem großen Staatswesen. Wichtig war nur, wie etwas reibungslos in einem größeren Ganzen gesund miteinanderarbeiten konnte. Man stellte sich den Menschen ähnlich wie ein bäuerliches Reich vor, das blüht und gedeiht, weil es vor Kriegen, Armut, Hunger und sozialen Wirren bewahrt wird. Eine Skizze dieser Philosophie, die vermied, etwas von etwas anderem zu trennen, ist das Neijing Tu:

Der Versuch einer symbolischen Repräsentation des menschlichen Körpers und geistiger Kräfte, die im Inneren und Äußeren wirken. Möglicherweise stammt es aus dem 15. Jahrhundert, oder es ist ggf. noch älter. Das uns heute erhaltene Bild wurde 1886 im Tempel der Weißen Wolke in Peking in Stein gemeißelt.

Bambus wächst
Chang Ta-cien: Der Lärm von sieben Weisen und sehs Gelehrten ist nicht nötig, den Bambus sprießen zu lassen. Ed. Holz Leipzig 1975. Foto: Jäger

Das Neijing Tu versuchte, holzschnittartig ein lebendes System zu beschreiben, das sich ständig umbaut, anpasst und selbst erneuert. Dabei geht es weniger um eine „westliche“ Wahrheitssuche, wie es „tatsächlich“ ist. Vielmehr wird Nützlichkeit angestrebt, um durch Symbole Hinweise zu geben, wie die Fluss- und Veränderungsdynamik im Menschen durch Übungen und punktuelle Anregungen günstig beeinflusst werden könne. Bei der Betrachtungsweise des Neijing Tu gleichen Störungen nicht unveränderlichen Problemen, sondern Blockaden, die Funktionsabläufe behindern, die in einem Gesamtorganismus eingebettet sind.

Diese Vorstellungen teilten auch antike griechische Gesundheitsphilosophen, die ebenfalls eher an dem Erhalt gesunden Lebens interessiert waren, als an der Reparatur von Problemen.

West und Ost sind sich also weniger fremd, als es den Anschein hat.

Eigenes Erleben

Ich habe mich auf chinesische Bewegungskunst eingelassen und erlebt, wie ich mich durch die körperliche Praxis veränderte. Allmählich wurden mir kulturfremde Handlungsweisen vertraut. Nach zwei Jahrzehnten Training bei unterschiedlichen Meistern durfte ich Taiji-Lehrer:innen ausbilden. Um in den jeweiligen Ausbildungen etwas wirklich Neues (körperlich) spüren zu können, war es immer wieder erneut notwendig, sich rückhaltlos und komplett einzulassen. Im Zen-Buddhismus steht dafür das Bild: Die Tasse zuerst leeren (von Theoretikern und Meinungen), bevor neuer Tee (reine Erfahrung) eingefüllt werden kann. Kritisches Hinterfragen und skeptisches Denken waren während des Erlebens und Einübens unbewusst ablaufender Bewegungsmuster nicht sinnvoll. Erst nach einer körperlich eingeprägten Erfahrung ergab es einen Sinn, das zu reflektieren, was geschah. So wie bei jeder Kunstform:

„If you have to ask what jazz is, you’ll never know. –
Wenn du fragen musst, was Jazz ist, wirst du es nie wissen.“ Louis Armstrong

Kunst beruht auf Verbindung mit dem, was geschieht. Die Übersetzung des Erlebten in Worte, Begriffe und Sätze bleibt zwangsläufig ungenau und missverständlich.

Die Voraussetzung, um etwas erleben zu können, ist Offenheit und Neugier. Erst dann ist es möglich, mit inneren Sinnen zu spüren, und es zu bewerten (zu fühlen) und schließlich mit dem, was bisher erfahren wurde, abzugleichen und neue Erfahrungen zu machen. So kann eine Essenz, etwas Wesentliches, ein Prinzip körperlich und psychisch zugleich subjektiv verstanden werden.

Mehr

Literatur

  • Hawkins S, Mlodinow L: Der große Entwurf, rororo 2011
  • Littlejohn R: Kongzi on Religious Experience, South East Review of Asisan Studies 2007, 29:225-32
  • Tripp E: Wie funktioniert die Akupunktur? Shiatsu Newsletter 153, 01.02.2009
  • Tripp E: Die Entwicklung der Chinesischen Medizin auf dem Hintergrund von Geschichte und Kultur, Shiatsu-austria, Magazin, 105
  • Unschuld P: Was ist Medizin? Westliche und östliche Wege der Heilkunst. Beck. 2003
  • Unschuld P: Forgotten Traditions of Ancient Chinese Medicine: A Chinese View from the Eighteenth Century, Paradigm Publications, 1998
Letzte Aktualisierung: 21.01.2026