Sprachenkoordination

Lasst uns die Begriffe fröhlich zerschlagen
und die Welt ständig neu erfinden.
Nietzsche, 1844-1900

Menschen unterscheiden sich nur im Mischungsverhältnis ihrer Kommunikationsformen.

Blühendes Ökosystem
Blühendes Ökosystem

Die Arten, in denen sich Hirn und Körper ausdrücken können, passen sich mehr oder weniger an das Gesamtbild kulturell gewünschter Verhaltensmuster an.

Je nach Erfordernis der Situation kann

  • die linke Gehirnhälfte die rechte dämpfen, wenn sie gerade die Führung inne hat oder umgekehrt,
  • das Frontalhirn den Rest des Hirns beruhigen,
  • die Hirnrinde das „emotionale“ Mittelhirn besänftigen, und
  • das die „Gefühle“ das Stammhirn beherrschen,
  • die Hirnbasis dem Rest der Körperzellen ihren Rhythmus aufzuzwingen.

Widersprüche zwischen diesen vielen Stimmen und Programmen sind eher die Regel als die Ausnahme. Besonders unter Stress brechen sie leicht hervor. Zum Beispiel bei gesellschaftlich unerwünschtem Verhalten, das zu Repression führt.

Manchmal widerstreiten die inneren Sprachen

Fröhliches Lachen wäre beleidigend angesichts des Ernstes erotischer Schönheit. Und auch die kritische Frage, wer Gott sei, wäre unpassend, wenn sie sich an jemanden richtete, der in tiefer Frömmigkeit eine Altarkerze anzündet.

Konflikte archaischer und übergeordneter Bedarfe und Kommunikationsformen, z.B. zwischen Kasernen-Gehorsam und Erotik, können in Tragödien enden: Carmen oder Romeo und Julia.

Aber mehrere Sprachen können auch miteinander harmonieren: Als Arthur Schopenhauer beim Spaziergang durch die Felder seinem Hund Atman (Sanskrit: Lebenshauch) die Philosophie von Spinoza erklärte, hörte ihm der schlaue Pudel vermutlich aufmerksam zu, obwohl er sicher kein Wort verstand. Aber sein Meister sprach offenbar, neben der begrifflichen, gleichzeitig weitere Sprachen, die sich dem Tier über Körperbewegung, Emotion, Ausstrahlung und Aufmerksamkeitslenkung vermittelten.

Manchmal stoßen innere Auseinandersetzungen zwischen den Sprachen Entwicklungen an, oder sie leiten Reifungsprozesse ein. Danach gelingt es manchmal harmonischer „in sich zu wohnen“, oder anderen offener zu begegnen und mit ihnen ein Stück Weg gemeinsam  zu „wandern“.

Eine zunehmende Harmonie innerer Sprachen führt zu einem leicht bewegten Geisteszustand, den die Dänen hyggelig nennen: Gemütlichkeit im Inneren, Seelenruhe, Wohlwollen mit sich selbst, Annehmen der Situation, in der man sich gerade befindet, Frieden, Innigkeit und Geborgenheit.

Letzte Aktualisierung: 15.06.2019